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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Die beiden Seiten der doppelten Transformation

Zusammenfassung
Als Karl Polanyi in den frühen vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts während eines Aufenthaltes als Gastprofessor am Bennington College im US-Bundesstaat Vermont sein Werk The Great Transformation verfasste, war seine Erfahrungswelt geprägt vom Ende der liberalen Welthandelsordnung in der Folge des Ersten Weltkriegs, der Depression der Zwischenkriegszeit und vom Aufstieg der deutschen Nationalsozialisten, die Europa und die Welt schließlich in einen zweiten, noch schrecklicheren Krieg gestürzt hatten. Vor diesem Hintergrund formulierte Polanyi seine zentrale These, wonach der Versuch, die Kräfte des Marktes ihrem freien Spiel zu überlassen, notwendig in einer sozialen Gegenbewegung münden müsse. Nachdem der klassische Liberalismus und seine Annahme von den Individuen als atomistische Akteure den Markt als System jenseits von Staat und Gesellschaft etabliert hätten, sei es das Bestreben jener Reaktion, eine erneute,Einbettung’ des Marktes in die Gesellschaft herbeizuführen. Ein,freier Markt’, unabhängig von den sozialen Umständen, die den Austausch zwischen den Wirtschaftssubjekten bedingten, sei eine unhaltbare Fiktion.
Christian W. Martin

2. Wer bestimmt die Außenwirtschaftspolitik?

Zusammenfassung
Der Vergleich eines zufällig ausgewählten Entwicklungslandes im Jahr 2000 mit demselben Land vor zwanzig Jahren fordert Bemerkenswertes zu Tage: Mit großer Wahrscheinlichkeit ist das betreffende Land 1980 undemokratisch gewesen; heute liegt die Chance, ein demokratisches Land zu ziehen bei über 50 Prozent. Gleiches gilt für die außenwirtschaftliche Offenheit des Landes — viel Glück wäre nötig, um zufällig ein Land auszuwählen, das vor zwanzig Jahren seine Außenwirtschaftsbeziehungen nicht restriktiv reguliert hätte; heute liegt diese Wahrscheinlichkeit um ein Vielfaches höher.
Christian W. Martin

3. Die Messung außenwirtschaftlicher Offenheit

Zusammenfassung
Den Augenblick, in dem eine Wissenschaft ihre Theorien zu den Daten bringt, begleitet stets die Frage, wie die theoretischen Konzepte gemessen werden können. So auch in den Sozialwissenschaften; so auch das Konzept der,außenwirtschaftlichen Offenheit’. Der Begriff der,außenwirtschaftlichen Offenheit’ lässt Spielraum für Interpretationen, hinzu kommen Messprobleme. Die Außenwirtschaftsorientierung eines Landes setzt sich aus zahlreichen Faktoren zusammen, von denen sich manche nur schwer beobachten lassen. Und selbst wenn alle Faktoren bekannt und messbar wären, die regulierend auf die außenwirtschaftlichen Beziehungen eines Staates einwirken, stellte sich immer noch die Frage, wie diese Faktoren zu einem Index der Offenheit zusammengefasst werden können. Wie sollen beispielsweise Zölle und Einfuhrquoten gewichtet und miteinander verrechnet werden, wenn sie gemeinsam auftreten? Und welches von zwei Ländern kann als das,offenere’ gelten: eines, das fur eine große Zahl von Gütern hohe Zölle erhebt oder ein Land, das den Import einiger Güter ganz verbietet? Sebastian Edwards (1998) kommt in einer Zusammenfassung von Arbeiten zum Wachstumsbeitrag der Außenwirtschaftsorientierung deshalb zu einem ernüchternden Fazit:
„In particular, researchers have been unable to generate satisfactory indexes of trade policy orientation.” (Edwards 1998: 384)
Christian W. Martin

4. Regimetyp und Außenwirtschaftspolitik: Annäherungen

Zusammenfassung
Im Jahr 1970 lag der Anteil des internationalen Handels27 am Weltprodukt bei etwa 25 Prozent — bis 1997 hatte sieh dieser Wert beinahe verdoppelt. Ein noch dynamischeres Bild bietet der Kapitalverkehr: Zwischen 1970 und 1997 stieg der Anteil der ausländischen Direktinvestitionen am Weltprodukt von 0.5 Prozent auf 2.5 Prozent; für internationale Portfolioinvestitionen liegen diese Zahlen bei 0.5 Prozent (1970) und 5 Prozent (1997) (Garrett 2000: 946–47). Das Offenheitsmaß, das Jeffrey Sachs und Andrew Warner (1995) entwickelt haben, weist für das Jahr 1980 ein Drittel aller Staaten als „offen“ aus; 1992 — das letzte Jahr, für das der Sachs/Warner-Datensatz Angaben enthält — erreichte dieser Wert 63 Prozent.
Christian W. Martin

5. Krise, Demokratie und Öffnung

Zusammenfassung
Die empirischen Analysen des vorangegangenen Kapitels legen einen verblüffenden Schluss nahe: Etwas muss sich verändert haben in den Bedingungen der Außenwirtschaftspolitik. Dieses ‚Etwas’ muss außerdem unterschiedlich auf demokratische und autokratische Staaten wirken — für Demokratien muss die Veränderung, nach der wir suchen, den Anreiz erhöht haben, einem offeneren Außenwirtschaftskurs zu folgen; für Autokratien muss die Erhöhung dieses Anreizes zumindest geringer ausgefallen sein. Wir haben es demnach mit einem Phänomen zu tun, bei dem exogene Ereignisse ihre Wirkung unterschiedlich entfalten, je nachdem, aufweiche institutionellen Gegebenheiten sie treffen. Gelingt es, solche Ereignisse zu identifizieren und sie sowohl theoretisch als auch empirisch plausibel mit ihren über Regimetypen hinweg variierenden Wirkungen zu verknüpfen, dann wäre mit diesen Interaktionseffekten eine Erklärung gefunden, weshalb sich die Außenwirtschaftspolitik von Demokratien und Autokratien zwar systematisch unterscheidet, eine demokratische Staatsorganisation allein aber dennoch weder als notwendige noch als hinreichende Bedingung für die Verwirklichung einer liberalen Außenwirtschaftspolitik betrachtet werden kann.
Christian W. Martin

6. Der Einfluss internationaler Finanzinstitutionen

Zusammenfassung
Im Dezember 2001 kündigte die Regierung Argentiniens an, dass das Land nicht länger in der Lage sei, seine ausländischen Verbindlichkeiten zu bedienen. Die La-Plata-Republik, einst das ökonomisch leistungsfähigste Land Südamerikas und einer der reichsten Staaten der Erde, gestand damit ihre Zahlungsunfähigkeit ein. Neben den ökonomischen Verwerfungen waren politische Unruhen mit Dutzenden von Toten die Folge. Bis zuletzt hatten die verantwortlichen Politiker des Landes gehofft, durch neue Kredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) vor dem drohenden Staatsbankrott bewahrt zu werden. Doch anders als in vorangegangenen Krisenepisoden, anders auch als etwa im Fall der Türkei, die wenige Monate zuvor in ähnliche Schwierigkeiten geraten war, verweigerten die internationalen Finanzinstitutionen in Washington diesmal eine weitere Kredittranche. Das Land müsse aus eigener Kraft zunächst Reformen in den Weg leiten, damit nicht gutes Geld hinter schlechtem hergeworfen werde, wie eine amerikanische Variante der Redensart vom „Fass ohne Boden“ anschaulich formuliert.
Christian W. Martin

7. Die politische Ökonomie der Außenwirtschaftsorientierung

Zusammenfassung
Die Doppelte Transformation von Außenwirtschaftsliberalisierung und Demokratisierung in Entwicklungsländern verbindet mehr als eine bloße zeitliche Koinzidenz. Die Deregulierung der Außenwirtschaftspolitik in zahlreichen Entwicklungsländern während der letzten 15 Jahre war entscheidend von einer Ausweitung der demokratischen Beteiligungsrechte mit bestimmt. Die Veränderungen auf der Ebene der verwirklichten Politik lassen sich auf Veränderungen in den politisch-institutionellen Rahmenbedingungen zurückfuhren.
Christian W. Martin

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