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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Einleitung

Zusammenfassung
Verstehen und Verständigen scheint Akteuren, im Zuge sich nach außen öffnender Gesellschaften, zunehmend schwerer zu fallen (vgl. Kaufmann 2006). Gewohnte Werte, Normen und Praktiken werden mit ungewohnten Perspektiven, Methoden und Bräuchen konfrontiert. Unverrückbar geglaubtes Wissen wird fast täglich erneuert und verändert, vertraute gesellschaftliche Organisationsformen werden auf der Suche nach neuen Möglichkeiten sozialen Zusammenlebens zunehmend als dysfunktional interpretiert, Akteursidentitäten setzen sich aus immer komplexeren Teilidentitäten zusammen (vgl. Baumann 2003, Beck 1996). Infolgedessen artikulieren Akteure einer orientierungslos anmutenden Gesellschaft offenbar verstärkt den Wunsch nach Orientierung.
Ronny Jahn

Theorie

1. Supervision

Zusammenfassung
Fällt der Name Supervision sowohl in Alltags- als auch in Fachgesprächen, folgt dem erfahrungsgemäß eine Diskussion um das Verständnis des Begriffes, da dieser nicht ohne weiteres inhaltlich eindeutig gefüllt werden kann, sondern vielmehr mit einer diffusen Ahnung einhergeht. In nichtfachlichen Gesprächen reicht die Spannbreite der mit Supervision verbundenen Assoziationen von keiner Vorstellung, über Kontrolle und Zwang, bis zu einer Super — Vision durch die Einnahme bewusstseinserweiternder Mittel (vgl. Scobel 1988: 11f.). Ist man sich in Fachgesprächen hingegen des Begriffsinhalts bewusst, indem man Supervision allgemein als ein „Reflexionsund Beratungskonzept betrachtet“ (Möller 2006), wird im Fortgang der Kommunikation recht bald über eine präzise theoretische Definition der Supervisionspraxis debattiert (vgl. Hege; Münch 2002). Ist Supervision eine eigenständige Profession? Wenn ja, was ist ihr Arbeitsfeld? Was ihr Arbeitsauftrag und mit welchen Instrumenten möchte sie diesen lösen? Wovon grenzt sich Supervision ab? Was und wen bezieht sie ein? Warum heißt Supervision nicht Praxisberatung oder Praxisanleitung?
Ronny Jahn

2. Jürgen Habermas — Theorie des kommunikativen Handelns

Zusammenfassung
Mit seinem Hauptwerk der „Theorie des kommunikativen Handelns“8 verfolgt Jürgen Habermas vier Ziele (vgl. Joas/Knöbl 2004: 322). Erstens sucht er nach einem Konzept von Rationalität, das weitergeht, als das bloße Verständnis eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen gegebenen Mitteln und zu erreichenden Zwecken. Zweitens möchte er im Anschluss daran die gewonnenen Erkenntnisse nutzen, um vorhandene Handlungstheorien zu reformulieren und begrifflich zu präzisieren. Drittens versucht Habermas seine entwickelte Idee sozialen Handelns, mit einem gesellschaftlichen Ordnungsmodell zu verbinden, das es ihm erlaubt System- und Handlungstheorie miteinander zu verknüpfen. Viertens dient ihm seine entwickelte Theorie für eine Zeitdiagnose, in der er einerseits auf gesellschaftliche Missstände, andererseits auf ein enormes Potenzial der Spezies Mensch verweist, das es ermöglichen soll die diagnostizierten Missstände erfolgreich zu lösen. Das Potenzial sieht Habermas in der Fähigkeit des Menschen begründet, qua Sprache kommunizieren zu können.9 Damit geht für ihn die Erkenntnis einher, dass erst das gesellige Zusammensein einen Menschen zu der Person macht, die er ist (vgl. Habermas 2005: 17). Das Individuum ist somit auf Kommunikation angewiesen und reproduziert sich über sie. Diese trivial anmutenden Einsichten bilden die treibenden Kräfte im habermas’schen Denken und setzen zugleich den intuitiven Horizont, vor dem Habermas die „Theorie des kommunikativen Handelns“ entfaltet.
Ronny Jahn

3. Versuch einer Theoriesynthese — Supervision: Die praktische Fortsetzung der Theorie des kommunikativen Handelns

Zusammenfassung
Der Begriff des reflexiven Handels ist sowohl für die theoretischen Überlegungen von Jürgen Habermas als auch die Praxis der Supervision paradigmatisch. Beide beschäftigen sich mit der Frage, wie Konflikte, die auf unreflektiertes Handeln zurückzuführen sind, durch reflektiertes Handeln gelöst werden können. Beide unterscheiden sich jedoch in ihrer Zuwendung zu Theorie und Praxis. Während Habermas eher auf die Frage der theoretischen Möglichkeit von reflexiver, kommunikativer Vernunft abhebt, die er im Rationalitätspotential der Verständigung angelegt sieht (vgl. Kapitel 2.), versucht supervisorische Praxis einen reflexiven Diskurs praktisch zu unterstützen und herbeizuführen. Im Folgenden soll gezeigt werden, dass Supervision als eine praktische Fortsetzung der „Theorie des kommunikativen Handelns“ betrachtet werden kann.
Ronny Jahn

Qualitative Untersuchung

4. Rekonstruktion „sozialer Wirklichkeit“ — „empirische Wirklichkeit“ theoretisch reflektiert

Zusammenfassung
Mit diesem empirischen Teil der Arbeit werden zwei Ziele verfolgt. Erstens wird der Versuch unternommen, die subjektiven Wahrnehmungen, intersubjektiven Kommunikationsmuster und Organisationsstrukturen eines professionellen Radsportteams, unter Zuhilfenahme des eingeführten habermas’schen Begriffsapparats und der sozialwissenschaftlichen Hermeneutik zu rekonstruieren. Zweitens soll anhand der dadurch gewonnenen Informationen gezeigt werden, dass angewandte Supervision im Feld des professionellen Radsports sinnvoll ist. Als Nebeneffekt der beiden Vorhaben wird der praktische Nutzen von Teilen der „Theorie des kommunikativen Handelns“ an „sozialer Wirklichkeit“ erprobt.
Ronny Jahn

5. Die professionelle Radsportmannschaft Team Blau — Analyse der im Team Blau geführten Interviews

Zusammenfassung
Das vorliegende Kapitel widmet sich dem Versuch, die „soziale Wirklichkeit“ innerhalb der professionellen Radsportmannschaft Team Blau zu rekonstruieren. Dazu wird zunächst das Basisinterview (vgl. Kapitel 4.2) vorgestellt (5.1). Von diesem ausgehend werden die gewonnenen Informationen in einer ersten Zusammenführung in ein Organisationsmodell des Teams Blau transformiert (5.2), welches im Anschluss an weiteren Interviewtexten erprobt und um die Ebenen der intersubjektiven Kommunikationsmuster und damit einhergehenden kommunikativen Pathologien erweitert wird (5.3–5.6). Die zweite Zusammenführung setzt die aus der Interviewanalyse herausgearbeiteten Erkenntnisse mit Teilen der „Theorie des kommunikativen Handelns“ in Beziehung (5.7).
Ronny Jahn

6. Fazit, Kritik und Ausblick

Zusammenfassung
Verstehen und Verständigen scheint Akteuren im Zuge sich nach außen öffnender Gesellschaften zunehmend schwerer zu fallen, dies legten die einleitenden Worte der vorliegenden Arbeit nahe. Im Sinne einer sich mit dem Ziel der Professionalisierung nach außen öffnenden Gemeinschaft Team Blau hat sich diese These am empirischen Fallbeispiel bestätigt. Die Kommunikationsstrukturen des Teams Blau enthalten organisatorische, soziale und psychische Elemente und weisen diesbezüglich offenbar problematische Kommunikationskonstellationen auf, die mit der diagnostizierten „sowohl als auch Kultur“ und dem Veränderungsprozess von einer Gemeinschaft zur professionellen Organisation korrespondieren, so dass die Verständigung zwischen einzelnen Teammitgliedern erschwert wird.
Ronny Jahn

Nachwort

Nachwort

Zusammenfassung
Diese Arbeit bietet, für den der sich schon lange mit der Theorie und Praxis der Supervision befasst, einige Überraschungen. Zunächst regt die Definition der Supervision als „beobachtete Selbstkorrektur“ dazu an, sich erneut Gedanken über das Eigentliche der Supervision zu machen. Dass diese Bezeichnung im Kontext der habermas’schen Theorie des kommunikativen Handeln entstanden ist, erstaunt noch mehr. Zum Einen haben es sich die Theoretiker der 1970er und 1980er Jahre offensichtlich entgehen lassen, sich die damals in Blüte stehende Kritische Theorie, näherhin die Diskurstheorie von Habermas, für die Theorieentwicklung von Supervision wirklich zunutze zu machen und nicht nur auf sie in der Fußnote zu verweisen. Zum Anderen wird diese Theorie des kommunikativen Handelns in einer Zeit systemtheoretischen Denkens für die Supervision aktualisiert, in der es nur schwer gelingt, technischen Fortschritt und soziale Lebenswelt miteinander zu verbinden und unter die Kontrolle einer rationalen Auseinandersetzung zu bringen (vgl. Habermas 1968). Schließlich werden „ausformulierte und praktizierte Pfade supervisorischer Praxis aus soziologischer Perspektive“ betrachtet, was angesichts des soziologischen Theoriedefizits der Supervision erfreulich ist.
Wolfgang Weigand

Backmatter

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