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Über dieses Buch

Die Depression ist keine ausweglose Erkrankung - Hilfe und Heilung sind möglich. Manfred Wolfersdorf hat in diesem Buch aufgeschrieben, was er im Laufe der Arbeit mit Depressionskranken als wichtig und hilfreich erfahren hat. Anhand von Beispielen macht er das depressive Erleben nachfühlbar und erklärt, welche Ursachen für die Krankheit man heute kennt. Ausführlich geht er auf die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und die Wirkungen der Antidepressiva ein. Ganz praktisch wird berichtet, welche Fehler Ärzte und Patienten im Umgang mit der Krankheit machen, aber nicht machen sollten, wann es sinnvoll ist, den Arbeitgeber zu informieren und was Angehörige und Freunde zur Unterstützung tun können. Ein Anhang mit den Depressionsstationen in Deutschland und der Schweiz informiert, wo eine stationäre Behandlung möglich ist.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einführung: Depression — eine seelische Krankheit

Zusammenfassung
Bis heute ist umstritten, ob psychische Krankheiten und psychische Störungen einfach Abweichungen, sozusagen „etwas mehr“ von z. B. Traurigkeit sind oder ob es einen qualitativen Sprung gibt, der normales psychisches Erleben von psychischer Krankheit trennt. In der Tat scheint es Übergangsformen von der Trauer über die Depressivität bis zur schweren Depression zu geben. In Äußerungen von Betroffenen wie: „Es wurde immer mehr, es kam zu viel zusammen, es wurde mir zu viel, ich habe es dann einfach nicht mehr ausgehalten, ich habe mich so hineingesteigert,“ u. Ä. kommt dies zum Ausdruck. Häufiger, und insbesondere in der schweren Depression, werden jedoch unterschiedliche Empfindungen beschrieben. Auch das obige Gedicht verdeutlicht das Umfassende einer Depression, die keine Blinddarmentzündung, die operiert werden kann, kein gebrochener Arm, der eingegipst oder geschient wird, und auch keine Schnittverletzung ist, die genäht oder mit einem Pflaster geklebt werden kann. Eine Depression umfasst, beeinträchtigt, ja bedroht den gesamten Menschen in seinem körperlichen Empfinden, seinem Denken, seiner Gestimmtheit, in seinen Gefühlen, in seinen Bezügen zur eigenen Person, zum aktuellen Umfeld, zur eigenen Vergangenheit und Zukunft
Manfred Wolfersdorf

2. Depressives Kranksein: „Wie es mir geht, wenn es mir schlecht geht“

Zusammenfassung
Man kann sich dem Verständnis depressiven Krankseins auf zwei Wegen nähern. Man kann Betroffene selbst sprechen lassen, wie dies in Krankenblättern, in der Literatur, in Musik, Malerei oder Bildhauerei zum Ausdruck kommen kann, oder die Symptome, die bei depressiven Erkrankungen vorzufinden sind, aus ärztlicher Sicht darstellen. Beide Wege sollen beschritten werden.
Manfred Wolfersdorf

3. Die typische Depression

Zusammenfassung
Depressiv kranke Menschen leiden unter vielfältigen Beschwerden, die sie dem Partner, den Angehörigen, dem Arzt in Unruhe und Getriebenheit klagen oder die erfragt werden müssen, wenn die Kranken in ihrer depressiven Hemmung eher schweigsam, zurückhaltend, zurückgezogen sind und sich in ihrem Leid unwichtig, ja überflüssig und nicht des Ansprechens wert fühlen. Nur bei einem Teil der Patienten kommt die Depression in Haltung, Bewegung und Aussehen gegenüber anderen zum Ausdruck und kann so erkannt werden. Viele depressiv Kranke, vor allem im mittleren und jüngeren Lebensalter, wirken zwar etwas erschöpft oder unruhig-ängstlich, machen aber nicht den Eindruck eines kranken Menschen. „Man sieht mir nicht an, wie es in mir aussieht“, klagen manche Depressive und wünschen sich lieber ein gebrochenes Bein, denn dieses könne man eingipsen, und die Leistungsunfähigkeit, die Kraftlosigkeit, die rasche Erschöpfbarkeit wären erklärbar. „Es kann dir doch nichts fehlen, du siehst doch so gut aus“; solche Äußerungen hören Depressive häufig von ihrer Umwelt, wenn diese sich nicht die Mühe macht, nachzufragen und zu versuchen, sich einzufühlen und zu verstehen, was im depressiv kranken Menschen vor sich geht.
Manfred Wolfersdorf

4. Wann muss man an eine Depression denken?

Zusammenfassung
Im folgenden sind diejenigen Symptome (und Verhaltensweisen) aufgelistet, bei denen der Hausarzt und Angehörige an die Möglichkeit einer Depression bzw. an das erneute Auftreten einer Depression denken müssen.
Manfred Wolfersdorf

5. Ursachen und Auslöser einer Depression

Zusammenfassung
Wenden wir uns nun der Frage nach den Ursachen einer depressiven Erkrankung zu. Was kennzeichnet später depressiv kranke Menschen in ihren körperlichen und seelischen Anlagen und Entwicklungen — in ihrer Persönlichkeit — im Vergleich zu so genannten gesunden Normalpersonen?
Manfred Wolfersdorf

6. Die verschiedenen Depressionsformen

Zusammenfassung
Seit Einführung der Internationalen Klassifikation der Erkrankungen in der 10. Version (ICD-10) wird in der Fachliteratur nur noch vom Bild der „depressiven Episode“ gesprochen, die durch das Auftreten bestimmter Symptome und den Verlauf (erste depressive Episode, rezidivierend, bipolar, d. h. manisch-depressiv) eindeutig beschrieben werden kann. Hierdurch kann auch ein psychiatrisch nicht so sehr erfahrener Arzt/Therapeut eine Depression erkennen und die für die Diagnosestellung notwendigen Symptome abfragen.
Manfred Wolfersdorf

7. Sind Depressionen behandelbar?

Zusammenfassung
Die Depression ist eine häufige Krankheit. 5% aller erwachsenen Menschen in der Gesamtbevölkerung sind derzeit an einer schweren Depression erkrankt, wie Wittchen et al. 1992 schrieben. Mittelschwere Formen finden sich bei nicht ganz 8% und leichte bei nicht ganz 6% der Gesamtbevölkerung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts von 300 bis 400 Mio. Menschen, die als depressiv krank erkannt worden seien, gesprochen und damit die Depression in die Reihe der häufigsten Erkrankungen überhaupt eingeordnet. Noch eine letzte Zahl zur Orientierung: In einer Feldstudie, bei der die erwachsene Bevölkerung eines großen ostbayerischen Landstriches einschließlich zugehöriger Städtchen untersucht wurde, fand man eine 5-Jahres-Prävalenz von 10,6% für alle depressiven Erkrankungen (Fichter u. Witzke 1990); es war also in den letzten 5 Jahren jeder 10. Erwachsene mindestens einmal depressiv krank.
Manfred Wolfersdorf

8. Medikamente in der Depressionsbehandlung

Zusammenfassung
Wenn man von „Medikamenten in der Depressionsbehandlung“ spricht, meint man „Psychopharmaka“, d. h. Antidepressiva, Tranquilizer und Hypnotika (Schlafmittel), Neuroleptika, sowie so genannte Phasenprophylaktika, d. h. Medikamente wie Lithium, Valproinsäure (Valproat) oder Carbamazepin, die das Wiederauftreten einer depressiven Erkrankungsphase verhüten (deshalb von „Prophylaxe“ abgeleiten) sollen.
Manfred Wolfersdorf

9. Psychotherapie: Hilft reden?

Zusammenfassung
Wesentlicher Bestandteil jeglicher Interaktion zwischen einem Therapeuten (Arzt, Psychologe) und einem Patienten ist das Gespräch (Abb. 7). Es dient der Kontaktaufnahme, der Erhebung der Krankheitsgeschichte, der Erklärung von Untersuchungsmaßnahmen und der Erläuterung der Diagnose sowie schließlich dem Entwurf und dem Angebot von Behandlungsmaßnahmen, insgesamt der Herstellung einer „hilfreichen“ Beziehung. Dabei haben Ärzte gegenüber psychologischen Therapeuten, die ihre Patienten nicht körperlich untersuchen dürfen, den Vorteil, bereits über diese Schiene einen Kontakt herzustellen. Die körperliche (internistisch-neurologische) Untersuchung erleichtert häufig den Zugang zur Frage nach der seelischen Befindlichkeit. Hellwig et al. (1993) haben auch heute noch gültige allgemeine Leitsätze für die erfolgreiche Gestaltung eines Gespräches vorgestellt, die gut übertragbar sind auf die Beziehung zwischen Hausarzt oder auch Angehörigen und depressiv Kranken:
Ich bemühe mich, den anderen so anzunehmen, wie er ist. Ich selbst gebe nicht die Richtung des Gesprächsfadens an, sondern folge dem Patienten. Ich signalisiere durch meine Einstellung und Haltung, dass ich bereit bin, Kontakt aufzunehmen. Ich orientiere mich an den gesunden Bedürfnissen des Patienten. Ich achte den Patienten als einen eigenständigen Menschen. Ich versuche, den Patienten in seiner persönlichen Lage, seinem persönlichen Schicksal und von seinem sozialen Umfeld her zu verstehen.
Manfred Wolfersdorf

10. Fehler, die man machen kann

Zusammenfassung
Fehler bei der Diagnose und Behandlung resultieren aus einer unzureichenden Kenntnis des depressiven Syndroms und seiner Behandlungsmöglichkeiten. Für den Patienten lebensgefährlich kann es sein, wenn der Arzt die Symptome des depressiven Wahns nicht erkennt oder nicht nach Todeswünschen, Suizidideen und Suizidversuchen in der Vorgeschichte fragt. Auch die Verwechslung einer Depression mit einer Demenz bei älteren Menschen kann weitreichende Folgen haben, weil dann Behandlungschancen nicht wahrgenommen werden.
Manfred Wolfersdorf

11. Was Arbeitgeber, Nachbarn, Familie und Freunde wissen sollen

Zusammenfassung
Die Frage, welche Menschen über die depressive Erkrankung Bescheid wissen sollen und wie man sie am besten informiert, kann für den einzelnen Kranken sehr wichtig sein. Denn obwohl oft die Depression anfänglich nicht nach außen sichtbar ist und erst später depressive Herabgestimmtheit oder Verstimmung, rasche Erschöpfbarkeit und Müdigkeit, Rückzug aus den bisherigen sozialen Bezügen deutlich werden, fällt Partnern und Kindern, aber auch Nachbarn, Freunden oder Arbeitskollegen die Veränderung auf.
Manfred Wolfersdorf

12. Was Angehörige tun können, tun sollen, was sie nicht tun sollen

Zusammenfassung
Die Angehörigen depressiv kranker Menschen sind häufig in einer schwierigen Situation. Erkrankt ein Familienmitglied erstmals depressiv, erkennen Angehörige die Erkrankung oft spät bzw. verwechseln sie häufig mit normaler Trauer. Anfänglich erfährt der Depressive, z. B. nach einer Verlustsituation, Zuwendung und Verständnis durch gemeinsames Weinen, sich gegenseitig in den Arm nehmen, bis zu konkreten Ratschlägen und Unterstützung durch Familie und Freunde. Mit der Zeit merken jedoch die Angehörigen, dass neben dem depressiven Gefühl auch andere Beschwerden, z. B. Schlafstörungen, dauernde Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Verlangsamung im Bewegungsablauf, Grübelzustände auftreten, die Besorgnis erregen. Dies führt dann zum Umdenken: Der vorher trauernde, der als im landläufigen Sinne „depressiv“ verstandene Angehörige wird nun als „krank“, als hilfsbedürftig erkannt, und ärztliche Behandlung wird empfohlen. Andere Angehörige ziehen sich zunehmend zurück, werden missgestimmt, weil der depressiv Kranke auf ihre liebevolle Zuwendung nicht reagiert, nicht reagieren kann (Psychiater nennen dieses Symptom der Erkrankung „fehlende Reaktivität“).
Manfred Wolfersdorf

13. Unterstützende Therapieformen

Zusammenfassung
Neben der medikamentösen Behandlung und der Psychotherapie gibt es, besonders in den Kliniken, noch weitere Behandlungsformen, die vor allem unterstützend eingesetzt werden.
Manfred Wolfersdorf

14. Stationäre Behandlung in der psychiatrischen Klinik

Zusammenfassung
Der Gedanke, zur Behandlung in eine psychiatrische Klinik — heute Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie genannt — gehen zu müssen, löst auch heute noch Sorge, Befürchtungen, Ablehnung, Angst vor Stigmatisierung aus. Das Bild der klassischen psychiatrischen Anstalt, der „Klapsmühle“ ist immer noch in sehr vielen Köpfen, auch wenn in den letzten drei Jahrzehnten die psychiatrischen Großkrankenhäuser verkleinert, psychiatrische Abteilungen in Allgemeinkrankenhäusern eingerichtet und so genannte psychiatrische Anstalten in Fachkliniken für Erwachsenenpsychiatrie und/oder Kinder- und Jugendpsychiatrie, in Kliniken für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie umgewandelt wurden. Dass die personelle Ausstattung im ärztlich-psychologischen und im pflegerischen Bereich immer noch, zumal bei der derzeitigen Überbetonung wirtschaftlicher Aspekte, auch in der Psychiatrie und Psychotherapie zu wünschen übrig lässt, ist allerdings eine traurige Tatsache.
Manfred Wolfersdorf

15. Der suizidgefährdete Depressive

Zusammenfassung
Die Depression ist heute eine gut behandelbare Erkrankung, sie ist anderseits auch eine lebensgefährliche. Untersucht man, wie viele der Menschen, die jährlich durch Suizid in der Bundesrepublik umkommen, zum Zeitpunkt ihrer Selbsttötung an einer Depression gelitten haben, findet man Angaben von 40–60%. Aus der Gruppe der Schwer- und Schwerstdepressiven, die in psychiatrischen Einrichtungen behandelt werden müssen, sterben auch heute noch — verfolgt man den Lebenslauf von 100 schwer depressiven Patienten — bis zu 15% durch Suizid. Diese Zahl scheint sich nur langsam zu verändern. Etwa 40% aller stationär aufgenommenen depressiven Patienten weisen in der unmittelbaren oder in der längerfristigen Vorgeschichte bereits Suizidversuche auf; Todeswünsche, Suizidideen finden sich bei etwa 60% aller stationären depressiven Patienten. So muss man heute davon ausgehen, dass Suizidalität ein nahezu obligater Bestandteil depressiven Erlebens ist. Ärzte wie auch Angehörige depressiver Menschen sollten deshalb Äußerungen von Hoffnungslosigkeit, Todeswünschen oder ganz konkrete Suizidideen ernst nehmen, die Kranken auch danach fragen und dann entsprechend handeln.
Manfred Wolfersdorf

16. Hat eine Depression auch positive Seiten?

Zusammenfassung
Eine verrückte, von manchen vielleicht auch kränkend erlebte Überschrift. Wie kann eine Erkrankung, die quälend ist, die leidvoll ist, an der man sterben kann, „positive Seiten“ haben? Um zu verstehen, was gemeint ist, muss die Frage verändert werden. Es geht nicht um die Frage, ob die Depression als akute Erkrankung „positive“ Seiten hat, sondern es geht darum, dass in ihrer Persönlichkeit depressiv strukturierte Menschen, dass Menschen, die zur depressiven Verarbeitung von Problemen und Konflikten neigen, dass Depressive, die ihre Erkrankung erfolgreich überstanden haben, manchmal der Depressivität Seiten abgewinnen können, die auf eine Bereicherung ihres Lebens hinweisen.
Manfred Wolfersdorf

17. Abschlussbemerkung — eine Art Zusammenfassung

Zusammenfassung
Es ging um den depressiv kranken Menschen, um seine Beschwerden und Klagen. Es ging um das Verständnis der Entwicklung in diese Krankheit hinein, wie sie von psychologisch-psychotherapeutischer oder auch von biologischer Seite gesehen wird. In der Hauptsache ging es um das Verstehen des depressiv kranken Menschen in seinem depressiv-melancholischen Erleben und um heutige Hilfs- und Behandlungsmöglichkeiten. Dass dabei nicht alles angesprochen werden konnte, dass einige Aspekte vernachlässigt, vielleicht vergessen wurden, sei verziehen; so die Hoffnung des Autors. Schließlich gibt es noch die Literatur zu den einzelnen Unterthemen, die gerade für die Depression in den letzten Jahrzehnten gigantisch angewachsen ist.
Manfred Wolfersdorf

Backmatter

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