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2022 | Buch

Deutschlands Norden

vom Erdaltertum zur Gegenwart

verfasst von: Prof. Dr. Margot Böse, Jürgen Ehlers, Prof. Dr. Frank Lehmkuhl

Verlag: Springer Berlin Heidelberg

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Über dieses Buch

Dieses Sachbuch erklärt die faszinierende Entstehung der heutigen Landschaft im Norden Deutschlands. Das Ziel ist es, in einer integrativen Betrachtungsweise geowissenschaftliche, archäologische und ökologische Forschungsergebnisse zusammen zu führen und vielfältige Veränderungen des Naturraumes durch den Menschen darzustellen. Für die neue Auflage wurden daher etliche Kapitel grundlegend überarbeitet und ergänzt und es wurden neue, spannende Exkurse eingefügt.

Im ersten Teil beschreiben die Autoren die Geologie des Untergrundes und die später durch den Menschen genutzten Rohstoffe, vornehmlich Salze und Kohle. Auch die Klimageschichte spielt eine wichtige Rolle bei der Landschaftsentwicklung, daher werden dem Leser einige gängige Forschungsmethoden für die eiszeitlichen und nacheiszeitlichen Klimaveränderungen vorgestellt. Im nächsten Teil des Buches wird auf die verschiedenen rezenten Natur- und Landschaftsräume mit ihren spezifischen Oberflächenformen eingegangen: die unterschiedlichen Küsten von Nordsee und Ostsee, die ehemals vergletscherten Moränenlandschaften der quartären Vereisungen, die Mittelgebirge Harz und Eifel und die großen Flusssysteme. Am Ende des Buches zeigen die Autoren auf, wie der Mensch die Landschaft in den letzten 7.500 Jahren genutzt und damit umgestaltet hat. Abschließend wird ein Überblick über die aktuellen Maßnahmen zum Schutz der Landschaft und zum Erhalt der ökologischen Vielfalt gegeben.

Das reich bebilderte, anschauliche und zum Stöbern einladende Buch ist eine erweiterte und ergänzte Auflage und liefert mit seinen Schwerpunkten:

· Einen tiefen Einblick in die spannende Geschichte der Landschaft im Norden Deutschlands.

· Eine fundierte Beschreibung der einzelnen Landschaftsräume und deren Entstehung.

· Aktuelle Forschung zur Prägung und immer weiter zunehmenden Veränderung der Umwelt durch den Menschen seit Beginn der Jungsteinzeit.

Als Leser möchten wir Studierende, Lehrende und aber auch gerade interessierte Laien gewinnen, die sich für Norddeutschland als Natur- und Kulturraum interessieren. Daher ist das Buch sprachlich so abgefasst, dass es einen breiten Leserkreis anspricht.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
1. Einleitung
Zusammenfassung
Die Eiszeitforschung nimmt in Norddeutschland seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts einen breiten Raum ein, da große Teile der Landschaft von den Vorstößen des skandinavischen Inlandeises gestaltet worden sind. Allerdings umfasst Norddeutschland auch ehemals nicht vergletscherte Gebiete, wie Teile der Mittelgebirge. Die gesamte Landschaftsgliederung wird durch die Naturräumlichen Großräume vorgestellt. Bei der modernen Erforschung der Landschaft spielen in den letzten Jahrzehnten Altersbestimmungen eine zunehmende Rolle. Verschiedene, häufig angewandte und auch noch in der Weiterentwicklung befindliche Methoden für geochronologische Altersbestimmungen und ihre Anwendungsbereiche werden kurz vorgestellt. Neben radiometrischen und geochemischen Methoden werden biologische und sedimentologische Forschungsobjekte beschrieben. Die Korrelation von regionalen Befunden mit dem weltweiten Forschungskontext, vor allem hinsichtlich der Paläoklimatologie, wird angesprochen. Ferner liefern lasergestützte Flugaufnahmen hochaufgelöste Geländemodelle, die neue und detaillierte Interpretation des Reliefs ermöglichen.
Margot Böse, Jürgen Ehlers, Frank Lehmkuhl
2. Land und Meer im Wandel – Norddeutschland bevor die Eiszeit kam
Zusammenfassung
Deutschlands Norden kann grob in drei Regionen eingeteilt werden: (1) das Norddeutsche Tiefland, überwiegend bedeckt mit quartärem und tertiärem Lockergestein (Lockerdeckgebirge), (2) ein Übergangsgebiet mit weiten Becken (Münsterländer Bucht, Thüringer Becken), Schichtkämmen und Schichtstufen des mesozoischen Deckgebirges (z. B. Teutoburger Wald, Leine-Weser-Bergland) sowie (3) die Mittelgebirge, bestehend aus dem variszisch gefalteten paläozoischen Grundgebirge (Eifel, Rheinisches Schiefergebirge, Harz, Thüringer Wald, Erzgebirge). Eine Übersichtskarte gegliedert nach den Erdzeitaltern zeigt ◘ Abb. 2.1. Die geologische Entwicklung Norddeutschlands und die Erdzeitalter zeigt ◘ Abb. 2.2. Das Norddeutsche Tiefland im engeren Sinne mit seinen geringen Reliefunterschieden ist den Mittelgebirgen nördlich vorgelagert und beginnt etwa an der Linie Rheine – Osnabrück – Hannover – Braunschweig – Magdeburg – Köthen – Leipzig – Riesa – Görlitz. Aufgrund der Auflage von mächtigen quartären und tertiären Lockersedimenten ist das Relief kaum gegliedert. Nach Süden zu den Mittelgebirgen hin nimmt die Mächtigkeit der quartären Schichten zumeist ab. Im westlichen Teil des Norddeutschen Tieflands, welcher vorwiegend durch Altmoränen geprägt ist, sind die Reliefunterschiede besonders gering. Im östlichen Teil beginnt ab der Lüneburger Heide eine abwechslungsreichere Landschaft mit welligen Höhenzügen, Talungen und weiten Ebenen. Hier sind zwei Nordwest-Südost verlaufende Landrücken mit Höhen von über 150 m über NN ausgebildet: Der südliche Landrücken, welcher nordöstlich der Aller und der mittleren Elbe von der Lüneburger Heide durch die Altmark und über den Fläming verläuft, besteht aus Moränen des letzten Abschnittes der Saaleeiszeit (Warthe-Stadium). Der nördliche Landrücken (im Wesentlichen die Pommersche Eisrandlage), der sich nordöstlich der unteren Elbe von Ostholstein durch Nordwest- und Ostmecklenburg sowie Nordostbrandenburg zieht, gehört zur Jungmoränenlandschaft und wird von Moränenzügen der Weichseleiszeit aufgebaut, in die zahlreiche Seen eingebettet sind.
Margot Böse, Jürgen Ehlers, Frank Lehmkuhl
3. Das Tertiär – nicht nur Braunkohle
Zusammenfassung
Das Tertiär begann vor 65 Mio. Jahren (Ende der Kreidezeit) und dauerte bis zum Beginn des Pleistozäns, des Eiszeitalters, vor 2,588 Mio. Jahren. Im Tertiär lösten die Säugetiere die Reptilien als dominante Tiergruppe ab. Das Klima auf der Erde war etwas wärmer als in der Kreidezeit und wesentlich wärmer als heute. Im Tertiär entwickelte sich unsere heutige Tier- und Pflanzenwelt.
Im Tertiär gab es vulkanische Aktivität in Norddeutschland. Der Drachenfels im Siebengebirge wurde aktiv. In der Lausitz lag die Hauptphase des Vulkanismus im Oligozän. Gleichzeitig erreichte die Nordsee in Nordrhein-Westfalen ihre größte Ausdehnung.
Margot Böse, Jürgen Ehlers, Frank Lehmkuhl
4. Der Mittelgebirgsrand
Zusammenfassung
Während die Ablagerungen des Paläozoikums durch die variszische Gebirgsbildung beeinflusst wurden, sind die Gesteine des Mesozoikums durch Vertikalbewegungen geprägt, die Saxonische (Bruchschollen-) Tektonik genannt wurde. In diese Tektonik wurden teilweise auch die älteren Gesteinspakete mit einbezogen. Die grabenartigen Einbrüche (saxonische Gräben) fanden vor allem in Thüringen und nördlich des Harzes statt. Dabei wurde vornehmlich das Deckgebirge aus mesozoischen Sedimentgesteinen in Schollen zerlegt, aufgewölbt, eingemuldet, teilweise schwach gefaltet und gekippt. Diese Entstehung spielte sich hauptsächlich in oberflächennahen Stockwerken ab. In vielen Fällen war Salz im Untergrund als wesentlicher Faktor beteiligt. Salzstrukturen zeichnen oftmals die tektonischen Linien im Untergrund nach, da die aufsteigenden Salze den Schwächezonen im Gestein gefolgt sind (vgl. ► Exkurs 2.​4 zum Salz und ► Abb. 2.​13). Die Bewegungen begannen schon im obersten Jura und sind vor allem in vielen Kreideschichten erkennbar. Dabei ist diese Tektonik unbedingt im Zusammenhang mit der alpidischen Orogenese bzw. der Erweiterung des Atlantiks zu sehen. Einengungsstrukturen (mit Deckenüberschiebungen und Überkippungen) stehen Dehnungsfugen, wie z. B. dem Leinetalgraben, gegenüber. Darüber hinaus werden die sogenannten „Pultschollen“ Harz und Thüringer Wald herausgehoben und verkippt.
Margot Böse, Jürgen Ehlers, Frank Lehmkuhl
5. Die Altmoränenlandschaft
Zusammenfassung
Im Laufe der Erdgeschichte hat es mehrere Eiszeitalter gegeben: im Präkambrium, im Paläozoikum und im Quartär. Große Teile Norddeutschlands waren in drei großen Eiszeiten von Eis bedeckt.
Der Gesteinsschutt, den ein Gletscher auf seinem Weg aufnimmt, wird, soweit er nicht unterwegs als Till abgelagert wird, zum Eisrand transportiert. Verharrt der Eisrand über längere Zeit an einem Ort, so wird durch den austauenden Gesteinsschutt ein Endmoränenwall angehäuft – es entsteht eine Satzendmoräne. Endmoränenwälle, wie man sie aus dem Gebiet der Alpenvereisung kennt, sucht man in Norddeutschland vergebens. In vielen Fällen ist der ehemalige Eisrand lediglich dadurch gekennzeichnet, dass eine tiefer gelegene Grundmoränenfläche gegen eine höher gelegene Sanderfläche grenzt.
Die Ablagerung eines Gletschers wird als Till bezeichnet. Ein Till besteht in der Regel aus einem schlecht sortierten Gemisch von Ton, Schluff, Sand, Kies und Steinen. Die Korngrößenverteilung der Tills wird zu einem erheblichen Teil durch die Zusammensetzung des jeweiligen lokalen Untergrundes mitbestimmt.
Margot Böse, Jürgen Ehlers, Frank Lehmkuhl
6. Die Jungmoränenlandschaft
Zusammenfassung
Während der letzten Eiszeit hat das Skandinavische Inlandeis das Relief Nordost-Deutschlands und des östlichen Schleswig-Holstein geprägt. Die Weichsel-Eiszeit dauerte von rund 115.000 bis 11.700 Jahre vor heute und ist zunächst durch zahlreiche Klimaschwankungen, die kühlen Stadiale und die etwas wärmeren Interstadiale, geprägt. Die heute seenreiche Jungmoränenlandschaft entstand durch die Ablagerungen mehrerer relativ kurzfristiger, unterschiedlich weit reichender Eisvorstöße. Aufgrund neuer Altersdatierungen ergibt sich für die Eisdynamik des Skandinavischen Inlandeises südlich der Ostsee ein differenziertes Bild, das die Zusammenhänge der herkömmlichen Darstellung der Eisrandlagen in Frage stellt. Grundmoränenplatten, Endmoränen, Sanderablagerungen, Schmelzwasserrinnen und -täler sind die wesentlichen Landschaftselemente. Die Klimaschwankungen am Ende der Eiszeit, dem Spätglazial, haben nach dem Abschmelzen des Inlandeises mit dem zeitweiligen Periglazialklima mit Dauerfrostböden nochmals zu einer Überformung der Landschaft beigetragen; heutige Trockentäler und Binnendünengebiete sind deutliche, noch sichtbare spätglaziale Reliefelemente.
Margot Böse, Jürgen Ehlers, Frank Lehmkuhl
7. Die Ostseeküste
Zusammenfassung
Die Senke, in der sich heute die Ostsee befindet, hat eine wechselvolle Geschichte seit dem Abschmelzen des Inlandeises der letzten Eiszeit durchlaufen. Der Wechsel zwischen Süßwasserseen und Randmeer wurde erst vor rund 8000 Jahren beendet, als auch das südliche Ostseebecken durch die Verbindung über Kattegatt und Öresund zur Nordsee geflutet wurde. Seit dieser Zeit entwickelt sich die deutsche Ostseeküste in der überfluteten Jungmoränenlandschaft. Die Fördenküste, die Buchtenküste und die Boddenküste unterliegen hochdynamischen Küstenprozessen wie Kliffabtrag, Sandtransport und Nehrungsbildung durch Sandablagerung. Diese werden auch durch den heutigen Meeresspiegelanstieg und die nacheiszeitlichen großräumigen isostatischen Ausgleichsbewegungen der Erdkruste mit beeinflusst. Große Teile der deutschen Ostseeküste liegen in einem Gebiet langsamer Absenkung. Eine geologische Besonderheit bilden die Kreidekliffs auf Rügen. Das punktuelle Eingreifen des Menschen durch Küstenschutzmaßnahmen verändert an einigen Küstenabschnitten der Ostsee den Sedimenthaushalt nachhaltig. Die Abhängigkeit der Lage und Entwicklung von Häfen von morphologischen Voraussetzungen wird hier skizziert.
Margot Böse, Jürgen Ehlers, Frank Lehmkuhl
8. Die Nordsee
Zusammenfassung
Die Nordsee ist ein Randmeer des Nordatlantiks; sie gehört zum europäischen Schelf. Während der Nordatlantik fast 4000 m tief ist, hat die Nordsee eine maximale Wassertiefe von 120 m. Ihr Boden ist – mit wenigen Ausnahmen – von quartären und holozänen Ablagerungen bedeckt.
Während der ersten Jahrtausende des Holozäns drang das Meer rasch in den Bereich des heutigen Nordseebodens vor. Bei einer horizontalen Transgression von über 250 m im Jahr reichte die Zeit nicht aus, um eine Ausgleichsküste oder ein Barrieresystem wie im heutigen Wattenmeer aufzubauen. Die Situation änderte sich erst, als etwa 8000 vor heute die horizontale Transgression nahezu zum Erliegen kam. Dies war die Geburtsstunde der heutigen Küstenbarriere.
Für die Frage, ob eine geschlossene Ausgleichsküste oder ein Wattenmeer mit vorgelagerter Inselbarriere entsteht, spielt der Tidenhub eine entscheidende Rolle. Bei mehr als 1,35 m Tidenhub entsteht eine Ausgleichsküste. Bei größerem Tidenhub bildet sich ein Wattenmeer mit vorgelagerter Inselbarriere. Wird ein Tidenhub von 2,90 m überschritten (im Inneren der Deutschen Bucht zwischen Wangerooge und Eiderstedt), so entsteht eine offene Wattenküste ohne größere Inseln.
Margot Böse, Jürgen Ehlers, Frank Lehmkuhl
9. Holozäne Klima- und Landschaftsgeschichte
Margot Böse, Jürgen Ehlers, Frank Lehmkuhl
Backmatter
Metadaten
Titel
Deutschlands Norden
verfasst von
Prof. Dr. Margot Böse
Jürgen Ehlers
Prof. Dr. Frank Lehmkuhl
Copyright-Jahr
2022
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-662-64361-7
Print ISBN
978-3-662-64360-0
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-64361-7