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06.02.2015 | Datenbanken und Informationssysteme | Im Fokus | Onlineartikel

Das Internet ist ein Flickenteppich

Autor:
Andreas Burkert

Überträgt das Internet nur zögerlich die Daten, wissen auch die Netzbetreiber nicht weiter. Das wollen IT-Experten der TU Chemnitz ändern. Ihr Verfahren zur Qualitätsmessung und Verkehrssteuerung von Internetdiensten findet im Flickenteppich Internet nicht nur jede Fehlfunktion.

Naht das unvermeidliche Ende des Internets wie es Thomas Grüter in Offline beschreibt auch deshalb, weil das Internet ein Flickenteppich ist? Zusammengeschaltet aus regionalen, nationalen und internationalen Kommunikationsnetzen. Das Internet wird daran nicht scheitern. Allerdings wird es an allen Ecken und Kanten ruckeln. Doch wegen dieser Struktur ist das Internet „entsprechend vielschichtig, oft auch unzuverlässig und in Teilen ist die erreichbare Transportqualität von Datenströmen einzelner Internetdienste auf dem Weg zum Nutzer zufällig", sagt Professor Thomas Bauschert.

Bauschert ist Inhaber der Professur Kommunikationsnetze der Technischen Universität Chemnitz und erforscht seit Jahren mit seinen Mitarbeitern und Studenten dieses Zusammenspiel der Netze und die beteiligten Technologien. Mit dem Ziel den Datentransport bei gleichzeitiger Beachtung der Kosteneffizienz verbessern. Vor diesem Hintergrund haben seine Kollegen Marcus Eckert und Thomas Knoll ein Verfahren entwickelt, das die erreichte und vom Nutzer empfundene Dienstqualität (Quality of Experience) bereits während des Datentransports ermittelt.

Fehlfunktionen im Netz via Software Defined Networking finden

„Dieses Qualitätsmonitoring allein kann bereits dem jeweiligen Netzbetreiber wertvolle Erkenntnisse über Fehlfunktionen und Engstellen in seinem Transportnetz liefern“, versichert Knoll. Viele Betreiber treten derzeit an dieser Stelle noch im Dunkeln und wissen nicht, was genau wo im Netz und warum zu Netzproblemen führt. Mit unserem Verfahren können Probleme bereits behoben werden, bevor diese beim Nutzer sichtbar werden und zu Frust führen.

Und die Chemnitzer Wissenschaftler gehen noch einen Schritt weiter. Sie haben ein Framework geschaffen, das aus den Messdaten und unter Berücksichtigung des jeweiligen Dienstes die erforderliche Transportqualität überwacht und gegebenenfalls durch angemessene Verkehrssteuerung wie dynamische Wegewahl oder Warteschlangenverwaltung gegensteuert. Besonders leistungsfähig und effizient gelingt diese Messung und Verkehrssteuerung in Kommunikationsnetzen mittels „Software Defined Networking“.

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Dieses moderne Networking-Konzept wird an der Chemnitzer Professur in verschiedenen Forschungsprojekten sowohl in Festnetzen als auch besonders in Mobilfunknetzen betrachtet. Das entwickelte Framework ist daher sowohl für herkömmliche als auch zukünftige Netztechnologien im Festnetz- und Mobilfunkbereich anwendbar. Um eine möglichst große Verbreitung des Frameworks zu erreichen, sind Eckert und Knoll Mitautoren eines neuen Standards zur Messung von Videoübertragungsqualitäten bei der „International Telecommunication Union“ (www.itu.int). Die weltumspannende Liste der beteiligten Industriepartner ist lang und reicht von AT&T in den USA über die Deutsche Telekom bis hin zu NTT in Japan.

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2007 | OriginalPaper | Buchkapitel

Internet Technologies

Quelle:
Practical Internet Security
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