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2020 | OriginalPaper | Buchkapitel

2. Das ökonomische Effizienzparadigma

verfasst von: Marc Scheufen

Erschienen in: Angewandte Mikroökonomie und Wirtschaftspolitik

Verlag: Springer Berlin Heidelberg

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Zusammenfassung

Bevor wir uns ausführlich mit den ökonomischen Methoden zur Bewertung von Rechtsnormen sowie wirtschaftspolitischen Maßnahmen beschäftigen können, müssen wir uns den Referenzmaßstab anschauen, mit dem wir beurteilen, ob eine Veränderung (Reform) einen besseren oder schlechteren sozialen Zustand hervorruft. Vor diesem Hintergrund ergeben sich eine Reihe von Fragestellungen, die wir im Laufe dieses Kapitels beantworten werden: Womit beschäftigt sich die Ökonomie? Und was ist demzufolge unter der ökonomischen Analyse (des Rechts) zu verstehen? Was wollen wir durch eine ökonomische Beratung zu rechtspolitischen Fragestellungen erreichen? Wie bewerten wir verschiedene soziale Zustände aus ökonomischer Sicht? Wie sollten wir in unserer Analyse vorgehen, um zu sinnvollen Schlussfolgerungen hinsichtlich der Neugestaltung oder Reformierung der Rechtsnorm oder Wirtschaftspolitik zu gelangen?
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Fußnoten
1
Da wir uns in erster Linie mit den ökonomischen Methoden und deren Anwendung auf rechts- und wirtschaftspolitische Fragestellungen beschäftigen, werden wir die theoretischen (und normativen) Grundlagen relativ kurz behandeln. Eine umfassende Auseinandersetzung ist in den klassischen Lehrbüchern zur ökonomischen Analyse des Rechts (z. B. Schäfer/Ott (2012), Shavell (2004)) sowie zur Volkswirtschaftslehre (Pindyck/Rubinfeld (2005)) zu finden. Zu den ökonomischen Methoden im Recht (bzw. ökonomischen Analyse des Rechts) siehe insbesondere Weise et al. (2005) sowie Towfigh/Petersen (2010).
 
2
In diesem Zusammenhang werden auch zwei verschiedene Arten der Herangehensweise aus ökonomischer Sicht deutlich. Üblicherweise definieren wir die Wirtschaftsmacht bzw. -stärke eines Landes über das Bruttoinlandsprodukt. Im Folgenden werden wir in diesem Zusammenhang von sozialer Wohlfahrt sprechen. Es gibt aber auch andere Herangehensweisen. So beschäftigt sich die sog. Glücksforschung mit der Frage, ob wir glücklich sind. Nicht überraschend stellt die Glücksforschung dabei fest, dass Wirtschaftsmacht (i. S. v. BIP pro Kopf) und Glücklichsein nicht perfekt korreliert sind. So leben die glücklichsten Menschen in Dänemark, gefolgt von der Schweiz. Das größte Pro-Kopf-Einkommen wird in diesen Ländern jedoch nicht erreicht. Ferner verfügen etwa Indonesien trotz niedriger Pro-Kopf-Einkommen über einen hohen Glücksindex. So bleibt festzuhalten, dass eine gewisse Wirtschaftsstärke (und damit Geld) wichtig ist zum Glücklichsein. Darüber hinaus sind aber auch andere Faktoren, wie Freizeit oder gesellschaftliche Partizipation, entscheidend. Grundlegend zur Glücksforschung siehe z. B. Ruckriegel (2012) sowie die darin zitierte Literatur.
 
3
Offensichtlich beschäftigen wir uns in diesem Lehrbuch mit der theoretischen Analyse. Entsprechend gestaltet sich der Aufbau des Buches in mikroökonomische (i. d. R. individuelle) und wohlfahrtsökonomische Erwägungen.
 
5
Für weitere Beispiele zum Nudging-Konzept siehe Thaler und Sunstein (2008).
 
6
Hierzu zählen: (1) Gegebener Ressourcenaustausch, (2) Konstante Produktionstechnik, (3) Konstante Präferenzen, (4) Wahl- bzw. Vertragsfreiheit, (5) Homogenität der Güter, (6) Atomistische Marktstruktur, (7) Vollständige Markttransparenz, (8) Unbegrenzte Mobilität der Güter und Produktionsfaktoren, (9) Unbegrenzte Teilbarkeit der Güter und Produktionsfaktoren, (10) Unendliche Ressourcengeschwindigkeit und (11) Abwesenheit technologischer externer Effekte. Wir kommen hierauf in Kap. 6 zurück.
 
7
Auch Gerechtigkeit ist mit Ungleichheit vereinbar, d. h. dass Gerechtigkeit nicht notwendigerweise eine Gleichverteilung zwischen den Gesellschaftsmitgliedern voraussetzt. Siehe hierzu u. a. die Einleitung zu Amartya Sens Buch „Die Idee der Gerechtigkeit” Sen (2010) sowie den Ansatz von John Rawls (1971).
 
8
Wir werden uns mit Rawls nochmal in Kap. 5 beschäftigen. Rawls zeigt, dass hinter dem „Schleier der Ungewissheit”, wo niemand von uns seine gesellschaftliche Stellung nach der Geburt kennt, jeder befürchten muss, dass er am schlechtesten gestellt sein könnte. Vor diesem Hintergrund, so Rawls, würden die Individuen sich letztlich auf die sog. Maximin-Regel einigen, d. h. Maximierung des minimalen Nutzens. Auf diese Weise lassen wir soziale Ungleichverteilung nur zu, wenn auch der Ärmste in der Gesellschaft vom Reichwerden des Reichen profitiert.
 
9
Siehe grundlegend hierzu Pareto (1902).
 
10
Siehe grundlegend hierzu Hicks (1939) sowie Kaldor (1939).
 
11
In Kap. 3 werden wir uns nochmal mit dem Grund dieser Überlegung beschäftigen. Schließlich bedeutet das Nullsetzen der ersten Ableitung, dass an dieser Stelle die Funktion eine Steigung von null aufweist.
 
12
In Kap. 3 führen wir hierzu den Begriff der Nutzenmöglichkeitenkurve ein, die auch später im Rahmen unserer wohlfahrtsökonomischen Betrachtung in Kap. 5 unsere Kapazitätsgrenze determiniert. In unserem Beispiel 2.1 gehen wir von einer fiktiven Kapazitätsgrenze aus. Die Schlussfolgerungen lassen sich aber letztlich analog auf das Konzept der Nutzenmöglichkeitenkurve übertragen.
 
13
Siehe Schäfer/Ott (2005) auf Seite 32 für eine Beispielrechnung zum Svitkovsky-Test.
 
14
Die Ökonomische Analyse des Rechts beschäftigt sich indes keineswegs nur mit Markttransaktionen, sondern auch mit Nicht-Markttransaktionen. Wir werden hierauf in Kap. 6 zurückkommen, wenn wir das normative Coase-Theorem mit dem normativen Hobbes-Theorem vergleichen.
 
15
Sowohl in Kap. 3, als auch im Anwendungsbeispiel zu Kap. 4, werden wir diesen Punkt nochmal aufgreifen und fragen, warum wir vor diesem Hintergrund überhaupt ein Vertragsrecht bzw. Verträge brauchen. Schließlich wird niemand einem Tausch freiwillig zustimmen, wenn dieser ihn schlechter stellen würde. Gerade die Spieltheorie kann indes zeigen, dass Opportunismus einen Vertragsbruch motivieren kann. Vertragsrecht dient in diesem Zusammenhang als Signal mit einer Bindungswirkung, um Kooperation und damit die Markttransaktion zu ermöglichen.
 
16
Allokationseffizienz bedeutet immer Pareto-Effizienz.
 
17
Zum Schluss werden wir sehen, dass das nicht immer möglich ist. Als entscheidende Determinante werden wir im Rahmen des Coase-Theorems die Transaktionskosten ausmachen. Sind die Transaktionskosten prohibitiv hoch und lassen sich diese nicht deutlich reduzieren, müsste Aufgabe des Rechts sein, das hypothetische Marktgleichgewicht zu rekonstruieren. Hier kommen wir schließlich an die Grenzen unserer Beratungsfunktion.
 
Literatur
Zurück zum Zitat Hicks J R (1939) The foundations of welfare economics. In: Economic Journal. Bd 49(196): 696–712 CrossRef Hicks J R (1939) The foundations of welfare economics. In: Economic Journal. Bd 49(196): 696–712 CrossRef
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Zurück zum Zitat Pareto V (1902-3/1965) Les systèmes socialistes, Oeuvres complètes. Bd V (G. Busino ed.), Genf Pareto V (1902-3/1965) Les systèmes socialistes, Oeuvres complètes. Bd V (G. Busino ed.), Genf
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Zurück zum Zitat Thaler R., Sunstein C. R. (2008) Nudge: Improving Decisions About Health, Wealth, and Happiness, New Haven & London: Yale University Press. Thaler R., Sunstein C. R. (2008) Nudge: Improving Decisions About Health, Wealth, and Happiness, New Haven & London: Yale University Press.
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Zurück zum Zitat Pindyck R, Rubinfeld D (2015) Mikroökonomie, 8. Aufl., Pearson, Hallbergmoos Pindyck R, Rubinfeld D (2015) Mikroökonomie, 8. Aufl., Pearson, Hallbergmoos
Zurück zum Zitat Weise P, Brandes W, Eger T, Kraft M (2005) Neue Mikroökonomie, 5., verb. und erw. Aufl. Physica-Lehrbuch. Physica-Verl., Heidelberg Weise P, Brandes W, Eger T, Kraft M (2005) Neue Mikroökonomie, 5., verb. und erw. Aufl. Physica-Lehrbuch. Physica-Verl., Heidelberg
Metadaten
Titel
Das ökonomische Effizienzparadigma
verfasst von
Marc Scheufen
Copyright-Jahr
2020
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-59370-7_2

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