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Designforschung und KI

Ästhetische Transformation im Zeitalter artifizieller Systeme

  • 2025
  • Buch
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Über dieses Buch

Künstliche Intelligenz ist weit mehr als eine simple Technologie – sie prägt Bilder, Narrative und unsere ästhetisch-symbolische Kultur. Dieser Band zeigt erstmals systematisch, wie Designforschung auf die Dynamiken generativer Systeme reagiert und sich gleichzeitig positioniert: kritisch, experimentell und interdisziplinär. Von visueller Kommunikation über Interfacegestaltung bis hin zu spekulativen Entwürfen untersuchen die Beiträge, wie KI Bedeutung erzeugt, Gestaltungsnormen transformiert und gesellschaftliche Machtverhältnisse neu ordnet. Im Zentrum steht das Konzept des Techno-Imaginären: KI als kulturelles Dispositiv jenseits technischer Funktionalität. Ein unverzichtbares Buch für alle, die Gestaltung, Medien und Technologie im Zeitalter algorithmischer Systeme neu denken wollen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
Einleitung
Zusammenfassung
Die Entwicklung und Anwendung Künstlicher Intelligenz (KI) hat sich in den letzten Jahren zu einem dominanten Motor ästhetischer, technologischer und kultureller Veränderungsprozesse entwickelt. Während algorithmische Systeme längst tiefgreifenden Einfluss auf gesellschaftliche Kommunikations-, Gestaltungs- und Wahrnehmungsformen nehmen, bleibt deren Verhältnis zu Design und gestalterischer Praxis bislang unzureichend konturiert – sowohl konzeptionell als auch empirisch. Dieser Band versammelt Beiträge, die das Spannungsfeld von Designforschung und Künstlicher Intelligenz – Ästhetische Transformation im Zeitalter artifizieller Systeme aus unterschiedlichen Perspektiven heraus systematisch beleuchten.
Lars Christian Grabbe
Designforschung und KI. Gestaltung und Wissen im Kontext des Techno-Imaginären
Zusammenfassung
Der Beitrag untersucht Künstliche Intelligenz (KI) nicht primär als technologische Funktionseinheit, sondern als ästhetisch und kulturell strukturiertes Techno-Imaginäres, das symbolische Ordnungen erzeugt, reproduziert und ästhetisch stabilisiert. Im Fokus steht die Frage, wie KI in Bildlichkeit, Gestaltung und Narrativen sichtbar und wirksam wird – etwa durch posthumane Kreativitätskonzepte, hegemoniale Interface-Ästhetiken oder symbolisch aufgeladene Interaktionen. In fünf theoretischen Argumentationslinien wird KI als Projektionsfläche kollektiver Erwartungen, epistemischer Ästhetiken und gestalterischer Symbolisierung analysiert. Dabei zeigt sich: Design ist nicht nur Vermittler technischer Funktionalität, sondern aktiver Akteur in der kulturellen Rahmung algorithmischer Systeme. Der Beitrag plädiert für eine reflexive, situierte und spekulative Designpraxis, die symbolische Ordnungen nicht nur mitträgt, sondern kritisch reflektiert, irritiert und transformiert. In diesem Rahmen wird Gestaltung als epistemische Intervention konzeptualisiert, die alternative Sichtbarkeiten ermöglicht und neue Handlungsspielräume im Umgang mit KI eröffnet. Das Techno-Imaginäre erweist sich damit als produktiver Zugang für eine ästhetisch fundierte Designforschung im Zeitalter algorithmischer Kulturen.
Lars Christian Grabbe
Visuelle Kommunikation und maschinelles Sehen
Zusammenfassung
Dieser Beitrag konfrontiert Fragestellungen der visuellen Kommunikation mit Ansätzen des maschinellen Sehens als Abteilung der Künstlichen Intelligenz. Dabei werden verschiedene Aspekte wie Aufmerksamkeit, Anordnung und Abstraktion, Bildgeneration, Multimodalität und Stile betrachtet. Die Arbeit vergleicht die Herangehensweisen in beiden Disziplinen und zeigt sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede auf. Es wird festgestellt, dass beide Felder von einer prozesshaften Natur der Wahrnehmung ausgehen, die auf verschiedenen Ebenen und mit unterschiedlicher Komplexität behandelt wird. Der Text geht auf grundlegende analytische und generative Operationen im maschinellen Sehen ein und diskutiert deren Übertragbarkeit auf Fragestellungen der visuellen Kommunikation. Ziel ist es, die Fragestellungen und Lösungsansätze der beiden Bereiche anzunähern und Potenziale für einen gegenseitigen Erkenntnisgewinn aufzuzeigen.
Jan-Henning Raff
Anthropomorphe Interfaces: Künstliche Intelligenz als gestaltete Interaktion
Zusammenfassung
Unser Verständnis der Künstlichen Intelligenz wird nicht nur von unserem anthropomorphen Sprachgebrauch beeinflusst, sondern in hohem Maße auch durch die Gestaltung von Interfaces. Künstliche Intelligenz wurde bereits früh in der HCI-Forschung und im Interface-Design implizit als eine gestaltete Interaktion zugunsten der Benutzerillusion und Benutzerfreundlichkeit konzipiert, so die zentrale These. Der Beitrag arbeitet anhand der Interface-Theorien von Alan Kay und Brenda Laurel das Verhältnis von Interface-Agenten und Benutzerillusion aus, um zu zeigen, dass bereits seit den 1980er-Jahren die Simulation Künstlicher Intelligenz Teil guter Gestalt war. Als Gestaltungsprinzip wird der Anthropomorphismus in seiner konkreten Anwendung durch verschiedene Metaphern geleitet, die Funktion und Autonomie der Agenten konzeptionell rahmen sollen. Die Debatte um die vermenschlichende Gestaltung von Interface-Agenten, die in den 1990ern vor allem zwischen Pattie Maes und Ben Shneiderman entfachte und bis heute anhält, gibt Einblick in die Bedeutung des Anthropomorphismus für die Gestaltung und für unsere Wahrnehmung von und Sprache über Künstliche Intelligenz. Die aktuelle Debatte um einen angemessenen Sprachgebrauch hinsichtlich der KI wird abschließend auf die Rolle der Gestaltung für den Anthropomorphismus bezogen, um ihre wechselseitige Abhängigkeit herauszustellen und für einen kritisch-reflexiven Umgang mit der vermenschlichenden Tendenz in Sprache und Gestaltung zu plädieren.
Till Julian Huss
Der Realismus des erzeugten Bildes. Über Sinnstrukturen generativer Bildproduktion und ihres algorithmischen Archivs
Zusammenfassung
Was bedeutet Realismus, wenn ein neuronales Netz Milliarden Bildpunkte berechnet, die keinen Referenten in der Wirklichkeit haben und dennoch glaubwürdiger wirken als Fotografie? Wie wirken diese massenhaft erzeugten Bilder dann in einem sozialen Medienarchiv? Der Aufsatz beantwortet diesen Fragen, indem er drei Ebenen verknüpft: (1) die Demokratisierung der Bildproduktion durch Prompt-Interfaces und die damit einhergehende Erosion professioneller Silos, (2) eine Neuinterpretation klassischer Realismustheorie, die zeigt, dass KI-Bilder Sinnbehauptungen naturalisieren statt Fakten abzubilden, und (3) die Verschränkung des unendlichen Latent Space mit algorithmischen Archiven, die Sichtbarkeit nach Aufmerksamkeitswert filtern. Methodisch verschränkt der Text designanalytische und ästhetiktheoretische Argumentation. Die Erkenntnis: Macht verlagert sich vom Akt des Gestaltens zur Instanz der Selektion, und diese Selektion basiert auf einem Realismus der KI-Bilder als Vehikel hegemonialer Werte. Der Beitrag skizziert letztlich drei neue Aufgaben für das Design: Kartografie digitaler Sichtbarkeitsräume, gezielte Störung algorithmischer Routinen und Moderation öffentlicher Bilddiskurse.
Sebastian Löwe
Vom Gestalten zum Kuratieren: Autonomie im hybriden Designprozess
Zusammenfassung
Generative künstliche Intelligenz (KI) verändert die Arbeitsweise Gestaltender grundlegend und nimmt weiterhin zunehmend Einfluss auf deren Rolle. Der vorliegende Artikel untersucht diese Thematik anhand des Konzepts des Augmented Designers. Hierzu wurden Gespräche mit erfahrenen Designenden aus Deutschland, der Schweiz und Kanada geführt. Die Untersuchung zeigt, dass Gestaltende von KI erzeugte Vorschläge aktiv kuratieren und modifizieren sollten, um ihre individuelle Handschrift zu bewahren und zugleich innovative Gestaltungsmöglichkeiten zu erschließen. In diesem Zusammenhang werden essenzielle neue Fähigkeiten identifiziert, die notwendig sind, um langfristig ästhetische Vielfalt im hybriden, KI-unterstützten Design sicherzustellen.
Dominik Witzke
Mit, über und durch KI gestalten – Perspektiven auf eine zukunftsorientierte Designlehre
Zusammenfassung
Die Integration Künstlicher Intelligenz (KI) in die Designpraxis stellt technische, epistemologische und ästhetische Herausforderungen dar. Der Beitrag argumentiert, dass eine rein instrumentelle Nutzung von KI-Tools in der Designausbildung nicht ausreicht. Stattdessen ist eine kritisch-diskursive Auseinandersetzung notwendig, die technische, kulturelle und gesellschaftliche Aspekte integriert. Im Zentrum stehen drei Perspektiven: Gestalten mit KI (Ko-Kreation und kreative Autonomie), Lernen über KI (Technologieverständnis, Datenkompetenz und ethische Reflexion) und Lernen durch KI (epistemische Verschiebungen und neue Erkenntnispraktiken). Eine zukunftsorientierte Designlehre integriert sowohl technische als auch kulturelle, gesellschaftliche und gestaltungspraktische Aspekte von KI – nicht als normativer Curriculumsentwurf, sondern als Impuls für eine pluralistische, kritische und experimentelle Lehrpraxis. Ziel ist es, Gestaltung nicht nur zu digitalisieren, sondern als kulturelle Praxis im Zeitalter algorithmischer Systeme neu zu denken.
Sven Quadflieg, Florian Sametinger, Andrea Augsten
Partizipative Designpraktiken für verkörperte Künstliche Intelligenz
Zusammenfassung
Der Beitrag thematisiert partizipative Designpraktiken für verkörperte Künstliche Intelligenz und untersucht, wie Nutzende stärker in den Gestaltungsprozess eingebunden werden können. Ausgehend von Design-Thinking-Modellen, die Nutzendengruppen aktiv an der Technikgestaltung beteiligen, geht der Gedanke des Beitrags noch weiter und stellt das Konzept des participatory theatre vor – eine explorative Methode, die im Rahmen der Ausstellung ‚Leben mit Robotern‘ an der OTH Regensburg eingesetzt wurde. Besuchende konnten sich als Roboter verkleiden und in Rollenspielen Interaktionen mit Technik simulieren. Diese performative Herangehensweise eröffnete neue Perspektiven auf das Design von Robotern und auf die Wahrnehmung verkörperter KI. Mit einer qualitativen, inhaltsanalytischen Auswertung von knapp 90 Aussagen von Besuchenden wird untersucht, wie Menschen auf das Design von Robotik und KI reagiert haben und inwieweit alltagsrelevante Designprinzipien zur Sprache kommen. Die Ergebnisse zeigen eine mehrheitlich offene bis begeisterte Haltung gegenüber Robotern. Kritik und Zurückhaltung wurde seltener geäußert. Es wird diskutiert, inwieweit zentrale Aspekte wie Design einen Einfluss auf die Wahrnehmung von Robotern haben können. Der Beitrag betont die gesellschaftliche Relevanz ästhetischer Gestaltung und plädiert für interdisziplinäre, explorative Forschungsansätze, um KI-Systeme nutzungsnah und kulturell sensibel zu entwickeln.
Jana Stadlbauer, Debora Frommeld, Rosan Chow, Karsten Weber
Anmerkungen zu KI beim Entwerfen
Zusammenfassung
Die Themen Imagination, Kreativität, Handwerk und Theorie zum KI-augmentierten Entwerfen in Vorentwurf und Konzeption bilden den Kontext, für Aussagen von Praktikerinnen über ihre Erfahrungen in der Arbeit mit KI-Tools. Implementiert wurde jeweils ein ComfyUI Workflow mit firmenspezifischen Trainingsdaten zu drei jeweiligen Handwerkstechniken in der Vorentwurfsphase. Narrative Interviews erlauben eine qualitative Analyse zum Einsatz von KI-Tools in der Konzeptions- und Ideationsphase. Die Aussagen der Teilnehmenden werden kontextualisiert mit Argumenten zum Einsatz von KI-Tools in frühen Entwurfsphasen und speziell im klein- und mittelbetrieblichen Kontext handwerklicher Produktion. Die gewonnen Ergebnisse zeigen Herausforderungen auf zur Reformierung von Phasenmemodellen im Entwurf, zur stärkeren Auseinandersetzung mit KI-Modellen in der Designausbildung, zu ethisch-rechtlichen Aspekten bei der Nutzung von KI-Tools und zur Veränderung des Workflows beim ko-kreativen Nutzen von KI-Tools.
Gert Hasenhütl, Hans Stefan Moritsch
KI als Designmedium? Eine kritische Betrachtung der KI-bedingten Bildgenerierung im Produktdesign
Zusammenfassung
Der Einsatz bildgenerierender KI-Systeme im Produktdesign verändert nicht nur die ästhetischen Eindrücke von Entwurfsdarstellungen, sondern greift tief in den gestalterischen Prozess ein und schafft neue Erfahrungen in der Designpraxis. Diese Analyse setzt sich mit der Bilderzeugung durch KI-Systeme im Zusammenhang mit Designprozessen im Produktdesign auseinander. Sie basiert auf Erfahrungen, welche Studierende des Lehrgangs Produktdesign an der NDU New Design University St. Pölten bei der gezielten Nutzung von KI-Systemen im Designprozess gemacht haben. Dabei wurden zentrale Spannungsfelder zwischen maschineller Bildproduktion und der Arbeit von Designenden deutlich. Die Untersuchung geht der Frage nach, ob und wie bei KI-generierten Bildern die Kompetenz zum Vermitteln von bewussten Designentscheidungen überhaupt gegeben ist. Im Fokus stehen dabei fünf Aspekte: die Geschlossenheit von KI-System, die schwierige Kontrollierbarkeit von Bildkompositionen, die nicht mögliche Reproduzierbarkeit von Bildergebnissen, die Überästhetisierung von Bildern, und die Schwierigkeit, Sinnhaftes in Bilder zu übersetzen. Ausgehend von ihrer Konditionierung neigen KI-Bildgeneratoren dazu, eigenen ästhetischen Standards zu folgen und visuelle Extreme und gestalterischen Übertreibungen zu erzeugen. Trotz Intransparenz der Bilderzeugung und Zufälligkeit der Bildergebnisse können sich KI-Bildgeneratoren im Designprozess als Inspirationsquelle etablieren, sie stellen jedoch grundlegende Herausforderungen an die Gestaltungslogik, das Verständnis für Kontexte und die bildbasierte Kommunikation im Design.
Daniel Grünkranz
Visuelle Zugänge gestalten: Neue Nutzungspraktiken digitaler Archive im Kontext künstlicher Intelligenz
Zusammenfassung
KI-gestützte Systeme finden zunehmend Anwendung in digitalen Bildarchiven. Bisher wurde jedoch wenig untersucht, wie Nutzende mit diesen algorithmischen Prozessen über grafische Interfaces interagieren – und wie sich dies auf die Interpretation historischer Bildsammlungen auswirkt. Wir argumentieren, dass Interface- und Interaktionsdesign sowie Datenvisualisierung zentrale Hebel sind, um algorithmische Entscheidungen erfahrbar zu machen, Vertrauen zu fördern und kritische Perspektiven zu eröffnen. Der Beitrag reflektiert das Design eines im eigenen Forschungskontext entwickelten grafischen Interfaces, das mittels KI-gestützter Bildähnlichkeitssuche und Datenvisualisierungen neue Zugänge zu digitalisierten Sammlungen ermöglicht. Ziel ist es, das Verständnis algorithmischer Prozesse zu stärken und eine Diskussion über ethische Implikationen – insbesondere hinsichtlich der Interpretation und potenziellen Verzerrung historischer Inhalte – anzuregen. Ausgehend von zentralen Unterschieden zwischen maschinellem und menschlichem Sehen, erläutern wir das Design eines Workflows, der algorithmische Abläufe nachvollziehbar machen soll. Die Ergebnisse dreier Fallstudien – zum Interfacedesign, zur Datenvisualisierung und zur Reflexion im Rahmen eines Workshops mit bildjournalistisch Tätigen – werden diskutiert. Als zentrale Erkenntnis zeigt sich, dass KI-gestützte Metadatengenerierung neue, skalierbare Zugänge für Nutzende eröffnet – ohne dabei die kuratorische Expertise von Archivierenden zu ersetzen. Zugleich reproduzieren KI-Systeme aufgrund ihrer überwiegend westlich kodierten Trainingsdaten bestehende Stereotype, was die Annotation und Suche historischer Bilddaten verzerren und marginalisierte Perspektiven unterdrücken kann.
Ulrike Felsing, Max Frischknecht
Körper, Prothese, Künstlichkeit: Zur Ästhetik von KI und Camp
Zusammenfassung
Der Beitrag entwickelt ein neues Verständnis von Künstlicher Intelligenz (KI) im Designkontext, indem er sie nicht als neutrale Technologie, sondern als materielle, ästhetische und politische Prothese menschlicher Kreativität analysiert. Ausgehend von der KI-generierten Portraitserie Taboo von Ariel Oscar Greith, die den verstorbenen Performer Leigh Bowery als hyperartifizielle Figur reinszeniert, verbindet der Text theoretische Perspektiven aus Technikphilosophie, Queer Theory und Ästhetik. Über das Konzept des Camp – insbesondere in der Interpretation von Juliane Rebentisch – wird gezeigt, dass Künstlichkeit und Vergänglichkeit keine Gegensätze, sondern sich produktiv verschränkende Momente sind. KI wird in Analogie zu Bowerys Camp-Inszenierungen als fragiles, kreatürliches Artefakt verstanden, das kulturelle Normen nicht nur reproduziert, sondern auch irritiert und verändert. Der Text greift dabei auf Positionen der Ästhetik, der Queer Theory sowie Science and Technologie Studies zurück, um die Idee einer queeren Gemeinschaft zwischen Menschen, Technologien und Dingen zu skizzieren. In dieser Gemeinschaft ist KI nicht bloß Werkzeug, sondern Mitspielerin in einem konflikthaften, offenen Prozess ästhetisch-politischer Aushandlung – nicht als Heilsversprechen oder Bedrohung, sondern als Teil eines gemeinsamen Schicksals von Kreativität, Materialität und Vergänglichkeit.
Felix Kosok
Gute Zeiten für schlechtes Design
Zusammenfassung
Im „Zeitalter des Überwachungskapitalismus“ (Zuboff 2025) haben Tech-Unternehmen ein neues Produkt auf den Markt gebracht, dass die allgemeine Vorstellung von Gestaltung für immer verändern kann. Die Entwicklung von KI-Tools, die Text-, Bild-, Audio- und Videodaten generieren können, wurde jedoch nicht von der Absicht nach Verbesserungen im Design motiviert, ihr Zweck ist nicht die „gute“ oder gar „bessere“ Gestaltung. Es muss deshalb die Aufgabe von Designschaffenden sein, die neuen Möglichkeiten sowie die nachhaltigen Veränderungen, die mit ihnen einhergehen können, kritisch zu prüfen. So wie Designschaffende zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihre Aufgaben in einer sich durch die Industrialisierung verändernden Gesellschaft ausgehandelt und damit den Designberuf definiert haben, steht unsere Generation heute in der Verantwortung, sich mit der Rolle von Design in Zeiten von Künstlicher Intelligenz auseinanderzusetzen. Dabei muss es zwingend darum gehen, die Umstände nicht nur zu Erneuern, sondern zu verbessern. Denn „[das] Moderne muss nicht immer neu sein, nicht unbedingt anders als das Alte; es muss, wenn es neu ist, besser sein als das Alte war“ (Renner 1948, S. 5).
Sebastian Klebe
Titel
Designforschung und KI
Herausgegeben von
Lars C. Grabbe
Copyright-Jahr
2025
Electronic ISBN
978-3-658-49798-9
Print ISBN
978-3-658-49797-2
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-49798-9

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