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Über dieses Buch

Das Buch bietet mit einer mehr als 40 Jahre Migrationskino thematisierenden Bandbreite an Aufsätzen, Interviews und Filmographien ein umfassendes Nachschlagewerk zum deutsch-türkischen Kino an. Mit diesem erhalten Lehrende, Forschende und Studierende der Film-, Medien- und Kulturwissenschaften erstmalig einen Überblick über die Diversität des deutsch-türkischen Kinos, die von der Repräsentation der Emigration im türkischen „Yeşilçam“-Kino der 1960er bis zu den kulturell hybriden Identitätsangeboten des neuen deutsch-türkischen Migrationskinos reicht.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Chapter 1. Einleitung

Zusammenfassung
Mitte der 1990er Jahre bringen Ernst Karpf, Doron Kiesel und Karsten Visarius einen Sammelband zum Thema der „Inszenierung von Fremden im [deutschen] Film“ (so der Untertitel ihres Buchs) heraus. Der Haupttitel des Bandes der drei Herausgeber_innen ist „Getürkte Bilder“, der die Doppelheit von ethnischem Rekurs (Türke) und Wink auf die Unzuverlässigkeit des Visuellen (die Bilder sind getürkt, also getäuscht, gefälscht) ausdrückt (Karpf et al. 1995). Die Autor_innen spielen so unmittelbar auf den türkisch-migrantischen Kontext der darin verhandelten Filme an sowie auf den ambivalenten Status, den Bilder über Fremde stets innehaben: als Bilder, die über das „Wirkliche“ hinwegtäuschen können.
Ömer Alkın

VERMESSUNGEN

Frontmatter

Chapter 2. Stationen der Migration

Aufbruch, Unterwegssein, Ankunft und Rückkehr im türkischen Yeşilçamkino bis zum subversiven Migrationskino der Jahrtausendwende
Zusammenfassung
Die deutsch-türkische Arbeitsmigration spiegelte sich bereits seit den 1970er-Jahren in der Kinokunst beider Länder wider. Von Ausnahmen abgesehen wurden Geschichten erzählt, die in Deutschland das Bild von Ausländer_innen und in der Türkei das Klischee des Almancı (Deutschländer_innen) reproduzierten. Seit Anfang der neunziger Jahre nehmen junge deutsch-türkische Filmemacher_innen eine andere Perspektive ein. Ihre Distanz gibt ihnen die Freiheit, neue Bildersprachen zu erfinden. Sie bringen in ihren Erzählungen die Stereotypen zum Tanzen und entwerfen Bilder für Migration abseits vom Opferdasein, die fast ohne Worte auskommen und von eindringlicher Symbolik zeugen. Der Text zeichnet die verschiedenen Facetten dieser Entwicklung nach und analysiert die Motive von Aufbruch, Unterwegssein, Ankommen und Rückkehr anhand zahlreicher Filmbilder.
Tunçay Kulaoğlu, Martina Priessner

Chapter 3. Transkulturelle Ansätze im Neuen Deutschen Film

Zur Grenzauflösung in Fassbinders Angst essen Seele auf (1974)
Zusammenfassung
In kritischer Distanz zu populären binären Kategorisierungsansätzen, in denen der Neue Deutsche Film gegenüber einem zeitgenössischen transkulturellen Kino mit Migrationsthematik sehr gerne als Betroffenheits- bzw. Problemkino mit zu Opfern degradierten Ausländer_innen abgehandelt wird, betrachte ich Fassbinders Werk als Teil eines komplexeren deutsch-türkischen Kinos, das sich solchen Festschreibungen sehr bewusst entzieht.
Insbesondere bemüht sich Fassbinder schon in Angst essen Seele auf sehr erfolgreich um die Entwicklung eines transkulturellen Gedächtnisses, und sein auf affektgesteuerte Grenzauflösung aufbauendes Solidaritätskonstrukt inspiriert nicht zufällig noch Akıns Auf der anderen Seite. Interpretationsmuster, in denen sich Ausländer_innen und Deutsche sowie Männer und Frauen in Opfer bzw. Täterrollen gegenüberstehen, greifen aber nicht nur in der Filmanalyse zu kurz, sondern sie unterstützen eine Kontinuität dichotomen Denkens, um dessen Auflösung sich Fassbinder sehr erfolgreich bemüht.
Guido Rings

Chapter 4. „Wenn wir nicht aufstehen, endet unser Elend nicht“

Gesellschaftskritik im türkischen Migrationskino: Baba (1971), Almanya Acı Vatan (1979) und Kara Kafa (1979)
Zusammenfassung
Die Arbeitsmigration nach Deutschland wurde im türkischen Film mehrfach thematisiert und war auch schon Inspiration für viele Filme in der ‚goldenen‘ Yeşilçam-Ära. Anhand der Filme Baba (1971) von Yılmaz Güney, Almanya Acı Vatan (1979) von Şerif Gören und Kara Kafa (1979) von Korhan Yurtsever setzt der Text sich mit dem türkischen Filmen auseinander, die auf das Phänomen der Arbeitsmigration nach Deutschland und das Leben der sogenannten Gastarbeiter_innen eher aus einer gesellschaftskritischen Perspektive blicken und sich mit arbeitsrechtlichen Fragen sowie sozialer Gerechtigkeit, Klassenbewusstsein, Frauenemanzipation und den Lebensbedingungen der Gastarbeiter_innenkinder beschäftigen. Dabei wird auf die Handlung, die Repräsentationen der Figuren und filmästhetische Elemente eingegangen und versucht, insbesondere die sozialkritische Grundhaltung dieser Filme herauszuarbeiten. Diskutiert wird auch, wie trotz der Verhandlung deutsch-türkischer Migrationsthemen in den Filmen die politische Sphäre der 1970er Jahre der Türkei die Filme und ihre Regisseur_innen maßgeblich beeinflusste.
Can Sungu

VERMESSUNGEN

Frontmatter

Chapter 5. Realitäten der Einwanderung

Der deutsch-türkische Dokumentarfilm seit den 1960er Jahren
Zusammenfassung
Der Dokumentarfilm ist als Teil der deutsch-türkischen Filmkultur bis heute kaum betrachtet worden. Der Text gibt kursorische Einblicke in die Dokumentarfilmgeschichte und fragt nach dokumentarfilmischen Strategien, mit denen Realitäten im Kontext der türkisch-deutschen Einwanderungsgeschichte geschaffen werden. Beginnend mit Kenan Ormanlars 1969 gedrehten Film Gastarbeiter aus der Türkei wird die deutsch-türkische Migration als eine Geschichte mit den unterschiedlichsten soziopolitischen Facetten erzählt. Die Untersuchung zeigt auf, dass die Filme von den 1970er Jahren bis heute ihre sozialkritische Haltung wahren, unabhängig davon ob die Filmemacher_innen über eine eigene familiäre Migrationsgeschichte verfügen oder nicht. Die meisten Dokumentarfilme zum Thema werden in den 1990er und 2000er Jahren produziert und offenbaren eine vielfältigere Grundhaltung als die hauptsächlich auf Fremdheits- und Ausbeutungserfahrung fokussierenden Filme der 1970er.
Inga Selck

Chapter 6. Mauerfall transkulturell

Ein Interview mit Can Candan zu Duvarlar/Mauern/Walls (2000)
Zusammenfassung
Die Doku Duvarlar/Mauern/Walls (2000) des Dokumentarfilmers Can Candan thematisiert die Sicht der damals in der BRD lebenden türkischen Migrant_innen auf den Mauerfall sowie die Zeit danach. Der Filmemacher, Kurator, Autor und Übersetzer Tunçay Kulaoğlu nimmt den Rahmen des 25-jährigen Jubiläums des Mauerfalls als Anlass und befragt den in den USA promovierten, dann in die Türkei remigrierten Dokumentarfilmer Candan nach seinem Film,seiner Entstehung und der Relevanz des Themas und des Films im Allgemeinen. Aufgrund der spezifisch transnationalen Entstehungssituation des Films – ein aus Türkei stammender Filmemacher lebt in den USA, dreht eine Doku in Deutschland, und remigriert nach zehn Jahren wieder in die Türkei – wird im Interview auch die Dimension der Migration in Produktions- wie Rezeptionshinsicht für die Relevanz eines Begriffes von „deutsch-türkisches Kino“ diskutiert. Dem scheint sich – wie das Interview zeigt – der genre-schlüpfrige, kritische, anti-rassistische und dreisprachige Film zu entziehen.
Tunçay Kulaoğlu, Can Candan

Chapter 7. „Als würde man einem Gefühl, einer Spur folgen…“

Die Filmregisseurin Aysun Bademsoy im Gespräch
Zusammenfassung
In dem Interview spricht die Professorin für Filmwissenschaft, Barbara Mennel, mit der Regisseurin Aysun Bademsoy, die mit ihren Dokumentarfilmen den Diskurs über die Themen der türkisch-deutschen Migration maßgeblich mitgeprägt hat. Dabei beschreibt Bademsoy, wie sie sich ihren Themen nähert und macht in ihren Ausführungen den Arbeitsprozess und ihre Arbeitsbedingungen transparent. Das Gespräch kreist um die philosophischen, politischen und ästhetischen Fragen, welche die türkische Arbeitsmigration und ihre Folgen für die dokumentarische Filmarbeit der Regisseurin aufwirft. Es schließt mit filmtheoretischen Überlegungen und einer Beschreibung der politischen und filmtechnischen Einflüsse, die die Arbeit der Filmemacherin jeher begleiten.
Barbara Mennel, Aysun Bademsoy

RAHMUNGEN

Frontmatter

Chapter 8. Lebende Farbe

Rassialisierung und Animation in Spike Lees Bamboozled (2000)
Zusammenfassung
Der Artikel ist eine Untersuchung dreier verschränkter Themen in Spike Lees kontroversem Film Bamboozled: 1.) Rassialisierung, Rassismus und die merkwürdige Vermischung von Liebe und Hass, Faszination und Abscheu, die die Wahrnehmung rassialisierter Andersheit begleitet; 2.) Stereotype, Karikatur und die Rolle visueller und verbaler Bilder bei der Mediatisierung rassialisierter Differenz; 3.) Animation im Kino und jenseits davon, samt der eigentümlichen Tendenz toter, steriler oder abstumpfender Bilder „lebendig zu werden“ und eine unheimliche Vitalität anzunehmen, die auf den Grenzen zwischen Comedy, Tragödie, Satire und Horror spielt.
W. J. T. Mitchell

Chapter 9. Die (In-)Disziplin Visuelle Kultur

Ein Kommentar zu Mitchells Bamboozled -Text und (Neu-)Verortungen der Visuellen Kultur im Kontext von Migrationskultur
Zusammenfassung
Der Artikel erörtert Gründe für die Auslassung des gesellschaftskritischen Texts (Bamboozled-Aufsatz) in der deutschsprachigen Ausgabe von William J. T. Mitchells Aufsatzsammlung „Das Leben der Bilder“. Obwohl nämlich Mitchell zentraler Vertreter der Disziplin der Visuellen Kultur ist, ist in dem wirkmächtigen Band damit genau derjenige Aufsatz ausgespart, der mit einer Reflexion von rassistischen Stereotypen gesellschaftskritisch argumentiert. Dabei wird für die vorliegende Untersuchung der Umstand der Nicht-Integration zugleich als Anlass herangezogen, die Situation der aus dem angloamerikanischen Raum entstandenen (In-)Disziplin Visuellen Kultur für den deutschsprachigen Raum mit Rückbezug auf die migrationskulturelle Situation in Deutschland zu reflektieren. Ziel dabei ist es zum einen, Verortungsversuche der Visuellen Kultur für Deutschland vorzunehmen und zugleich diesen Verortungen Argumente zur Seite zu stellen. Die Ergebnisse zeigen dabei besonders, dass u. a. auch Eurozentrismus und postkoloniale Dynamiken die Nutzbarmachung der Visuellen Kultur im deutschsprachigen Raum trotz ihres erkenntnisergiebigen Forschungsprogramms verhindern.
Ömer Alkın

RAHMUNGEN

Frontmatter

Chapter 10. Globale (Ver-)Bindungen

Globalisierungsdiskurse im Horizont des Films
Zusammenfassung
Der Aufsatz rückt die Multiperspektivität von Globalisierungs- und Mobilitätsprozessen als Teil von und vorangetrieben durch filmische Projekte in den Blick. Der Fokus richtet sich dabei auf die Rede von ‚Globalisierung‘ und ihre forschungspraktische Tragfähigkeit. Dafür braucht es ein (notwendig) komplexes Globalisierungsverständnis: Annahmen einer kulturanthropologischen Globalisierungsforschung werden herangezogen und besprochen. Was bedeuten Bewegungen von ganz unterschiedlichen Akteuren, Bildern, Objekten, Finanzen und Ideen (Appadurai 2008, S. 32 f.) als Teil globaler (Ver-)Bindungen? Mit Appadurais „Scapes“ wird ein vieldiskutiertes Modell mobiler ‚Landschaften‘ aufgegriffen und am Beispiel des Films diskutiert. Die ‚Landschaften’ bieten dabei ein Analyseraster, um Globalisierungsprozesse zu konkretisieren und zu problematisieren.
Katrin Ullman

(RE-)JUSTIERUNGEN

Frontmatter

Chapter 11. Zwischenräume

Film als Medium
Zusammenfassung
Der Beitrag exploriert die mediale Eigentypik des Films. In einem ersten Abschnitt spürt er medialen Urszenen bzw. Anfangskonstellationen in Klassikern wie L’arrivée d’un train à la Ciotat (1885) der Brüder Lumière, Antonionis L’Eclisse (1962) oder Hitchcocks Rear Window (1954) nach und zeigt auf, wie die mediale Spezifik des Films von Beginn an in seine Geschichten eingeschrieben ist.
Ausgehend von dieser Bestimmung der medialen Eigentypik des Films entwirft der Beitrag einen Medienbegriff, der von der technisch-empirischen Konkretheit von Massenmedien abstrahiert und das systemisch-konzeptionelle Funktions- und Rezeptionsdispositiv eines Mediums sichtbar werden lässt. Exemplarisch werden hier die Grundthesen der Medientheoretiker Marshall McLuhan, Friedrich Kittler und Sybille Krämer referiert. Ein filmanalytischer Abschnitt lotet medial-materielle Spuren aus, die sich aus konkreten Filmbeispielen herauskristallisieren lassen. Dazu werden Klassiker des deutsch-türkischen Films wie Feo Aladağs Die Fremde (2010), Kutluğ Atamans Lola + Bilidikid (1998) und Tevfik Başers 40 m 2 Deutschland (1985) herangezogen.
Nina Heiß

(RE-)JUSTIERUNGEN

Frontmatter

Chapter 12. Die Produktion des „deutsch-türkischen Kinos“

Die Verflechtung von Filme-Machen und Filme-Sehen in Lola + Bilidikid (1998) und Tiger – Die Kralle von Kreuzberg (2006)
Zusammenfassung
Der Aufsatz widmet sich zunächst dem Forschungsstand zum sogenannten deutsch-türkischen Kino und identifiziert zwei grundsätzliche Schwierigkeiten: 1. Im gegenwärtigen Forschungsdiskurs herrscht ein repräsentationales Verständnis des filmischen Bildes vor. Dieses Verständnis produziert Kurzschlüsse bezüglich des Verhältnisses filmischer Bilder zur sozialen Wirklichkeit. 2. Das „deutsch-türkische Kino“ ist in der Forschung überwiegend als Genre behandelt worden, ohne dass diese Konzeptualisierung theoretisch problematisiert oder fundiert worden wäre. Von diesen zwei Ansatzpunkten ausgehend wird eine konzeptuelle Perspektive entworfen, welche darauf abzielt, das Verhältnis zwischen Migrationsdiskurs und audiovisueller Medienproduktion theoretisch neu zu justieren. Dieses Vorhaben wird anhand zweier Fluchtlinien entwickelt: die eine ist methodologischer Natur und zielt auf eine detaillierte Analyse filmischer Form mit Blick auf ihre expressive Dimension. Die andere ist theoretischer Natur und begreift filmische Bilder als Aneignungen global zirkulierender Formen und Muster. Diese Dimension audiovisueller Diskursivität ist an den Bildern zu rekonstruieren, bevor man sie als Verhandlungen kultureller Identität lesen kann.
Hauke Lehmann

Chapter 13. Zur Produktion des ‚Kanak‘-Stereotypen

Übersetzungen und Verknüpfungen von ‚postmigrantischer‘ Erfahrung und filmischen Diskursen der HipHop-Kultur
Zusammenfassung
Der vorliegende Beitrag beschreibt die Produktion des ‚Kanak‘-Stereotyps in Bezug zum deutsch-türkischen Film. Es wird aufgezeigt, wie die Figur des kleinkriminellen deutsch-türkischen Jugendlichen sowohl in journalistischen und anderen medialen Zusammenhängen als auch in soziologischen und kulturwissenschaftlichen Arbeiten mit den (filmischen) Diskursen um HipHop-Kultur verknüpft wird. Schließlich, so das Argument, wurden derartige Relationen durch deutsch-türkische Filmproduktionen audio-visuell verarbeitet, wobei das ‚Kanak‘-Stereotyp wiederum durch Wissenschafts- und Alltagsrezeption dieser Filme (re-)produziert wird. ‚Filmproduktion‘ wird somit nicht im klassischen Sinne (nur) als Herstellung eines Filmprodukts verstanden, sondern vielmehr als diskursive Produktion, an der unterschiedlichste Wissensproduktionsgemeinschaften teilhaben. Zur Beschreibung derartiger Wissensproduktionskonstellationen dient die ‚horizontale‘ bzw. ‚symmetrische‘ Methodologie der Akteur-Netzwerk-Theorie.
Markus Spöhrer

(RE-)JUSTIERUNGEN

Frontmatter

Chapter 14. Im Schwebezustand reisen

Auslandstournee (2000) von Ayşe Polat
Zusammenfassung
Möchte man die gesellschaftstreibende Kraft von Migration verstehen, so lohnt besonders ein Blick auf das Phänomen, die sie am ehesten als solche auszeichnet: das Reisen. Der in einer der produktivsten Phasen des Migrant_innenkinos entstandene Film Auslandstournee der deutsch-kurdischen Filmemacherin Ayşe Polat stellt das Unterwegssein in den Mittelpunkt der Road-Movie-Story um einen schwulen Migranten, der einem kleinen Mädchen hilft, seine Mutter zu finden. Der Film bringt das subversive Potential von Hybridität (Bhabha) und Transkulturalität an die Oberfläche, irritiert und bereichert damit aber auch gleichzeitig Identitätspolitiken, kulturelle Bilderrepertoires (Silverman) und Repräsentationsregime (Hall), die festlegen, wie und was wir als die Wirklichkeit der Migration wahrnehmen und gestalten. Der vorliegende Artikel arbeitet in Anlehnung an postkoloniale Theorien jene Lektüre des Films heraus, die hilft, seine subversiven Repräsentationspolitiken sichtbar zu machen.
Martina Priessner

Chapter 15. „Darf die Subalterne lachen?“

Ehrenmord in Die Fremde (2010) versus tragikomisches Generationentreffen in Almanya – Willkommen in Deutschland (2011)
Zusammenfassung
Die filmische Repräsentation der muslimischen türkischen oder kurdischen Frau aus migrantischen Familien hat sich im sogenannten deutsch-türkischen Kino ab Mitte der 1990er Jahre stark gewandelt, wobei jedoch keine vollständige Transformation von Rassismus zu Empowerment in den filmischen Bildern erfolgte. Anhand einer vergleichenden Analyse der Filme Die Fremde (2010) von Feo Aladağ und Almanya – Willkommen in Deutschland (2011) von den Şamdereli-Schwestern werden diese zwei Tendenzen gegenübergestellt. Es wird in diesem Kontext aufgezeigt, inwiefern anti-muslimischer Rassismus und hegemonial geprägter, weißer Feminismus Frauen aus der Türkei in ihrer Viktimisierung und subalternen Rolle fixieren, während eine subversive Filmpraxis präferiert, sie aus dem Ort der Marginalität heraus als handelnde, selbstbewusste Persönlichkeiten zu repräsentieren.
Canan Turan

(RE-)JUSTIERUNGEN

Frontmatter

Chapter 16. Der Nationale Integrationsplan und Türkisch für Anfänger (2006–2008)

Eine diskursanalytische Untersuchung
Zusammenfassung
In diesem Artikel wird der Zusammenhang zwischen der Integrationsprogrammatik der deutschen Regierung in den 2000er Jahren und den im öffentlich-rechtlichen Rundfunk produzierten Fernsehsendungen untersucht. Im Besonderen werden die Aufgaben angeführt, die den Medien von Seiten der Bundesregierung zugeschrieben wurden. Im Zuge des Inkrafttretens des Nationalen Integrationsplans im gesellschaftlichen Harmonisierungsprozess nahmen diese nämlich eine zentrale Stellung ein. Die Parallelitäten zwischen den diskursiven Aussagen in der ARD-Fernsehserie Türkisch für Anfänger (2006–2008) und den Zielen des Nationalen Integrationsplans werden anhand einer kritischen Diskursanalyse näher untersucht.
Elif Posos-Devrani

BEFRAGUNGEN

Frontmatter

Chapter 17. Ein Interview, ein Rückblick und eine Filmographie

Die Redaktionsleiterin des „Kleinen Fernsehspiels" Claudia Tronnier zum deutsch-türkischen Kino
Zusammenfassung
In dem aus drei Teilen bestehenden Kapitel werden Einblicke in die (Handlungs-) Prämissen der Spielfilmredaktion „Das kleine Fernsehspiel“ des ZDF gegeben, das seit den 1990er Jahren das Genre des deutsch-türkischen Kinos mit der Betreuung und Ko-Finanzierung von Filmprojekten mit Migrant_innenbezug maßgeblich förderte. Im ersten Teil sprechen Ömer Alkın und die Redaktionsleiterin der ZDF-Redaktion, Claudia Tronnier, über die Relevanz des Genres, die Redaktionsarbeit im Hinblick auf Themen mit Migrationsrelevanz sowie über einige zentrale Thesen der wissenschaftlichen Auseinandersetzung zum transnationalen Genre des deutsch-türkischen Films. Im zweiten Teil formuliert Claudia Tronnier einen Rückblick auf die geförderten Projekte. Der letzte Teil besteht aus der gesamten Filmographie deutsch-türkischer Filme der Redaktion seit den 1990er Jahren.
Ömer Alkın, Claudia Tronnier

Chapter 18. „Ja, dann mach doch was mit Film. Werd’ doch Filmemacher“

Eine Einleitung von Berna Gueneli und ein Interview mit İlker Çatak
Zusammenfassung
Ein kurzer Überblick über die gegenwärtige Kinolandschaft Deutschlands verdeutlicht, dass sich der deutsche Film des einundzwanzigsten Jahrhunderts sehr vielfältig entwickelt. Neben dem künstlerisch ambitionierten Film der sogenannten Berliner Schule und dem preisgekrönten türkisch-deutschen Film Fatih Akıns insbesondere zu Beginn des neuen Millenniums, hat sich der deutsche Film in den letzten Jahren auch in anderen Bereichen inklusive der neuen Medien ausgezeichnet. Nachwuchskünstler_innen die entweder an neuen Plattformen wie webfests für Internetfilme und web series teilnehmen, oder beispielsweise bei Kurzfilmfestivals oder den Student Academy Awards antreten, weisen ebenfalls internationale Erfolge auf. Diese Erfolge finden – im Gegensatz zu den Werken von beispielsweise Akın oder Christian Petzold – kaum wissenschaftliche Aufmerksamkeit. Das Interview mit dem türkisch-deutschen Nachwuchsregisseur İlker Çatak befragt den Regisseur nach seinen Filmen, die zum einen für transnationales Leben und Arbeiten stehen, aber auch für eine Auseinandersetzung mit stereotypen Darstellungen von Gender und Ethnie im Film, die es zu durchbrechen gilt.
Berna Gueneli, İlker Çatak

Chapter 19. Zwischen zwei Bärten

Geschichte und Gesichter einer Filmreihe: Tüpisch Türkisch
Zusammenfassung
„Tüpisch Türkisch“, gegründet von Lale Konuk und Amin Farzanefar, existiert seit 2006 als Filmreihe für türkisches und deutschtürkisches Kino, in Köln, einer Stadt mit 60.000 Türkeistämmigen, die unterschiedlichen Hintergründen und Milieus entstammen. Der Beitrag skizziert das Unterfangen, ein Forum für türkisches Kino zu etablieren: das Umfeld der Gründung und die ersten Jahrgänge, das anfänglich schwierige Bemühen um eine heterogenes Publikum aus verschiedenen Zielgruppen, Spezialausgaben anlässlich von Jubiläen, Jahrestagen und aktuellen Ereignissen. Über die Jahre hinweg sind Veränderungen in der Zuschauer_innenschaft, der Themenwahl und auch im Verständnis des deutschtürkischen Kinos zu beobachten. Dabei stehen gesellschaftliche, kulturelle und politische Veränderungen in der Türkei und Deutschland häufig in engem Zusammenhang.
Amin Farzanefar, Lale Konuk

Backmatter

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