Skip to main content
main-content

18.02.2021 | Datenmanagement | Im Fokus | Onlineartikel

Viele Manager misstrauen Daten aus der Finanzabteilung

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
4 Min. Lesedauer

Um auf neue Marktbedingungen oder eine Krise richtig reagieren zu können, benötigt das Management verlässliche Finanzdaten - und das möglichst auf Knopfdruck. Diese liefern zum Beispiel automatisierte Datenanalysen. Doch die gibt es nicht in jeder Finanzabteilung, so eine Studie. 

"Hauptanliegen einer prospektiven Analyse der Finanzlage ist die Vorausschau auf die weitere Liquiditätsentwicklung insbesondere im Hinblick auf die Früherkennung von Unternehmenskrisen und Insolvenzgefahren", schreiben Stefan Müller und Sarah Müller im Buch "Finanzcontrolling" (Seite 167). Hierfür müssen den Springer-Autoren zufolge mit Hilfe von Prognoseverfahren aus den Rahmendaten des Rechnungswesens und Vorplänen die zukünftigen Finanzströme und -bestände abgeleitet werden.

Empfehlung der Redaktion

2020 | OriginalPaper | Buchkapitel

Mit Business Intelligence die Unternehmenssteuerung digitalisieren

Das Reporting bei Ticketcorner wird neu definiert

Daten sind das Gold des 21. Jahrhunderts! Getreu diesem Slogan werden von allen und jedem Daten gesammelt: Es entstehen riesige Datenspeicher, welche diverse Werte aus unterschiedlichsten Quellen aufnehmen. Wertvoll wird diese Datenflut jedoch erst durch eine sinnvolle Strukturierung und den Einsatz von geeigneten Lösungen.

Doch laut einer aktuellen internationalen Umfrage des Marktforschungsinstituts Censuswide im Auftrag des Plattformanbieters Blackline vertrauen gerade einmal 29 Prozent der Entscheider aus dem Finanz- und Rechnungswesen den Finanzdaten des eigenen Unternehmens. Bei der Vorgängerstudie im Jahr 2018 waren es noch 38 Prozent. Etwas besser sieht es in der Führungsriege aus. Hier halten weltweit immerhin 56 der CEOs die eigenen Daten für vertrauenswürdig. 2018 waren es allerdings 71 Prozent. Dabei ist für ein Drittel (33 Prozent) der insgesamt rund 1.300 im Dezember 2020 befragten Unternehmenslenker und Finanzexperten seit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie der Druck gestiegen, "ein exaktes Abbild der Unternehmensleistung zu liefern".

Finanzdaten spielen bei der Strategie eine zentrale Rolle

Die Antworten der Fach- und Führungskräfte aus insgesamt sieben Ländern (USA, Kanada, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Singapur und Australien) lassen laut der Studienautoren darauf schließen, "dass Unternehmen die zentrale Rolle der Finanzdaten für die Geschäftsstrategie und die Kontinuität des Unternehmens erkennen". Doch kritisieren die Befragten die mangelnde Transparenz und den fehlende Zugang zu Echtzeitdaten. 

So geben insgesamt 28 Prozent der Teilnehmer an, dass ihre Finanzabteilung nicht in der Lage ist, Daten schnell genug zu liefern, damit das Unternehmen auf unvorhersehbare Marktveränderungen reagieren kann. In Deutschland sagt das ein Viertel der Finanzexperten und CEOs. Der Grund liegt laut 37 Prozent der weltweit und 38 Prozent der deutschen Befragten in der anhaltenden Abhängigkeit von unflexiblen Tabellenkalkulationen und veralteten Prozessen.

Remote-Arbeit belastet Finanzabteilungen zusätzlich

Hybride Modelle aus Remote- und Büroarbeit werden in den kommenden zwölf Monaten die Finanzabteilungen zusätzlich belasten, sagen 27 Prozent aller Befragten und 24 Prozent der deutschen Teilnehmer. Dies könne zu weiteren Ungenauigkeiten in den Finanzdaten führen. Damit treffe die Unternehmensleitung "wichtige Entscheidungen auf der Grundlage eines unvollständigen Abbildes des finanziellen Zustands ihres Unternehmens".

Doch gerade wenn das Unternehmensumfeld dynamischer und weniger vorhersehbar ist, wie etwa in der Corona-Pandemie, ist es für die Unternehmenssteuerung umso essentieller, mögliche beziehungsweise tatsächliche Risiken frühzeitig identifizieren zu können, schreiben Patrick Eckstein, Thomas Hartung und Nadine Rohatsch in ihrem Beitrag "Mit Big Data Risiken effektiv identifizieren". 

Mit Big Data Risiken identifizieren

"Big Data, große Datenmengen und ihre Analysen, erleichtert diese Aufgabe zunehmend, wie Beispiele aus dem Gesundheitswesen und dem Supply Chain Management zeigen", erklären die drei Wirtschaftsexperten von der Universität der Bundeswehr, München, in der Zeitschrift "Controlling & Management Review" (Ausgabe 1 | 2021).

Bisher war Risikoidentifikation eine personalintensive Aufgabe, die sich stark auf Expertenwissen und Erfahrung gestützt hat. Inzwischen kann ein Großteil davon mittels digitaler Auswertung von Daten und Prozessen erledigt werden. Das entlastet nicht nur personelle Ressourcen und spart damit Kosten ein, sondern reduziert auch die Anfälligkeit für Fehler im gesamten Risiko-Management-Prozess. Zudem können Risiken in Echtzeit identifiziert werden. Dies ermöglicht es Risiko-Controllern, schnell auf Veränderungen in der Risikolandschaft hinzuweisen und damit die Qualität ihres Berichtswesens zu steigern. Die Unternehmensführung kann auf deren Berichte schnell reagieren, erforderliche Maßnahmen ohne Verzögerung einleiten und somit das Risiko-Management effektiver machen", so Patrick Eckstein, Thomas Hartung und Nadine Rohatsch.

Notwendigkeit einer Big-Data-Infrastruktur

Hierfür nötig seien Big-Data-Lösungen, "weil datenbasierte Identifikationsprozesse weder vollständig noch effizient durch Mitarbeiter repliziert werden können", so die Experten. "Unternehmen brauchen deshalb eine Big-Data-Infrastruktur, die interne Systeme um externe Daten erweitert, Informationen bündelt und auswertet. Nur so können die Daten verfügbar gemacht und effizient analysiert werden." Für die automatisierte Auswertung sei eine lernfähige Künstliche Intelligenz hilfreich, die Risiken auf Basis der Daten identifizieren und Entwicklungen prognostizieren kann.

So spielen auch laut der Studie Technologien, die eine bessere Verwaltung und Sichtbarkeit von Finanzdaten ermöglichen, 2021 eine entscheidende Rolle bei der Wettbewerbsfähigkeit. 34 Prozent der weltweit befragten Teilnehmer und 41 Prozent der deutschen Manager sind demnach der Auffassung, dass Investitionen in die Datenanalyse helfen werden, einen Wettbewerbsvorteil zu wahren. Ebenso viele Befragte international und 43 Prozent in Deutschland erwägen die Implementierung oder Skalierung von Automatisierungslösungen, um die Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Finanzdaten ihres Unternehmens zu optimieren.

Alle tagesaktuellen Beiträge rund um die Corona-Krise lesen Sie hier

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2020 | OriginalPaper | Buchkapitel

Finanzcontrolling

Quelle:
Unternehmenscontrolling

01.04.2020 | Schwerpunkt | Ausgabe 3/2020

Planung verändern mit neuer Technologie

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Marktveränderungen

Quelle:
Das digitale Unternehmen

01.01.2021 | Information & Technologie | Ausgabe 1/2021

Mit Big Data Risiken effektiv identifizieren

01.06.2019 | Schwerpunkt | Ausgabe 4/2019

Digitale Assistenten in der Unternehmenssteuerung?

2020 | OriginalPaper | Buchkapitel

Big Data

Quelle:
Handbuch Digitale Wirtschaft

Das könnte Sie auch interessieren

Premium Partner

    Bildnachweise