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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Der sprechende Zuschauer

Zusammenfassung
Was macht Fernsehen so erfolgreich? — Es ist noch immer, trotz des neuerdings aufgekommenen Internetbooms, das Leitmedium, das als meistbeachtetes Forum der Öffentlichkeit zur Verfügung steht und das die Freizeit einer sehr großen Anzahl von Menschen strukturiert. Fernsehen ist aufgrund einer Reihe von Faktoren ein hochmodernes und immer noch expansives Medium: nicht nur durch seine multimodale Verarbeitungskapazität, mit der es uns wie der Kino-Tonfilm und die Videotechnik bewegte und statische Bilder mit Ton und Sprache präsentiert, dies aber in Programmform frei Haus, in immer besserer Bild- und Tonqualität und auf immer mehr Kanälen. Es hat auch mächtige staatliche bzw. öffentlich-rechtliche oder eben privat-kommerzielle Institutionen hervorgebracht, die mit ihren Angeboten den öffentlichen Diskurs, ja die gesamte Öffentlichkeit unserer Gesellschaften ebenso weitreichend strukturieren wie das Alltagsleben vieler, ja der meisten Gesellschaftsmitglieder.
Werner Holly

2. Medienrezeption als Aneignung

Zusammenfassung
Zur Bezeichnung der Tätigkeit, wie Fernsehzuschauerinnen und -Zuschauer den Fernsehtext lesen, verstehen und weiterverarbeiten, taucht in jüngeren medientheoretischen und -praktischen Arbeiten neben Rezeption und Nutzung zunehmend der Ausdruck Aneignung auf. Dieser Begriff scheint griffig zu sein, und es läßt sich mit ihm offenbar gut arbeiten. Doch wer genauer wissen will, was er bedeutet und in welchem Verhältnis Aneignung zu Rezeption und Nutzung steht, der bekommt leicht Probleme.
Marlene Faber

3. Grundlagen des fernsehbegleitenden Sprechens

Zusammenfassung
Wenn man Menschen beim gemeinsamen Fernsehen beobachtet, kann man feststellen, daß sie in der Regel nicht schweigend nebeneinander sitzen und gebannt auf den Bildschirm starren, sondern daß sie reden — über das Geschehen im Fernsehen, aber auch über ganz andere Dinge: über den Blumenstrauß auf dem Tisch, über die neue Polstergarnitur, über den nächsten Urlaub. Es gibt keine thematischen Beschränkungen.
Werner Holly, Heike Baldauf

4. Strukturen und Formen des fernsehbegleitenden Sprechens

Zusammenfassung
Ein erster Blick auf das fernsehbegleitende Sprechen scheint den Medienkritikern recht zu geben: Inhaltliche Zusammenhänge zwischen den Beiträgen scheinen zum Teil zu fehlen, die einzelnen Äußerungen sind durch lange Schweigephasen voneinander getrennt, die Redebeiträge nur kurz und die Kommunikation allein kaum sinnvoll zu interpretieren.
Heike Baldauf

5. Sprachhandlungsmuster

Zusammenfassung
Die bisherigen Kapitel haben gezeigt, daß die Fernsehrezeption weit mehr umfaßt als „Hören und Sehen“ (Spangenberg 1988), sondern als ein vielschichtiger Prozeß der ‚Aneignung‘ betrachten werden sollte, der von seinen spezifischen strukturellen Rahmenbedingungen geprägt ist. Im folgenden wird nun das ‚kommunikative Repertoire‘ der Fernsehzuschauer beschrieben: Über welches Spektrum an sprachlichen Aneignungsmustern verfügen Zuschauer in authentischen Rezeptionssituationen und wie kann man dieses kategoriell erfassen? Und ausgehend von diesem Inventar der Muster: Welche übergeordneten Funktionen erfüllt die fernsehbegleitende Kommunikation für den einzelnen Zuschauer und die Gruppe?1 Anfangs geht es dabei um die Beschreibung einzelner Sprachhandlungsmuster, ansatzweise wird aber auch auf komplexere Einheiten (HandlungsVerkettungen, Handlungssequenzen und kommunikative Gattungen) eingegangen, bevor zum Schluß des Kapitels die Makrofunktionen der Zuschauerkommunikation zusammengefaßt werden.
Michael Klemm

6. Themenbehandlung

Zusammenfassung
Eine der grundlegenden Eigenschaften der Zuschauerkommunikation — dies haben bereits frühere Studien gezeigt1 — ist ihre große thematische Vielfalt. Die Thematik kann beim fernsehbegleitenden Sprechen so heterogen sein, daß Püschel (1996, 190) schon fast resignativ festgestellt hat: „Bisher sieht es so aus, als ob alles zum Thema gemacht werden kann und nichts zum Thema gemacht werden muß. Vielleicht ist das sogar schon das endgültige Ergebnis.“ Im folgenden wird der Versuch unternommen, einen Schritt über dieses „anything goes“ hinauszukommen und typische Muster der Themenbehandlung in der Zuschauerkommunikation herauszuarbeiten. Im Mittelpunkt stehen folgende Fragen: Über welches Themenrepertoire verfügen Zuschauer während des Fernsehens? Welche Impulse und Ressourcen gibt es für diese Themen? Wie werden die Themen in der Rezeptionssituation behandelt? Gibt es rezeptionsspezifische Muster der Themenbehandlung, und wenn ja, welche Ursachen und Funktionen haben diese? Am Ausgangspunkt dieser Fragen steht allerdings zunächst die Suche nach einem für die Zuschauerkommunikation angemessenen Themenbegriff.2
Michael Klemm

7. Gattungsspezifik

Zusammenfassung
Die bisherigen Beiträge in diesem Band haben vorwiegend vom Material der Rezeptionsaufzeichnungen her argumentiert, also ausgehend von dem, was uns in den Tonbandaufzeichnungen der Rezeptionssituationen als Aneignungsformen begegnete. Schon dort fanden sich vielfach Rückbezüge auf das Gesehene. In den folgenden Beiträgen wird dieser Aspekt betont; sie betrachten die kommunikativen Formen der Fernsehaneignung aus einer anderen Perspektive und wenden den Blick von den einzelnen kommunikativen Mustern ab und der Aneignung von speziellen Fernsehgattungen zu. Dem alltäglichen Verständnis scheint es durchaus plausibel zu sein, daß Werbung anders rezipiert wird als Nachrichten und daß die Rezeption von Nachrichten sich wiederum von der Rezeption von Sportübertragungen spürbar unterscheidet. Man sollte meinen, Anfeuerungen nur bei Sport vorzufinden, sachliche Diskussionen über das Gesehene nur bei Nachrichten, Geschichten bei der Rezeption von Fiktion. Doch dieses alltägliche Vorverständnis läßt sich auf der Basis unseres Materials nicht vorbehaltlos bestätigen. Dennoch sind die Muster der Rezeption nicht gänzlich frei von den Mustern des Gesehenen. Anhand von vier Gattungen des Fernsehens und ihrer Rezeption zeigen die folgenden Abschnitte exemplarisch auf, ob und wie sich konkrete Zusammenhänge von Fernsehtext und Aneignungsmustern finden. Die Beiträge behandeln Nachrichten (7.2), Beratungssendungen (7.3), Serien (7.4) und Werbung (7.5).
Ruth Ayaß, Michael Klemm, Stephan Habscheid, Marlene Faber

8. Interpretationsgemeinschaften

Zusammenfassung
Die Aneignung des Fernsehtextes ist grundsätzlich nicht auf das Rezeptionsgespräch in der Gruppe angewiesen. Denn jeder kann für sich allein und stumm das Bildschirmgeschehen verfolgen, so wie er auch Zeitung oder Buch liest. Anders als die heutigen Lektüregewohnheiten ist das Fernsehen jedoch weithin keine Aktivität von Monaden, die unberührt und unbeeinflußt vor sich hin rezipieren. Vielmehr ist die Fernsehrezeption in die alltägliche Lebenswelt der Rezipienten eingebettet und wird von dieser geprägt. Zu dieser alltäglichen Lebenswelt gehört auch das gemeinsame Fernsehen in Familie, Wohngemeinschaft, Freundeskreis oder Fangruppe. Allein schon diese knappe Aufzählung ganz unterschiedlicher Gruppen legt die Vermutung nahe, daß das fernsehbegleitende Sprechen keineswegs gleichartig, sondern recht heterogen ausfällt. Je nach Art und Zusammensetzung der Gruppe wird es ganz unterschiedliche Eigenschaften aufweisen, die sich auf spezifische Weise bündeln. Es liegt dann nahe, von Aneignungsstilen zu sprechen.
Ulrich Püschel, Werner Holly, Marita Steffen, Ruth Ayaß, Michael Klemm, Dirk Schulte

9. Zur Konstruktion von Wirklichkeit in der Aneignung

Zusammenfassung
Es ist unstrittig, daß die Wirklichkeit der Medien heute zum Alltag der meisten Menschen gehört, weswegen sich die Frage stellt, inwieweit auch Fernseh Wirklichkeiten zur Alltagswelt gehören. Wie wirklich sind die Fernsehwirklichkeiten für die Rezipienten? Hat das theoretische Wissen um die potentiellen Täuschungsmöglichkeiten des Fernsehens irgendeine Konsequenz für unseren Umgang mit dem symbolischen Material, welches uns zur Verfügung gestellt wird? Können wir erkennen, daß die Wirklichkeit des Mediums nicht unsere Realität ist, daß das Medium, selbst wenn es vorgibt, Wirklichkeit abzubilden, nur selektiv abbildet und damit neu konstruiert, eigene Wirklichkeiten schafft? Und hat die Inszeniertheit von Medienereignissen Folgen für deren Rezeption? Welche Anschlußmöglichkeiten bieten reale und fiktionale Wirklichkeiten für die Wirklichkeitskonstruktionen der Zuschauer? Wie geht der Zuschauer mit der Welt und den Wirklichkeiten um, die ihm das Fernsehen alltäglich ins Haus liefert?
Angela Leister

Backmatter

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