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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Über ethische Kommunikationskultur

Über ethische Kommunikationskultur

Zusammenfassung
Die kommunikative Qualität des Zwischenmenschlichen wird danach beurteilt, in welcher Weise sie es vermag, die Persönlichkeit des Kommunizierenden zu würdigen. Alles Verletzende, Entpersönlichende, Entwertende ist ein Ausdruck gestörter Harmonie zwischen den Gesprächspartnern. Im gegenwärtigen gesellschaftlichen Leben ist die öffentliche Verunglimpfung der Kommunikationspartner zu einem kollektiven sadistischen und zynischen Spektakel geworden. Der heuchlerische politische Wahlkampf, die Affären von Managern, die profane Rivalität bei der Besetzung von Bischofsstühlen — all dies sind Zeichen eines neurotisierten Zeitgeistes, dessen Glaubwürdigkeit längst abgeblättert ist.
Baldur Kirchner

Voraussetzungen für eine ethisch orientierte Kommunikationskultur

Frontmatter

I. Von der Theozentrik zur Anthropozentrik — Die Wende im Bewußtsein

Zusammenfassung
Die Legitimation für dieses Kapitel nehme ich aus den gegenwärtig erkennbaren Veränderungen in der Sittlichkeit von Einzelpersonen und Gruppen in unserer Gesellschaft. Seien Sie unbesorgt — ich will Sie nicht erneut christianisieren! Ich werde auch keinen neuen Sittenkodex anpreisen, der Ihre moralischen Kategorien umstürzen könnte. Gleichwohl bewegen mich die Ursachen für eine veränderte sittliche Grundhaltung in der Kommunikation des privaten und beruflichen Alltags besonders stark. Da ich nahezu täglich mit Führenden zu tun habe, fühle ich mich der Dialogkultur dieses Personenkreises elementar verpflichtet. Die Kunst der Dialogführung zu rekultivieren, ist daher ein wichtiges Anliegen dieses Buches. Bevor dies in den späteren Kapiteln geschieht, sei das Augenmerk des Lesers auf eine Erscheinung gerichtet, die sich aus der Sicht des Heute als beinahe kaum bemerkenswert darstellt. Ich meine die Beziehung zwischen Religiosität, Sittlichkeit und Kommunikationskultur. Wer sich ernsthaft mit seinen persönlichen Wertvorstellungen beschäftigt, wird zwangsläufig an die Quellen zurückkehren, aus denen in seiner Persönlichkeitsbildung entscheidende Impulse für die spätere Lebensgestaltung hervorgegangen sind.
Baldur Kirchner

II. Die Kompetenzen des Führenden — Merkmale seines Persönlichkeitsprofils

Zusammenfassung
Der Weg des abendländischen Bewußtseins führte von der Theozen-trik zur Anthropozentrik. Diese Wende im Betrachten und Bewerten des Menschseins und seines mannigfaltigen Erscheinens beeinflußte auch die sittlichen und geistigen Maßstäbe der neuzeitlichen Dialogkultur. Mit dem bis in unsere Tage zunehmenden Verlust an Innerlichkeit tritt ein Menschenbild auf, das weniger in seinem Wesen als in seiner Weltlichkeit verankert ist. Die Dialoghaltung und Dialogabsicht der Kommunikationspartner sind deshalb gegenwärtig mehr am Haben als am Sein orientiert.25
Baldur Kirchner

III. Dialektik und Dialektikfähigkeit

Zusammenfassung
Soziale und sittliche Kompetenz sind der seelische Schmuck eines Menschen — namentlich der einflußnehmenden Führungspersönlichkeit. Diese charakterlichen Qualitäten werden in der Dialogkultur eines Führenden besonders spürbar. Wie ein Führender seine Interaktionen mit den Geführten gestaltet, danach wird ein großer Teil seines Führungskönnens bewertet. Die bedeutendsten Gebiete der Dialogkultur sind Rhetorik und Dialektik. Über „Rhetorik“ werde ich mich in einer anderen Publikation äußern. Das Anliegen dieses Buches ist es, Dialektik als relevantes Merkmal der Dialogkultur und als Ausdruck der Persönlichkeit darzustellen. Dazu ist es notwendig, den Begriff „Dialektik“ unter diesen Aspekten etwas genauer zu betrachten. Ich beabsichtige nicht, in den folgenden Überlegungen einen philosophiegeschichtlichen Überblick über Dialektik zu geben. Dazu existieren bereits genügend Veröffentlichungen. Mein Anliegen ist es vielmehr, die persönlichkeitsbildenden Kriterien von dialektischer Dialogkultur zu behandeln.
Baldur Kirchner

IV. Ethik und Überzeugungsfähigkeit

Zusammenfassung
Ethik ist eine Disziplin der praktischen Philosophie. Sie beschäftigt sich seit Aristoteles (384–322 v. Chr.) mit der Beobachtung des menschlichen Wollens und Handelns insofern, als es Ausdruck eines Wertbewußtseins ist. Sie wirkt, was die Gesetze des Lebens betrifft, beschreibend und erklärend.
Baldur Kirchner

Prinzipien einer ethisch orientierten Kommunikationskultur

Frontmatter

I. Ethische Prinzipien für Ehe und Partnerschaft

Zusammenfassung
Erläuterung: Die Bindungen zwischen Mann und Frau und gleichgeschlechtlichen Partnern leben von der emotionalen Verankerung des einen im anderen. Gefühle führen Menschen zueinander und lassen sie in eine Harmonie gleiten, die im allgemeinen eine dauerhafte Lebensgemeinschaft anstrebt. Das emotionale Zueinander ermöglicht immer neue Formen von Liebesangeboten an den anderen. Es liegt nahe, hier den Begriff „Liebesfähigkeit“als das Fundament emotionaler Kontinuität zu zitieren.
Baldur Kirchner

II. Ethische Prinzipien für die erzieherische Begleitung

Zusammenfassung
Erläuterung: Es erscheint mir sinnvoller, für den Prozeß des Heranwachsens das sprachliche Charakteristikum „erzieherische Begleitung“zu wählen als den üblichen Begriff „Erziehung“. Damit will ich die Kommunikationskultur zwischen den erziehenden Begleitern und den jungen Menschen als ein zwischenmenschliches Phänomen verstanden wissen, das den dialogischen Raum für die Entstehung eines positiven Wertbewußtseins anbietet.
Baldur Kirchner

III. Ethische Prinzipien für die dialektische Dialogkultur

Zusammenfassung
Erläuterung: Mehrfach schon habe ich die prinzipielle Bereitschaft angesprochen, mit dem Partner kommunizieren zu wollen. Ich habe damit den inneren Antrieb gemeint, der notwendig ist, um sich in das dialogische Geschehen einzubringen. Die Dialogkultur des Dialektikers beginnt also mit seiner seelischen Aufbereitung für die bevorstehende Begegnung. Aus ethischer Sicht möge der Dialektiker den Weg zum Du in seinem Inneren bereiten. Denn für ein Gespräch bereit zu sein, bedeutet, sich innerlich bereitet zu haben. Das innere Bereiten kommt nicht ohne die tiefere Beschäftigung mit der eigenen Persönlichkeit aus. Sie gelingt demjenigen am besten, der sich längere Zeit mit Selbsterkenntnis befaßt hat.
Baldur Kirchner

IV. Ethische Prinzipien für Führende in Hierarchien

Zusammenfassung
Erläuterung: Schon in der frühen Zeit des christlichen Abendlandes wurden an die Persönlichkeit des Führenden hohe seelisch-sittliche Anforderungen gestellt. Ein Blick in die Ordensregel des Gründers des Benediktinerordens, Benedikts von Nursia (480–547), zeigt uns, welches Persönlichkeitsprofil der Abt vorweisen muß: „Der eingesetzte Abt bedenke immer, welche Last er übernommen hat und wem er über seine Verwaltung Rechenschaft ablegen muß. Er soll wissen, daß er mehr zum Helfen als zum Befehlen da ist. Er muß sich also im göttlichen Gesetz auskennen, damit er das nötige Wissen hat, um daraus Neues und Altes hervorzuholen. Er muß keusch, nüchtern, barmherzig sein. Und immer soll er lieber Erbarmen walten lassen als strenges Gericht, damit ihm selbst das gleiche zuteil werde. Er hasse das Böse und liebe die Brüder. Muß er zurechtweisen, handle er klug und gehe nie zu weit, damit das Gefäß nicht zerbricht, wenn er es allzu sauber vom Rost reinigen will…Und er suche mehr geliebt als gefürchtet zu werden. Er sei nicht aufgeregt und überängstlich, nicht maßlos und eigensinnig; nicht eifersüchtig und nicht argwöhnisch, sonst kommt er ja nie zur Ruhe. Bei seinen Befehlen sei er umsichtig und überlegt.“42
Baldur Kirchner

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