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2022 | Buch

Der Klimaschutzdiskurs der „Neuen Rechten“

Eine ideengeschichtliche Analyse des Periodikums Die Kehre – Zeitschrift für Naturschutz

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Über dieses Buch

Umwelt- wie auch konkret der Klimaschutz als dessen jüngerer Teilbereich sind weder neutrale Sachthemen noch notwendigerweise politisch links zu verorten. Im historischen Rückblick lassen sich Momente der geglückten wie gescheiterten Verquickung nationalistischer und antidemokratischer Positionen mit „grünen“ Forderungen im gesellschaftspolitischen Diskurs ausmachen. Auch im Lichte des gegenwärtigen Relevanzgewinns der Causa Klimawandel regen sich im neurechten Lager erneut die Versuche einer (Rück-)Eroberung der Diskurshoheit. Paradigmatisch hierfür steht das neurechte Periodikum Die Kehre – Zeitschrift für Naturschutz, das sich als Debattenort zur Etablierung einer „konservativen Ökologie“, der Verbindung von Ökologie mit rechtsideologischen Elementen, ins Werk setzt. Welche Positionen beziehen, welche Begründungzusammenhänge formulieren Akteur*innen der „Neuen Rechten“ zum Klimaschutz?

Die vorliegende Arbeit rekonstruiert Amalgamierungsmomente neurechter (Vorläufer-)Gruppierungen mit Themen des Umweltschutzes und systematisiert so die Chronologie der Genese der „Neuen Rechten“ in einem umweltethischen Zusammenhang. Auf diesem Fundament wird eine Tiefenanalyse der klimaschutzpolitischen Argumentationen innerhalb des neurechten Periodikums Die Kehre geleistet, die identifizierten Positionen werden hinsichtlich ihrer inhaltlichen und strukturellen Brücken in neurechte Traditions- und Ideologiebestände kontextualisiert und interpretiert.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
Kapitel 1. Einleitung: Klimaschutz von rechts?
Zusammenfassung
Die öffentliche Wahrnehmung der politischen Heimat des Natur- und Umweltschutzes ist noch immer stark durch die Bürgerinitiativ- und Umweltbewegung der 1970er und 1980er Jahre geprägt. Trotz vorhandener Bestrebungen die ideologischen Lager, insbesondere die Rechts-Links-Dichotomie, durch den übergreifenden Sachzusammenhang der gemeinsamen Umweltsorge zu überwinden, setzten sich letztlich und auch in der Erkenntnis unüberbrückbarer ideeller Differenzen die linken Kräfte durch. Dem hegemonialen Diskurs um natur- und umweltschützerische Bestrebungen ist heute gemeinhin ein linksliberales emanzipatorisches Moment immanent: eine Verantwortungsethik in aufklärerisch-universalistischer Grundierung (vgl. Forchtner 2020: 4).
Wiebke Zimmermann
Kapitel 2. Theorieteil: Historische Wurzeln und Traditionslinien der „Neuen Rechten“
Zusammenfassung
Es ist hinlänglicher Konsens, dass der Mythos einer Stunde Null einen blinden Fleck auf die Kontinuitäten extrem rechter Geisteshaltung und Ordnungsvorstellungen Nachkriegsdeutschlands wirft. Vielmehr überlebten die ideologischen Ausläufer der nationalsozialistischen Diktatur ihren formellen Zusammenbruch und wanden sich hinein in die Konsolidierungsphase der jungen Republik. Ihre Ankerpunkte waren dabei jene Köpfe, die durch das zunehmend großmaschiger werdende Netz der Entnazifizierung glitten und sich nicht bloß juristisch einer Schuldfrage entzogen.
Wiebke Zimmermann
Kapitel 3. Analyse und Diskussion: Klimaschutz in der Zeitschrift Die Kehre
Zusammenfassung
Vor dem Hintergrund der im ersten Teil ausgearbeiteten historischen Wurzeln und soziokulturellen wie politischen Entstehungsbedingungen der „Neuen Rechten“, ihrer Theoreme, Strategien und insbesondere ihrer ideologischen Traditionslinien, soll im Folgenden eine Analyse des Klimaschutz-Topos in dem noch jungen Periodikum Die Kehre – Zeitschrift für Naturschutz erfolgen. Nach Einschätzung der Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz (FARN) lässt sich das Zeitschriftenprojekt im IfS-Umfeld sowie dem Verein Ein Prozent verorten. Herausgegeben wird sie vom Oikos Verlag, der seinen Sitz in derselben Dresdner Immobilie hat wie Ein Prozent, vertrieben unter anderem im Verlag Antaios.
Wiebke Zimmermann
Kapitel 4. Fazit
Zusammenfassung
So sehr im historischen Rückblick auch Bestrebungen sichtbar werden, politische Lager unter einem gemeinsamen grünen Krisenbanner zu vereinen, so sehr zeigt sich: Umweltschutz war kein neutrales Sachthema, sondern wurde mit rechten wie linken Ideologieelementen und programmatischen Forderungen verbunden. Eine Verbindung über die Slavoj Žižek schreibt, sie sei „nicht von vornherein festgelegt“, der Umweltschutz also weder zwingend links, noch rechts, sondern „mit anderen ideologischen Elementen“ frei verknüpfbar (Žižek 2021[1989]: 133). In Kongruenz mit dem im Theorieteil erarbeiteten Hintergrund, der den Kampf wertkonservativer und nationalrevolutionärer „Neuer Rechter“ um die Hegemonie in der Umweltbewegung und den Grünen bereits in den 1970er Jahren offenlegt, erscheint daher die Bemerkung Jonas Schicks im Editorial der Kehre-Erstausgabe: „[D]ie ‚Ökologie‘ [ist] heute ein politisch hart umkämpftes Feld, auf dem heftig um die Deutungshoheit gerungen wird“ (Schick 1/2020: 1).
Wiebke Zimmermann
Backmatter
Metadaten
Titel
Der Klimaschutzdiskurs der „Neuen Rechten“
verfasst von
Wiebke Zimmermann
Copyright-Jahr
2022
Electronic ISBN
978-3-658-39111-9
Print ISBN
978-3-658-39110-2
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-39111-9