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Über dieses Buch

Nicole Bögelein rekonstruiert in ihrer empirischen Studie soziale Deutungsmuster von Strafe. Am Beispiel der am häufigsten verhängten Sanktion, der Geldstrafe, erkundet die Autorin, auf welche Deutungsmuster Verurteilte zurückgreifen, um ihre Strafe einzuordnen und zu bewerten. Wer eine Strafe erhält, wird mit strafrechtlichem Tadel versehen und als Abweichler und Normbrecher markiert. In dieser krisenhaften Situation rekurrieren Verurteilte auf Deutungsmuster zur Entlastung. Die Studie basiert auf diskursiven Interviews mit Personen, die zu einer Geldstrafe verurteilt sind, und diese durch Zahlung, gemeinnützige Arbeit oder Inhaftierung tilgen. Es zeigen sich sechs verschiedene Deutungsmuster, welche Strafe auf unterschiedliche Weise im Kontext von Moral, Legitimität und Gerechtigkeit verorten.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Zusammenfassung
Eine Strafe folgt auf eine Normabweichung und spielt sich zwischen Gesellschaft, Justiz und Verurteilten ab. Sie stellt ein Phänomen dar, dessen Betrachtung für das Verständnis gesellschaftlicher Zusammenhänge und somit besonders für die Soziologie bereichernd ist. Die vorliegende Studie liefert einen Beitrag zur Erfassung der sozialen Wahrnehmung von Strafe.
Nicole Bögelein

2. Zwecke, Funktionen, Wahrnehmung und Wirkung von Strafe

Zusammenfassung
Die Kriminalstrafe bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen der Rationalität der Strafgesetze auf der einen Seite und der emotional geladenen Trias aus Verurteilten, Justizmitarbeitern und Opfern auf der anderen Seite (siehe Sherman 2003). Strafe dient dabei ganz unterschiedlichen Zwecken – zumindest werden ihr bestimmte Funktionen zugeschrieben. Einerseits glaubt man in ihr ein Instrument zum Machterhalt, zur Kontrolle und zur Repression bestimmter Gruppen zu erkennen und andererseits einen symbolischen Akt, der durch abweichendes Verhalten entstandene emotionale Irritationen bereinigen soll. Strafe gilt weiterhin als Set kultureller Praktiken, das zugleich dem kulturellen Ausdruck dient und einer strategischen Logik sozialer Kontrolle folgt.
Nicole Bögelein

3. Geldstrafe und Ersatzfreiheitsstrafe

Zusammenfassung
Nachdem das letzte Kapitel Strafe im Allgemeinen und die Geldstrafe im Speziellen als Thema der Theoriebildung und empirischen Forschung behandelte, stellt Kapitel 3 nun die Überleitung zur konkreten Ausgestaltung der Geldstrafe dar. Die Geldstrafe, eine der beiden Hauptstrafen im deutschen Strafrecht, ist zugleich die am häufigsten angewandte Strafe. In diesem Kapitel werden zunächst der rechtliche Kontext der Geldstrafe und das Vorgehen bei der Vollstreckung dargestellt. Schließlich wird die empirische Bedeutung von Geldstrafen anhand der offiziellen Statistik und am Beispiel von Studien vorgestellt.
Nicole Bögelein

4. Deutungsmuster als Forschungsprogramm

Zusammenfassung
Nachdem bis hierher der Forschungsgegenstand (Geld-)Strafe thematisiert wurde, widmen sich die nächsten beiden Kapitel dem Forschungsansatz und dem konkreten Studiendesign. In diesem Kapitel steht das Deutungsmusterkonzept hinsichtlich seines Ursprungs, seiner theoriegeschichtlichen Verortung und seiner methodischen Bedeutung im Fokus. Auch die Bedeutung und Reichweite von Deutungsmustern und deren empirische Zugänglichkeit werden erläutert. Zum Schluss wird die Angemessenheit des Deutungsmusteransatzes für die vorliegende Fragestellung zur Wahrnehmung und Deutung von Strafen eruiert.
Nicole Bögelein

5. Anlage der empirischen Untersuchung

Zusammenfassung
Nachdem das vorangegangene Kapitel das Deutungsmusterkonzept abstrakt als Forschungsprogramm erläuterte, stellt dieses Kapitel konkret das Design der vorliegenden Untersuchung vor. Die Deutungsmusteranalyse widmet sich der Rekonstruktion von Sichtweisen einzelner Akteure nur insofern, als dass diese Träger gesellschaftlicher Deutungsmuster sind. Ohne sie wäre eine Erkenntnis übergeordneter Muster nicht möglich. Deutungsmuster gelten als Tatsache sui generis (vgl. Oevermann 2001 [1973]). In der Analyse steht nicht die Biografie der Akteure im Mittelpunkt, um das eine Leitmotiv beziehungsweise die Fallstruktur herauszustellen, wie bei einer biografischen Rekonstruktion.
Nicole Bögelein

6. Gesellschaftliche Deutungsmuster von Strafe

Zusammenfassung
Nachdem bis hierher zunächst die theoretischen und empirischen Kenntnisse bezüglich der Geldstrafe und des Deutungsmusteransatzes sowie die Anlage der empirischen Untersuchung dargestellt wurden, stellt dieses Kapitel das Kernstück der Studie dar. Hier werden die Deutungsmuster präsentiert, auf welche die Verurteilten zur Wahrnehmung, Legitimierung und Bewertung der Strafe rekurrieren. Die sechs herausgearbeiteten Deutungsmuster sind in zwei Kategorien unterteilt und werden nacheinander vorgestellt. Zunächst die drei Deutungsmuster, die nicht mit einer moralischen Dimension versehen sind. Anschließend die drei Deutungsmuster mit moralischem Bezug, die sich mit Legitimität, Moral und Gerechtigkeit von Strafe auseinandersetzen.
Nicole Bögelein

7. Diskussion und Einordnung der Ergebnisse

Zusammenfassung
Nach der ausführlichen Darstellung der Deutungsmuster und der Würdigung ihrer inhaltlichen Unterschiede sowie der Differenzierungen hinsichtlich des Rückgriffs durch verschiedene Gruppen, erfolgt im letzten Kapitel die Diskussion der Ergebnisse auf Basis der Untersuchungsfrage. Eine kritische Würdigung der Studienergebnisse schließt den Text ab.
Nicole Bögelein

Backmatter

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