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16.04.2018 | Datensicherheit | Im Fokus | Onlineartikel

Aussichten für Facebooks Geschäftsmodell

Autor:
Johanna Leitherer

Nachdem sich Facebook-Gründer Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress zu seinem Geschäftsmodell und dem jüngsten Datenskandal geäußert hatte, herrscht immer noch große Ratlosigkeit. Wie geht es mit dem sozialen Netzwerk weiter? Eine vorläufige Bilanz.

Vor rund 15 Jahren begann Mark Zuckerberg, die soziale Plattform Facebook aufzubauen. Das Konzept polarisierte von Beginn an und rief schnell die ersten Kritiker auf den Plan. Seitdem ist eine Spirale immer gleicher Abläufe zu beobachten: Facebook schlägt übers Ziel hinaus, eckt an, entschuldigt sich und gelobt Besserung. Im Hinblick auf die jüngsten Datenabzapfungen durch die britische Analysefirma Cambridge Analytica setzte Zuckerberg in der Anhörung vor dem amerikanischen Kongress am 10. und 11. April 2018 auf dieselben Ausweichmanöver.

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Stellenweise gelang es den US-Senatoren dennoch, den milliardenschweren Facebook-Gründer zu inhaltsreichen Aussagen zu bewegen. So betonte Zuckerberg vielfach, dass Facebook keine Nutzerdaten an Dritte verkaufe, sondern seinen Werbekunden den Zugang zu den Usern ermögliche. Werbetreibende auf Facebook erhalten folglich keinen Datenpool im Sinne von Big Data, sondern bereits ausgewertete, nützliche Informationen, so genannte "Smart Data". Das konnte der US-Senat in der Anhörung jedoch nicht vollständig transparent machen.

Kostenpflichtige Facebook-Version möglich

Ebenfalls holprig gestaltete sich die Befragung zu möglichen Datenschnittstellen zwischen Facebook und dem 2014 gekauften Messaging-Dienst Whatsapp. Zuckerberg erklärte den US-Senatoren dazu, dass Whatsapp-Chats verschlüsselt seien und ein Mitlesen der Nachrichten daher nicht möglich sei. "Allerdings hat – trotz anderslautender Ankündigungen durch Facebook – ein Datenaustausch zwischen Whatsapp und Facebook stattgefunden", schreibt dazu der Springer-Autor Ralf T. Kreutzer im Buchkapitel "Plattformen für den Einsatz des Social-Media-Marketings" (Seite 142). Gegenstand der Transfers waren offenbar die Adressbücher der Nutzer, die so auch die Adressen der Freunde zugänglich machten. "Folglich bezahlt man die Inanspruchnahme des Services auch hier mit den eigenen Daten!", so Kreutzer (Seite 124).

Künftig könnten Nutzer die Wahl haben, ob sie die Facebook-Dienste mit Geld oder mit ihren Daten bezahlen. Zuckerbergs Aussage "Es wird immer eine kostenlose Version von Facebook geben" legt das zumindest im Umkehrschluss nahe. Zudem kündigt der Facebook-Gründer an, Usern mehr Kontrolle über ihre Daten zu geben, indem die Benutzeroberfläche in den Einstellungen verständlicher umgestaltet werde. Inwieweit sich ein dementsprechend abgewandeltes Geschäftsmodell auf den Umsatz mit Werbekunden auswirken könnte, bleibt abzuwarten. Aktuell befinden sich Unternehmen, die Social-Media-Marketing betreiben, in der Schwebe. Denn auch die Facebook-Tochter Instagram bietet keine Alternative, die vom Geschäftsmodell Zuckerbergs losgelöst ist.

Selbstregulierung basierend auf KI

Bei der Frage, wie sich illegale Datentransfers wie die von Cambridge Analytica in Zukunft verhindern lassen, kamen in der Anhörung mögliche Regulierungsmaßnahmen zur Sprache. Vor allem die bevorstehende Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union (DSGVO) wurde im Zuge dessen vielfach erwähnt. Zuckerberg fand anerkennende Worte für die europäische Datenschutzpolitik und sprach sich grundsätzlich auch für global geltende Regulierungen sozialer Netzwerke aus. Wie der Facebook-Gründer gesetzlichen Verpflichtungen gegenübersteht, ging nicht vollends aus der Befragung hervor, wohl aber, dass Facebook offensichtlich zu verstärkten Selbstregulierungsmaßnahmen bereit ist.

Dafür will der Facebook-Gründer auf Künstliche Intelligenz (KI) setzen. Mit der Technologie sollen mit Facebook verknüpfte Apps durchleuchtet und im Fall von Datenschutzrechtsverletzungen rechtzeitig aus dem Verkehr gezogen werden. Auch bei der Analyse von Nutzerdaten setzt das soziale Netzwerk bereits auf Algorithmen, um zum Beispiel das zukünftige Verbraucherverhalten vorherzusagen. "Algorithmische Entscheidungsfindung, das Beurteilen von Menschen durch Computer, ist eine große Blackbox. Welche Angaben, Annahmen und Modelle in welchem Maße die Verantwortung für das Zustandekommen einer Entscheidung haben, bleibt im Dunkeln", warnt jedoch Springer-Autor Martin Schallbruch im Buchkapitel "Verschwommene Verantwortung" (Seite 49). Daran werden wohl auch die Informationspflichten der neuen Datenschutz-Verordnung der EU wenig zu ändern vermögen.

Politisches Unvermögen

Generell scheint der "Fall Facebook" den US-Senat und sämtliche politische Entscheidungsträger zu überfordern. Darauf deuten viele unbeholfen formulierte Fragen an Zuckerberg hin. Das eigentliche Ziel, den Facebook-Gründer auf die Missstände in seinem Geschäftsmodell festzunageln und ihm dabei wichtige Geständnisse zu entlocken, ist gescheitert. Stattdessen schaffte es Zuckerberg, sich für sein Image gewinnbringend zu inszenieren, damit den Kurs der Facebook-Aktie an der Börse wieder nach oben zu treiben und sogar noch einen Social-Media-Hit zu landen: Mit verkniffenem Lächeln klärte er die offenkundig fachfremden US-Senatoren über die Funktionsweisen sozialer Netzwerke auf. Die Öffentlichkeit spottete, dass besser ein paar internetaffine "Digital Natives" die Befragung hätten leiten sollen. 

Doch tatsächlich stehen die Senatoren für die Unwissenheit der breiten Masse: Wie Facebook im Detail arbeitet, können letztendlich die wenigsten beantworten. Auch die junge Generation, die mit digitalen Produkten und sozialen Plattformen groß geworden ist, weiß nicht um die Maschinerie im Verborgenen. Einen Konzern wie Facebook, der mit Datenmengen dieser Größenordnung operiert, ja sogar sein ganzes Geschäftsmodell darauf ausgerichtet hat, hat es bisher so nicht gegeben. Das Dilemma: Den politischen Entscheidungsträgern fehlt es an Erfahrungswerten und damit auch an der Kompetenz, das weitreichende Datenproblem mit wirtschaftlicher Tragweite schnellstmöglich in den Griff zu bekommen – zumal der Großteil in der Vergangenheit selbst die Reichweite von Facebook für Wahlkampagnen und zur Imagebildung genutzt hat. 

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