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Über dieses Buch

Als IT-Experte bei stern TV erhält Tobias Schrödel immer wieder Hilferufe von Menschen, ob er Zugang zu Daten auf Handys oder sonstigen elektronischen Geräten verschaffen kann - auch zu digitalen Inhalten von Toten. Als ihn eines Tages eine sehr berührende Nachricht von Daniela erreicht und er seine Unterstützung zusagt, ahnt er noch nicht, welche Konsequenzen das Thema "Tod und Daten" für ihn mit sich bringt.

Wie soll man mit digitalen Daten nach dem Tod umgehen? Einerseits erklären Erben die Notwendigkeit, die digitale Hinterlassenschaft zu lesen, andererseits besteht der (unausgesprochene) Wunsch der Verstorbenen nach Privatsphäre. Tobias Schrödel nähert sich vorsichtig und umsichtig diesem kritischen Thema und spricht u.a. mit einem Juristen, Pfarrer und Kommunikationsexperten. Findet er damit eine Lösung für seinen verzwickten Fall?

Dieses Buch soll und kann keine 1:1-Anleitung im Umgang mit Daten nach dem Tod liefern, ebenso keine juristische Beratung. Es soll die (teils gegensätzlichen) Ansichten verschiedener Standpunkte darstellen. Die digitale Welt um uns herum ist schon längst im Leben angekommen – sie stellt uns nun aber auch nach dem Tod eines Menschen vor ungeahnte Herausforderungen und Überlegungen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Der digitale Tod

Früher oder später zumindest. Manche erst in zehn oder 20 Jahren, manche aber noch heute, im Laufe des Tages. Auf jeden Fall sterben sie alle irgendwann. Und darauf muss sich Facebook vorbereiten.
Tobias Schrödel

Der Hilferuf

Als ich die Nachricht das erste Mal las, wusste ich noch nicht, dass sie mich so beschäftigen würde, wie keine E-Mail oder Messenger-Nachricht jemals zuvor. Emotional und zeitlich. Zum Zeitpunkt als meine Augen das erste Mal die Zeilen überflogen, war es noch eine ganz normale Anfrage.
Tobias Schrödel

Frühere Fälle

In den nächsten Tagen und teilweise auch Nächten dachte ich oft über die Anfrage von Daniela nach. Das hatte ich bei früheren Fällen nicht gemacht. Das Knacken von Geräten fremder Personen ist in Deutschland zwar strafbar, aber wenn ich so etwas gemacht habe, dann hatte der nachgewiesene Besitzer und Eigentümer des Gerätes seinen PIN vergessen und wollte einfach nur an seine eigenen Daten.
Tobias Schrödel

Zweifel

Auch die verstorbene Tochter von Daniela gehörte wohl zu dieser jungen Generation, die eher mit dem Handy hantiert als mit Füller und Papier. In der Anfrage von Daniela steht, dass das Handy das „einzige Persönliche“ sei, was ihr geblieben ist. Ich verstand sofort, dass es der einzige Container ist, die einzige Schuhschachtel, in der die Erinnerungen liegen.
Tobias Schrödel

Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht

Der Wunsch, die Stimme eines verstorbenen Freundes oder Familienmitgliedes noch einmal hören zu können, ist mit Sicherheit nicht nur Danielas Anliegen. Es gibt einem die Möglichkeit zu antworten, mit der so schmerzlich vermissten Person noch einmal zu reden, offene Fragen zu beantworten – oder eben einfach nur noch einmal dem Klang einer vertrauten Stimme zu lauschen. Mike Rutherford, neben Phil Collins eines der Gründungsmitglieder der Band Genesis und später von Mike & the Mechanics, wurde für den Text des Songs „The living years“ für den Grammy nominiert.
Tobias Schrödel

Die Kontaktaufnahme

Als ich Daniela das erste Mal antwortete, war ich Feuer und Flamme und musste mich eher bremsen, ihr nicht zu viel Hoffnung zu machen. Ich war gewillt, alles in Gang zu setzen, was ich konnte, um an die Daten in dem Gerät zu kommen. An die Daten, die ihr den Schmerz nehmen und ihr viele schöne Erinnerungen an die verstorbene Tochter bringen sollten.
Tobias Schrödel

Die zweite Anfrage

Fast zeitgleich erreichte die stern TV Redaktion eine Anfrage aus Hessen, die sich wie ein Déjà-vu anfühlte, als ich sie las.
Tobias Schrödel

Die Technik trifft die Entscheidung

Manche Probleme lösen sich von selbst. Um den Eltern des Jungen helfen zu können, sind natürlich die gleichen Voraussetzungen nötig, wie bei Daniela. Es muss technisch überhaupt machbar sein, an die Daten heranzukommen.
Tobias Schrödel

Familie und Freunde

In den nächsten Tagen erzählte ich fast jedem, den ich traf von dem, was mich gerade umtrieb. Familie, Freunde, Bekannte, selbst ehemalige Arbeitskollegen und Kunden weihte ich in meine Gedankenkrise ein und fragte um Rat. Die Antworten waren meist das, was man als binär bezeichnet.
Tobias Schrödel

Ein fauler Kompromiss und zu viele Informationen

Wer viel fragt, bekommt viele Antworten. Ich habe viele Freunde und Bekannte befragt, und ich habe viele Antworten bekommen. Wie schon erwähnt, gab es viel Zustimmung und spürbar weniger Ablehnung bezüglich meines Vorhabens im Auftrag der Mutter das Handy ihres verstorbenen Kindes zu knacken.
Tobias Schrödel

Los geht’s

Als das kleine Päckchen mit dem Smartphone bei mir ankam, brannte es schon unter meinen Nägeln. Mit neuem Elan und der Ruhe meines Gewissens, den mir der Kompromiss mit Daniela bescherte, machte ich mich sofort an die Arbeit. Im Paket fand ich neben dem Handy ein kleines, nettes Anschreiben vor.
Tobias Schrödel

Das Facebook-Urteil – Teil 1

Daniela ist nicht die erste Mutter, die Zugang zu Daten ihres toten Kindes möchte. Auch andere Eltern versuchen das und müssen kämpfen. Bei Facebook ist es möglich, einen Account in den sogenannten Gedenkzustand zu versetzen.
Tobias Schrödel

Christian Solmecke – Jurist

Immer wieder merke ich bei meinen Überlegungen, dass ich mich insbesondere dann im Kreis drehe, wenn es um rechtliche Fragen geht. Ich habe eine gewisse Vorstellung davon, was Recht ist – oder besser gesagt, was Recht in meinen Augen sein sollte. So, wie das wohl jeder Laie tut und dann Skandal ruft, wenn ein Richter völlig anders entscheidet.
Tobias Schrödel

Systemabsturz

Der kleine USB-Stick am Handy von Jessica werkelt in der Zwischenzeit sein Programm ab. 0420 – falsche PIN, 0421 – falsche PIN, 0422 – falsche PIN, 0423 – falsche PIN, 0424 – falsche PIN. Und dann Pause für 30 Sekunden. 0425 – falsche PIN. Und so weiter.
Tobias Schrödel

Bernhard Götz – evangelischer Pfarrer

Seit meiner Kindheit lebe ich mit kurzer Unterbrechung im Olympischen Dorf in München. Ich wurde nie getauft, hatte also mit der Kirche als Institution mein ganzes Leben lang herzlich wenig am Hut. Trotzdem habe ich zu „unserem“ Pfarrer ein sehr gutes, freundschaftliches Verhältnis.
Tobias Schrödel

Das Facebook-Urteil – Teil 2

Unser Leben und unsere Kommunikation, das alles hat ein klein wenig Gemeinsamkeit mit Geheimagenten und dem Schutz vor Industriespionage. Wenn wir nur darüber nachdenken, können wir nämlich alles, was wir sagen oder schreiben in Geheimhaltungsklassen einordnen, also einem Ordnungssystem, das Informationen von frei zugänglich bis geheim klassifiziert. Manches ist öffentlich, so, wie die Prospekte einer Marketingabteilung.
Tobias Schrödel

Bernd Tiggemann

Theologe und Leiter der Kommunikation der Evangelischen Kirche von Westfalen
Nur durch Zufall kam ich mit Bernd Tiggemann in Kontakt. Bei einer Veranstaltung in Berlin traf ich einen befreundeten Datenschützer und erzählte auch ihm die Geschichte von Daniela, dem Handy ihrer verstorbenen Tochter und dem, was ich probierte, um das Smartphone zu knacken. Wir saßen beim Abendessen an einem großen, runden Tisch und jeder der Anwesenden hatte eine spontane Meinung.
Tobias Schrödel

10.000 Fehlversuche

Als ich den Rubber Ducky, mit dem ich das Handy von Jessica bearbeite auf die letzten 1.000 PIN-Nummern programmiert habe, wusste ich, dass ich es bald geschafft haben würde. Es wird nur gut drei Stunden dauern, bis die Codes 9000 bis 9999 durch sind. Zum zehnten Mal schaltete die kleine Videokamera ein, die das Display abfilmte, um nachschauen zu können, welche Zahlenkombination letztlich die richtige sein wird und kümmerte mich dann um andere Dinge.
Tobias Schrödel

Birgit Aurelia Janetzky

Trauerrednerin und Expertin für den digitalen Nachlass
Manche Menschen sind ihrer Zeit einfach voraus. Birgit Janetzky ist so ein Mensch – und das mag seltsam erscheinen, weil sie beruflich viel über Vergangenes redet. Sie erzählt über vergangene Tage, von vergangenem Leben.
Tobias Schrödel

Es ist auf

Wenn man am wenigsten mit etwas rechnet, dann passiert es. Beim Abendessen mit Gästen war es soweit. Kurz bevor der erste Besucher an der Tür klingelte, war ich noch in meinem Büro, compilierte das Skript mit den PINs von 26.000 bis 26.999 und kopierte es auf die SD-Karte des Rubber Ducky.
Tobias Schrödel

Professor Tom Knieper

Lehrstuhl für Computervermittelte Kommunikation
Mein Bruder konnte schon mit acht Jahren alle Witze von Otto Walkes auswendig aufsagen. Etwas später kam Monty Pythons hinzu, gefolgt von allerlei Comedians aus den USA. Kein Wunder also, dass er irgendwann beim Radio landete und viele Jahre Sketche für diverse Moderatoren und Spaßmacher aus Funk & Fernsehen schrieb.
Tobias Schrödel

Es gibt Wichtigeres im Leben, als Daten nach dem Tod

Im Laufe meiner Recherche habe ich viele Menschen nach ihrer Meinung gefragt. Ich habe die Geschichte von Daniela, ihrer Jessica und dem verschlossenen Handy dutzende Male erzählt. Dabei habe ich auch immer wieder gefragt, wer denn Experte bei so einer Frage sein könnte. Welches Berufsbild kann mir Antworten geben können, oder neue Aspekte in meine Überlegungen bringen?
Tobias Schrödel

Inventur der gefundenen Daten

Jessicas Handy war offen. Es dauerte ein paar Tage, bis ich alles gesichtet, sortiert und bewertet hatte. Die Daten, die Daniela auf einem USB-Stick bekommen sollte, waren kopiert und ich bereitete ein Dokument vor, auf dem erklärt wurde, was in welchem Dateiordner auf dem Stick zu finden ist. Dann schrieb ich Daniela eine Nachricht. Bis jetzt wusste sie noch nicht, dass das Handy geknackt war und ich hatte keine Idee davon, wie sie reagieren würde.
Tobias Schrödel

Auftrag erledigt

Das Smartphone, mit dem ich es zu tun gehabt hatte, war nicht irgendein Telefon. Es war nicht das Handy eines Managers, das bis auf wenige Ausnahmen geschäftliche Informationen enthielt. Dies war das Smartphone einer jungen Frau, die ich nicht einmal kannte und in deren privaten Daten aus den letzten Monaten ich nun rumstöberte.
Tobias Schrödel

Mein Treffen mit Daniela

Es ist über ein Jahr her, dass ich Daniela den USB-Stick mit Bildern ihrer verstorbenen Tochter Jessica geschickt habe. Ich kontaktiere sie erneut per Facebook-Messenger, weil ich endlich wissen will, was sie rückblickend mit den Daten erlebt hat und wie sie heute darüber denkt.
Tobias Schrödel

Backmatter

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