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Über dieses Buch

Die Fragen nach einer validen Erfassung kaufmännischer Kompetenz und ihrer Entwicklung während der beruflichen Erstausbildung als zentrale Desiderata wirtschaftspädagogischer Grundlagenforschung werden im vorliegenden Band auf einer interdisziplinären Basis systematisch bearbeitet. In der Auseinandersetzung mit einschlägigen Erkenntnissen der Berufs- und Wirtschaftspädagogik sowie Verfahren der pädagogisch-psychologischen Diagnostik werden in einem pseudo-längsschnittlichen Design verschiedene Annahmen zur Natur und Entwicklung kaufmännischer Kompetenz auf einer aggregierten Gesamtebene geprüft, integriert und präzisiert. Die Autorin zeigt auf, dass kaufmännische Kompetenzentwicklung sowie deren Erfolgsfaktoren über ausgewählte Verfahren erfassbar sind und die entwickelten Instrumente gleichsam Nutzen für die berufliche Prüfungspraxis entfalten können.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Thematische Hinführung

Die Sicherung und Entwicklung der Qualität des dualen Berufsbildungssystems erfordert fundierte Kenntnisse u.a. über die Beschaffenheit und Genese beruflicher Kompetenzen. Die Ergebnisse der PISA-Studie für den allgemeinbildenden Bereich, die seit ihrer ersten Runde (Baumert et al., 2001) sowohl bei politischen Verantwortungsträgern, als auch in der breiten Öffentlichkeit große Beachtung finden, sind ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie empirische Befunde zu Veränderungen der Bildungslandschaft, der wissenschaftlichen Diskussion und des Reformbestrebens beitragen können (Winther, Kompetenzorientierte Assessments in der kaufmännischen Berufsbildung, Wi 3597/1-2, S. 2).

Viola Katharina Klotz

Theoretische Grundlagen der Kompetenzentwicklung

Frontmatter

2. Zum theoretischen Verständnis beruflicher Kompetenzentwicklung

Der Begriff der Kompetenz hat seit Mitte der 90er Jahre einen enormen Aufschwung erlebt und im Hinblick auf Fragen der Gesellschafts- und Bildungsreform verstärkt Anwendung gefunden (Huber, 2004, S. 15).

Viola Katharina Klotz

3. Diagnostik beruflicher Kompetenzen

Spätestens seit der Etablierung der Schulleistungsvergleiche, beginnend mit dem IEA Six Subject Survey (u.a. Walker, 1976) in den 70er Jahren, stellt sich die Frage nach der anwendungsorientierten Nutzung und der sog. Accountability (Aussagekraft und Legitimierbarkeit) von Prüfungsverfahren (vgl. Winther & Prenzel, 2014, S. 1). Mit der Einführung eines europäischen und nationalen Qualifikationsrahmens werden diese Fragen auch für den Bereich der beruflichen Bildung tragend.

Viola Katharina Klotz

Assessmentkonstruktion

Frontmatter

4. Assessment beruflicher Kompetenzen – Zum Aufbau einer logischen Beweiskette

Ein zentrales Problem innerhalb der Kompetenzmessung und -modellierung ist der mangelnde Zusammenhang zwischen Theorie und methodischer Umsetzung (vgl. Zlatkin-Troitschanskaia & Seidel, 2011, S. 228). Dabei hängt die Bewertung eines Kompetenzassessments keineswegs lediglich von der Güte der verwendeten Items ab: Selbst bei optimaler Operationalisierungsleistung kognitiver Konstrukte in inhaltsvalide Items ist das resultierende Messinstrument maximal so relevant und nützlich wie das dahinterstehende theoretische Konstrukt sowie dessen akkurate Abbildung über statistische Rückschlussverfahren.

Viola Katharina Klotz

5. Cognition – Vorstellung des Zielkonstrukts kaufmännisch-beruflicher Kompetenz

Im nachfolgenden Kapitel sollen die für die Testkonstruktion leitenden Überlegungen zum theoretischen Messgegenstand dargelegt werden. Dies ist insofern von zentraler Bedeutung, als dass sich – wie im vorangegangenen Kapitel dargestellt – sämtliche nachfolgenden Konstruktionsschritte sowie die Interpretation der empirischen Befunde an dem hier vorgestellten Zielkonstrukt orientieren. Eine Erfassung kaufmännischer Kompetenz sowie deren Entwicklung über drei Jahre wie im Rahmen des DFG-Schwerpunktprojektes erfordert Aussagen über das (latente) Kompetenzkonstrukt – bzw. falls bestehend aus mehreren Facetten – über das latente Kompetenzgefüge der Testgruppen (Probanden der einzelnen Ausbildungsjahre), bei welchem durchaus von einer Veränderbarkeit über die Ausbildungsjahre hinweg auszugehen ist (vgl. Kapitel 5.2).

Viola Katharina Klotz

6. Konstruktionsschritt 1: Itemkonstruktion

In einem ersten Konstruktionsschritt wurde die mit dem Assessment abzubildende Domäne analysiert, da zur Beschreibung berufsfachlicher Kompetenz als Zielkonstrukt des Assessments unweigerlich auch eine Beschreibung des Berufs bzw. der Domäne gehört – im Projektfall das Handlungs- und Wissensspektrum des Ausbildungsberufs Industriekaufmann/Industriekauffrau. Genauer ist hierzu für ein Assessment jedoch zunächst hinreichend zu legitimieren, welche Inhalte als Grundlagen der Kompetenzmessung heranzuziehen sind. Hierzu sind präzise berufliche Domänenbeschreibungen notwendig, welche die spezifischen Aspekte und Grenzen eines beruflichen Bereichs definieren und die inhaltlichen und situativen Anforderungen des Berufsbildes beschreiben.

Viola Katharina Klotz

7. Konstruktionsschritt 2: Testkonstruktion

Der Prozess der Testkonstruktion („assembly model“) umfasst gemäß Mislevy und Riconscente (2005) zunächst (1) die Auswahl von Aufgaben zur Erstellung eines Gesamttests unter Gesichtspunkten der Zielsetzung des Assessments sowie Reliabilitätsüberlegungen einschließend. Hinsichtlich des Assessmentzwecks sollte daher im Sinne des Zielkriteriums authentischer Testkonstruktion die Repräsentativität des Testinstruments in Bezug auf die schulischen und beruflichen Curricula sichergestellt werden.

Viola Katharina Klotz

8. Konstruktionsschritt 3: Scoring

Nach dem Einsatz des Assessments („Observation“ im Logic-Assessment-Modell) an vier kaufmännischen Berufskollegs in Hannover, München, Bielefeld und Paderborn lagen 877 Testhefte (398 Bögen Testheft 1 und 479 Bögen Testheft 2) vor. Vorangehend der Bearbeitung der Testhefte durch die Schüler erfolgte im Sinne einer Sicherung der Durchführungsobjektivität eine schriftliche und mündliche Instruktion. Zur Einhaltung der in Abbildung 38 formulierten Durchführungsstandards blieb ein Mitarbeiter des Projekts stets im Klassenraum.

Viola Katharina Klotz

Datenauswertung

Frontmatter

9. Konstruktionsschritt 4: Psychometrische Messverfahren

Bezüglich der Datenanalyse müssen ex ante drei notwendige Voraussetzungen für eine legitimierbare Auswertung beruflicher Lernergebnisse erfüllt sein (vgl. Klotz & Winther, 2012): Zunächst sollte (1) die im Testdesign angenommene Struktur beruflicher Kompetenz auch mit Blick auf die empirische Realität Gültigkeit besitzen (statistische Konstruktvalidität). Darüber hinaus hat (2) Gewissheit zu bestehen, mit welcher Präzision bzw. mit welcher Zuverlässigkeit Aussagen zum Kompetenzniveau der Lernenden gemacht werden können (statistische Reliabilität).

Viola Katharina Klotz

10. Konstruktionsschritt 5: Rückschlüsse auf das Zielkonstrukt

Nachdem über die Entwicklung von Items und der Beschreibung des Antwortverhaltens in Anbindung an das Zielkonstrukt eine Kausalität zwischen dem zu erfassenden Konstrukt und dem Antwortverhalten hergestellt ist, wird im nachfolgenden Kapitel über das beobachtete Antwortverhalten und die in Kapitel 9 erläuterten Messverfahren auf die Ausprägung des latenten Konstrukts zurückgeschlossen. Voraussetzungen für gültige Aussagen bzw. valide Rückschlüsse auf das Zielkonstrukt sind neben des in Kapitel 8 diskutierten Objektivitätsaspekts auch die Reliabilität der Testung, welche im nachfolgenden Kapitel für das neu entwickelte Assessment betrachtet wird.

Viola Katharina Klotz

11. Rückschlüsse auf die Entwicklung des theoretischen Zielkonstrukts

Nach der empirischen Beschreibung eines Kompetenzmodells für fortgeschrittene Auszubildende (Analysen für Testheft 2) in Form von Kompetenzstruktur- und Kompetenzniveauprüfungen, sind aus einer Entwicklungsperspektive eben solche Überprüfungen für einen frühen Kompetenzstand zu Ausbildungsbeginn (Testheft 1) von Interesse, um hierauf aufbauend valide Aussagen in Bezug auf den Erwerb beruflicher Kompetenz innerhalb der beruflichen Erstausbildung treffen zu können. Dabei scheint die zeitlich überdauernde Robustheit der postulierten Modelle mit dem Auflösungsgrad des gewählten Kompetenzmodells (Feingliedrigkeit der Struktur und Feinkörnigkeit der Niveaustufen) der Domäne zusammenzuhängen: Kompetenzstrukturmodelle mit niedriger Auflösung (grober Struktur) weisen in der Regel eine höhere Robustheit auf und erscheinen weniger abhängig von kleineren Veränderungen der Domäne (vgl. Neumann, 2013).

Viola Katharina Klotz

12. Zusammenfassung, Diskussion, Limitationen und Ausblick

Die Gestaltung beruflicher Assessments wird aktuell in der Berufsbildung insbesondere auf politischer Ebene diskutiert. Den Hintergrund der Debatten stellen einerseits verschiedene Neuordnungen der Ausbildungsberufe dar; andererseits zeigt sich, dass die instruktionalen Veränderungen in schulischen und betrieblichen Unterweisungsprozessen in Folge der Umsetzung des Lernfeldkonzepts keine angemessenen Entsprechungen in der Prüfungspraxis finden (Winther, Kompetenzorientierte Assessments in der kaufmännischen Berufsbildung, Wi 3597/1-2, S. 7). Vor dem Hintergrund von Assessmenttheorien und hier einer Einbettung in die Curriculum-Instruction-Assessment-Triad (vgl. Pellegrino, 2012) lag das Ziel dieser Arbeit im Hinblick auf die beschriebene Problematik darin, Instrumente beruflicher Kompetenzdiagnostik zu entwickeln, welche berufliche Kompetenzstände und -entwicklungen zu beschreiben vermögen und diese Lernstände und -entwicklungen an die formalen Ordnungsgrundlagen rückbinden (Forschungsfrage 1).

Viola Katharina Klotz

Backmatter

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