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30.11.2021 | DAX | Nachricht | Onlineartikel

Omikron lässt Börsen wanken

Autor:
Michael Fuchs
3 Min. Lesedauer

Der Kursrutsch vom Freitag weckt böse Erinnerungen. Hiobsbotschaften zu Corona und verschärfte Lockdown-Maßnahmen drohen erneut, die Wirtschaft abzuwürgen. War der jüngste Einbruch nur der Auftakt zu einem Absturz wie im vergangenen Jahr?

Noch im Spätsommer sah es so gut aus. Nach eineinhalb Jahren Corona-Pandemie zeichnete sich endlich ein Ende des Dauer-Ausnahmezustands ab. Die Börsen ließen mit einer frühen Jahresendrally schon einmal die Sektkorken knallen. Und das auch dann noch, als die Inzidenzen schon wieder deutlich stiegen und erste Zweifel über die als Game-Changer gefeierten Impftstoffe aufkamen. 

Hiobsbotschaften treffen Finanzmärkte zum ungünstigen Zeitpunkt

Doch am Freitag war Schluss mit lustig. Berichte über eine neue Virus-Variante brachten das Fass zum Überlaufen. Noch ist über die Mutation mit der Bezeichnung "Omikron" zwar wenig bekannt, aber Unsicherheit ist bekanntlich Gift für die Börsen. Zumal Schlagzeilen zu erhöhter Ansteckungsgefahr und geringerem Schutz durch die vorhandenen Impfstoffe schlimmste Befürchtungen wecken.
 
Die Hiobsbotschaften treffen die Finanzmärkte zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Nach dem Anstieg der Vorwochen waren die Börsen ohnehin überkauft und reif für eine Konsolidierung. Es brauchte also nur eine Initialzündung, um die überfällige Korrektur auszulösen. Das erinnert eklatant an die Lage Anfang 2020, als es nach monatelangem Anstieg im Rekordtempo nach unten ging. Mitte Februar noch mit Kurs 14.000 Punkte, stürzte der Dax binnen eines Monats in Richtung 8.000 Punkte ab. 

Anleger wissen, was auf sie zukommt 

Wiederholt sich also die Geschichte? Nicht unbedingt. "Weitreichendere Lockdowns" sind zwar möglich, wie Chefanlagestratege Robert Greil von der Privatbank Merck Finck einräumt. Doch anders als im letzten Jahr wissen die Anleger, was auf sie zukommt. "Dann werden sowohl die Regierungen wie auch die Notenbanken stärker als erwartet unterstützen – was dann wiederum die Börsen unterstützt", so Greil. 

Eine verschärfte Lage könnte sich mittelfristig sogar als günstig erweisen, denn Sorgen über eine straffere Geldpolitik hatten den Finanzmärkten zuletzt Kopfzerbrechen bereitet. Der befürchtete Kurswechsel dürfte sich dann nach hinten verschieben und der Rückenwind von der Geldpolitik den Aktienmärkten zunächst erhalten bleiben. 
 
Somit droht wohl kein Crash, die nächsten Wochen könnten aber ungemütlich werden. Der technische Analyst Christoph Geyer hält es für möglich, dass der DAX in den Bereich von 14.800 Punkte fällt. Hier hat der deutsche Leitindex in den vergangenen Monaten zuverlässig Halt gefunden. Das wäre nach dem Allzeithoch von knapp 16.300 Punkten Mitte November zwar eine deutliche Korrektur, aber nicht ansatzweise mit dem freien Fall 2020 vergleichbar.

Milde Verläufe der neuen Variante stimmen optimistisch

Bei allem Alarmismus von Medien und Politik sollte eine günstiges Szenario aber nicht unerwähnt bleiben. "Im Best Case hat sich das Virus durch Omikron weiter auf den Weg in Richtung einer endemischen Variante verändert", macht Aktienstratege Christian Hinterwallner von der österreichischen Raiffeisen Bank International Mut. "Der Umstand, wonach die entdeckten Fälle lediglich milde Symptome aufwiesen, stimmt optimistisch", stellt er angesichts von Aussagen des südafrikanischen Ärzteverbandes fest. 

Damit könnten Hoffnungen, dass sich Infektionen mit dem neuartigen Corona-Erreger im Laufe der Zeit zu einer harmlosen Erkältung abschwächen, wahr werden. Das würde dem Verlauf von Spanischer Grippe und anderen gefährlichen Infektionswellen entsprechen. Und das Corona-Gespenst könnte so unerwartet verschwinden wie es aufgetaucht ist.

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Quelle:
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