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21.02.2018 | Data Mining | Im Fokus | Onlineartikel

Kunden bekommen die Zügel in die Hand

Autoren:
Johanna Leitherer, Eva-Susanne Krah

Bitten statt bedienen: Mit der EU-Datenschutz-Grundverordnung müssen Unternehmen darauf bauen, dass Verbraucher ihre Daten freiwillig preisgeben. Die Beziehung zum Kunden wandelt sich damit tiefgreifend.

Die zweijährige Übergangsfrist für das Inkrafttreten der EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO), auch General Data Protection Regulation (GDPR), endet am 25. Mai 2018. Kunden ist es dann EU-weit möglich, die von privaten Unternehmen sowie öffentlichen Stellen gesammelten, personenbezogenen Daten jederzeit einzusehen und deren Löschung zu veranlassen. Generell ist das Datensammeln und -auswerten künftig an das explizite Einverständnis des Verbrauchers gebunden. Die Restriktionen zum Daten-Tracking umfassen außerdem auch die allgemeine Web-Browsing-Aktivität des Internet-Surfers, seine Kaufhistorie und standortspezifische Informationen – also sämtliche Aktivitäten des Online-Marketings. Der Verbraucher erstarkt zu neuer Macht und beeinflusst damit den Erfolg datengetriebener Unternehmen ganz entscheidend. 

Unternehmen sind noch nicht "DSGV-ready"

92 Prozent der Unternehmen sind jedoch für die neue Datenschutz-Verordnung laut einer Studie von European Business Awards (EBA) für RMS, einem Netzwerk unabhängiger Wirtschaftsprüfungs-, Steuer- und Beratungsfirmen, noch nicht gut gerüstet: 

  • 51 Prozent finden die Verordnung für kleine und mittlere Unternehmen zu kompliziert. 
  • 26 Prozent glauben, dass sie ihre Datenschutz-Organisation voraussichtlich nicht rechtzeitig umstellen können.
  • 41 Prozent befürchten erhöhte Kosten, etwa aufgrund von benötigtem externen Know-how oder Beratungsdiensten, die sie in Anspruch nehmen müssen.

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Die europäische Datenschutz-Grundverordnung bringt den Datenschutz und die Datensicherheit wieder zueinander. Ob mit Konzepten wie Privacy-by-Design oder durch klare Vorgaben für den Einsatz technisch-organisatorischer Maßnahmen: Angemessene sicherheitstechnische Konzepte und Kontrollen werden gefordert, um ein angemessenes Niveau des Schutzes personenbezogener Daten zu gewährleisten.


Unter anderen geraten auch Medienunternehmen durch die Datenschutzverordnung unter Druck. Denn sie müssen ab Mai 2018 in der Lage sein, alle über Kunden gespeicherten Daten bei einem Wechsel zu einem anderen Anbieter überspielen zu können. Dazu zählen auch gespeicherte Daten zu den Sehgewohnheiten der Zuschauer bei bestimmten Sendungen. Experten des Beratungshauses Sopra Steria Consulting schätzen den erhöhten Aufwand durch die DSGVO auf das Zwanzigfache. "Medienhäuser sollten bei der Umsetzung der DSGVO zweigleisig denken, indem sie die Erfüllung regulatorischer Vorgaben mit einer grundlegenden Modernisierung ihres Datenmanagements verknüpfen" sagt Sven Wißmann von Sopra Steria Consulting. Mit parallelen Investitionen in Data Analytics und Robotic Process Automation (RPA) könnten beispielsweise klassische TV-Sender ihren Rückstand gegenüber reinen Online-Diensten verringern.

Konsumenten wollen Datentransparenz nutzen

Zwar können auch 86 Prozent der Konsumenten noch nicht abschätzen, welche Folgen die EU-DSGVO mit sich bringen wird, wie eine aktuelle Studie von Pegasystems zeigt. Nachdem die rund 7.000 Umfrageteilnehmer aus sieben EU-Ländern über die neuen Datenschutzregeln aufgeklärt wurden, zeigt sich die Mehrheit an der Thematik aber interessiert. So gaben 80 Prozent der Befragten an, von den ihnen eingeräumten Rechten künftig auch Gebrauch machen zu wollen. Rund zwei Drittel möchten von Unternehmen darüber informiert werden, welche persönlichen Daten von ihnen gespeichert werden. Das gilt für 37 Prozent der Befragten auch dann, wenn die sensiblen Informationen in automatisierte Prozesse einlaufen. Knapp 40 Prozent erwägen zudem, gespeicherte, persönliche Daten bei Bedarf vollständig löschen zu lassen. 

Konsumenten schreckt es allerdings grundsätzlich nicht ab, dass Unternehmen daran interessiert sind, ihre Daten zu erheben und zu verarbeiten. Denn grundsätzlich sind deutsche Verbraucher einverstanden, persönliche Informationen zu übermitteln, wenn sie dafür im Gegenzug einen bestimmten Service nutzen können. "Die Kunden von morgen wollen sich über die bisher gewohnten Grenzen hinaus vernetzen, sie sind bereit, dafür Informationen und Daten zu liefern", meinen die Springer-Autoren Hartmut Biesel und Hartmut Hame im Buchkapitel "Quo vadis – die Zukunft des Vertriebs und Marketings" (Seite 138). 

Doch die Konsumenten sind zunehmend für Cyber-Gefahren wie Datenmissbrauch sensibilisiert und geben ihre Daten nur dann preis, wenn sich das Unternehmen vertrauensvoll präsentiert. Rund 60 Prozent der von Pegasystems Befragten halten es daher für möglich, gezielt mit Unternehmen in Geschäftsbeziehungen zu treten, die ihren Umgang mit personenbezogenen Daten besonders offen und transparent kommunizieren. Wer sich allein auf den Regelkatalog der EU-Datenschutzgrundverordnung konzentriert, deckt zwar den formellen Pflichtteil des Umstellungsprozesses ab und schützt sein Unternehmen vor substanziellen Strafen, die bei Verstößen drohen. Werden die Standards zum Datenschutz jedoch nicht auch öffentlich sichtbar gelebt, steht die Gunst der Zielgruppe auf wackeligen Füßen.

Datenschutz nutzt nicht nur dem Verbraucher

Vertrauen ist der Schlüssel zum Kunden. Im Zuge dessen sollte auch mit seinen personenbezogenen Daten sensibel umgegangen werden. Was das konkret für Unternehmen bedeutet, erklärt Springer-Autor Ludwig Gramlich im Buchkapitel "Datenanalyse vs. Datenschutz – Was muss beachtet werden?" (Seite 391):

Um solches kommerziell vorteilhaftes Vertrauen bei alten und neuen Kunden zu schaffen, bedarf es allerdings bei "Verantwortlichen" und "Auftragsverarbeitern" angemessener "Compliance"-Mechanismen; gerade die Einsetzung und Ausstattung interner (betrieblicher) Datenschutzbeauftragter und die Aus-, Fort- und Weiterbildung der Mitarbeiter im Hinblick auf Entwicklungen und Notwendigkeiten des Schutzes personenbezogener Daten in der Informationsgesellschaft sind dabei wichtige Ansatzpunkte. Noch bedeutsamer ist freilich die Wahrnehmung durch die Managementebene"

Noch genießen die neuen europäischen Vorgaben zum Datenschutz unter Managern und Entscheidungsträgern allgemein keinen guten Ruf. So werten viele Unternehmen die besonders strengen Regeln als internationales Handelshemmnis. Dabei rückt die Tatsache in den Hintergrund, dass Investitionen in die Datensicherheit personelle, technische und organisatorische Maßnahmen nach sich ziehen, die auch der allgemeinen Cybersicherheit dienen. Frei zugängliche Datenschätze ohne Regulierung nutzen auf lange Sicht also niemandem.

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