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Über dieses Buch

Dieses Buch zeigt, wie Deutschland als führende Industrienation auch in der Digitalen Wirtschaft ein starker Player werden kann. Deutschland verfügt über unzählige Weltmarktführer in den klassischen Wirtschaftsbranchen, bisher aber über keinen digitalen Champion. Die großen Player aus dem Internet wie Google, Facebook & Co. dringen zunehmend auch in die realen Wirtschaftsbranchen ein und wollen hier die Spielregeln verändern. Vor diesem Hintergrund analysieren Tobias Kollmann und Holger Schmidt die Rahmenbedingungen eines digitalen Wandels für unsere Wirtschaft und Gesellschaft, beleuchten die aktuellen Entwicklungen und geben Hinweise auf die notwendigen Änderungen für die Zukunft. Im Zentrum stehen die Fragen: Was haben wir aus der bisherigen Digitalisierung gelernt? Wie sieht die aktuelle Digitale Transformation unserer Wirtschaft und Gesellschaft aus? Was ist zu tun, damit wir in Zukunft im digitalen Wettbewerb einen starken Stellenwert erreichen? Oder kurz gesagt: Wie muss ein digitaler Masterplan für Deutschland aussehen?

Die Autoren

Prof. Dr. Tobias Kollmann ist Inhaber des Lehrstuhls für E-Business und E-Entrepreneurship an der Universität Duisburg-Essen. Er ist Vorsitzender des Beirats „Junge Digitale Wirtschaft“ im BMWi und Beauftragter für die Digitale Wirtschaft in NRW. Als Mitgründer von AutoScout24 gehörte er zu den Pionieren der deutschen Internet-Gründerszene. Er konzipierte 2004 die erste mobile UMTS-App in Deutschland, wurde 2012 zum Business Angel des Jahres gewählt und sitzt u.a. im Aufsichtsrat von Klöckner & Co SE. Laut dem Magazin Business Punk (02/2014) zählt er zu den 50 wichtigsten Köpfen der Startup-Szene in Deutschland.

Dr. Holger Schmidt ist Chefkorrespondent mit Schwerpunkt Internet des Magazins FOCUS in Berlin. Zuvor hat er 14 Jahre für die Frankfurter Allgemeine Zeitung über die digitale Ökonomie berichtet und dort die wöchentliche Sonderseite „Netzwirtschaft“ verantwortet. Als Internet-Koordinator war er für die Zusammenarbeit Print/Online zuständig. Sein Blog „Netzökonom“ gehört zu den meistgelesenen Publikationen der Digitalen Wirtschaft in Deutschland. Darüber hinaus unterrichtet er als Dozent „Digitale Transformation“ an der TU Darmstadt und „Medienökonomie“ an der Hamburg Media School.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Gesellschaft 4.0

Zusammenfassung
Claudia Müller ist laut Statistischem Bundesamt der am häufigsten vorkommende Vor‐ und Familienname in Deutschland. Frau Müller steht um 6:18 Uhr auf, sitzt nach durchschnittlich 26 min am Küchentisch und frühstückt. Sie ist verheiratet, hat ein Kind und ein Haustier. 21 min dauert ihr Weg zur Arbeit und nicht selten wartet ein Stau auf sie. Um 08:00 Uhr beginnt der durchschnittliche Arbeitstag und um 10:40 Uhr hat Frau Müller schon die zweite Tasse Kaffee getrunken, bevor sie um 12:30 Uhr in die Kantine geht. Um 17:00 Uhr ruft der Feierabend und sie hat einen Durchschnittsverdienst von 2469 Euro. Dann putzt sie die Mietwohnung und bereitet das Abendessen für 18:30 Uhr vor. Gegen 20:00 Uhr ruft das Sofa und der Fernseher wird eingeschaltet. Wenn dann um 20:15 Uhr ein Spielfilm läuft, dann war es laut der Redakteurin Regina Mennig in einem Beitrag für die Deutsche Welle ein „typisch deutscher Tagesablauf“ [1]. So weit, so gut …
Im digitalen Zeitalter sieht dieser typische Tagesablauf so aus:
Tobias Kollmann, Holger Schmidt

2. Technologie 4.0

Zusammenfassung
Grundlegende technische Fortschritte waren in der Vergangenheit stets Folgen einer zentralen Erfindung. Die Dampfmaschine brachte die erste industrielle Revolution in England. Elektrizität und das Fließband kennzeichneten die zweite Revolution, während die Mikroelektronik nach 1970 eine Automatisierungswelle als dritte industrielle Revolution auslöste. Als Fortsetzung dieser Liste wurde in Deutschland der Begriff „Industrie 4.0“ als vierte industrielle Revolution eingeführt, die Industrie und Informationstechnik miteinander verschmelzen lässt. Doch der technische Fortschritt geht viel weiter. Aktuell finden entscheidende technische Fortschritte auf mindestens vier zentralen Gebieten parallel statt, deren Kombination die Wirtschaft wahrscheinlich tiefer und schneller verändert als die bisher beobachteten industriellen Revolutionen: Das Internet der Dinge, Roboter, künstliche Intelligenz (KI) und 3D‐Druck. Im Hintergrund kommen noch Big Data und die Umstellung auf das Cloud‐Computing hinzu, das als Infrastrukturtechnik oft als Basis für die Digitalisierung der Wirtschaft dient. Alle Entwicklungen zusammen treiben also nicht nur die Transformation der Industrie an, sondern eigentlich des gesamten Wirtschaftsprozesses.
Tobias Kollmann, Holger Schmidt

3. Wirtschaft 4.0

Zusammenfassung
Die Digitalisierung mit einer „normalen“ industriellen Revolution wie der Erfindung der Dampfmaschine zu vergleichen, greift zu kurz. Denn die Digitalisierung erfasst alle Bereiche der Wirtschaft, nicht nur die Produktions‐ und Logistikprozesse, wie das deutsche Konzept der „Industrie 4.0“ fälschlicherweise interpretiert wird. In der „Wirtschaft 4.0“ bestehend aus „Breitband“, „Industrie 4.0“ und „Digitale Wirtschaft“ bleibt nichts, wie es war: Der sich gegenseitig verstärkende technische Fortschritt in zentralen Feldern wie Softwareentwicklung (Künstliche Intelligenz), 3D‐Druck, Robotertechnik und dem Internet der Dinge reißt mit den zugehörigen digitalen Geschäftsprozessen und ‐modellen die Fundamente bisherigen Wirtschaftens ein und baut sie neu. Es geht dabei nicht nur um IT, sondern auch und insbesondere um das digitale Know‐how für die Entwicklung, den Aufbau und den Betrieb von elektronischen Wertschöpfungen in Online‐ und Offline‐Geschäftsmodellen. Die Quelle aller Änderungen wird daher nicht in den Fabriken, sondern in den Produkten und deren digitaler Wertschöpfung liegen, die eben auch den Ansprüchen eines zunehmend digital geprägten Verbrauchers genügen müssen. Die folgenden Digitaltrends werden Wirtschaft und Arbeit in den kommenden Jahren grundlegend verändern.
Tobias Kollmann, Holger Schmidt

4. Arbeit 4.0

Zusammenfassung
Als die Google‐Tochter Deepmind im März 2016 den weltbesten Go‐Spieler Lee Sedol überlegen mit 4:1 schlug, war das nicht nur ein weiterer Sieg der Maschine über den Menschen wie zuvor Deep Blue im Schach oder Watson in Jeopardy. Der Sieg im komplexesten Spiel der Welt, das mehr Spielsituationen aufweisen kann als es Atome im Universum gibt, gilt als endgültiger Beweis für die Überlegenheit der Maschinen. Selbst die besonnenen KI‐Forscher sind sich nun sicher, dass Computer jetzt viel schneller auch komplexe Aufgaben vom Menschen übernehmen und damit auch schneller als bisher gedacht für kognitive Jobs geeignet sind.
Der technische Fortschritt wird also nicht nur die Wirtschaft, sondern auch den Arbeitsmarkt grundlegend verändern. Anders als in den Sonntagsreden vieler Politiker wird der Anpassungsbedarf aber größer sein als bisher erwartet. Denn moderne Roboter und Software werden künftig viele Routinejobs nicht nur in den Fabriken, sondern auch in den Büros erledigen. Daten erfassen und verarbeiten kann ein Computer einfach besser als ein Mensch; daraus Entscheidungen ableiten inzwischen vielfach auch. 50 % aller „White‐Collar‐Jobs“, also die Mitarbeiter mit weißem Hemdkragen in den Verwaltungen, müssen sich auf Dauer andere Tätigkeiten suchen, schätzt Fraunhofer‐Forscher Thomas Bauernhansl [95]. Das kann eine erhöhte Sucharbeitslosigkeit, aber auch mehr verfügbare Arbeitszeit für Innovationen bedeuten. Auf jeden Fall werden die Anforderungen an die Flexbilität und den Weiterbildungsbedarf höher sein als jemals zuvor.
Tobias Kollmann, Holger Schmidt

5. Politik 4.0

Zusammenfassung
Die wichtigste Erkenntnis zuerst: Digitalisierung hat als Thema derzeit in der Politik nicht den Stellenwert, der notwendig wäre, um Deutschland wirklich ins 21. Jahrhundert zu bringen. Weder auf Bundes‐ noch auf der Landesebene gibt es dafür die entscheidungsrelevanten Strukturen auf höchster Ebene und die digitalen Köpfe, die dieses Thema in Deutschland wirklich nach vorne bringen. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Für diese Situation gibt es drei wesentliche Gründe:
  • Stichwort „Neuland“: Die politischen Entscheidungsträger in den oberen Politik‐Hierarchien sind „Digital Immigrants“ und verstehen die grundlegenden Zusammenhänge digitaler Strukturen und deren Auswirkung auf Wirtschaft und Gesellschaft entweder nicht oder handeln aus kurzfristigem Kalkül heraus falsch.
  • Stichwort „Wählerpotenzial“: Mit dem Thema „Digitalisierung“ kann man (noch) keine Wahlen gewinnen, denn bislang wird das Thema meist in die vermeintlich kleine Ecke der Startups positioniert, die zwar wichtig sind, aber kein wichtiges Stimmenpotenzial repräsentieren. Netzpolitik ist selbst nach dem Snowden‐Skandal erkennbar kein wichtiges Wahlkampfthema gewesen.
  • Stichwort „Regierungsstruktur“: Es gibt keine Ministerien, die komprimiert und ausgestattet mit Budget sowie politischer Durchschlagskraft das Thema Digitalisierung auf Bundes‐ oder Landesebene zentral steuern. Bisher kümmern sich nur vereinzelnd Staatsekretäre um das Thema und nur teilweise existiert ein politischer Unterbau in den einzelnen Ressorts.
Dies ist der bisherigen Entwicklung des Themas in der Politik geschuldet, welche mit dem „Neuland“‐Begriff von Bundeskanzlerin Angela Merkel leider ein eineindeutiges Sinnbild für unser derzeitiges Politiksystem bekommen hat.
Tobias Kollmann, Holger Schmidt

6. Deutschland 4.0

Zusammenfassung
Die Digitale Transformation hat größere ökonomische und soziale Implikationen als jede bisherige industrielle Revolution. Denn die in Kap. 2 beschriebenen technischen Fortschritte als Ursachen der Transformation liegen nicht nur punktuell in einer Produktionstechnik wie der Dampfmaschine, sondern finden parallel auf vielen Gebieten statt, beschleunigen sich gegenseitig und – als wichtigster Unterschied – liegt ihr Ausgangspunkt erstmals nicht bei den Produzenten, sondern bei den Konsumenten. In den vergangenen zwei Jahrzehnten, die im Buch als erste Halbzeit der Digitalisierung bezeichnet werden, war vor allem die Digitalisierung der Konsumenten zu beobachten. Nur zehn Jahre hat es gedauert, bis eine Milliarde Menschen das Internet nutzten, ein Smartphone besaßen, in einem sozialen Netzwerk aktiv waren oder Daten in der Cloud ablegten. Die neue Technik löste viele alte Verbindungen zwischen Verbrauchern und Unternehmen in oft fragmentierten Märkten auf, weil Digital‐Firmen mit dem Plattform‐Modell Wünsche der Verbraucher wie der Kauf eines Buches oder die Buchung einer Reise günstiger und/oder schneller erfüllten. Diese Plattformen haben den Kontakt zu Kunden in kurzer Zeit an sich gezogen und können ihn nun ohne weitere Kosten auf immer mehr Produkte ausweiten. Amazon wäre in der Lage, ohne einen einzigen Marketing‐Dollar einen Handel mit Gebrauchtwagen aufzuziehen; Facebook wäre als Bank mit einem Bruchteil der Kosten aus dem Stand ein ernstzunehmender Wettbewerber der etablierten Institute. Diese Plattformen haben meist globale Ambitionen und sind heute fast ausschließlich in der Hand amerikanischer und asiatischer Unternehmen. Deutschland spielt mit wenigen kleinen Ausnahmen keine Rolle in diesen Märkten.
Tobias Kollmann, Holger Schmidt

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