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2023 | Buch

DenkWege - Ethik und Seelsorge in der Polizei

Für Werner Schiewek

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Über dieses Buch

Ethik und Seelsorge sind Bereiche, in denen menschliches Sein und Handeln reflektierend begleitet wird, um Orientierung, Unterstützung oder Trost zu geben. Bei Berufen, in denen Menschen auf eine gewaltverstrickte Lebenswelt treffen, ihrerseits staatlich legitimiert Gewalt ausüben und selbst von Gewalt betroffen sind, tauchen dabei besondere Widersprüche und Sinnfragen auf.

Diese Herausforderungen in den Blick zu nehmen und an der Schnittstelle von Philosophie und praktischer Theologie zu erörtern, so wie es der Münsteraner Theologe Werner Schiewek richtungsweisend vorgezeichnet hat, ist das Ziel des vorliegenden Bandes.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
Einleitung
Zusammenfassung
Die Polizei ist eine zutiefst ambivalente, an vielen Stellen auch widersprüchliche Institution. Sie sichert Freiheit, kann Freiheit aber auch unterdrücken. Sie soll Rechte schützen, muss dazu aber in Rechte eingreifen. Sie repräsentiert den „sterblichen Gott“, den staatlichen Leviathan, hat aber zugleich auch eine sehr menschlich-verletzliche Seite.
Tobias Trappe, Peter Schröder-Bäck
Als Protestant in der Polizei
Denkwege mit Werner Schiewek
Zusammenfassung
Als Theologe, Pfarrer und Ethiker in der Polizei unterwegs zu sein, wie W. Schiewek es in seiner Tätigkeit an der Deutschen Hochschule der Polizei war, ist Risiko und Chance zugleich. Ethische Expertise, das Wissen um die herausfordernden Dimensionen polizeilicher Arbeit und eine seelsorgliche Haltung werden gewinnbringend verknüpft, wenn sie Vertrauens-Räume eröffnen, in denen Verletzlichkeiten angesprochen werden können. Auf welcher Grundlage es gelingen kann, dieses Wagnis einzugehen, wird in diesem Beitrag in vier Schritten nachgegangen.
Judith Palm, Stefanie Alkier-Karweick

Polizei- und Organisationskultur

Frontmatter
„Ein Wasserwerfer hat keinen Rückwärtsgang“ - Von den Schwierigkeiten, Staatsgewalt „sauber“ zu vollziehen
Reflexionen über Moral und Autoritarismus in der Polizei
Zusammenfassung
Wenn abstrakte Rechtsvorschriften in konkrete Handlungen überführt werden, dann benötigen diejenigen, die es machen sollen, eine Handlungsethik, die mehr ist als nur Gesetzesvollzug. „Gewalt anwenden, um mehr Gewalt zu verhindern“ wäre solch ein moralischer Imperativ. Zunehmend übernehmen aber Angehörige der Polizei auch Vorstellungen von Überlegenheit und Dominanz, in denen das Überwältigungshandeln der Polizei nicht mehr problematisiert wird. Der Artikel diskutiert, ob Gewalt überhaupt jemals frei von violenten Anteilen angewendet werden kann und welche Rolle die Moral in einer Organisation spielt, die zunehmend autoritär agiert.
Rafael Behr
Die Polizei als vertrauensbasierte Organisation?!
Zusammenfassung
Der Beitrag geht Schieweks Beobachtungen und Einschätzungen zur Polizei als „vertrauensbasierte Organisation“ nach. Zunächst werden drei „erfolgskritische Faktoren“ für das Vertrauen der Bevölkerung beleuchtet: der polizeiliche Umgang mit politischem Protest, Tendenzen zu Einstellungen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in bestimmten polizeilichen Organisationseinheiten und die polizeispezifische Fehlerkultur. Anschließend werden Überlegungen zu konkreten „vertrauensbildenden Maßnahmen“ auf Grundlage der von Polizistinnen und Polizisten selbst benannten Werteorientierungen diskutiert.
Udo Behrendes
Friedensethischer Realismus
Was sich vom Verhältnis von Polizei und Militär für die Friedensethik lernen lässt
Zusammenfassung
Die Friedensethik steht gegenwärtig unter Spannung. Der völkerrechtswidrige Krieg der Russischen Föderation gegen die Ukraine hat die Realität kriegerischer Konflikte auch in Europa wieder neu zu Bewusstsein gebracht und gemeinsam mit der geopolitischen Multipolarität auch eine neue sicherheitspolitische Polarität im deutschen Protestantismus erzeugt, die sich an der Differenz von Polizei- und Militärparadigma ablesen lässt. Gerade im Verhältnis von Polizei und Militär aber vermag die Erinnerung an die Regel der Priorisierung der Konfliktursachenreflexion, wie sie die EKD Friedensdenkschrift von 2007 plausibilisiert, den Blick auf die Konfliktkonstellationen auszurichten und damit Notwendigkeit, Überschneidungen und Grenzen beider Organisationen und Paradigmata aufzuzeigen.
Torsten Meireis
Moralischer Stress und moralische Verletzungen als Themen für Militär-, Verwaltungs- und Polizeiethik
Zusammenfassung
Das Thema „moralischer Stress / moralische Verletzung“ hat als Gegenstand der sozialwisschenschaftlichen, psychologischen und auch ethischen Forschung in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Dieses Kapitel stellt dar, was unter diesen Begriffen zu verstehen ist. Anhand ausgewählter Berufsfelder wird die Problematik und die Praxisrelevanz dieses Forschungsbereichs aus ethischer Perspektive dargestellt. Ansatzweise werden zwei Aspekte angesprochen, die bei der Prävention bzw. Heilung von moralischen Verletzungen hilfreich sein könnten, gleichwohl weiterer Forschung bedürfen: Ein philosophisch fundierter Begriff von „Vertrauen“ und die Relevanz von „Ethiklehre“ in der (akademischen) Berufsausbildung.
Peter Schröder-Bäck
Autorität und Profession
Orientierungsperspektiven für Seelsorge und Ethik in der Polizei
Zusammenfassung
Die Polizei stellt eine Autoritätsinstanz des öffentlichen Raums dar. Um ordnend auf diesen Raum einwirken zu können, macht sie situativ von zugeschriebenen Handlungsvollmachten Gebrauch. In diesen Momenten folgt sie einer Logik des Durchsetzens. In der Gegenwart ist demgegenüber zu beobachten, dass die allermeisten Autoritäten der Logik des Befähigens folgen – dies zeigt sich beispielsweise in der Schule, der Kirche, dem Krankenhaus oder der privaten Erziehung. Viele Polizistinnen und Polizisten im aktiven Dienst sind mit Autoritätsbildern sozialisiert worden, die ebenfalls der Logik des Befähigens folgen. In ihrem Dienst können sie sich aber herausgefordert sehen, ihrer Autorität Ausdruck zu verleihen, indem sie auf die Logik des Durchsetzens zurückgreifen. Gerade wenn es dabei zu notwendigen Gewaltanwendungen kommt, kann dies bleibende Spuren an den Polizistinnen und Polizisten hinterlassen. Mit dem Autoritätsbegriff lassen sich diese ethischen und seelsorglichen Nachwirkungen kaum erfassen. Es stellt sich die Frage, ob der Polizeiberuf vor dem Hintergrund der gewandelten Autoritätsbilder nicht auch in Teilen als ein Professionsberuf einhergehend mit einer zur Reflexion ermutigenden Professionsethik verstanden werden kann.
Niklas Peuckmann
Gedanken zur Polizeiseelsorge, zur Ethik und im Speziellen zur polizeilichen Führungsethik im Wandel der Zeit
Zusammenfassung
Mit Blick auf seine eigene polizeiliche Dienstzeit hat der Autor beim Verfassen seines Beitrags zu dieser Festschrift bewusst nicht den Anspruch erhoben, eine wissenschaftliche Arbeit zu erstellen. Vielmehr geht es um die eigene Erinnerung und das eigene Erleben aus über 40 Dienstjahren. Der beschriebene Weg vom Polizeiwachtmeister bis zum Polizeipräsidenten ist kein fiktiver. Auch die unterschiedlichsten dienstlichen Stationen im Streifendienst, der Lehre, der Stabsarbeit, der Kriminalpolizei, der Einsatzbewältigung in Großlagen, der ministeriellen Arbeit und in der behördlichen Verantwortung sind real. Es wird auf die eigene Sprachlosigkeit und Ratlosigkeit eingegangen, ebenso wie auf die schleichende Einsicht in die Erforderlichkeit einer polizeiethischen Auseinandersetzung mit dem Beruf. Die Facettenhaftigkeit des Berufes beinhaltet auch viele dunkle Seiten und es ist der Fürsorgepflicht, aber natürlich auch der Kollegialität geschuldet, dass es Angebote geben muss, um das ureigene Werte-Koordinatensystem immer wieder aufs Neue justieren zu können. Den dynamischen Veränderungen in einer zunehmend komplexeren und spezialisierten Lebenswelt gerecht zu werden, gepaart mit der Berücksichtigung anderer persönlicher Schwerpunktsetzungen, das sind die Herausforderung für die Zukunft.
Jörg Lukat

Polizeiethik und berufsethischer Unterricht

Frontmatter
Die ethische Dimension des Polizeistudiums
Herausforderungen, Rahmenbedingungen und berufsethische Professionalisierungsperspektiven
Zusammenfassung
Dieser Beitrag analysiert berufsethische Bildungsarbeit in der Polizei im Zusammenhang von Professionalisierung und Akademisierung. Unter dem Aspekt der Professionalität werden Herausforderungen und Ziele des berufsethischen Bildungsangebots in der Polizei beleuchtet und es sollen Perspektiven zukünftiger Entwicklung identifiziert werden. Ein Fokus soll dabei auf der Rolle der Dozent:innen liegen: Welche Anforderungen stellt diese Rolle und wie werden Berufsethik-Dozierende in den deutschen Polizeien heute rekrutiert und qualifiziert?
Ulrike Wagener
Die tapfere Furcht der Polizei vor sich selbst
Was die Ethik der Polizei von der antiken Philosophie lernen kann
Zusammenfassung
Der Beitrag will dazu ermutigen, für die Entwicklung einer Ethik der Polizei starker als bislang auch Einsichten aus der Geschichte der Philosophie miteinzubeziehen. In einem ersten Schritt soll plausibel werden, dass die Polizei durch ihre Arbeit an den Grenzen und Grenzsituationen unseres Lebens eine ursprüngliche Nähe und Offenheit zur Philosophie hat (Kap.1). Deren unverzichtbare Verwiesenheit auf die Geschichte („Weisheit der Alten“) (Kap.2) wird – einem Hinweis Werner Schieweks folgend – auf dem Hintergrund der politischen Philosophie für die Ethik der Polizei und ihrer Ausbildung schrittweise entfaltet (Kap.3): Persönliche Letztverantwortung des Menschen, ein sozialer und solidarischer Begriff von Freiheit, die schlechterdings zentrale Bedeutung vor allem der „musisch-literarischen“, gewaltreduzierenden Ausbildung der künftigen „Wächter“, ihre Vorbereitung auf die Maßlosigkeit des Menschen oder die Kultivierung ihrer Affekte etwa in einer Atmosphäre des „Schönen“ sind mögliche Aspekte, an die eine Ethik der Polizei vielleicht bei Platon anknüpfen kann. Das gilt vor allem für ein Verständnis der polizeilichen Kardinaltugend: der Tapferkeit. Als feste Überzeugung über das, was für den Staat gefährlich ist, zeichnet sich die Tapferkeit durch eine besondere Furcht aus: Durch die Furcht der Wächter vor sich selbst und ihrer eigenen Ambivalenz. Die Einübung in diese Furcht kann im Rahmen der Ausbildung u.a. in einer Auseinandersetzung mit der radikalen Moralkritik bestehen, wie sie Platon anhand unterschiedlicher sophistischer Positionen diskutiert. Abschließend gibt der Beitrag noch einen Ausblick auf weitere Perspektiven für die Polizeiethik, die sich aus der Geschichte der Philosophie ergeben: Zum einen im Anschluss an Kant die mögliche Relevanz von Hoffnung für moralisches Handeln auch in der Polizei; zum anderen die Möglichkeit einer philosophischen „Therapie“ von starken Emotionen wie etwa Angst oder Zorn.
Tobias Trappe
Berufsethik und Polizeiseelsorge im Masterstudiengang an der Deutschen Hochschule der Polizei
Zusammenfassung
Warum und was Ethiker im Masterstudiengang an der Deutschen Hochschule der Polizei lehren, wird in diesem Kapitel aus verschiedenen Blickwinkeln erörtert. Ethisch relevante Formulierungen in der Polizeidienstvorschrift 100 VS-NfD bieten eine erste Begründung. Die im Curriculum des Masterstudienganges verankerten ethischen Lehrinhalte machen es evident, dass eine Mitwirkung von Ethikern erforderlich ist. Die Vereinbarungen der beiden Kirchen mit der DHPol über Lehrbeauftragte stellen dieses Erfordernis auf eine rechtliche Grundlage. Die Verzahnung der ebenfalls relevanten Polizeiseelsorge mit den Fürsorgeverpflichtungen des Dienstherrn sind weitere Begründungen für das Wirken der Kirchenvertreter. Konkretisiert wird dies an einem wichtigen Teilausschnitt ihrer Arbeit, nämlich der Mitwirkung in der polizeilichen Führungslehre in berufsethischen Fragestellungen. Ein Diskurs über die Bedeutung und Auswirkungen von Integrität und Loyalität für die polizeilichen Führungskräfte in der Praxis verweist auf die Sinnhaftigkeit der Befassung mit berufsethischen Fragen in der Lehre. Ein kurzer Vergleich der Sachstände über Bildung von Berufsethik in den Polizeien der USA und in Deutschland, der einen ziemlich guten Sachstand für Deutschland aufzeigt, schließt das Kapitel ab.
Gerd Thielmann

Polizeiseelsorge: Themen, Geschichte und Zukunft

Frontmatter
Polizeiseelsorge – eine relationale Perspektive
Zusammenfassung
Ethische Haltungen und Orientierungen in der Polizeiarbeit, vor allem die der Führungspersönlichkeiten, sind entscheidend für deren Gelingen und von wesentlichem gesellschaftlichen Interesse. Die strukturelle Kopplung von auf das Individuum zielender Polizeiseelsorge und der Ethik der Governance polizeilicher Organisationsstrukturen ist dabei grundlegend für den Aufbau eines gesellschaftlichen Vertrauens in die staatlichen Organe und deren Legitimität. Werner Schiewek hat diese Zusammenhänge in seinen Diskussionsbeiträgen zur Polizeiseelsorge in theoretischer und praktischer Absicht systematisch erkundet. Der Artikel rekonstruiert dieses Forschungsprogramm, das auf system- und kommunikationstheoretischer Grundlage auf die Erarbeitung einen modernen Begriff der Polizeiseelsorge abzielt. Diese muss sich einlassen auf die Paradoxien und Spannungen, die sich aus der Interaktion verschiedener Entscheidungslogiken und Systemrationalitäten ergibt, die kennzeichnend sind für die Polizeiarbeit und die „moralische Vulnerabilität“ ihrer individuellen und kollektiven Akteure. Dass sie sich dabei besonders für die Beschaffenheit der Seele, für das Gewissen und die Ethik und Tugend der handelnden Akteure interessiert, entspricht ihrer sozialen und religiösen Funktion.
Josef Wieland
Im Vertrauen
Eine philosophische Reflexion (zur Polizeiseelsorge)
Zusammenfassung
Vertrauen ist ein Grundbaustein seelsorglicher Arbeit wie auch einer des interpersonalen und gemeinschaftlichen Zusammenhalts. Während es im seelsorglichen Kontext zumeist theologisch fundiert und religiös rückgebunden ist, bricht im säkularen Zusammenhang an ihm die Frage aller modernen pluralen Gesellschaften nach einer ethischen Verbindlichkeit auf. Wiewohl dem Vertrauen also eine zentrale Rolle zuzukommen scheint, ist es nur vereinzelt in philosophischer Reflexion beachtet. Bei Hannah Arendt findet sich eine dieser raren Stellen, in der ihr gerade der theologisch-religiöse Rahmen Sprungbrett für eine säkulare Überlegung wird, die das Vertrauen als ein interpersonales Phänomen ersten Ranges ausweist.
Frauke A. Kurbacher
„Speak what we feel, not what we ought to say“
Bemerkungen zum freien Reden im öffentlichen Raum
Zusammenfassung
Werner Schiewek hat darauf hingewiesen, dass in hochmoralischen Organisationen wie der Polizei gerade das moralische Sprechen eine besondere Herausforderung darstellt. Im Rekurs auf Shakespeares Drama „König Lear“ wird diese Thematik in einen weiten historischen Horizont gestellt. Dabei kommt der Rolle des „Narren“, die sich bis zu Paulus ins Neue Testament zurückverfolgen lässt, eine besondere Bedeutung zu. Freies öffentliches Reden gelingt am ehesten in einem angstfreien Raum, wenn der sprechende Mensch sich seiner Identität gewiss sein kann, die jenseits irdischer Grenzen gegeben ist.
Thomas Thiel
In Freiheit anschaulich werden
Eine kleine Reflexion von Virtualität im Anschluss an Friedrich Schiller und Susanne Langer
Zusammenfassung
Anhand der Schillerschen Konzeption des Scheins und ihrer theoretischen Weiterführung durch die Philosophin Susanne Langer wird der anthropologische Stellenwert der Virtualität entfaltet und in seinen Entlastungspotentialen sowie Hermetisierungsproblematiken mit Blick auf professionshermeneutische Fragestellungen bezogen, die in der Polizeiseelsorge von Bedeutung sind.
Andreas Jensen
Zuhause im Fremden
Überlegungen zum Modellcharakter der Polizeiseelsorge für die Kirche der Zukunft
Zusammenfassung
Kirche wird zahlenmäßig immer kleiner, ihre gesellschaftliche Relevanz scheint dramatisch zur schwinden. Die Situation einer Minderheitenkirche stellt die bestehende Institution vor schwerwiegende Veränderungsprozesse und Transformationsnotwendigkeiten. In manchen Bereichen kann sie sich vielleicht nur noch exemplarisch engagieren, vielen Menschen ist sie und ihre Botschaft fremd geworden bzw. nie vermittelt worden. Ob Kirche noch mehrheitlich anschlussfähig ist, wird zunehmend skeptisch beurteilt. Auch die Polizeiseelsorge erlebt in mehrfacher Hinsicht einen vergleichbaren Sonderstatus. Sowohl innerhalb der Organisation Polizei wie in Kirche und Gesellschaft erfüllt sie eine Außenseiterrolle. Bei allen Schwierigkeiten, die dies mit sich bringt, wird sie zugleich oft hochgeschätzt und immer wieder als sinnvolles und entlastendes Element in Anspruch genommen und dabei pars pro toto als Kirche wahrgenommen. In der kritischen Solidarität der Polizeiseelsorge gegenüber den Beschäftigten der Polizei, bleibt sie selbst stets etwas im positiven Sinne Fremdes im fremden Umfeld der Organisation/der Welt. Für die Gesamtkirche könnte dieses Strukturmerkmal ein zukunftsträchtiges Modell in einer säkulareren Gesellschaft darstellen.
Uwe Köster
Zukunft ungewiss?
Zur Frage nach Religion(en), Ökumene und Netzwerkarbeit in der Polizei – ein Beitrag zur Seelsorge in „staatlicher Anstalt“
Zusammenfassung
Die Gesellschaften Europas durchlaufen seit längerer Zeit Prozesse religiöser Pluralisierung und kulturellen Wandels. Daraus folgend stehen die Kirchen in Deutschland vor tiefgreifenden Veränderungen – dies gilt auch für ihr Engagement in staatlichen Anstalten. Der 100 Jahre zählende Dienst in den Länderpolizeien (und der Bundespolizei) ist aktuell vor Herausforderungen gestellt, der Lernprozesse, neue Formen der Zusammenarbeit und Abschied von gewohnten Handlungsoptionen erfordert. Seelsorge für Beschäftigte in hochprofessionellen Organisationen der Sicherheitsarchitektur in der Bundesrepublik, aber auch die Mitwirkung an Bildungsaufträgen zu Wertediskursen bedürfen der Neuorientierung: die Zukunftsfähigkeit der Polizeiseelsorge ist von vielen Verantwortungsträgern erwünscht und zugleich in Frage zu stellen.
Michael Arnemann
Metadaten
Titel
DenkWege - Ethik und Seelsorge in der Polizei
herausgegeben von
Tobias Trappe
Peter Schröder-Bäck
Copyright-Jahr
2023
Electronic ISBN
978-3-658-42899-0
Print ISBN
978-3-658-42898-3
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-42899-0

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