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Über dieses Buch

Dieses Buch erklärt die faszinierende Entstehung der Landschaft im Norden Deutschlands, so wie sie sich heute zeigt. Dabei spannen die Autoren einen Bogen von der Jungsteinzeit bis hin zur Moderne. Im ersten Teil des Buches beschreiben die Autoren detailliert welche Prozesse die Landschaft vor der Eiszeit geformt haben. Im zweiten Teil des Buches gehen sie auf die verschiedenen rezenten Natur- und Landschaftsräume ein, in die sich der Norden Deutschlands gliedert und erklären deren Entstehungsgeschichte. Am Ende des Buches zeigen die Autoren auf, wie der Mensch die Landschaft in den letzten 7500 Jahren geprägt hat, um abschließend einen Überblick über die aktuellen Maßnahmen zum Schutz der Landschaft zu geben.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Die Eiszeitforschung nimmt in Norddeutschland seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts einen breiten Raum ein, da große Teile der Landschaft von den Vorstößen des skandinavischen Inlandeises gestaltet worden sind. Allerdings umfasst Norddeutschland auch ehemals nicht vergletscherte Gebiete, wie Teile der Mittelgebirge. Die gesamte Landschaftsgliederung wird durch die Naturräumlichen Großräume vorgestellt. Bei der modernen Erforschung der Landschaft spielen in den letzten Jahrzehnten Altersbestimmungen eine zunehmende Rolle. Verschiedene, häufig angewandte und auch noch in der Weiterentwicklung befindliche Methoden für geochronologische Altersbestimmungen und ihre Anwendungsbereiche werden kurz vorgestellt. Neben radiometrischen und geochemischen Methoden werden biologische und sedimentologische Forschungsobjekte beschrieben. Die Korrelation von regionalen Befunden mit dem weltweiten Forschungskontext, vor allem hinsichtlich der Paläoklimatologie, wird angesprochen. Ferner liefern lasergestützte Flugaufnahmen hochaufgelöste Geländemodelle, die neue und detaillierte Interpretation des Reliefs ermöglichen.
Margot Böse, Jürgen Ehlers, Frank Lehmkuhl

2. Land und Meer im Wandel – Norddeutschland bevor die Eiszeit kam

Deutschlands Norden kann grob in drei Regionen eingeteilt werden: (1) das Norddeutsche Tiefland, überwiegend bedeckt mit quartärem und tertiärem Lockergestein (Lockerdeckgebirge), (2) ein Übergangsgebiet mit weiten Becken (Münsterländer Bucht, Thüringer Becken), Schichtkämmen und Schichtstufen des mesozoischen Deckgebirges (z. B. Teutoburger Wald, Leine-Weser-Bergland) sowie (3) die Mittelgebirge, bestehend aus dem variszisch gefalteten paläozoischen Grundgebirge (Eifel, Rheinisches Schiefergebirge, Harz, Thüringer Wald, Erzgebirge). Eine Übersichtskarte gegliedert nach den Erdzeitaltern zeigt ◉ Abb. 2.1. Das Norddeutsche Tiefland im engeren Sinne mit seinen geringen Reliefunterschieden ist den Mittelgebirgen nördlich vorgelagert und beginnt etwa an der Linie Rheine – Osnabrück – Hannover – Braunschweig – Magdeburg – Köthen – Leipzig – Riesa – Görlitz. Aufgrund der Auflage von mächtigen quartären und tertiären Lockersedimenten (bis über 2000 m im Bereich des sogenannten „Hamburger Lochs“) ist das Relief kaum gegliedert. Nach Süden zu den Mittelgebirgen hin nimmt die Mächtigkeit der quartären Schichten zumeist ab. Im westlichen Teil des Norddeutschen Tieflands, welcher vorwiegend durch Altmoränen geprägt ist, sind besonders geringe Reliefunterschiede vorhanden. Im östlichen Teil beginnt ab der Lüneburger Heide eine abwechslungsreichere Landschaft mit welligen Höhenzügen, Talungen und weiten Ebenen. Hier sind zwei Nordwest-Südost verlaufende Landrücken mit Höhen von über 150 m über NN ausgebildet: Der südliche Landrücken, welcher nordöstlich der Aller und der mittleren Elbe von der Lüneburger Heide durch die Altmark und über den Fläming verläuft, besteht aus Moränen des letzten Abschnittes der Saaleeiszeit (Warthe-Stadium). Der nördliche Landrücken (im Wesentlichen die Pommersche Eisrandlage), der sich nordöstlich der unteren Elbe von Ostholstein durch Nordwest- und Ostmecklenburg sowie Nordostbrandenburg zieht, gehört zur Jungmoränenlandschaft und wird von Moränenzügen der Weichseleiszeit aufgebaut, in die zahlreiche Seen eingebettet sind.
Margot Böse, Jürgen Ehlers, Frank Lehmkuhl

3. Das Tertiär – nicht nur Braunkohle

Das Tertiär begann vor 66 Mio. Jahren (Ende der Kreidezeit) und dauerte bis zum Beginn des Pleistozäns, des Eiszeitalters, vor 2,588 Mio. Jahren. Das Massenaussterben vieler Tierarten am Ende der Kreidezeit, dem auch die großen Dinosaurier zum Opfer fielen, war möglicherweise die Folge eines Meteoriteneinschlags, des sogenannten KT-Impakts (Kreide-Tertiär-Einschlag). Im Tertiär lösten daraufhin Säugetiere die Reptilien als dominante Tiergruppe ab. Das Klima auf der Erde war im Tertiär etwas wärmer als in der Kreidezeit und wesentlich wärmer als heute. Im Tertiär entwickelte sich unsere heutige Tier- und Pflanzenwelt.
Im Tertiär gab es vulkanische Aktivität in Norddeutschland. Der Drachenfels im Siebengebirge wurde aktiv. In der Lausitz lag die Hauptphase des Vulkanismus im Oligozän. Gleichzeitig erreichte die Nordsee in Nordrhein-Westfalen ihre größte Ausdehnung.
Margot Böse, Jürgen Ehlers, Frank Lehmkuhl

4. Der Mittelgebirgsrand

Während die Ablagerungen des Paläozoikums durch die variszische Gebirgsbildung beeinflusst wurden, sind die Gesteine des Mesozoikums durch Vertikalbewegungen geprägt, die Saxonische (Bruchschollen-) Tektonik genannt wurde. In diese Tektonik wurden teilweise auch die älteren Gesteinspakete mit einbezogen. Die grabenartigen Einbrüche (saxonische Gräben) fanden vor allem in Thüringen und nördlich des Harzes statt. Vor allem das Deckgebirge wurde dabei in Schollen zerlegt, aufgewölbt, eingemuldet, teilweise schwach gefaltet und gekippt. Diese Entstehung spielte sich hauptsächlich in oberflächennahen Stockwerken ab. In vielen Fällen war Salz im Untergrund als wesentlicher Faktor beteiligt. Salzstrukturen zeichnen oftmals die tektonischen Linien im Untergrund nach, da die aufsteigenden Salze den Schwächezonen im Gestein gefolgt sind (vgl. ▶ Exkurs 2.4 zum Salz und Abb. 2.13). Die Bewegungen begannen schon im obersten Jura und sind vor allem in vielen Kreideschichten erkennbar. Dabei ist diese Tektonik unbedingt im Zusammenhang mit der alpidischen Orogenese bzw. der Erweiterung des Atlantiks zu sehen. Einengungsstrukturen (mit Deckenüberschiebungen und Überkippungen) stehen Dehnungsfugen, wie z. B. dem Leinetalgraben, gegenüber. Darüber hinaus werden die sogenannten „Pultschollen“ Harz und Thüringer Wald herausgehoben und verkippt.
Margot Böse, Jürgen Ehlers, Frank Lehmkuhl

5. Die Altmoränenlandschaft

Im Laufe der Erdgeschichte hat es mehrere Eiszeitalter gegeben: im Präkambrium, im Paläozoikum und im Quartär. Große Teile Norddeutschlands waren in drei großen Eiszeiten von Eis bedeckt.
Der Gesteinsschutt, den ein Gletscher auf seinem Weg aufnimmt, wird, soweit er nicht unterwegs als Till abgelagert wird, zum Eisrand transportiert. Verharrt der Eisrand über längere Zeit an einem Ort, so wird durch den austauenden Gesteinsschutt ein Endmoränenwall angehäuft – es entsteht eine Satzendmoräne. Endmoränenwälle, wie man sie aus dem Gebiet der Alpenvereisung kennt, sucht man in Norddeutschland vergebens. In vielen Fällen ist der ehemalige Eisrand lediglich dadurch gekennzeichnet, dass eine tiefer gelegene Grundmoränenfläche gegen eine höher gelegene Sanderfläche grenzt.
Die Ablagerung eines Gletschers wird als Till bezeichnet. Ein Till besteht in der Regel aus einem schlecht sortierten Gemisch von Ton, Schluff, Sand, Kies und Steinen. Die Korngrößenverteilung der Tills wird zu einem erheblichen Teil durch die Zusammensetzung des jeweiligen lokalen Untergrundes mitbestimmt.
Margot Böse, Jürgen Ehlers, Frank Lehmkuhl

6. Die Jungmoränenlandschaft

Während der letzten Eiszeit hat das Skandinavische Inlandeis das Relief Nordost-Deutschlands und des östlichen Schleswig-Holstein geprägt. Die Weichsel-Eiszeit dauerte von rund 115.000 bis 11.700 Jahre vor heute und ist zunächst durch zahlreiche Klimaschwankungen, die kühlen Stadiale und die etwas wärmeren Interstadiale, geprägt. Die heute seenreiche Jungmoränenlandschaft entstand durch die Ablagerungen mehrerer relativ kurzfristiger, unterschiedlich weit reichender Eisvorstöße. Aufgrund neuer Altersdatierungen ergibt sich für die Eisdynamik des Skandinavischen Inlandeises südlich der Ostsee ein differenziertes Bild, das die Zusammenhänge der herkömmlichen Darstellung der Eisrandlagen in Frage stellt. Grundmoränenplatten, Endmoränen, Sanderablagerungen, Schmelzwasserrinnen und -täler sind die wesentlichen Landschaftselemente. Die Klimaschwankungen am Ende der Eiszeit, dem Spätglazial, haben nach dem Abschmelzen des Inlandeises mit dem zeitweiligen Periglazialklima mit Dauerfrostböden nochmals zu einer Überformung der Landschaft beigetragen; heutige Trockentäler und Binnendünengebiete sind deutliche, noch sichtbare spätglaziale Reliefelemente.
Margot Böse, Jürgen Ehlers, Frank Lehmkuhl

7. Die Ostseeküste

Die Senke, in der sich heute die Ostsee befindet, hat eine wechselvolle Geschichte seit dem Abschmelzen des Inlandeises der letzten Eiszeit durchlaufen. Der Wechsel zwischen Süßwasserseen und Randmeer wurde erst vor rund 8000 Jahren beendet, als auch das südliche Ostseebecken durch die Verbindung über Kattegatt und Öresund zur Nordsee geflutet wurde. Seit dieser Zeit entwickelt sich die deutsche Ostseeküste in der überfluteten Jungmoränenlandschaft. Die Fördenküste, die Buchtenküste und die Boddenküste unterliegen hochdynamischen Küstenprozessen wie Kliffabtrag, Sandtransport und Nehrungsbildung durch Sandablagerung. Diese werden auch durch den heutigen Meeresspiegelanstieg und die nacheiszeitlichen großräumigen isostatischen Ausgleichsbewegungen der Erdkruste mit beeinflusst. Große Teile der deutschen Ostseeküste liegen in einem Gebiet langsamer Absenkung. Eine geologische Besonderheit bilden die Kreidekliffs auf Rügen. Das punktuelle Eingreifen des Menschen durch Küstenschutzmaßnahmen verändert an einigen Küstenabschnitten der Ostsee den Sedimenthaushalt nachhaltig. Die Abhängigkeit der Lage und Entwicklung von Häfen von morphologischen Voraussetzungen wird hier skizziert.
Margot Böse, Jürgen Ehlers, Frank Lehmkuhl

8. Die Nordsee

Die Nordsee ist ein Randmeer des Nordatlantiks; sie gehört zum europäischen Schelf. Während der Nordatlantik fast 4000 m tief ist, hat die Nordsee eine maximale Wassertiefe von 120 m. Ihr Boden ist – mit wenigen Ausnahmen – von quartären und holozänen Ablagerungen bedeckt.
Während der ersten Jahrtausende des Holozäns drang das Meer rasch in den Bereich des heutigen Nordseebodens vor. Bei einer horizontalen Transgression von über 250 m im Jahr reichte die Zeit nicht aus, um eine Ausgleichsküste oder ein Barrieresystem wie im heutigen Wattenmeer aufzubauen. Die Situation änderte sich erst, als etwa 8000 vor heute die horizontale Transgression nahezu zum Erliegen kam. Dies war die Geburtsstunde der heutigen Küstenbarriere.
Für die Frage, ob eine geschlossene Ausgleichsküste oder ein Wattenmeer mit vorgelagerter Inselbarriere entsteht, spielt der Tidenhub eine entscheidende Rolle. Bei mehr als 1,35 m Tidenhub entsteht eine Ausgleichsküste. Bei größerem Tidenhub bildet sich ein Wattenmeer mit vorgelagerter Inselbarriere. Wird ein Tidenhub von 2,90 m überschritten (im Inneren der Deutschen Bucht zwischen Wangerooge und Eiderstedt), so entsteht eine offene Wattenküste ohne größere Inseln.
Margot Böse, Jürgen Ehlers, Frank Lehmkuhl

9. Holozäne Klima- und Landschaftsgeschichte

Die Nacheiszeit oder das Holozän begann nach dem Ende der letzten Kaltphase der letzten Eiszeit, der Jüngeren Dryas (Jüngere Tundrenzeit), etwa 11.700 Jahre vor heute (ca. 9610 v. Chr.; 14C-Jahre entsprechen nur näherungsweise Kalenderjahren). Ein kräftiger Temperaturanstieg führte dazu, dass wieder Bäume aus dem Süden einwanderten. Die (biostratigraphische) Gliederung des Holozäns erfolgt nach den Pollenzonen und damit nach der Vegetationsgeschichte (s. ◉ Abb. 9.1). Gleichzeitig mit der Erwärmung begann auch der Meeresspiegel anzusteigen. Durch steigende Grundwasserspiegel sowie zunehmende Temperaturen und Niederschläge konnten sich an zahlreichen Stellen Hoch- und Niedermoore entwickeln (siehe ▶ Exkurs 9.1). Auch die fluviale Dynamik der Flusslandschaften änderte sich: Aus den verzweigten und verwilderten Flussläufen der Eiszeit wurden mäandrierende Flüsse. Seit dem mittleren Holozän begann der Mensch verstärkt in den Landschaftshaushalt einzugreifen. Seine landwirtschaftliche Tätigkeit bewirkte eine Veränderung der Vegetationszusammensetzung. Verstärkte Bodenerosion begünstigte die Entwicklung von Auelehmen und Kolluvien.
Margot Böse, Jürgen Ehlers, Frank Lehmkuhl

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