Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

In der Gegenwartsgesellschaft rückt die individuelle Lebensgestaltung und Verantwortung für ein als gelungen erlebtes Leben in den Vordergrund. Bereitschaft zu Wandel und Weiterentwicklung ist dabei sowohl in der Arbeitswelt gefordert als auch beim Wechsel von Lebenslagen und –phasen. Gleichzeitig ist in der Gegenwartsgesellschaft eine Abnahme der Bedeutung von Übergangsritualen zu beobachten, dagegen eine Zunahme reflexiver Beratungsformate, in denen (insbes. im Coaching) Transformationsprozesse, Übernahme neuer Rollen und Funktionen und als krisenhaft erlebte Berufssituationen thematisiert werden. Das Buch beschäftigt sich mit der Frage, welchen Stellenwert Übergangsrituale in der reflexiven Beratung haben. Die empirische Untersuchung zeigt, dass Übergangsrituale im Beratungs- und Therapiediskurs präsent sind. Unter Berücksichtigung soziologischer und sozialphilosophischer Theorien sowie des ritualtheoretischen Diskurses wird ein Konzept von Übergangsritualen in reflexiver Beratung entwickelt, das eine weitergehende Unterstützung von Transformationsprozessen erlaubt. Darüber hinaus werden auch Rückschlüsse auf eine zeitgemäße Gestaltung von Übergangsritualen in der individualistisch geprägten Gegenwartsgesellschaft außerhalb des Beratungskontexts erörtert.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
Dieses Kapitel gibt einen inhaltlichen Überblick über die hier vorliegende Dissertation zur Bedeutung von Übergangsritualen in reflexiver Beratung und bietet einen thematischen Einstieg.
Antje Pfab

Kapitel 2. Rituelle Dimensionen in der heutigen Arbeitswelt – eine Annäherung

Zusammenfassung
In diesem Kapitel geht es um die Bestimmung des Stellenwerts von Ritualen in der gegenwärtigen und zukünftigen Arbeitswelt. Aufgrund der Bedeutungsvielfalt des Ritualbegriffs fallen darunter je nach Definition sich regelmäßig wiederholende Alltagshandlungen wie gewohnte Routinen zum Arbeitsbeginn und –ende, bestimmte Verhaltensmuster, Machtdemonstrationen und Steuerungsmechanismen in Besprechungen ebenso wie außergewöhnliche Feierlichkeiten zum Firmenjubiläum, zeremonielle Beförderungen und vieles mehr. Auch in der Arbeitswelt sind Rituale häufig verbunden mit Übergängen (z. B. Organisationseintritt und -austritt, Beförderungen), Wechseln oder Krisen (z. B. organisationalen Veränderungen etc.), aber auch zur Bekräftigung von Loyalität und Förderung der Gemeinschaft (z. B. Jubiläumsfeiern, Betriebsausflüge u. a. mehr). Das Kapitel zeigt rituelle Dimensionen am Beispiel des Immatrikulationsrituals der Goethe-Universität Frankfurt, ehe dann aktuelle Entwicklungstendenzen der Arbeitswelt westlicher Gegenwartsgesellschaften skizziert werden und Bedeutungsmöglichkeiten von Ritualen angesichts dieser Entwicklung aufgezeigt werden. Dies erfolgt anhand einer funktionalen Typologie von Ritualen in der heutigen Arbeitswelt.
Antje Pfab

Kapitel 3. Ritualforschung und Ritualtheorien

Zusammenfassung
Um eine mögliche Bedeutung von Übergangsritualen in der reflexiven Beratung untersuchen zu können, ist eine Auseinandersetzung mit Ritualen, ihrer Verbreitung, ihren Charakteristika und Funktionen, aber auch ihren Grenzen unumgänglich. Aufgrund der Bedeutungsvielfalt von Ritualen und der darin enthaltenen vielfältigen Möglichkeiten, Rituale mit reflexiver Beratung in Beziehung zu setzen, erweist sich ein historischer Blick anhand von Zäsuren und Paradigmenwechseln als lohnend für ein vertieftes Verständnis von Ritualen. In diesem Kapitel geht es daher neben einer Begriffsbestimmung um Ritualforschung und ihre Veränderungen im historischen Kontext von der Antike bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. Dabei werden ausgewählte Theorieansätze sowie vielfältige Ansätze gegenwärtiger Ritualforschung unter dem Einfluss von Individualisierung und Reflexivität näher vorgestellt. Das Kapitel schließt mit Arnold van Genneps und Victor Turners Theorien zu Übergangsritualen.
Antje Pfab

Kapitel 4. Übergangsrituale und ihre Formen und Funktionen in der westlichen Gegenwartsgesellschaft

Zusammenfassung
In diesem Kapitel geht es um Übergangsrituale und ihre Formen und Funktionen in der westlichen Gegenwartsgesellschaft. Zunächst wird die kulturelle Bedeutung von Ritualen aufgezeigt und Elemente benannt, die für eine erfolgreiche Ritualdurchführung wesentlich sind. Anschließend werden die Besonderheiten von Übergangsritualen zur Unterstützung bei der Bewältigung von Übergängen an Beispielen näher beleuchtet.
Antje Pfab

Kapitel 5. Reflexive Beratung in der Gegenwartsgesellschaft

Zusammenfassung
Das Kapitel beginnt mit einem kurzen Abriss zum Stellenwert reflexiver Beratung in der Gegenwartsgesellschaft. Anschließend wird das Themenfeld der Beratung (Definition, Formen, zunehmende Bedeutung von Beratung) näher beleuchtet. So wird der Unterschied zwischen Fachberatung und reflexiver Beratung/Prozessberatung deutlich gemacht und die Rolle der Expert*in für den Bereich der Beratung näher erörtert, ebenso wie der Stellenwert reflexiver Beratung als Profession. Darüber hinaus werden Arbeitsweisen in der reflexiven Beratung und beispielhafte Themen aufgezeigt. Das Kapitel schließt mit einer Betrachtung von Coaching als besonderer Form von reflexiver Beratung in der Gegenwartsgesellschaft, bei der sowohl Definitionen von Coaching als auch Aufgabenfelder und Anlässe für ein Coaching berücksichtigt werden, ebenso wie die damit verbundene gesellschaftliche Verantwortung, die Coaches durch ihre Beratungstätigkeit tragen.
Antje Pfab

Kapitel 6. Rituale in der reflexiven Beratung – Möglichkeiten eines empirischen Zugangs

Zusammenfassung
In diesem Kapitel geht es um die Frage, in welcher Weise Aufschluss über den Stellenwert von Ritualen in der reflexiven Beratung gewonnen werden kann. Dabei werden verschiedene empirische Untersuchungsmöglichkeiten zur Datenerhebung in Betracht gezogen: teilnehmende Beobachtung, Interviews, Autoethnografie und Diskursanalyse. Die jeweiligen Zugangsmöglichkeiten und Probleme werden erörtert, ebenso die Möglichkeit, aus der Praxis stammendes Erfahrungswissen in Form von illustrativen Fallbeispielen in den Forschungsprozess einzubringen. Vor diesem Hintergrund habe ich mich für ein diskursanalytisches Vorgehen entschieden, das sich als sinnvoll und machbar erwiesen hat. Nach einer kurzen Vorstellung, was insbesondere im sozialwissenschaftlichen Bereich unter Diskursanalyse verstanden wird, stelle ich anschließend die Auswahl (Sampling) und Beschreibung des verwendeten Datenkorpus' (Sample) dar, ehe ich meine Analysegesichtspunkte vorstelle. Das Kapitel schließt mit einer Darstellung meiner diskursanalytischen Vorgehensweise.
Antje Pfab

Kapitel 7. (Übergangs-)Rituale als Gegenstand des Coaching- und Therapie-Diskurses: Ergebnisse einer Diskursanalyse

Zusammenfassung
In diesem Kapitel stelle ich die Ergebnisse der von mir durchgeführten Diskursanalyse zu meinem Untersuchungsgegenstand, der Bedeutung von Übergangsritualen in reflexiver Beratung, vor. Dabei gehe ich zunächst auf die gefundenen Diskursformate ein (Kapitel 7.1), anschließend auf die von mir aus den Texten herausgearbeiteten Diskursfiguren (Kapitel 7.2). Weiterhin wurden bei der diskursanalytischen Untersuchung meines Datenkorpus' durch Rückgriff auf den ritualtheoretischen Diskurs (vgl. Kapitel 3) Grenzen des Ritualbegriffs deutlich, zu denen ich als weiteres Ergebnis meiner Diskursanalyse Erweiterungsvorschläge für den Ritualdiskurs in Therapie und Coaching präsentiere (Kapitel 7.3). Anschließend beziehe ich diese diskursanalytischen Ergebnisse auf meine Forschungsfrage nach der Bedeutung von Übergangsritualen in der reflexiven Beratung (Kapitel 7.4).
Antje Pfab

Kapitel 8. Beitrag von Übergangsritualen in der reflexiven Beratung

Zusammenfassung
In diesem Kapitel wird erörtert, welcher Stellenwert Ritualen, insbesondere Übergangsritualen, in der reflexiven Beratung zukommen kann. In drei Schritten werden praxisbezogene Befunde und daraus abzuleitende Anregungen, die sich für den Einsatz von Übergangsritualen in der reflexiven Beratung ziehen lassen, deutlich gemacht: Im ersten Schritt zeige ich, inwiefern (Übergangs-)Rituale bzw. rituelle Elemente bereits gegenwärtig Eingang in die Coachingpraxis gefunden haben (Kapitel 8.1). In einem zweiten Schritt zeige ich im Rückgriff auf den in Kapitel 3 dargestellten ritualtheoretischen Diskurs das transformative Potenzial von Übergangsritualen für die reflexive Beratung auf (Kapitel 8.2). Dabei beziehe ich mich auf Aussagen in der einschlägigen Coachingliteratur und meine eigenen Erfahrungen als Coach und Supervisorin. In einem dritten Schritt schließlich reanalysiere ich den Beitrag von Übergangsritualen in der reflexiven Beratung aus dem Blickwinkel von drei soziologischen Ansätzen - der Systemtheorie Luhmanns, Schützes soziologischem Narrativismus und Joas' Studien zur Selbsttranszendenz - sowie dem philosophischen Anerkennungsdiskurs bei Ricœur und prüfe, ob sich daraus weitere Aspekt ergeben, die in der reflexiven Beratung aufgegriffen werden könnten (Kapitel 8.3).
Antje Pfab

Kapitel 9. Fazit und Ausblick

Zusammenfassung
In diesem Kapitel wird ein Fazit gezogen bezüglich der eingangs gestellten Frage nach der Bedeutung von Übergangsritualen in reflexiver Beratung. Die Bedeutung von Übergangsritualen in der reflexiven Beratung zeigt sich nicht nur in der Präsenz von Ritualen im Coaching (s. vorangehende Kapitel), sondern insbesondere auch im Potenzial für Transformationsprozesse, das in der Verbindung zwischen Ritualen und Coaching enthalten ist. Wie man diese Verbindung erweitern kann und dadurch das darin enthaltene Potenzial entfalten kann, wird in diesem Kapitel zusammengefasst. Anschließend wird der Gewinn eines durch ethnologische und sozialphilosophische ritualtheoretische Diskurse vertieften Ritualverständnisses für reflexive Beratungsprozesse gezeigt. Darüber hinaus findet ein Rückbezug der Erkenntnisse aus der reflexiven Beratung auf gesellschaftliche Übergangsrituale statt und zeigt das darin enthaltene Entwicklungspotenzial für gesellschaftliche Übergangsrituale am Beispiel der Hochzeit auf. 
Antje Pfab

Backmatter

Weitere Informationen

Premium Partner

    Bildnachweise