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Erschienen in: List Forum für Wirtschafts- und Finanzpolitik 3/2018

30.10.2018 | Aufsätze

Der Preis der Energiewende: Anstieg der Kostenbelastung einkommensschwacher Haushalte

verfasst von: Manuel Frondel, Stephan Sommer

Erschienen in: List Forum für Wirtschafts- und Finanzpolitik | Ausgabe 3/2018

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Zusammenfassung

Seit dem Jahr 2000 haben sich die Strompreise für private Haushalte mehr als verdoppelt. Von steigenden Stromkosten sind Millionen von armutsgefährdeten Haushalten besonders betroffen, weil diese Kosten regressive Wirkungen haben: Arme Haushalte haben einen größeren Anteil ihres Einkommens zur Finanzierung ihres Energiebedarfs aufzuwenden als wohlhabende Haushalte. Vor diesem Hintergrund untersucht der vorliegende Beitrag exemplarisch für einige Haushaltstypen mit geringem Einkommen, wie stark ihre Stromkostenbelastung in den Jahren 2006 bis 2016 relativ zu ihrem Einkommen zugenommen hat. Nach unseren Abschätzungen auf Basis empirischer Daten zum Energieverbrauch privater Haushalte mussten die von uns betrachteten armutsgefährdeten Haushaltstypen im Jahr 2016 allesamt mehr für Strom ausgeben als zur Deckung ihres Energiebedarfs zum Heizen und zur Warmwassererzeugung. Es muss davon ausgegangen werden, dass im Zuge der Energiewende der Strompreis auch in den kommenden Jahren weiter steigen wird. Dies gilt insbesondere angesichts der stark gestiegenen Preise für Emissionszertifikate, die sich in der Steigerung der Börsenstrompreise bemerkbar machen. Damit stellt sich immer drängender die Frage nach Maßnahmen zur Abschwächung von weiteren Strompreisanstiegen und zur sozialen Abfederung ihrer regressiven Wirkungen.
Fußnoten
1
Beim Äquivalenzeinkommen wird die Zahl der Haushaltsmitglieder durch Gewichte berücksichtigt, siehe Hagenaars et al. (1994) zur sogenannten modifizierten OECD-Skala. Danach geht der Hauptbezieher des Einkommens mit dem Faktor 1,0 in die Gewichtung ein, alle anderen Mitglieder des Haushaltes im Alter von 14 und mehr Jahren mit 0,5 und die übrigen mit 0,3. Bei einer dreiköpfigen Familie mit zwei Erwachsenen und einem Kind unter 14 Jahren ergibt sich beispielsweise ein Gewicht von 1,8 = 1 + 0,5 + 0,3, durch das das Haushaltseinkommen dividiert wird, um das Äquivalenzeinkommen zu erhalten.
 
2
Zwar könnten der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamtes Angaben zur Energiekostenbelastung privater Haushalte entnommen werden. Die aktuellsten hierzu veröffentlichten Daten stammen jedoch aus dem Jahr 2013, da diese Stichprobe nur alle fünf Jahre erhoben wird.
 
3
Das EEG garantiert Betreibern von Anlagen zur Stromerzeugung je nach Art, Größe und Datum der Inbetriebnahme eine feste Einspeisevergütung pro kWh für die Dauer von 20 Jahren, zuzüglich des Jahres der Inbetriebnahme. Die Differenz der gezahlten Einspeisevergütung pro kWh und des Börsenstrompreises (sogenannte Differenzenkosten) werden auf alle sogenannten nicht-privilegierten Letztverbraucher umgelegt (EEG-Umlage). Als privilegierte Letztverbraucher gelten nach § 40 ff. EEG stromintensive Unternehmen des produzierenden Gewerbes und Schienenbahnen. Diese „besondere Ausgleichsregelung“ soll der Erhaltung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen dienen.
 
4
Da die Einkommen in den Erhebungen von RWI und forsa (2015) in Kategorien abgefragt werden und dies gerade bei niedrigen Einkommen zu Verzerrungen führen kann, verwenden wir in diesem Beispiel das Nettoeinkommen aus der der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe. Da diese Erhebung nur alle fünf Jahre durchgeführt wird, schreiben wir das Einkommen für die fehlenden Jahre linear fort.
 
Literatur
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Metadaten
Titel
Der Preis der Energiewende: Anstieg der Kostenbelastung einkommensschwacher Haushalte
verfasst von
Manuel Frondel
Stephan Sommer
Publikationsdatum
30.10.2018
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Erschienen in
List Forum für Wirtschafts- und Finanzpolitik / Ausgabe 3/2018
Print ISSN: 0937-0862
Elektronische ISSN: 2364-3943
DOI
https://doi.org/10.1007/s41025-018-0112-z

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