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Über dieses Buch

Die maßgeblich von Jürgen Habermas ausgearbeitete Diskursethik zählt zu den einflussreichsten Gesamtentwürfen auf dem Gebiet der Praktischen Philosophie der Gegenwart. Christoph Seiler beleuchtet diese Moraltheorie aus den Blickwinkeln zweier ihrer bedeutendsten Gegenpositionen: Der Systemtheorie Niklas Luhmanns und der postmodernen Differenzphilosophie Jean-François Lyotards. Anhand der Einwände dieser Konzeptionen zeigt der Autor auf, dass der diskursive Konsens kein geeignetes Kriterium moralischer Richtigkeit ist und als ethischer Universalisierungsgrundsatz entscheidende Probleme der Moral, etwa ihren streiterzeugenden Charakter oder ihren Umgang mit perspektivischen Singularitäten, Brüchen und Differenzen, vernachlässigt.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

I Diskursethik (Habermas)

Zusammenfassung
Die Diskursethik soll hier nicht ausführlich dargestellt, sondern nur in denjenigen Grundaussagen skizziert werden, die für die nachfolgenden Vergleiche mit Luhmann und Lyotard von Bedeutung sind. Der Aufbau der Darstellung orientiert sich dabei, wie soeben bereits ausgeführt, an einem dreistufigen historischen Modell, das entsteht, wenn man Habermas‘ diskurstheoretisches Schaffen in drei Zeitabschnitte, nämlich die der Vorbereitung, der Ausarbeitung und der Nachbereitung, gliedert: Die Vorbereitung liegt in den siebziger Jahren und umfasst die Bildung der diskurstheoretischen Grundbegriffe »Diskurs« und »Konsens« (1.).
Christoph Seiler

II Systemtheorie (Luhmann)

Zusammenfassung
Die bereits in der bisherigen Analyse aufgezeigten Probleme der Diskursethik werden nunmehr anhand eines Vergleichs mit der Systemtheorie vertieft und ergänzt. Hierzu wird die Konzeption sozialer Systeme im ersten Kapitel in ihren Grundaussagen beschrieben und dem diskurstheoretischen Ansatz im Wege einer allgemeinen vergleichenden Betrachtung gegenübergestellt (1.). Inhalt des zweiten Kapitels ist die interne Diskurskritik, die Luhmann im Wesentlichen bereits im Rahmen seiner Kontroverse mit Habermas in den 1970er Jahren formulierte und mit der er das Diskursmodell einer systemtheoretischen Analyse unterzieht (2.). Im dritten Kapitel erfolgt eine Rekonstruktion des soziologischen Moralkonzepts, das der Systemtheoretiker selbst seit Ende der siebziger Jahre ausarbeitete und auf dessen Grundlage eine externe Kritik der Diskursethik formuliert werden kann (3.).
Christoph Seiler

III Differenzphilosophie (Lyotard)

Zusammenfassung
Auch wenn Lyotard als Begründer und prominentester Vertreter einer postmodernen Philosophie gilt, wird hier lediglich sein Gerechtigkeitskonzept als „postmoderne“ Theorie der Moral (III.3.), seine Konzeption insgesamt indessen unter Weglassung dieses Beiworts schlicht als „Differenzphilosophie“ bezeichnet. Dieser zurückhaltende Gebrauch des Ausdrucks „Postmoderne“ trägt dem Umstand Rechnung, dass es sich hierbei nicht um einen genuin philosophischen Begriff, sondern um eine Sammelbezeichnung ohne scharfe Konturen handelt, die vorwiegend in der Architektur und der Literaturwissenschaft Verwendung findet und im Übrigen eher das Phänomen einer gesellschaftlichen Modeerscheinung der achtziger und neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts als eine bestimmte philosophische Methode beschreibt.
Christoph Seiler

Schluss

Zusammenfassung
In der durchgeführten Analyse wurde die Diskursethik in das Spannungsfeld von Systemtheorie und Differenzphilosophie gestellt. Die Diskursethik war dabei aus methodischen Gründen Ausgangspunkt der vergleichenden Betrachtung, weil sie Gegenstand der Kritik ist, die aus den Perspektiven der beiden konkurrierenden Positionen geübt wurde. Historisch betrachtet haben Luhmann und Lyotard ihre Kritik, jedenfalls diejenige am Diskurs und am Konsens, allerdings bereits in den siebziger Jahren formuliert, während sich Habermas erst in seinem Begründungprogramm- Aufsatz von 1983 der von Karl-Otto Apel entwickelten Diskursethik anschloss.
Christoph Seiler

Backmatter

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