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Über dieses Buch

Demografie und demografischer Wandel betreffen uns alle. Dennoch ist das Thema viel zu wenig in unseren Köpfen und in der Öffentlichkeit präsent. Dieses Buch befasst sich mit den Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Wirtschaft, wobei dies differenziert aus mehreren Perspektiven betrachtet wird. In verständlicher Sprache bieten die Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft und Praxis fokussierte Einblicke in ihre Arbeit, um Erkenntnisse und Zusammenhänge zwischen der Demografie und der Wirtschaft zu diskutieren und um ihre jeweiligen Blickwinkel und Kompetenzen zu vermitteln. Es werden sowohl Problemfelder aufgezeigt, die erst im Entstehen sind, als auch Lösungsansätze für bereits bestehende Zusammenhänge vorgeschlagen. Neben verschiedenen Ursachen demografischen Wandels werden Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf Nachfrage, Arbeitsmarkt, Rentenversicherung, Staatsfinanzen und den Klimawandel analysiert sowie die Covid-19-Pandemie und deren Auswirkung auf demografische Faktoren diskutiert. Dies ist der erste Band der Reihe Demografie und Wirtschaft.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Peak-Konsum

Konsumnachfrage in Abhängigkeit der Bevölkerungsentwicklung
Zusammenfassung
Immer mehr Länder haben eine Fertilitätsrate, die tiefer als das Reproduktionsniveau von 2.1 ist. Somit ist absehbar, dass die Weltbevölkerung irgendwann zu sinken beginnt und die Bevölkerung nicht nur älter, sondern auch kleiner wird. Doch wenn wir weniger werden, dann konsumieren wir auch weniger und das Wirtschaftswachstum wird negativ, bis die Bevölkerung einen Boden gefunden hat, von dem sie wieder ansteigt. Dieses Kapitel zeigt, wann es so weit ist und wie der Zeitpunkt hergeleitet wird. Zusätzlich macht es auf die externen Effekte aufmerksam, die dazu führen können, dass der Zeitpunkt einer schrumpfenden Bevölkerung und des Peak-Konsums früher kommen könnte als erwartet und diese dann auch schneller schrumpfen.
Hendrik Budliger

2. Die Auswirkungen von Bevölkerungsschrumpfung und -alterung auf das Rentenversicherungssystem in Deutschland

Zusammenfassung
Der Beitrag zeigt, dass die massive Alterung der Gesellschaften in Deutschland, Österreich oder auch der Schweiz in den kommenden Jahrzehnten die umlagefinanzierte Rentenversicherung unter erheblichen Druck setzen wird. Während die Rentenausgaben wegen des Renteneintritts der geburtenstarken Jahrgänge der 1950er- und 1960er-Jahre stark steigen werden, werden die Beitragseinnahmen wegen der gering besetzten Altersklassen der Jahre ab 1965 mit deutlich geringerer Dynamik zunehmen. Prinzipiell lässt sich dies in der umlagefinanzierten Rentenversicherung nur auffangen, indem entweder die erwerbsfähige Generation einen höheren Finanzierungsbeitrag leistet (sei es über Sozialversicherungsbeiträge oder über Steuern), das (relative) Rentenniveau abgesenkt wird oder die Lebensarbeitszeit verlängert wird. Letzteres entlastet die Rentenversicherung dabei auf zweierlei Weise, da zum einen die Beitragszeit verlängert und zum anderen die Dauer des Rentenbezugs verkürzt wird.
Am Beispiel Deutschlands werden die bisherigen Maßnahmen und aktuelle Reformvorschläge diskutiert, wie dieses Problem gelöst werden soll. Es zeigt sich, dass die Politik bislang eher kurzsichtig agiert und unbequeme Reformen dann unterlässt, wenn diese primär die Rentner betreffen. Grund hierfür dürfte es sein, dass Rentner und rentennahe Jahrgänge inzwischen den Großteil des Wählerpotenzials ausmachen. Die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenreformkommission „Verlässlicher Generationenvertrag“ hat die Fehlstelle in der rentenpolitischen Diskussion nicht lösen können und notwendige Reformen (wie die weitere Verlängerung der Lebensarbeitszeiten und ggf. auch eine weitere Absenkung des relativen Rentenniveaus) auf spätere Jahre vertagt.
Joachim Ragnitz

3. Was taugen die Vorhersagen? Regionale Unterschiede in der demografischen Entwicklung, Ursachen und Zukunftsprognosen

Zusammenfassung
Mitteleuropa wächst – entgegen den Prognosen von vor 15 Jahren leben heute mehr Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz als je zuvor. Aber regional gibt es starke Unterschiede zwischen schrumpfenden und wachsenden Regionen. In den letzten Jahren gab es bei Geburten und Migration einige überraschende Trendwenden in bestimmten Städten und Landkreisen zu verzeichnen. Dieser Beitrag zeigt auf, welche demografischen und nichtdemografischen Ursachen für diese Trendwende verantwortlich sind. Beispielhaft wird aufgezeigt, wie das lokale Mobilitätsverhalten mit den Immobilienpreisen zusammenhängt. Abschließend geht der Beitrag der Frage nach, wie gut man die regionale Bevölkerungsentwicklung wirklich vorhersagen kann.
Hannes Weber

4. Die Generationenökonomie

Herausforderungen durch den demografischen Wandel in Österreich
Zusammenfassung
Dieses Kapitel analysiert die Auswirkung der Bevölkerungsalterung auf die Wirtschaft und das intergenerationelle Transfersystem in Österreich. Anhand der österreichischen Nationalen Transferkonten (NTA) wird zuerst der Zusammenhang zwischen Demografie und wirtschaftlicher Aktivität dargestellt. Ein Fokus der Analyse ist der Zusammenhang zwischen Alter, den bezahlten Steuern und den erhaltenen Transferleistungen. Die NTA-Daten werden dann mit Bevölkerungsvorausschätzungen kombiniert, um die Auswirkung demografischer Änderungen auf die Wirtschaft zu illustrieren und abzuschätzen.
Bernhard Binder-Hammer

5. Auswirkungen des demografischen Wandels auf den Schweizer Arbeitsmarkt

Resultate eines ökonomischen Modells
Zusammenfassung
Der demografische Wandel führt zu grundlegenden Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt. Durch die Pensionierung der „Babyboomer“-Generation in den kommenden Jahren, verbunden mit mangelndem Nachwuchs bedingt durch die kleineren nachfolgenden Generationen, nimmt das im Inland verfügbare Arbeitskräfteangebot langfristig deutlich ab. Ohne Gegenmaßnahmen führt dies zu Fachkräftemangel und steigenden Löhnen. Gleichzeitig verändert sich die Struktur der Konsumnachfrage, da sich der Warenkorb eines älteren Konsumenten von dem eines jüngeren Konsumenten unterscheidet. Dieser Beitrag schätzt die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Schweizer Gesamtwirtschaft und einzelne Branchen quantitativ ab. Mittels eines eigens für diesen Zweck entwickelten ökonomischen Modells wird aufgezeigt, wie die Schweizer Gesamtwirtschaft und einzelne Branchengruppen vom demografischen Wandel betroffen sind und wie verschiedene Reformen – unter anderem eine Erhöhung der Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen und älteren Arbeitern – diese Auswirkungen verändern können.
Manuel Buchmann

6. Flucht aus dem Paradies? Auswanderung aus den OECD-Ländern – Ursachen, Konsequenzen und Zukunftsprognosen

Zusammenfassung
Die gesellschaftliche und soziale Umwälzung durch globale Neujustierungen ist auch im demografischen Wandel wiederzufinden. Insbesondere die Migration stand in den letzten Jahren wiederholt im Fokus von Medien und Wissenschaft. Das Augenmerk wurde allerdings eher auf die Immigration in die westlichen Industriestaaten als die Emigration aus ebenjenen gerichtet. Dabei verlassen jedes Jahr immer mehr Einheimische die OECD-Länder. Ein Trend, der nicht unbemerkt bleiben sollte.
In diesem Beitrag wird am Beispiel Deutschlands aufgezeigt, welche wirtschaftlichen, politischen und sozialen Ursachen und Konsequenzen diese Emigration sowohl für die Auswanderer als auch für die deutschen Firmen, Universitäten und den Staat selbst hat. Schlussendlich werden die Trendentwicklung und die Herausforderungen analysiert, die dieses transnationale Mobilitätsverhalten mit sich bringt.
Jacqueline Marie Scheibling

7. Quarantäne und Kinderkriegen: Konsequenzen der Covid-19-Pandemie für Geburtenraten

Zusammenfassung
In diesem Beitrag soll beispielhaft ein aktuelles Thema der Demografie behandelt werden. Katastrophenereignisse wie die aktuelle Corona-Pandemie beeinflussen die Sterblichkeit, haben oft aber auch Konsequenzen für die Fertilität. An dieser Stelle wird die medial gern bediente These eines Babybooms infolge einer Naturkatastrophe untersucht und gemeinsam mit relevanten Einflussfaktoren für die aktuelle Krise behutsam eingeschätzt. Diese Krise, die sich in vielen Aspekten anders gestaltet als die „Spanische Grippe“ ab 1918, geht mit einer bemerkenswerten wirtschaftlichen Rezession einher, die – ähnlich der Finanzkrise ab 2007 – im globalen Norden meist mit einem Geburtenrückgang einhergehen dürfte. Der Blick sollte aber auch darüber hinaus in andere Weltregionen und hin zu benachteiligten Teilen der Gesellschaft gehen: Hier könnte besonders die Zahl ungewollter Schwangerschaften durch die eingeschränkten medizinischen Betreuungsangebote stark zunehmen.
Julia Sica

8. Demografie und Staatsfinanzen

Zusammenfassung
Die öffentliche Hand erfüllt über die Gebietskörperschaften und die Sozialversicherungen vielfältige Aufgaben für ihre Bürgerinnen und Bürger. Diese Maßnahmen kosten Geld und müssen über Einnahmen gedeckt werden. Aktuell befindet sich Deutschland dabei in einer sehr komfortablen Lage. Die Erwerbstätigenzahl lag Anfang 2020 auf Rekordniveau und die Wirtschaftsentwicklung ist seit vielen Jahren insgesamt positiv. Beides lässt die Einnahmen sprudeln. Der deutsche Staat hat seit 2012 jedes Jahr mehr eingenommen als ausgegeben, durchschnittlich rund 30 Mrd. € pro Jahr. Aber die erfreulichen Rahmenbedingungen sind nicht von Dauer. Bereits heute ist – vollkommen losgelöst von der Corona-Krise – absehbar, dass die Alterung der deutschen Bevölkerung die Staatsfinanzen in den kommenden Jahrzehnten vor erhebliche Herausforderungen stellen wird. Der Beitrag beschäftigt sich vor diesem Hintergrund mit der Frage: Wie verändern sich Einnahmen und Ausgaben in einer alternden Gesellschaft?
Oliver Ehrentraut, Stefan Moog, Laura Sulzer

9. Umwelt, Klima und Bevölkerung

Zusammenfassung
Das Kapitel beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen zwischen der Umwelt, klimatischen Veränderungen und demografischen Prozessen. Nach einer kurzen Einführung in die Thematik und einer Vorstellung zentraler Konzepte in Abschn. 9.2.1 wird in Abschn. 9.2.2 der anthropogene Einfluss auf Umwelt und Klima diskutiert. Insbesondere wird auf die Rolle sich verändernder Bevölkerungen sowie sich wandelnder Konsummuster eingegangen. Der anschließende Abschn. 9.3 behandelt im Schwerpunkt die Folgen des Klimawandels auf Bevölkerungen, wobei ein besonderer Fokus auf die Auswirkungen des Klimawandels auf wirtschaftliche Entwicklung und Ungleichheit, Ernährungssicherheit und Gesundheit sowie Konflikte und Migration gelegt wird. Dieser Abschnitt behandelt auch ausführlich empirische Analysen und Forschungsergebnisse aus der jüngeren Literatur. Der Klimawandel und seine Folgen werden stark von menschlichem Verhalten bedingt. Abschn. 9.4 beschäftigt sich abschließend mit der Frage, wie sich unser Klima in Zukunft verändern wird und durch welche Maßnahmen eine weitere Verschlechterung der Bedingungen vermieden werden kann bzw. welche Möglichkeiten für Bevölkerungen bestehen, sich an die sich verändernden Bedingungen anzupassen.
Roman Hoffmann

Backmatter

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