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Über dieses Buch

Das Buch gibt eine neue, systematische Einführung in die Tiefenhermeneutik in Form eines ausführlichen Einleitungskapitels und präsentiert darauf aufbauend verschiedene Aufsätze mit tiefenhermeneutischen Interpretationen, in denen die spezifische Herangehensweise ans Material und ihr Potenzial systematisch veranschaulicht wird. Dabei werden die einzelnen Interpretationsschritte so transparent gemacht, dass die Studien Interessierten eine Anleitung für eigenes tiefenhermeneutisches Arbeiten liefern.
Der Inhalt• Methodologische Einleitung• Gegenwärtige Sozialisationsprozesse• Aufarbeitung der Vergangenheit• Vergangenheit im Gegenwärtigen
Die Zielgruppen• Studierende, Lehrende und Forschende in den Sozialwissenschaften, der Psychologie, den Geschichtswissenschaften, Politikwissenschaften, in der Pädagogik, in der Sozialen Arbeit und den Medienwissenschaften• In der Vermittlung qualitativer Methoden Tätige• Psychoanalytikerinnen und Psychoanalytiker, klinische Psychologinnen und Psychologen, (psychoanalytische) Sozialpsychologinnen und Sozialpsychologen
Herausgegeben von
Dr. Julia König ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Goethe-Universität Frankfurt.Dr. Nicole Burgermeister ist Soziologin und Psychoanalytikerin in Zürich. Dr. Markus Brunner ist Co-Leiter des Master-Studienschwerpunktes „Sozialpsychologie und psychosoziale Praxis“ an der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien. Philipp Berg ist Lehrbeauftragter an der Hochschule Darmstadt.Prof. Dr. Hans-Dieter König hat Soziologie und Sozialpsychologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main gelehrt und praktiziert als Psychoanalytiker in Dortmund.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Methodologische Einleitung

Frontmatter

Dichte Interpretation

Zur Methodologie und Methode der Tiefenhermeneutik
In der Einleitung führt Hans-Dieter König zunächst in die Methodologie der Tiefenhermeneutik ein. Er rekonstruiert, wie sich die Tiefenhermeneutik aus dem Projekt der analytischen Sozialpsychologie entwickelt hat, das im Rahmen der Kritischen Theorie konzipiert wurde. Sodann führt er aus, wie Alfred Lorenzer aus der klinischen Praxis der Psychoanalyse heraus die Methode einer tiefenhermeneutischen Kulturforschung entfaltet hat. Anschließend expliziert König die Regeln tiefenhermeneutischer Kulturforschung. In einem Exkurs stellt er anhand eines Gedichtes von Rilke die verschiedenen Schritte einer tiefenhermeneutischen Gruppeninterpretation dar. Schließlich setzt er sich mit dem Konzept der dichten Beschreibung auseinander, das in der qualitativ-interpretativen Forschung dazu dient, subjektive Wirklichkeitskonstruktionen zu untersuchen. In Auseinandersetzung mit diesem von Clifford Geertz entwickelten Konzept untersucht König die Besonderheit der tiefenhermeneutischen Methode, die er als dichte Interpretation charakterisiert, um diese psychoanalytische Verfahrensweise von der von Geertz entwickelten Forschungshaltung und damit auch von anderen qualitativ-interpretativen Methoden zu unterscheiden.
Hans-Dieter König

Gegenwärtige Sozialisationsprozesse

Frontmatter

Von kichernden Mädchen und starrenden Schildkröten

Tiefenhermeneutische Erkundungen kindlicher Sexualität auf der Basis von Protokollen teilnehmender Beobachtung
In ihrem Beitrag unternimmt Julia König den Versuch, kindliche Lust und das in Kinderspielen inszenierte infantile Begehren zu analysieren. Während das Thema kindlicher Sexualität – und noch viel öfter die Themen Kinder und Sexualität in einem Zusammenhang – zwar in öffentlichen Diskursen viel diskutiert werden und diese Diskurse durchaus kritisch beobachtet und kommentiert werden, bleiben die konkrete Lust und das Begehren in Kinderspielen selbst zumeist dethematisiert. Was aber passiert in lustvollen Interaktionen von Kleinkindern, (wie) wird Begehren zwischen Kindern gespielt, in Szene gesetzt – und wie nehmen Erwachsene diese Szenen wahr? Nachdem König in einem ersten Schritt die erkenntnistheoretischen Zugänge zur kindlichen Sexualität rekapituliert, legt sie ihr Konzept eines tiefenhermeneutischen Zugangs zur kindlichen Sexualität auf der Basis von Protokollen teilnehmender Beobachtung dar, den sie anschließend an einer Beobachtungsszene aus einem laufenden Forschungsprojekt aufzeigt.
Julia König

Selbstverletzende Handlungen als Beziehungsdrama

Tiefenhermeneutische Analyse einer Interviewdynamik
Nicole Burgermeister setzt sich in ihrem Beitrag mit einem von ihr geführten Interview mit einem jungen Mann auseinander, der sich über viele Jahre hinweg selber verletzt hat und in der rechtsradikalen Szene aktiv war. Dabei zeigt sie, wie die tiefenhermeneutische Methode und die gemeinsame Analyse in einer Interpretationsgruppe es ermöglicht, die von der Autorin als herausfordernd erlebte Interaktionsdynamik besser zu verstehen. Sie zeichnet nach, wie die Forscherin in das sich in der Interviewsituation reinszenierende Beziehungsgeschehen involviert wird und legt dar, wie wichtig es ist, die szenisch sich im Material manifestierenden latenten Dimensionen des Datenmaterials in die Analyse miteinzubeziehen. Unter Einbezug des psychoanalytischen Konzepts der projektiven Identifizierung werden selbstverletzende Handlungen als Beziehungsdrama perspektiviert, die auch vor dem Hintergrund ihrer gesellschaftlichen Kontextbedingungen verstanden werden müssen.
Nicole Burgermeister

„Wir werden auch unsere eigenen Klischees nicht los“

Konflikte zwischen institutionellen Handlungspraxen und berufsethischen Ansprüchen unter angehenden Sozialarbeiter_innen
Der Beitrag von Philipp Berg behandelt das konflikthafte Verhältnis von hohen berufsethischen Ansprüchen und Erwartungen einerseits, die an die Soziale Arbeit gerichtet werden, und dem entgegenstehende institutionell sozialisierte und ausgebildete Handlungspraxen der sozialarbeiterisch Tätigen andererseits. Dieses Verhältnis wird an (angehende) Sozialarbeiter_innen – wie anhand einer Gruppendiskussion mit Studierenden der Sozialen Arbeit gezeigt wird – in Einrichtungen der Sozialen Arbeit an diese herangetragen und führt sie selbst in einen Konflikt zwischen ausgrenzendem und diskriminierendem institutionellen Handeln und berufsethischen Ansprüchen. Der Beitrag zeigt, wie die Studierenden vor die Herausforderung gestellt sind, eine Sprache zu finden, die den berufsethischen Ansprüchen gerecht wird. Dort, wo eine Einigkeit über diese Sprache nicht gefunden wird oder brüchig ist, kommt es zu offenen Konflikten unter diesen, die bis hin zu Mobbing und Ausgrenzung unter Kolleg_innen führen können.
Philipp Berg

Aufarbeitung der Vergangenheit

Frontmatter

„Deutschland … ist ja das letzte Bollwerk“

Ein psychoanalytisch-sozialpsychologischer Beitrag zur Mentalitätsgeschichte der westdeutschen Nachkriegszeit
Über die tiefenhermeneutische Rekonstruktion einer 1951 von Mitarbeitern des Frankfurter Instituts für Sozialforschung mit »Kriegskindern« geführten Gruppendiskussion werden die mentalitäts- und emotionsgeschichtlichen Folgewirkungen des Nationalsozialismus auf der affektiven und unbewussten Ebene erschlossen. Insbesondere wird betrachtet, wie die jungen Erwachsenen in diesem Kontext ihre Erfahrungen mit der amerikanischen Besatzung und der jungen Bundesrepublik verarbeiten. Überprüft wird anhand des historischen Materials unter anderem eine bekannte These von Alexander und Margarete Mitscherlich: Ihnen zufolge habe es in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft eine Rückkehr zu einem vor-nationalsozialistischen Über-Ich gegeben, dass von den Alliierten psychisch repräsentiert wurde.
Jan Lohl, Sebastian Winter

Institutsgeschichte als Familiengeschichte?

Tiefenhermeneutische Rekonstruktion der Geschichte eines psychoanalytischen Institutes im Rheinland
Michael Lacher stellt die tiefenhermeneutische Auswertung eines narrativen Experteninterviews aus seinem Forschungsprojekt zur Rekonstruktion der Geschichte der Psychoanalyse im Rheinland vor. Er arbeitet den Spannungsbogen zwischen manifesten und latenten Bedeutungsebenen des Interviews heraus, um dann beim kultur- und sozialtheoretischen Begreifen die Mythen und das erzählte Institutsdrama als Familiengeschichte eines psychoanalytischen Institutes unter Rückgriff auf Max Webers Typisierung von Herrschaftsverhältnissen und der Anerkennungstheorie von Jessica Benjamin kulturkritisch neu zu rekonstruieren.
Michael Lacher

Vergangenheit im Gegenwärtigen

Frontmatter

Doppelte Initiation

Zur emotionalen Verankerung eines personalisierten Geschichtsbildes vom Nationalsozialismus
Anhand eines Interviews mit einem Jugendlichen zeigt Stefan Warnken exemplarisch, wie gesellschaftlich kursierende Geschichtsbilder im Spannungsfeld von Adoleszenz, Moralentwicklung, Politisierung und Familienerzählung je individuell angeeignet werden. Die tiefenhermeneutische Interpretation reflektiert außerdem methodische Fragen hinsichtlich der Entstehung des Materials. Es wird deutlich, dass das Interview eine Co-Konstruktion von Interviewtem und Interviewer ist und das Zusammenspiel von Übertragung und Gegenübertragung in diesem Fall einen neuen methodologischen Zugang erschließt.
Stefan Warnken

Von einem Neonazi fasziniert

Psychoanalytische und soziologische Rekonstruktion eines narrativen Interviews mit einem Soziologiestudenten
Hans-Dieter König untersucht in seinem Beitrag die Frage, wie ein Neonaziführer sich im Zuge seiner politischen Agitation an das bewusste und unbewusste Erleben seiner Zuschauer wendet, durch die hermeneutische Rekonstruktion eines biographisch-narrativen Interviews mit einem Soziologiestudenten. Die Analyse des im Anschluss an einen Film über einen Rechtsradikalen geführten Interviews zeigt, wie sich die momentane Begeisterung für einen Neonaziführer, unter deren Einfluss dieser Student sich seinen Kommilitonen überlegen fühlte und auf Fremde und Schwächere mit Gewaltphantasien reagierte, vor dem Hintergrund unbewältigter Erfahrungen der Kindheit verstehen lässt. Die Biographie wird zunächst narrationsanalytisch untersucht, indem das subjektive Erleben des Studenten als Resultat einer biographischen Erfahrung begriffen wird, die sich im Zuge des Durchlaufens verschiedener soziokultureller Milieus entwickelt hat. Sodann wird die Lebensgeschichte tiefenhermeneutisch rekonstruiert, indem das subjektive Erleben des Studenten als Niederschlag ungelöster inneren Konflikte konzeptualisiert wird. So werden vor allem jene unbewussten Erlebnisfiguren fassbar, die mit punktuellen neurotischen Beschädigungen seiner Subjektivität zusammenfallen, die durch eine schwere Traumatisierung in der Kindheit zusätzlich kompliziert wird.
Hans-Dieter König

Schmutz in Weiß

Zum Erlebnisangebot des IG-Farben-Campus
Räume prägen sinnlich vermittelt die unbewussten Lebens- und Handlungsentwürfe der in ihnen Lebenden. Um den Machtanspruch von unterhalb der sprachlichen Ebene organisierten Symbolen zu entziffern, ist zunächst die Entschlüsselung ihres Bedeutungsgehalts für das subjektive Erleben und Handeln erforderlich. Mit Hilfe der Tiefenhermeneutik geht Tom David Uhlig den latenten architektonischen Sinngehalten eines Neubaus der Goethe Universität Frankfurt nach. Die Umdeutung der Räume, in welchen die mörderischen Buna-Werke nahe der polnischen Stadt Monowitz (genannt Auschwitz III) geplant wurden, zum »schönsten Campus Europas«, korreliert mit dem architektonischen Problem, dass die Neubauten auf dem Gelände die architektonische Formsprache des Hauptgebäudes bruchlos übernehmen. Die tiefenhermeneutische Gruppeninterpretation offenbart, dass sich der monumentale Selbstanspruch des Gebäudes, das einst den Ansprüchen nationalsozialistischer »Großartigkeit« entsprach, in einer modernen Architektur reproduziert, die durch die Reinszenierung von Macht und Größe auf Studierende einschüchternd wirkt. Der Umstand, dass man sich in der Gruppe über das architektonisch vermittelte Streben nach Größe lustig machte, es karikierte und scharf kritisierte, machte auf den überhöhten Selbstanspruch aufmerksam: Das Gebäude wird nach den gleichen Kriterien beurteilt, die es an sich selbst anzulegen scheint.
Tom David Uhlig

Backmatter

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