Der folgende Text aus der Zeitschrift Gruppe. Institution. Organisation (GIO) analysiert die Feldtypologien und Felddynamiken eines von Berater*innen oft unterschätzten organisatorischen Akteurs: des Betriebsrats. Aufgrund der Auswirkungen gesellschaftlicher Krisen sowie sozioökologischer und ökonomischer Transformationen rücken arbeitsbezogene Themen (wie Vergütung, Arbeitszeiten, Gesundheitsschutz, Arbeitsplatz- und Einkommenssicherheit, prekäre Arbeitsbedingungen und Sorgen um berufliche Perspektiven) zunehmend in den Fokus von Supervisionsprozessen. Diese Themen ergänzen – oder ersetzen – berufsbezogen-professionelle Themen: Fallarbeit sowie kunden-bzw. klientenbezogene Team- und Organisationsdynamiken. Hierfür verfügen Berater*innen nur über begrenzte Kenntnisse und Instrumente, im Gegensatz zum Betriebsrat, dessen Feld arbeitsbezogene Angelegenheiten sind.
Typische Merkmale des Betriebsrats sind seine Grundlegung im Betriebsverfassungsgesetz, seine intermediäre Rolle, die Grenzsituation zwischen Arbeitgeber, Arbeitnehmern und Gewerkschaften sowie die Notwendigkeit, zwischen pluralistischen oder gegensätzlichen Interessen zu vermitteln. Eine Besonderheit des Betriebsrats ist seine Ausrichtung auf die betriebliche Lebenswelt: Neben der Vertretung von Arbeitnehmerinteressen und der Fokussierung auf das wirtschaftliche Wohlergehen des Unternehmens kann der Betriebsrat als Hüter des Sozialsystems Betrieb angesehen werden, der für Demokratie, Zugehörigkeit, Kontinuität und Sicherheit steht.
Die Transformation der Rolle des Betriebsrats von einer Kontrollinstanz zu einem Transformationspartner wird analysiert, ebenso wie die Reflexion der mikropolitischen Beziehungsstrukturen des Betriebs innerhalb des Betriebsratsgremiums. Schlüsselakteure sind die Betriebsratsvorsitzenden, die zwischen Hierarchie und Demokratie oszillieren und als paradoxe Führungskräfte an der Schnittstelle widersprüchlicher Erwartungen auftreten.