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Über dieses Buch

Ein Buch über die Inhalte der Agenda 2030
Das Kernthema dieses Buches ist Nachhaltigkeit. Es bietet eine systemische Auseinandersetzung mit der Agenda 2030 und den 17 Sustainable Development Goals der UN. Diese spannen – in noch komplexerer Weise als das "Magische Viereck" der Wirtschaftspolitik – ein Zielsystem mit zahlreichen Wechselwirkungen und Zielkonflikten auf. Das Ziel der Agenda ist es, die Welt in einen Zustand zu bringen, in dem die planetaren Grenzen dauerhaft eingehalten und die Bedürfnisse aller Menschen befriedigt werden können. Die folgenden fünf Parameter beschreiben den Zustand des Gesamtsystems und seines Subsystems: Größe der WeltbevölkerungBIPVerteilung des WohlstandsBenötigte Ressourcen relativ zur RessourcenverfügbarkeitTechnologischer FortschrittDie Agenda richtet sich an Zielgruppen weltweit

Das Buch zeigt, dass durch die globale Reichweite der Agenda 2030 und die verteilten Zuständigkeiten eine große Komplexität der Thematik entsteht. Die Agenda richtet sich beispielsweise an unterschiedliche Zielgruppen, die sich in verschiedene Sparten einteilen lassen: von global bis nationalüber klassische Politikressorts hinwegüber verschiedene Akteursgruppen wie Politik, Unternehmen und ZivilgesellschaftDie Autorinnen erläutern diese Aspekte und konkretisieren sie anhand einzelner Handlungsfelder. Dafür verfolgen sie einen systemischen und kontextuellen Ansatz, der die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Zielen, der globale Reichweite der Agenda und den vielfältigen Zuständigkeitsfragen lösungsorientiert adressiert. Konkret behandeln die Herausgeberinnen und Beitragsautoren des Buches die folgenden Thematiken im Zusammenhang mit der Agenda 2030:
Lösungsansätze der NachhaltigkeitEinführung in das Magische VieleckUnternehmerische Gemeinschaften und nachhaltige EntwicklungDer Marshall Plan mit Afrika als Ansatz zur Umsetzung der Agenda 2030Anforderungen an nachhaltige Emissionshandelssysteme im Spannungsfeld der Agenda 2030Nachhaltige AgrarwirtschaftAbfall- und Kreislaufwirtschaft im Spannungsfeld der Agenda 2030Nachhaltiger Tourismus in EntwicklungsländernEinblicke in die Analyse der globalen ÄrztemobilitätNachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 aus chinesischer PerspektiveNachhaltiger Konsum, Handel und Produktion

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
Mit dem fortschreitenden Klimawandel, der zunehmenden weltweiten Migration und der sich forcierenden gesellschaftlichen Polarisierung sieht sich die Weltgemeinschaft Entwicklungen gegenüber, die in der mangelnden Nachhaltigkeit des heutigen Tuns begründet liegen. Dies übersetzt sich in eine sich verschärfende Risikosituation, die insbesondere der Klimawandel hervorruft. Die heutige, wenig hoffnungsvolle Situation besteht, obwohl die Weltgemeinschaft mit der Agenda 2030 und ihren 17 Nachhaltigkeitszielen seit dem Jahr 2016 zum ersten Mal in ihrer Geschichte über einen international abgestimmten, gemeinsamen Plan zur Erreichung einer nachhaltigen Entwicklung verfügt. Mit ihren 17 Zielen aus den Bereichen Ökologie, Ökonomie und Soziales spannt die Agenda 2030 in noch komplexerer Weise als das „Magische Viereck“ der Wirtschaftspolitik ein Zielsystem mit zahlreichen Wechselwirkungen und Zielkonflikten auf. Die globale Reichweite der Agenda und verteilte Verantwortungen erzeugen eine große Komplexität. Aufbauend auf einer realistischen Einschätzung zum Status quo und zur Umsetzbarkeit dieser Agenda unter heutigen Bedingungen werden in diesem Sammelband Lösungsansätze beschrieben, die es ermöglichen sollen, dem tatsächlichen Anspruch vielleicht doch noch gerecht zu werden – eine weltweite Entwicklung, die allen Menschen ein Leben in Würde ermöglicht und zugleich nicht die Ressourcenbasis und das Klima irreparabel schädigt.
Estelle Herlyn, Magdalène Lévy-Tödter

Nachhaltigkeit mit System

Frontmatter

Kapitel 2. Zur Umsetzbarkeit der Agenda 2030 – Was kann ein Marshallplan mit Afrika beitragen?

Zusammenfassung
Dieser Beitrag diskutiert die Agenda 2030 der Vereinten Nationen mit den sogenannten Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals/SDGs) und ihre Umsetzungschancen. Er stimmt nicht in den allgemeinen „Lobgesang“ auf die SDGs ein, sondern sieht diese eher als einen Rückschritt gegenüber den Millennium Development Goals (MDGs), weil sie es reichen Ländern erleichtern, sich auf ihre eigenen Probleme zu konzentrieren, statt in internationaler Zusammenarbeit die großen weltweiten Herausforderungen im Nachhaltigkeitsbereich anzugehen. Die Umsetzungschancen für die SDGs werden als nicht gut angesehen. Es wird dann überlegt, ob ein neuer „Marshallplan“ eine Chance bieten würde, die Umsetzung der SDGs voranzubringen, insbesondere am Beispiel Afrika, wo die größten Herausforderungen bestehen. In der Tat bietet ein Marshallplan solche Chancen, allerdings stellt sich auch hier wiederum die Frage, ob ein solcher Plan je zur Umsetzung kommen wird. Mit der jüngst ins Leben gerufenen „Allianz für Entwicklung und Klima“ des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) deutet sich ein Weg an, wie im Rahmen einer Multi-Stakeholder-Initiative möglicherweise ein Ansatz gefunden werden kann, einen Marshallplan mit Afrika und andere, damit zusammenhängende internationale Entwicklungen zu fördern und damit dann auch substanziell zur Umsetzung der SDGs beizutragen. Der Text diskutiert die genannten Themen und damit verbundene Fragestellungen.
Franz Josef Radermacher

Kapitel 3. Die Agenda 2030 als systemische Herausforderung – Zielkonflikte und weitere Umsetzungsherausforderungen

Zusammenfassung
Mit großen Hoffnungen verbunden wurden im Jahr 2015 die 17 Ziele der Agenda 2030 als erste weltweit geltende Agenda für eine nachhaltige Entwicklung verabschiedet. In den ersten drei Jahren ihrer Laufzeit ist allerdings an vielen Stellen Ernüchterung eingekehrt. Die Umsetzung der Agenda verläuft bisher alles andere als erfolgreich. Viele ungelöste prinzipielle Fragen und Herausforderungen stehen im Raum, die in diesem Beitrag genauer beleuchtet werden sollen. Es geht um das anhaltende Bevölkerungswachstum, ungelöste Zielkonflikte, politische Dilemmata, fehlende Zuständigkeiten, ungeklärte Finanzierungsfragen, Technologiedefizite und den nationalen oder gar regionalen Fokus zu vieler wohlgemeinter Maßnahmen. Die Auseinandersetzung mit den bestehenden Herausforderungen soll keine Frustration erzeugen, sondern – ganz im Gegenteil – neue Wege und Ansätze aufzeigen, die eingeschlagen werden müssen, um die angestrebten 17 Ziele vielleicht doch zu erreichen.
Estelle Herlyn

Kapitel 4. Eine chinesische Nachhaltigkeitsagenda: Wirtschaftliche Entwicklungen als Treiber für eine grüne Zukunft?

Zusammenfassung
Lange Zeit hat die Volksrepublik China die Strategie eines „Wirtschaftswachstums um jeden Preis“ verfolgt und sieht sich heute einer Vielzahl an Problemen im Bereich Nachhaltigkeit ausgesetzt. Allerdings gibt es zunehmend Hinweise darauf, dass der Tipping Point der nicht-nachhaltigen Entwicklung in China erreicht ist. In der Tat lässt sich in der chinesischen Bevölkerung ein wachsendes Nachhaltigkeitsbewusstsein beobachten, und die chinesische Führung hat in den letzten Jahren ihre Anstrengungen im Bereich Nachhaltigkeit deutlich intensiviert. Auf Grundlage von Bedürfnistheorien führt der vorliegende Beitrag die steigende Relevanz von Nachhaltigkeitsthemen auf den zunehmenden Wohlstand in China zurück und wagt die These, dass das Reich der Mitte zukünftig eine Führungsrolle bei der Realisierung einer nachhaltigen Entwicklung einnehmen könnte.
Nick Lin-Hi, Igor Blumberg

Kapitel 5. Vom Magischen Viereck über ein Sechseck zum Vieleck

50 Jahre Erfolgsgeschichte und neue Herausforderungen für das Stabilitäts- und Wachstumsgesetz
Zusammenfassung
Das Stabilitäts- und Wachstumsgesetz, auch Magisches Viereck genannt, bildet seit Jahrzehnten einen Orientierungsrahmen für die Wirtschaftspolitik und die Sicherung des Wohlstands in der Bundesrepublik. Die Regierungen und viele wichtige Institutionen, wie z. B. die Bundesbank oder Organisationen im Bereich des Sozialen, werden über das Gesetz in Regelsysteme eingebunden. Diese Regeln sollen bewirken, dass sich Arbeitsmarkt, Außenhandel, Preisstabilität und ein angemessenes Wachstum gleichzeitig in einem konjunkturgerechten Gleichgewicht entwickeln. Damit wurde bereits vor mehr als 50 Jahren ein festes Fundament zur institutionalisierten Steuerung der Wirtschaft geschaffen (Deutscher Bundestag 1967). Trotz der langen Tradition ist das Gesetz nicht jedem bekannt und gegenwärtig – auch nicht in der Politik. Parlamentarier, die sich nicht unmittelbar mit Wirtschaft oder Haushalt befassen, kennen das Stabilitätsgesetz häufig nicht. Nach 50 Jahren ist die Frage zu stellen, ob dieses Gesetz den vielfältigen aktuellen Herausforderungen, etwa in Bezug auf Nachhaltigkeit, gerecht wird. Zu fragen ist auch, ob der Mechanismus eines auf nationaler Ebene konstituierten Stabilitätsinstruments angesichts der zunehmend bestimmenden Rolle der EZB sowie der Wettbewerbsregularien, der Handelssteuerung und der Zollverantwortlichkeit der EU noch ausreichend wirksam sein kann. Wesentlich ist heute angesichts der drängenden Herausforderungen im ökologischen und sozialen Bereich vor allem auch die Frage nach der Adäquatheit der Zielvorgaben.
Christoph Brüssel

Kapitel 6. Zum Systemverständnis und seiner Anwendung in der Unternehmenspraxis

Zusammenfassung
Welche Impulse lassen sich aus der Systemtheorie für die Nachhaltigkeitsdiskussion ableiten? Und wie können diese Erkenntnisse in konkretes unternehmerisches Entscheiden und Handeln einfließen? Diesen Fragestellungen geht der Beitrag nach, mit Verweis auf die Grundlagen eines entscheidungsorientierten Systemdenkens sowie auf den SUDEST-Analyseansatz. Wer Entscheidungssituationen auf der Grundlage dynamisch-vernetzter Wirkungsgefüge begreift, der sieht sich mit einer hohen situativen Komplexität konfrontiert. Der Umgang mit dieser Komplexität wird den Erfolg jedes Nachhaltigkeits-Managements entscheidend prägen. Der Beitrag operationalisiert deshalb das Phänomen „Komplexität“ und zeigt auf, wie die verschiedenen Komplexitäts-Parameter in Entscheidungsstrukturen überführt werden können.
Barnim G. Jeschke

Handlungsfelder

Frontmatter

Kapitel 7. Anforderungen an nachhaltige Emissionshandelssysteme vor dem Hintergrund der Agenda 2030

Zusammenfassung
Der Klimapolitik kommt im Rahmen der Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 eine herausragende Bedeutung zu, da viele der Ziele unmittelbar oder mittelbar durch den Klimawandel tangiert sind. Der vorliegende Beitrag untersucht vor diesem Hintergrund, welche Bedeutung der Emissionshandel für die internationale Klimapolitik hat, welche konkreten Anforderungen an wesentliche Designmerkmale von Emissionshandelssystemen sich aus den Nachhaltigkeitszielen ergeben, wie bisher bereits etablierte Systeme diesbezüglich zu bewerten sind und welche besondere Rolle eine zukünftige Verknüpfung („Linking“) dieser meist nationalen bzw. regionalen Systeme spielt.
Achim Lerch

Kapitel 8. Freiwillige Klimaneutralität und CO2-Kompensation nicht-staatlicher Akteure – Eine Chance auf vielfältige Co-Benefits im Sinne der Agenda 2030

Zusammenfassung
Die Bekämpfung des Klimawandels ist eines der 17 Ziele der Agenda 2030. Es ist zugleich eines der drängendsten Themen unserer Zeit und wird heute von allen gesellschaftlichen Akteuren – Politik, Unternehmen und Zivilgesellschaft – aufgegriffen. Der Ansatz der CO2-Kompensation bietet die noch viel zu wenig genutzte Chance, mit Maßnahmen zum Klimaschutz zugleich Beiträge zur Erreichung weiterer Ziele der Agenda 2030 zu leisten. Bezüglich 14 weiterer Nachhaltigkeitsziele lassen sich im Kontext unterschiedlicher CO2-Kompensationsprojekte Co-Benefits erzielen. Dieses große Win-win-Potenzial sollte so umfangreich wie möglich ausgeschöpft werden.
Estelle Herlyn

Kapitel 9. Nachhaltige Agrarwirtschaft – ein holistischer Ansatz für Boden, Pflanze und Mensch

Zusammenfassung
Der Landwirtschaft kommt bei der Erfüllung menschlicher Grundbedürfnisse und der Einflussnahme auf die Erreichung der Sustainable Development Goals der Agenda 2030 eine zentrale Bedeutung zu. Ob landwirtschaftliche Aktivitäten hierbei die Rolle des Problemverursachers oder des Problemlösers einnehmen, hängt davon ab, ob es gelingt, nachhaltige Bewirtschaftungsansätze weiterzuentwickeln und konsequent umzusetzen.
Ein umfassender agrarwirtschaftlicher Ansatz hat den Aspekten von Lebensmittelqualität, Lebensmittelproduktion und Lebensmittellogistik Rechnung zu tragen. Bei der Beurteilung der resultierenden Nachhaltigkeitswirkung sind sowohl Primäreffekte (Schaffung einer gesunden, ausreichenden Lebensmittelversorgung) als auch ökologische und sozio-ökonomische Sekundäreffekte zu berücksichtigen.
Ein ausführlich beschriebener Praxisfall liefert eine ermutigende Erkenntnis: Qualitative und quantitative agrarwirtschaftliche Zielsetzungen stehen nicht in Konkurrenz zueinander, sondern sind miteinander vereinbar, lassen sich gemeinsam erreichen.
Barnim G. Jeschke, Harald Breinlinger

Kapitel 10. Abfall- und Kreislaufwirtschaft im Kontext der Agenda 2030

Zusammenfassung
Eine systematische Abfallwirtschaft kann maßgeblich zur Erreichung der Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen beitragen. Dies gilt zu einem gewissen Grad auch für eine Kreislaufwirtschaft, welche sowohl auf eine Verringerung der Abfallmengen und des Ressourcenverbrauchs als auch auf die stärkere Verwendung von Sekundärrohstoffen setzt. Eine genauere Analyse abfallwirtschaftlicher Ziele und ihrer Zusammenhänge mit den Sustainable Development Goals offenbart jedoch, dass es nicht nur Komplementaritäten, sondern auch Konflikte in der Zielerreichung geben kann. Diese Zielbeziehungen werden im Rahmen dieses Artikels dargestellt und systematisiert. Zu diesem Zweck werden zunächst einige abfallwirtschaftliche Begriffe und Zusammenhänge aufgezeigt und anschließend die Zielbeziehungen in qualitativer sowie beispielhaft in quantitativer Weise dargestellt.
Sven Schulze

Kapitel 11. Im Spannungsfeld von Klimawandel, Overtourism und Agenda 2030 – Tourismus in Destinationen des Globalen Südens

Zusammenfassung
Die Tourismusindustrie zählt in einer zunehmend transnationalen, vernetzten Welt zu den weltweit erfolgreichsten Branchen. Insbesondere Destinationen des Globalen Südens versprechen sich vom Ausbau des Tourismus eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage und damit einhergehend einen Abbau ihrer sozialen Disparitäten. Gleichzeitig wächst aber auch angesichts von fortschreitendem Klimawandel und Overtourism der Widerstand gegen eine Industrie, die von einem Rekord zum nächsten eilt. Vor diesem Hintergrund beleuchtet der vorliegende Beitrag die komplexen Strukturen und Implikationen einer weitgehend ungebremsten Touristifizierung zahlreicher Destinationen des Globalen Südens. Ein besonderer Fokus liegt in diesem Zusammenhang auf der Agenda 2030, die Tourismus nicht nur als eine der weltweit führenden Leitbranchen anerkennt, sondern diesen auch in möglichst nachhaltige Bahnen lenken will.
Nicolai Scherle

Kapitel 12. Impact der globalen Ärztemigration auf die Agenda 2030 – Herausforderungen bei der Definition von Messinstrumenten und ethischen Kriterien

Zusammenfassung
Seit Jahren ist die Migration von Gesundheitsfachkräften das Objekt vieler Studien. In diesem Beitrag werden alle „klassischen“ Aspekte der Ethik der Migration wie Brain Gain, Brain Drain, zirkuläre Migration, Remittances oder Maßnahmen wie der WHO-Verhaltenskodex (WHO-Verhaltenskodex, WHO Global Code of Practice on the International Recruitment of Health Personnel, World Health Organisation, Geneva, 2010) diskutiert. Auch wenn die Vor- und Nachteile einzelner Folgen der Migration für die Ökonomie der Aufnahme- und Herkunftsländer der Gesundheitsfachkräfte schon länger bekannt sind, sind die Synergieeffekte und Zielkonflikte der Migration von Gesundheitsfachpersonal erst mit der Verabschiedung der Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 verstärkt ins Blickfeld der Analyse gelangt. Ziel dieses Beitrags ist es, der Frage nach einer möglichen Verknüpfung der in der Agenda 2030 entwickelten Indikatoren für das Gesundheitswesen mit anderen ökonomischen und ökologischen Nachhaltigkeitszeilen nachzugehen. Darüber hinaus geht die vorliegende Analyse auf die Beiträge anderer Fachdisziplinen wie Angewandte Ethik, Philosophie, Politik oder Sprachwissenschaften ein, die in dieser Diskussion bisher zu wenig berücksichtigt wurden, und trägt somit zu einer stärkeren Interdisziplinarität der Nachhaltigkeitsforschung bei.
Magdalène Lévy-Tödter

Kapitel 13. Unternehmerische Gemeinschaften und nachhaltige Entwicklung

Zusammenfassung
Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Rolle unternehmerischer Gemeinschaften für eine nachhaltige Entwicklung von Volkswirtschaften. Welche Strukturen können mit einer systemischen Perspektive für unternehmerische Gemeinschaften identifiziert werden? Wie können unternehmerische Gemeinschaften eine konzeptionelle Verbindung zwischen Makro- und Mikroebene erreichen? Die Analyse ist wie folgt organisiert: 1) Zunächst wird die Bedeutung von Entrepreneurship und vernetzten unternehmerischen Gemeinschaften für eine nachhaltige Entwicklung skizziert. 2) Der folgende Abschnitt betrachtet die wirtschaftliche Entwicklung als Fundament einer nachhaltigen Entwicklung. 3) Danach werden Entwicklungsprozesse in einer vitalen unternehmerischen Volkswirtschaft beschrieben und dezentrale Impulse als treibende Kraft einer nachhaltigen Entwicklung identifiziert. 4) Die anschließende Untersuchung betrachtet nachhaltigkeitsorientierte Unternehmen in unternehmerischen Gemeinschaften. 5) Schließlich folgt eine Vorstellung von Elementen nachhaltigkeitsorientierter unternehmerischer Gemeinschaften.
Bernd P. Platzek

Kapitel 14. Synergien und Zielkonflikte in der Agenda 2030 im Kontext des nachhaltigen Konsums – eine systemische Perspektive

Zusammenfassung
Nachhaltigem Konsum kommt in der öffentlichen Debatte seit mehreren Jahrzehnten eine hohe Aufmerksamkeit zu. Dabei stehen häufig individuelle Konsumkonzepte im Mittelpunkt, die aber zur Lösung der Probleme einer globalen nachhaltigen Entwicklung nicht entscheidend beitragen können. Ein mehr oder weniger nachhaltiges Einzelverhalten reicht nicht aus, und es zeigt sich, dass man eine systemische Perspektive einnehmen muss, um zu einer vollumfänglichen Bewertung heutiger Konsummuster zu kommen. Hierzu bildet die Agenda 2030 aufgrund ihrer Ganzheitlichkeit einen geeigneten Ausgangspunkt. Als eigenständiges Ziel für nachhaltige Entwicklung steht SDG 12, „Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen“, in einem Zusammenhang mit beinahe allen anderen Zielen der globalen Agenda.
Karolina Lecina

Kapitel 15. Nachhaltigkeit und geschäftliche Mobilität – ein Widerspruch in sich?

Zusammenfassung
Da in der geschäftlichen Mobilität eine geringe Anzahl von Personen über einen großen Anteil der Mobilität von Menschen entscheidet und somit einen starken Hebel für innovative Lösungen darstellt, werden in diesem Beitrag die aktuellen und mögliche zukünftige Formen der geschäftlichen Mobilität näher betrachtet. Dabei werden aktuelle Entwicklungen in den Bereichen Energiesysteme, Car Policy und Mobilitäts-Steuerungssysteme sowohl aus dem Blickwinkel der Anbieter als auch der Abnehmer analysiert und vor dem Hintergrund einer nachhaltigen Entwicklung beurteilt. Verlautbarungen von Anbietern werden in diesem Zusammenhang ebenso herangezogen wie aktuelle Forschungsergebnisse. Die Perspektiven werden an den 17 Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung gespiegelt und zeigen den Einfluss der Mobilität auf diese Ziele auf. Die Ergebnisse können als Handlungsgrundlage sowohl für Mobilitätsanbieter, Infrastrukturbetreiber, Arbeitnehmer als auch für Entwickler zukünftiger Geschäftsmodelle im Bereich der geschäftlichen Mobilität herangezogen werden.
Roland Vogt

Kapitel 16. Verantwortliche Wertschöpfung aus Sicht eines chinesischen Textilproduzenten

Zusammenfassung
Die globalisierte Bekleidungsindustrie genießt hinsichtlich ihrer Bemühungen um mehr soziale und ökologische Verantwortung in den Produktionsländern nicht den besten Ruf. Zu viele öffentlich gewordene Missstände nähren das Bild von einer ausbeuterischen Industrie, die auf Kosten von Umwelt und Mensch Profite erwirtschaftet, die nur wenigen zugutekommen. Das Fallbeispiel einer Bekleidungsfabrik aus der südchinesischen Provinz Guangdong zeichnet ein anderes, gar konträres Bild. Seit fast 50 Jahren produziert KTC in Heshan Sportbekleidung – früher für den Massenmarkt, heute hochwertige und hochpreisige Kollektionen für internationale Premiumsportmarken. Seit etwa zehn Jahren kämpft Managing Director Gerhard Flatz gegen das gängige Vorurteil an und versucht, den Standorterhalt mit den Mitteln einer verantwortlichen Wertschöpfung zu sichern. Denn Chinas Rahmenbedingungen für die Textilproduktion haben sich massiv verändert. Der wachsende Wohlstand im Land erfordert neue, nachhaltige Strategien, um dort weiterhin als Textilproduzent wirtschaftlich arbeiten zu können. Daraus ergeben sich auch hinsichtlich der SDGs verschiedene Zielkonflikte, die auf der Basis von Interviews im Unternehmen in diesem Beitrag skizziert werden sollen.
Regina Henkel, Gerhard Flatz
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