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Über dieses Buch

Der Band sammelt Aufsätze, die sich mit der Publikumszuwendung zu Medien bzw. Einschätzungen des Publikums gegenüber Medien heute auseinandersetzen und unterschiedliche Aspekte von Beständigkeiten und Veränderungen vertiefen. Medien werden bedeutende öffentliche Aufgaben zugeschrieben. Dies setzt aber voraus, dass sie die Öffentlichkeit erreichen und diese das Konzept der öffentlichen Aufgabe auch trägt. Allerdings zeigt sich, dass das Verständnis, die Wertschätzung und die Bereitschaft seitens der Gesellschaft bzw. des Publikums diesen Medien bzw. ihren Aufgaben gegenüber schwinden. Um aber dieses Konzept aufrechtzuerhalten, müssen solche Entwicklungen genauer betrachtet werden, um Folgen aufzuzeigen und/oder Auswege abzuleiten.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Zur Bedeutung von Public-Value-Medien für das Publikum

Eine Einleitung
Zusammenfassung
Zusammenfassend erläutert der Beitrag die Einordnung des Sammelbandes zum Thema Public Value, der den Schwerpunkt auf die Publikumsperspektive setzt. In Kürze werden die Beiträge vorgestellt, die teils spezifische Publikumsgruppen betrachten, teils spezielle Angebote untersuchen, die eine besondere oder aktuelle Relevanz für Publikumsgruppen spielen, teils eine theoretische Perspektive einnehmen, aus der Aspekte für das Publikums extrahiert werden. Dabei entstammen die Autorinnen und Autoren und ihre entsprechenden Artikel mehrheitlich dem D-A-CH-Raum, andere internationale Verfasserinnen und Verfasser erweitern die Länderperspektiven.
Nicole Gonser

The Public Value and Shared Value Approaches

A Comparative Analysis and Lessons from the Shared Value Theory
Abstract
As public service media organisations are key actors in providing services that are vital for the health of a democratic society, public value has become a media policy term ‘du jour’ in Europe, which is embraced and integrated to internal policy processes of key European broadcasting organisations, including the British BBC and Austria’s ORF. Originally developed as a conceptual model with tools for developing management competence in the public sector, the public value notion is now used as an analysis tool in the context of media industry to identify outcomes that improve the welfare of the individuals, the society as a whole and the wider commercial market.
In parallel to the public value approach, another approach has been developed to quantify organisational outcomes in more broad terms. This Creating Shared Value (CSV) approach, mainly utilised in the context of private enterprise, is similar to the public value approach in that it seeks to steer the organisational strategies and behaviour towards the creation of economic value in a way that also creates value for society. Shared value is not corporate social responsibility or philanthropy, on the contrary, creating shared value is at the core of the business strategy. It is important to understand that if the organisation’s strategic objectives are supported by social investments, those investments will end up in its strategic plan and also become part of company’s DNA. And if the social investments are aligned with company strategy and integrated into its strategic plan, the organisation cannot eliminate them during economic downturns. The CSV approach argues that it gives companies competitive benefits over their competitors (Porter and Kramer in Harv Bus Rev 89(1), 62–77, 2011).
This chapter undertakes a critical comparison of the public value and shared value approaches. It analyses the origins of these approaches, their key characteristics and provides details about their current utilisation. The chapter will then proceed to critically analysing the current implementation of the public value approach in public service media organisations by detailing problematic issues in this respect, while it also seeks to explain how these issues stem from the origins of the approach and institutional culture within public service media organisations. The chapter then proceeds to a discussion about the contribution of the shared value approach, and proposes directions for a theoretical convergence between the public value and shared value approaches.
Kaisa Sorsa, Mikko Sihvonen

Was der öffentlich-rechtliche Rundfunk von journalistischen Start-ups lernen kann

Zur Zusammenarbeit von Neugründungen mit ihrem Publikum
Zusammenfassung
Journalistische Start-ups können Innovationstreiber und Trendgeber der Medienbranche sein, weil sie neue Produkte, Produktionsprozesse, Organisationsstrukturen usw. mitunter früher erproben als etablierte Unternehmen. Deshalb bilden sie auch für öffentlich-rechtliche Rundfunkorganisationen bedeutsame Orientierungspunkte. Der vorliegende Beitrag exploriert die Zusammenarbeit ausgewählter Neugründungen mit ihrem Publikum im Kontext der Entstehung eines vernetzten Produktionsmodus des Journalismus. In einem Fallstudiendesign werden 15 Organisationen empirisch mit Blick auf den Einbezug von Nutzerinnen und Nutzern untersucht. Auf dieser Grundlage entwickle ich Implikationen für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der Public Value durch die ‚Co-Produktion‘ mit seinem Publikum schöpfen und hierfür neue Beteiligungsformen austesten will.
Christopher Buschow

Gewohnheiten der Fernsehnutzung

Zusammenfassung
Gewohnheiten – definiert als automatisch auslösbare Skripte – sind im Alltag wichtige Selektionsdeterminanten und sagen Fernsehnutzungshäufigkeit zuverlässig voraus. Sie sind im Langzeitgedächtnis einer Person abgelegt und zumindest mittelfristig stabil. Ihre Auslösung hingegen ist situationsabhängig – Zuschauer können den Fernseher in einer Situation habituell, in einer anderen intentional einschalten. Der vorliegende Beitrag untersucht die Rolle situativer Kontextfaktoren für die Auslösung von Fernsehgewohnheiten. Die Ergebnisse einer quantitativen Tagebuchstudie zeigen, dass Fernsehgewohnheiten in verschiedenen und nicht nur in spezifischen Kontexten den Selektionsprozess mitbestimmen. Sie beeinflussen Fernsehselektion im Alltag also umfassend.
Anna Schnauber-Stockmann

The Quality of Albanian Public Television Offer

Abstract
Based on the data obtained from a scientific research on television offer quality of Albanian Public Television (TVSH) conducted by the Department of Journalism and Communication in the University of Tirana, and also based on in-depth analysis of these data, it results that the application of new digital technologies in the Albanian television industry has affected the formats of TV programmes, the relationships between television and its audiences and has made possible the emergence of new television channels with new professional and legal status. The spekter of new digital technologies, which starts from the production stage and reaches the space of the web and through internet appears on the small screens, has brought a radical change in the TV content. These are transformations that reveal a new television context and have changed not only the format of TV programmes, but also the TV programming itself, the economic model embraced by broadcasting companies, the journalistic and other skills needed in today’s television industry, etc.
As revealed by the research, Albanian Public Television (TVSH) is not adapted to these transformations yet, and this is reflected in the audience perception on the quality of the television offer of TVSH as well as in the abandonment of its programs and migration of the audience toward private broadcasters or to the Web TV content. TVSH still remains an atavistic structure within Albanian media system and it is essential to reframe it as a public information agency and to rebuild its relationship with broad audiences.
Mark Marku, Artan Fuga

Public Network Value for the Next Generation am Beispiel von funk

Das neue Online-Jugendangebot
Zusammenfassung
Die Debatte um die Legitimation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat im digitalen Zeitalter eine neue Dimension erreicht: Insbesondere das junge Publikum wendet sich nicht nur verstärkt den privat-kommerziellen Sendern zu, sondern konsumiert immer häufiger Bewegtbildinhalte im Netz, wo internationale Player wie YouTube oder Netflix an Bedeutung gewinnen. Die Sorge, das junge Publikum komplett zu verlieren, ist deshalb groß. Mit funk – dem „jungen Angebot“ von ARD und ZDF – sollen die 14- bis 29-Jährigen mithilfe von zielgruppenspezifischen Inhalten nun wieder an die öffentlich-rechtliche Marke gebunden werden. Der vorliegende Beitrag nimmt die Markteinführung zum Anlass, die Ausgestaltungsmöglichkeiten öffentlich-rechtlicher Angebote im Netz theoretisch zu diskutieren und die konkrete Umsetzung einer Bewertung zu unterziehen. Diese erste Bestandsaufnahme von funk zeigt, dass das Angebot im Hinblick auf die netzspezifischen Anforderungen einen vielversprechenden Ansatz darstellt, jedoch die „klassischen“ Qualitätskriterien drohen, in den Hintergrund zu geraten. Eine konsequente Umsetzung von Public Network Value ist demnach insbesondere im Hinblick auf öffentlich-rechtliche Inhalte unerlässlich, um auch in der digitalen Medienwelt als Vorbild Qualitätsmaßstäbe zu setzen. Hierfür bedarf es jedoch auch passender regulatorischer Rahmenbedingungen.
Birgit Stark, Miriam Steiner

Newsrepertoires junger Erwachsener

Mediennutzung und Politikwahrnehmung im Wandel
Zusammenfassung
Mit dem Konzept der Medienrepertoires lassen sich für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 29 Jahren sechs Repertoiretypen der Newsnutzung unterscheiden und lebensweltlich verorten. Seit 2009 gewinnen die Typen der News-Deprivierten und Global Surfer, die sich stark über Online Newssites und Social Media informieren, an Bedeutung. Insbesondere das Repertoire der News-Deprivierten, ist durch eine unterdurchschnittliche Nutzung von qualitativ hochstehenden Newsmedien charakterisiert. Es lässt sich zeigen, dass die Repertoires einen Einfluss auf die Wahrnehmung der Gesellschaft und der Politik haben, indem sie die Agenda der beachteten Themen und Ereignisse prägen. Nutzer mit einem breiten Repertoire, d. h. einem vielfältigen Medienmenü unter Einschluss von Qualitätsmedien, verfolgen stärker den politischen Entscheidungsfindungsprozess. Den News-Deprivierten vermittelt sich hingegen mit ihren eingeschränkten Repertoires das Bild einer unberechenbaren Gesellschaft, die durch Einzelereignisse und Krisen gekennzeichnet ist.
Jörg Schneider, Mark Eisenegger

Willingness to Pay for Public Service Media

Abstract
This empirical paper examines the issue of willingness to pay (WTP) for public service media (PSM) in Austria and neighboring Germany. It tests the hypothesis that people are more willing to pay for PSM if their awareness for the existence of PSM’s online services is raised. A non-representative quantitative online survey (N = 1657) including an experiment was conducted in June and July 2016 in both countries. No supporting evidence was found; the results suggest that online services do not play an important role in predicting WTP. Apart from that, multiple predictors for WTP in line with existing research and streaming services as points of reference for people’s valuation of PSM are discussed.
Markus Grammel, Johann Gründl

Brauchen wir eine öffentlich-rechtliche Suchmaschine?

Zum Wettbewerb im Online-Informationsmarkt und strategische Optionen für Public-Service-Medien
Zusammenfassung
Der Autor dieses Beitrags diskutiert, ob der Aufbau einer öffentlich-wirtschaftlichen Suchmaschine eine Alternative sein kann, um mit den Defiziten einer ausschließlich privatwirtschaftlich betriebenen Suchmaschine umzugehen. Alternativ ist eine öffentlich-wirtschaftliche Suchmaschine, insofern von ihr erwartet werden kann, dass sie unabhängig von kommerziellen Zwängen die Anforderung einer höheren Qualität erfüllt. In dem Zusammenhang stellt sich weiterhin die Frage, ob die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten eine solche Suchmaschinenalternative anbieten könnten. Die wissenschaftliche Analyse kommt allerdings zu dem kritischen Befund, dass bereits die Fokussierung auf Suchmaschinen und Suchanfragen viel zu eng ist, wenn man wissen will, wie Menschen ihren Informationsbedarf im Netz befriedigen und sich dazu im ,long tail‘ des Internets zurechtfinden. Vielmehr umfasst der Onlinemarkt für Informationen ein breiteres Spektrum an Such- und Navigationsdiensten. Folglich steht den Public-Service-Medien (PSM) ein breiteres Spektrum an strategischen Optionen zur Verfügung, um im Internet ihren öffentlichen Auftrag wahrnehmen zu können. Im Ergebnis ist festzuhalten, dass die PSM ihre Marken und publizistischen Namen bzw. ihren Ruf stärken und pflegen müssen, um im Wettbewerbsmarkt gesucht und gefunden zu werden. Die Reputation der Marken ist zu pflegen, damit sie ein nützliches, allgemein bekanntes und vertrauenswürdiges Angebot signalisieren. Dadurch schaffen die PSM Public Value. Das Ergebnis unterstützt die Argumentation, dass Markenbekanntheit in Verbindung mit Vertrauen ein wichtiger strategischer Parameter ist, mit dem die PSM Public Value für die Menschen schaffen können. Im Unterschied dazu wäre eine öffentlich-wirtschaftliche Suchmaschine keine Lösung, um die gesellschaftlichen Ziele der Medien zu gewährleisten.
Hardy Gundlach

Öffentlich-rechtliche Medienangebote und die Haltung des Publikums

Zusammenfassung
An das Programm von öffentlich-rechtlichen Medien bzw. Public-Service-Medien (PSM) sind gesetzliche Auflagen gerichtet, die mit hohen Erwartungen in Bezug auf die Qualität dieser Medienangebote verbunden sind. In konvergenten Medienwelten wird es dabei immer schwieriger, den vielfältigen Ansprüchen unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen gerecht zu werden und diese auch entsprechend ihrer Mediennutzung zu erreichen. Die Entwicklung hin zur vermehrt digitalen Mediennutzung, die individuell und zeitlich unabhängig stattfindet, verändert dabei stark die Nutzungsgewohnheiten der massenmedial sozialisierten Rezipientinnen und Rezipienten. Im vorliegenden Beitrag wird in diesem Zusammenhang die Frage nach der Haltung des Publikums gegenüber dem PSM-Angebot (in Österreich) heute und die dahinterliegende Argumentation näher beleuchtet. Die vorgestellten Ergebnisse beruhen auf der Analyse von insgesamt 48 Leitfaden-Interviews aus dem ersten Halbjahr 2015 mit Interviewpartnerinnen und Interviewpartnern unterschiedlichen Geschlechts, Ausbildung und Altersgruppen. Insgesamt ist die Haltung des Publikums von einer strengen Beurteilung und anspruchsvollen Haltung geprägt. PSM stehen dabei für Nachrichtenformate bzw. Information und sollen weiterhin von Privaten unterscheidbar sein. Bei Unterhaltungsformaten können PSM dagegen weniger überzeugen und der Vorwurf schlechter Qualität zugunsten höherer Quoten wird kritisch gesehen. Dabei zeigen die Befragten durchaus Bewusstsein in Bezug auf politische Einflussfaktoren bei PSM und ökonomischen Druck bei Privaten. Der Wettbewerb und die Co-Existenz beider Unternehmensformen wird gesamt als positiv bewertet.
Nicole Gonser, Gisela Reiter

Mehr Mehrwert durch Konstruktiven Journalismus?

Idee des Konzepts und Implikationen zur Steigerung des Public Values von Medien
Zusammenfassung
Der Beitrag bringt das Konzept des Konstruktiven Journalismus in die Debatte um den Public Value ein. Er fragt, inwiefern dieses Berichterstattungsmuster geeignet ist, den gesellschaftlichen Mehrwert von Medien zu steigern. Anlass sind erstens Befunde aus der Nachrichtenauswahlforschung, die einen Negativ-Bias der journalistischen Berichterstattung fokussieren, zweitens die damit verbundene Kritik, dass die tradierten Nachrichtenraster wichtige gesellschaftliche Entwicklungen ausblenden oder zu negativ darstellen würden. Seine Ursprünge hat das Konzept des Konstruktiven Journalismus bei Robert Jungk und der Positiven Psychologie nach Martin Seligman. Johan Galtung brachte es in die journalismustheoretische Debatte ein. Wichtige Vertreter sind u. a. Ulrik Haagerup und Catrin Gyldenstedt sowie das Solutions Journalism Network. Kritik am Konzept adressiert eine angebliche Nähe zu PR und Lobbying sowie Probleme des journalistischen Rollenverständnisses und der Qualität. Die Diskussion ergibt, dass das Konzept belastbar und auch wünschenswert ist, sofern es als ergänzendes Berichterstattungsmuster verstanden wird: Denn Konstruktiver Journalismus zielt auf einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Probleme, was auch dem Public-Value-Gedanken zugrunde liegt. Der Beitrag zeigt Forschungsdesiderata auf. Abschließend verweist er auf die medienpolitische Frage, inwiefern das Konzept gestärkt und öffentlich gefördert werden sollte: durch Vorgaben der Medienregulierung, die Gründung neuer Institutionen (z. B. Nachrichtenagentur oder Recherchenetzwerk) sowie in der journalistischen Aus- und Weiterbildung.
Markus Beiler, Uwe Krüger

Der Journalismus und sein Publikum

Zwischen Attraktion und Beziehungsarbeit
Zusammenfassung
Der Beitrag nähert sich dem Verhältnis von journalistischen Akteur/innen und ihrem Publikum aus kulturtheoretischer Perspektive an. Dabei liegt dem Artikel die Annahme zugrunde, dass qualitativer Erfolg im Journalismus mit dem Wechselspiel von journalistischem Rollen- und Publikumsbild verbunden ist. Dieser präge nicht nur den journalistischen Alltag und seine Routinen, sondern spiegle sich unmittelbar im Grad der Herstellung von Transparenz und Öffentlichkeit wider. In diesem Sinne widmet sich die Autorin dem Glücken und Missglücken von Vermittlung als Kernaufgabe des Journalismus unter Einbeziehung des Gegensatzes von populär- und hochkultureller Orientierung, sowie den Faktoren von Attraktion und Narration als bedeutsame Bestandteile journalistischen Arbeitens.
Daniela Süssenbacher
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