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Über dieses Buch

Kalle Hauss nimmt die Erfahrungen junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Konferenzen empirisch in den Blick und fragt nach den Erträgen der Teilnahme. Aufbauend auf Varianten der Rational Choice-Theorien zeigt er, welche Folgen Konferenzteilnahmen haben können und inwiefern sich die Teilnahme für junge Forschende lohnt. Konferenzen sind globale Phänomene in der Wissenschaft. Trotz ihrer Allgegenwart gehören sie zu den blinden Flecken der Soziologie.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Chapter 1. Einleitung

Zusammenfassung
Konferenzen sind globale Phänomene. In der Politik, der Wirtschaft, der Kirche und der Wissenschaft werden sie meist dann einberufen, wenn es gilt, drängende Probleme zu lösen. Forscher nehmen hierfür teilweise erhebliche Mühen auf sich, obwohl die Teilnahme allzu oft folgenlos bleibt. Der sichere Ertrag ist die Beibehaltung des Status quo: Man trifft sich, informiert sich, arbeitet sich durch die Routine der Konferenz und kehrt zur normalwissenschaftlichen Arbeit zurück.
Kalle Hauss

Chapter 2. Zur Einordnung des Konferenzbegriffs

Zusammenfassung
In seiner allgemeinen Bedeutung leitet sich der Begriff „Konferenz“ aus dem Lateinischen (mittellateinisch conferentia, lateinisch conferre) ab und meint „Zusammentragen“ oder „Mitteilen“. Die Onlineausgabe des Dudens verweist auf vier Bedeutungen. Danach steht die Konferenz für 1) eine „Besprechung mehrerer Personen über fachliche, organisatorische o. ä. Fragen“, 2) eine „Zusammenkunft eines Kreises von Experten zur Beratung politischer, wirtschaftlicher o. ä. Fragen“, 3) ein „kartellartiger Zusammenschluss von Reedereien im Überseegeschäft“ und 4) eine „Konferenzsendung im Bereich des Rundfunks oder Fernsehens“ (Bibliographisches Institut 2012a). In der Wissenschaft ist für den Konferenzbegriff eine Vielzahl synonymer Bezeichnungen gebräuchlich. Auf einen spezifisch wissenschaftlichen Kontext verweisen die Begriffe Kongress, Symposium, Kolloquium, Meeting, Session oder Tagung.
Kalle Hauss

Chapter 3. Konferenzen in der Wissenschaft: Forschungsstand

Zusammenfassung
In der Wissenschaftsforschung wird den informellen Aktivitäten von Forschern allgemein eine hohe Relevanz für die Wissensproduktion zugeschrieben. Dieser Relevanz steht bislang ein erhebliches Forschungsdefizit gegenüber: Zwar hat es in der Vergangenheit immer wieder Versuche gegeben, die vielschichtigen Formen der informellen Kommunikation zu ergründen. Aufgrund ihrer Komplexität und ihrer Wechselwirkung mit anderen sozialen Teilsystemen sind sie allerdings selten Gegenstand systematischer Quantifizierungsversuche gewesen. Ihr offener Charakter lässt zudem ein hohes Maß an Interpretationsspielraum zu (Felt et al. 1995: 64).
Kalle Hauss

Theoretischer und methodologischer Rahmen

Frontmatter

Chapter 4. Strukturell-individualistische Erklärungen in der Soziologie

Zusammenfassung
In den folgenden zwei Kapiteln wird der theoretisch-methodische Rahmen der Arbeit skizziert. Dazu werden zunächst die Grundzüge des in der Soziologie verbreiteten strukturell-individualistischen Erklärungsschemas erläutert. Im Anschluss werden Rational-Choice-Theorien (im Folgenden RC-Theorien) als handlungstheoretische Grundlage der Arbeit vorgestellt (Kapitel 5).
Kalle Hauss

Chapter 5. Grundlagen der Rational-Choice-Theorien

Zusammenfassung
In vielen Bereichen der Soziologie, Politikwissenschaft und Ökonomie werden RCTheorien zur Erklärung sozialer und ökonomischer Phänomene herangezogen. Auf die Existenz verschiedener Varianten der Theorie verweist hier die Verwendung des Plurals. Trotz unterschiedlicher Rationalitätskonzepte verbindet aber alle RC-Theorien die Annahme, dass Menschen versuchen werden, ihre Lage zu optimieren, und dass sie dabei dieBedingungen ihrer Umwelt berücksichtigen (Albert und Sigmund 2011: 24; Diekmann und Voss 2004: 13). In den Sozialwissenschaften hat sich diesbezüglich ein Rationalitätsverständnis etabliert, das an der Popper’schen Methode der Situationsanalyse orientiert ist: Um zu Erklärungen über soziale Phänomene zu gelangen, sei es, so Popper, unabdingbar, das Handeln von Menschen unter den Bedingungen institutioneller, normativer, materieller und technischer Gegebenheiten zu betrachten (Popper 1995: 359).
Kalle Hauss

Empirie

Frontmatter

Chapter 6. Methode

Zusammenfassung
Das folgende Kapitel behandelt das methodische Vorgehen bei der Datenerhebung und -auswertung. Methodisch greift die Arbeit auf eine kombinierte Anwendung qualitativer und quantitativer Erhebungsverfahren zurück. Die Datenerhebung basiert auf zwei kumulativen Teilstudien: einer explorativen Studie auf der Basis von Leitfadeninterviews und einer Onlinebefragung, die an ausgewählten Hochschulen in Deutschland durchgeführt wurde.
Kalle Hauss

Chapter 7. Explorative Studie

Zusammenfassung
Bei der theoriegeleiteten Stichprobenbildung erfolgt die Auswahl der Fälle üblicherweise anhand von Personenmerkmalen, die in einem begründeten Zusammenhang mit der Fragestellung stehen (Schreier 2012). Zwei Merkmale, die Qualifikationsphase der Nachwuchswissenschaftler und die wissenschaftliche Disziplin, sollen in dieser Arbeit die Auswahl der Interviewpartner bestimmen. Mit diesen Merkmalen werden typische Situationen, in denen Forscher „forschen“, und die typischen Restriktionen, denen sie dabei ausgesetzt sind, auf einem hohen Abstraktionsniveau erfasst.
Kalle Hauss

Chapter 8. Hypothesen

Zusammenfassung
Die theoretischen Überlegungen und die empirischen Ergebnisse der explorativen Teilstudie sollen im Folgenden herangezogen werden, um empirisch testbare Hypothesen abzuleiten. Es werden dabei drei Gruppen von Hypothesen formuliert. Die erste Gruppe fasst Hypothesen über die Motive der Konferenzteilnahme zusammen.
Kalle Hauss

Chapter 9. Onlinebefragung

Zusammenfassung
Das folgende Kapitel widmet sich der Planung und Durchführung der Onlinebefragung. Dazu wird zunächst das Vorgehen bei der Entwicklung des Fragebogens geschildert. Anschließend wird auf die Datengewinnung und mögliche Probleme im Zusammenhang mit der Beschaffenheit der Daten eingegangen. Im letzten Abschnitt werden die Daten anhand ausgewählter Merkmale beschrieben.
Kalle Hauss

Chapter 10. Häufigkeit von Konferenzteilnahmen

Zusammenfassung
Das folgende Kapitel analysiert, wie häufig die Befragten Konferenzen besucht haben und ob die Teilnahmehäufigkeit von individuellen und strukturellen Merkmalen abhängt. Lohnend erscheint eine Analyse der Teilnahmehäufigkeit, weil die Bedingungen der Produktion wissenschaftlichen Wissens, wie gezeigt wurde, zwischen Disziplinen und Subdisziplinen variieren (vgl. Kapitel 2.2). Wenn die Produktionsstrukturen der Wissenschaft disziplinspezifische Eigenheiten aufweisen, dann unterscheidet sich womöglich auch der Bedarf an halböffentlichen, das heißt: informellen Wissensbeständen zwischen Disziplinen und Subdisziplinen.
Kalle Hauss

Chapter 11. Motive der Konferenzteilnahme

Zusammenfassung
Das folgende Kapitel widmet sich Motiven der Konferenzteilnahme und ihrer empirischen Rekonstruktion. Die Datenbasis bildet das Sample, das bereits im vorherigen Kapitel genutzt wurde. Bei der Auswahl der Fälle wurde allerdings ein weiteres Selektionskriterium angewendet: Es wurden ausschließlich Fälle berücksichtigt, deren letzter Konferenzbesuch nicht länger als 1 ½ Jahre (= 527 Tage) zurückliegt. Da sich die Ergebnisse auf Angaben zur letzten Konferenz beziehen, soll auf diese Weise der Einfluss von Erinnerungsfehlern auf die Ergebnisse minimiert werden
Kalle Hauss

Chapter 12. Zugang zu Informationen

Zusammenfassung
In der Wissenschaft zirkulieren verschiedene Formen von Wissen. Hierzu gehört einerseits das in Publikationen archivierte Wissen der Fachgemeinschaften, das öffentlich zugänglich ist und eine zentrale Ressource für die Produktion neuen Wissens darstellt. Andererseits umfasst der Wissensbestand auch Wissen, das informell kommuniziert wird und oft nur in bestimmten sozialen Netzwerken zirkuliert. Neben unveröffentlichten Manuskripten gehören Schriftwerke wie Protokolle oder Mitschriften, die auf Anfrage weitergegeben werden, zu diesen Formen des Wissens (Gläser 2006: 111).
Kalle Hauss

Chapter 13. Strukturelle Folgen der Konferenzteilnahme

Zusammenfassung
Das folgende Kapitel analysiert strukturelle Folgen von Konferenzteilnahmen. Damit rücken die komplexen Dynamiken des Aufeinandertreffens von Forschern und außerwissenschaftlichen Akteuren in den Mittelpunkt der Analyse. Im vorherigen Kapitel wurde bereits auf ein zentrales Ergebnis der Konferenzteilnahme eingegangen: den Erhalt nichtredundanter Informationen. Dabei wurde argumentiert, dass die informellen Aktivitäten der Konferenzteilnehmer eine wichtige Voraussetzung für die Produktion neuen Wissens sind.
Kalle Hauss

Chapter 14. Schlussbetrachtung

Zusammenfassung
Weltweit finden täglich wissenschaftliche Konferenzen statt. Trotz ihrer weiten Verbreitung liegen bislang in der Wissenschaftsforschung und -soziologie kaum empirische Informationen über ihre Bedeutung für die Wissenschaft und die Wissenschaftler vor. An dieses Defizit knüpfte die vorliegende Arbeit an. In der Schlussbetrachtung sollen die zentralen Ergebnisse der Arbeit zusammengeführt und Implikationen für die Wissenschaftsforschung aufgezeigt werden. Ausgangspunkt der Arbeit bildete die Frage, welche individuellen und strukturellen Folgen die Teilnahme an wissenschaftlichen Konferenzen für Nachwuchswissenschaftler nach sich ziehen.
Kalle Hauss

Backmatter

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