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Über dieses Buch

Seit Mitte der neunziger Jahre gewinnen Delphi-Befragungen wachsende Bedeutung in Politik und Wirtschaft. Denn sie ermöglichen es, stichhaltige Einschätzungen über einen per se unklaren Sachverhalt - zum Beispiel die Zukunft des Internet - zu generieren. Dazu werden Experten in einem mehrstufigen, anonymen Verfahren nach ihrer Einschätzung gefragt und dadurch zu kompetenteren Urteilen geleitet. Dieses Buch ist Einführung in und Arbeitsbuch für die Durchführung von Delphi-Befragungen. Der Autor gibt Anleitungen für das adäquate Design der vier etablierten Befragungstypen (Aggregation von Ideen, Strukturierung eines diffusen Sachverhalts, Qualifizierung von Expertenmeinungen, Schaffung eines Konsenses unter den Experten). Dabei stellt er jeweils alle wichtigen Aspekte des Verfahrens detailliert dar, zum Beispiel die Auswahl der Teilnehmer, die Erstellung des Fragebogens, die Gestaltung des Feed-backs und die Analyse der gewonnenen Daten. Darüber hinaus soll der Band die von Kritikern oft eingeforderte theoretische Fundierung des Verfahrens liefern. Basis dazu sind kognitionspsychologische Überlegungen und empirische Befunde zur Evaluation des Delphi-Ansatzes. Zahlreiche kommentierte Literaturhinweise ermöglichen dem interessierten Leser gezielten Zugang zu weiteren Informationen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. 2800 Jahre Delphi: Ein historischer Überblick

Zusammenfassung
Eine Sage erzählt, dass es anfänglich in Delphi eine Kultstätte der Mutter- und Erdgöttin Gaia gab, die von ihrem Sohn, dem Drachen Python, bewacht wurde. Als Apollon auf der Suche nach einer Heimstätte nach Delphi gelangte, beschloss er, sich hier niederzulassen. Er tötete den Drachen und übernahm das Heiligtum der Gaia. Die ersten Priester seines neuen Heiligtums wurden kretische Seefahrer, die er in Gestalt eines Delfins auf dem Seeweg zur Bucht von Delphi führte. Später versöhnte sich Gaia mit Apollon und dieser hielt ihrem getöteten Sohn zu Ehren alle vier Jahre die pythischen Spiele ab. Soweit die Sage.
Michael Häder

2. Begriffsbestimmungen

Zusammenfassung
Die Darstellung von Begriffsdefinitionen wird an dieser Stelle als Einstieg gewählt, um einen ersten Eindruck vom Wesen der Delphi-Befragungen zu vermitteln. In den folgenden Abschnitten (2.1 bis 2.3) werden zunächst eine Reihe von Definitionsversuchen aufgelistet und dabei deren Spezifika diskutiert. Auf der Grundlage dieser Analyse wird dann (Abschnitt 2.4) ein eigenes Konzept vorgestellt, das vier Typen von Delphi-Befragungen unterscheidet.
Michael Häder

3. Wissenschaftstheoretische Grundlagen

Zusammenfassung
Der folgende Abschnitt ist den erkenntnistheoretischen beziehungsweise den methodologischen Grundlagen von Delphi-Befragungen gewidmet. Es wird das Problem behandelt, warum und wie Delphi-Befragungen funktionieren (können). Die grundlegende, in diesem Abschnitt zu diskutierende Frage lautet: Aufgrund welcher Argumente kann man davon ausgehen, dass die wiederholte anonyme Befragung von Experten zu einem unklaren Sachverhalt, bei der den Teilnehmern in der Folgewelle eine anonymisierte Information über die Gruppenmeinung gegeben wird, tatsächlich dazu beiträgt, qualitativ höherwertige Ergebnisse zu gewinnen?
Michael Häder

4. Delphi-Befragungen im Vergleich zu ähnlichen Ansätzen

Zusammenfassung
Es ist prinzipiell denkbar, gleiche inhaltliche Ziele auch mit verschiedenen sozialwissenschaftlichen Instrumenten zu erreichen beziehungsweise die gleiche Problematik mit unterschiedlichen Methoden zu bearbeiten. Im folgenden Abschnitt soll die jeweilige Spezifik der beiden mit den Delphi-Befragungen besonders verwandten Verfahren – Gruppendiskussion in einer persönlich-mündlichen Situation und einmalige Expertenbefragung – im Vergleich herausgearbeitet werden.
Michael Häder

5. Anwendungsgebiete von Delphi-Befragungen

Zusammenfassung
Längst sind Delphi-Befragungen weit über ihr ursprüngliches Anwendungsgebiet, die Landesverteidigung (vgl. Linstone/Turoff 1975:11), hinaus eingesetzt worden. So erstreckt sich die Nutzung dieses Ansatzes inzwischen auf zahlreiche Gebiete der Gesellschaft. Immer noch am häufigsten geht es bei Delphi-Befragungen schwerpunktmäßig darum, Prognosen für Entwicklungen zu erarbeiten. Die Zukunft wird teilweise sogar zum Metathema: So berichten beispielsweise Linstone und Turoff von einer Delphi-Befragung die dazu diente, von Zukunftsforschern eine Liste der wichtigsten Bücher mit dem Gegenstand Zukunft erstellen zu lassen (vgl. 1975:83).
Michael Häder

6. Planung von Delphi-Befragungen

Zusammenfassung
Bevor es darum geht, dem Leser konkrete Tipps für die Durchführung und Auswertung von Delphi-Befragungen zu vermitteln, werden im folgenden Abschnitt zunächst Hinweise für die Vorbereitung einer solchen Untersuchung gegeben. Vor Beginn der Delphi-Befragung sind eine Reihe von Entscheidungen über das zu wählende Vorgehen zu treffen (dazu Abschnitt 6.1). Bei allen diesen Entscheidungen sind neben dem Ziel der Studie auch die für die Untersuchung zur Verfügung stehenden Ressourcen in Rechnung zu stellen (vgl. Abschnitt 6.2).
Michael Häder

7. Designs von Delphi-Befragungen

Zusammenfassung
Der folgende Abschnitt richtet sich vor allem an Personen, die eine Delphi- Befragung planen beziehungsweise eine solche Erhebung selbst durchführen wollen. Dazu werden die einzelnen Designaspekte nacheinander besprochen. Zur Illustration wird dabei auch auf zahlreiche Anwendungen Bezug genommen, die vor allem in der aktuellen Literatur zu finden sind.
Michael Häder

8. Computerunterstützte Delphi-Befragungen

Zusammenfassung
Bereits 1975 erwähnten Linstone und Turoff die vermeintlichen Vorteile der Nutzung von Computern für Delphi-Befragungen. In Bezug auf das Konzept des damals als „Real-Time-Delphi” bezeichneten Ansatzes erwarteten sie jedoch, vor allem aufgrund der zu dieser Zeit noch fehlenden Computervernetzung, keine gar zu schnelle Umsetzung (vgl. Price 1975). Dies dürfte inzwischen − insbesondere bei Delphi-Studien innerhalb von Firmen oder Institutionen − kein Problem mehr sein und damit ist zu erwarten, dass die computerunterstützten Delphi-Befragungen zukünftig noch an Bedeutung gewinnen werden.
Michael Häder

9. Der Datenschutz bei Delphi-Befragungen

Zusammenfassung
Bei Delphi-Befragungen gelten für den Schutz der Persönlichkeit der Teilnehmer vor allem die Datenschutzbestimmungen aus dem Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) beziehungsweise aus den Datenschutzgesetzen der jeweiligen Bundesländer. Daneben wurden in Deutschland auch standesrechtliche Regeln der demoskopischen Forschung entwickelt, an die sich die Veranstalter von Delphi-Befragungen ebenfalls gebunden fühlen sollten. Der Arbeitskreis Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute (ADM) vertreibt im Internet ein Merkblatt zu den Kernproblemen im Datenschutz und zum Standesrecht der demoskopischen Umfrageforschung. Außerdem existiert hierzu eine Vereinbarung zwischen den Verbänden der Markt- und Sozialforschungsinstitute und den obersten Aufsichtsbehörden für den Datenschutz. In einem Arbeitspapier informiert der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten über aktuelle Probleme des Datenschutzes (vgl. Häder 2009).
Michael Häder

10. Datenerfassung und -analyse

Zusammenfassung
Nach dem Abschluss der Erhebungsphase beziehungsweise spätestens nach dem Eingang des letzten Delphi-Fragebogens beim Monitoring-Team beginnt die Datenerfassung. Es folgt die Datenanalyse. Während die Datenerfassung bei Delphi- Befragungen den gleichen Grundsätzen folgt, wie sie allgemein in der Umfrageforschung gelten (vgl. Häder 2010), besitzt die Datenanalyse einige Besonderheiten.
Michael Häder

11. Evaluation von Delphi-Befragungen

Zusammenfassung
Nachdem in den vorangegangenen Abschnitten praktische Hinweise und Tipps zur Konzipierung und zur Veranstaltung von Delphi-Befragungen gegeben wurden, wendet sich das folgende Kapitel der Evaluation der Leistungsfähigkeit des Delphi- Designs zu. Dabei geht es vor allem um empirische Nachweise zum Funktionieren der einzelnen Typen von Delphi-Befragungen.
Michael Häder

12. Methodenforschung zu Delphi-Befragungen

Zusammenfassung
Abschließend wird in diesem Kapitel gezeigt, auf welchen Gebieten derzeit vor allem ein methodischer Forschungsbedarf für Delphi-Befragungen besteht. In den vorangegangenen Abschnitten wurde bereits an verschiedenen Stellen ein solcher Bedarf angedeutet.
Michael Häder

Backmatter

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