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Über dieses Buch

​Ausgangspunkt dieses Buches ist das Verhältnis von Freiheit und Gerechtigkeit in Wirtschaft und Gesellschaft: Führt eine freie Marktwirtschaft tendenziell zu Ungerechtigkeit? Vergrößert sie die Schere zwischen arm und reich? Kann und soll man überhaupt etwas dagegen tun? Der Autor stellt in seinem Buch einen neuen Ansatz vor. Er definiert eine neue mathematische Größe, welche die Wirtschaftsleistung und die Verteilungsgerechtigkeit in einer einfachen Formel zusammenführt: die neue Größe „Fairness“. Die Optimierung dieses neuen Begriffs der „Fairness“ anstelle der Optimierung des traditionellen Bruttoinlandprodukts bietet weitreichende Vorteile. Der wichtigste ist der, dass Freiheit und Gerechtigkeit nicht mehr kontrovers zu betrachten sind, sondern gemeinsam optimiert werden können. Um den neuen Ansatz und dessen Auswirkungen im Kontext zu sehen, bietet das Buch einen konzentrierten Überblick über die wichtigsten Denkmodelle der politischen Philosophie und der politischen Ökonomie.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Grundlagen der politischen Philosophie

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1. Aristoteles und die antike Welt

Manchmal erstaunt, dass an unterschiedlichen Orten der Welt und unabhängig voneinander ähnliche Entwicklungen stattfinden. Eine solche Periode ist die Zeit um etwa 500 bis 300 vor Christus. In dieser Zeit scheint eine Art Erneuerung des Denkens, eine geistige Umwälzung oder auch eine Grundsteinlegung für die Zukunft stattgefunden zu haben.

Herbert Lüthy

2. Der Übergang zur modernen Zeit

Thomas Hobbes wurde 1588 in Westport, Wiltshire in England geboren, im Schicksalsjahr, in welchem England die spanische Armada besiegte und damit den Grundstein legte zum Aufstieg Englands zu einer der führenden Mächte Europas.

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3. Charles de Montesquieu und die Aufklärung

Die Aufklärung ist die Hauptströmung der Philosophie des 18. Jahrhunderts. Ihre wichtigste Tendenz ist die Abwendung von religiösen Dogmen und die Hinwendung zu den Bedürfnissen des Menschen (sowohl materiellen als auch nicht-materiellen). Die wichtigsten Forderungen werden zusammengefasst im Slogan der französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

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4. Immanuel Kant (1724–1804)

Die Erkenntnistheorie Kants befasst sich mit Fragen wie den beiden folgenden: wie ist eine Erkenntnis überhaupt möglich? Und welches sind die Grenzen menschlicher Erkenntnis? Nach eigenem Bekunden interessierte sich Kant ursprünglich mehr noch für Fragen der Moral, der Sittlichkeit, des Zusammenlebens zwischen Menschen. Er wollte diese Fragen aber ganz bewusst erst angehen, nachdem er vorher die Frage nach den Ursachen und Grenzen menschlicher Erkenntnis geklärt hatte.

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5. Der Utilitarismus

Jeremy Bentham war ein umtriebiger Geist mit breiten Interessen. In vielem war er seiner Zeit weit voraus. So war er nicht nur ein radikaler Kritiker vieler Gesetze und Institutionen. Er machte auch viele konstruktive Vorschläge, beispielsweise zu einer Gefängnisreform, zur Armenfürsorge oder zum internationalen Recht. Er befürwortete die Gleichberechtigung der Frauen und die Legalisierung der Homosexualität.Seine grösste und nachhaltigste Leistung ist die von ihm entwickelte Lehre des Utilitarismus (zu deutsch etwa Nützlichkeits- oder Nutzenprinzip). Noch zu seinen Lebzeiten begann der Utilitarismus seinen Siegeszug durch die Welt und machte ihren Schöpfer berühmt.

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6. Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831)

Hegel wurde vor allem berühmt als wichtigster Vertreter des deutschen Idealismus. Auf knappste Form gebracht, sagt der Idealismus: „das einzige Wahre und Wirkliche ist die Idee.“ Aus der Idee leitet sich die Wirklichkeit ab.Daher ist nach Hegel das Wirkliche auch das Wahre. Und das Wahre ist bei Gott ( viele Idealisten waren Theologen, so auch Hegel). In einfachster Form ergibt sich damit, dass das Wirkliche auch das Wahre, Gute und Schöne ist. Diese Ideen trafen den Nerv der Zeit um das Jahr 1800.

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7. John Rawls (1921–2002)

Die Gerechtigkeitstheorie von John Rawls gehört zu den Vertragstheorien. Vertragstheorien haben eine lange Tradition. Auch Thomas Hobbes, John Locke, Jean-Jaques Rousseau und viele andere haben diesen Gedanken ihren Konzepten zu Grunde gelegt.Die Idee einer Vertragstheorie ist, dass die moralischen, sozialen und politischen Grundthesen in einem hypothetischen Vertrag zustande kommen. Es sind also nicht etwa Gott oder die Natur, welche uns diese Regeln des Zusammenlebens geben, sondern es sind die Menschen selbst, welche in einem grundlegenden Akt eines Vertrages solche Regeln festlegen.

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8. Robert Nozick (1938–2002)

Das Hauptwerk von Robert Nozick erschien 1974: „Anarchy, State, and Utopia“. Es wurde rasch berühmt und galt als libertärer Gegenentwurf zur „Theorie der Gerechtigkeit“ von John Rawls. Bis heute gilt es als eines der wichtigsten Beiträge zur politischen Philosophie des 20. Jahrhunderts, in seiner Bekanntheit höchstens übertroffen von John Rawls.

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Grundlagen der politischen Ökonomie

Frontmatter

9. Die Klassik

Adam Smith gilt als Stammvater der Idee der freien Marktwirtschaft und damit dem mit abstand erfolgreichsten Wirtschaftssystem. Als Erster formulierte er die wesentlichen Elemente: massvolles Eigeninteresse als Basis, Arbeitsteilung als fundamental für den Produktionsfortschritt und vor allem die automatische Wirkung der Preisanpassung, der unsichtbaren Hand, die alles zu einem harmonischen Ganzen verbindet (der letzte Punkt allerdings nur in einem „gut regierten Staat“).

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10. Karl Marx (1818–1883)

Die Philosophie von Karl Marx ist stark geprägt von Hegel, vor allem von Hegels Idee der dialektischen Entwicklung, also eines sich notwendig ergebenden geschichtlichen Prozesses. Er stellte die idealistische, theologische Geschichtsphilosophie Hegels „Vom Kopf auf die Füsse“. Das heisst, nach Marx waren die Triebkräfte der Geschichte nicht idealistisch, sondern materiell.

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11. Die Neoklassik

Etwa in den 1870er-Jahren wurden gleichzeitig und unabhängig voneinander sehr wesentliche, neuartige Konzepte entwickelt.

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12. John Maynard Keynes (1883–1946)

Keynes war nicht der fundamentale Gegenpol zur Neoklassik: das waren Karl Marx und seine Nachfolger. Keynes war weit davon entfernt Marxist zu sein. Im Gegenteil: er war liberal, dem Gedanken der Freiheit verpflichtet. Aber er glaubte nicht an die automatische Ausgeglichenheit auf allen Märkten. Er widersprach den Neoklassikern seiner Zeit, welche die Weltwirtschaftskrise darauf zurückführten, dass sich Preise und vor allem Löhne nicht schnell genug den Gegebenheiten anpassten.

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13. Der Neoliberalismus

Der Begriff des Neoliberalismus wird nicht einheitlich verwendet. Oft wird er negativ gebraucht im Sinne eines übertriebenen, fundamentalistischen Liberalismus.Hier wird der Begriff verwendet zur Bezeichnung des Wiederauflebens liberaler Gedanken, also von Denkrichtungen, in deren Zentrum die Verteidigung der Freiheit steht, wobei die Betonung der Freiheit zuweilen etwas sehr stark ist und auf Kosten der Gerechtigkeit gehen kann.

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14. Gleichgewichtsmodelle

Der Gleichgewichtsgedanke ist wohl einer der ältesten der ganzen Philosophiegeschichte. Ursprünglich ging es nicht so sehr um wirtschaftliche Zusammenhänge, als vielmehr um das Gleichgewicht in der Natur, wobei aber der Mensch auch Teil der Natur ist. Ein solches Ur-Gleichgewicht kann auch Harmonie genannt werden. Der Harmoniegedanke ist zentral für die meisten älteren Philosophen und Religionen, von der alten chinesischen Philosophie (Laotse und Konfuzius), über die klassische griechische Philosophie (vor allem Pythagoras, aber auch Sokrates, Platon, Aristoteles) bis hin zum Christentum (z. B. wenn Christus sagt, man solle sich nicht zu sehr kümmern und ängstigen, es sei für alle gesorgt).

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15. Wohlfahrtstheorie

Die Wohlfahrtstheorie bzw. Wohlfahrtsökonomie beschäftigt sich nicht primär mit Fragen der Produktion oder der Preisgestaltung, sondern allgemeiner mit dem wirtschaftlichen Wohlergehen der Menschen. Teilweise geht sie auch über das rein Wirtschaftliche hinaus.

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16. Neue Entwicklungen in der Mikroökonomie

In den folgenden zwei Kapiteln Kap. 16 und 17 wird nach der allgemein üblichen Aufteilung in Mikro- und Makroökonomie vorgegangen. Die Unterscheidung ist aber keineswegs immer eindeutig.Mikroökonomie, kurz gesagt, geht vom Verhalten des Einzelnen aus und leitet daraus allgemeine Aussagen zur Ökonomie ab.

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17. Neue Entwicklungen in der Makroökonomie

Die Makroökonomie ist ein äußerst breites und komplexes Gebiet. Nimmt man nur die in Abschn. 17.1 (Hauptströmung) und Abschn. 17.2 (Ökonometrie) genannten Gebiete zusammen, dann ergibt sich, dass über ein Drittel der bisherigen Nobelpreise in diesen beiden Bereichen vergeben wurden.

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18. Finanztheorie

Auf den ersten Blick hat die Finanztheorie mit der Frage der wirtschaftlichen Gerechtigkeit wenig zu tun. Dennoch soll kurz auch dieser Bereich skizziert werden, und zwar aus den folgenden drei Gründen:Das Thema Finanztheorie ist heute von einer solchen Wichtigkeit, dass eine Darstellung ökonomischer Grundlagen ohne eine Behandlung der Finanztheorie unvollständig ist, auch wenn diese Behandlung extrem kurz ist.Wichtige Probleme der heutigen Wirtschaft haben wesentlich mit den Finanzen zu tun. Die Krisen der Jahre 2002/2003 und 2008 heißen darum auch Finanzkrisen.Es ist eine oft gehörte Ansicht, die mathematischen Modelle der Finanztheorie seien mitschuldig an der Finanzkrise (sowohl 2002 als auch, noch stärker, 2008). In einem Buch, das auch eine mathematische Formel enthält, muss diese Frage kurz diskutiert werden.

Herbert Lüthy

Synthese und Übergang

Frontmatter

19. Zu Form und Inhalt der drei Thesen

Die Grundstruktur eines humanen Wirtschaftssystems basiert auf Entscheidungen, im Idealfall auf demokratisch legitimierten, wissenschaftlich fundierten Entscheidungen. Sie ergibt sich nicht von selbst. Sie ergibt sich auch nicht als Folge „eherner Gesetze“ der Wirtschaft oder der Psychologie.

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20. These 1: Zur Freiheit und ihren Grenzen

These 1 besteht aus drei Teilen, Ia, Ib und Ic.These 1a: Im Zweifel für die Freiheit (In dubio pro libertate).These 1b: Es bedarf grundlegender Rahmenbedingungen, die der freie Markt allein nicht schafft.These 1c: Das Thema Marktversagen ist von grundsätzlicher Natur, und es sind entsprechende Instrumente zur Korrektur zu entwickeln.

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21. These 2: Zur Gerechtigkeit und ihren Grenzen

These 2 besteht aus zwei Teilen, These 2a und These 2b.These 2a: Wirtschaftliche Gerechtigkeit ist ein hoher Wert und damit ein fundamentales Ziel jeder freiheitlichen Wirtschaftsordnung.These 2b: Wirtschaftliche Gerechtigkeit ist nicht möglich ohne gerechte Verteilung von Einkommen und Vermögen, und gerechte Verteilung ist bis zu einem gewissen Höchstmaß parallel zu gleichmäßiger Verteilung, ab diesem Höchstmaß aber nicht mehr.

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22. These 3: Zur Verbindung von Freiheit und Gerechtigkeit

These 3 besteht aus zwei Teilen, Thesen 3a und 3b.These 3a: Wirtschaftliche Gerechtigkeit und (qualitatives) Wirtschaftswachstum können kontrovers sein. Daher ist eine Regel aufzustellen, welche diese beiden Werte verbindet und gemeinsam und ausgewogen optimiert.These 3b: Eine solche Regel soll gewisse Bedingungen erfüllen. Sie soll eine mathematische Ordnung aufweisen, rechtsstaatlichen und wissenschaftlichen Kriterien genügen sowie den Thesen 1 und 2 genügen.

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Der neue Ansatz: Die Fairness-Formel

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23. Die Grundidee: Verknüpfung von Wirtschaftsleistung und Verteilungsgerechtigkeit

Die Grundidee ist nun die, dass die Grössen „Wirtschaftsleistung“ und „Verteilungsgerechtigkeit“ in einer einzigen mathematischen Grösse zusammengefasst werden.

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24. Das Bruttoinlandsprodukt (B) als Maß für die Wirtschaftsleistung

Das Bruttoinlandsprodukt oder eng damit verwandte Größen (wie z. B. das Volkseinkommen) sind ein weltweit verwendetes Maß für das wirtschaftliche Produkt eines Landes. Es ist auch praktisch das einzige solche Maß. Aus diesem Grunde wird es hier als eine der drei Basisgrößen verwendet für die Definition des neuen Begriffes F Fairness.

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25. Die Größe h als Maß für die Verteilungsgerechtigkeit

Die wichtigste Eigenschaft von h ist, dass h mit zunehmender Gleichmäßigkeit der Verteilung von Einkommen und Vermögen wächst.h wird so definiert, dass es immer zwischen 0 und 1 liegt, bzw. zwischen 0 und 100 %.

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26. Der Zusammenhang von h und B und optimale Werte von h

Als Wert für die Korrelation von B und h ergibt sich + 0,33. Die Korrelation ist also nicht besonders hoch.

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27. Die Potenzfunktion h λ

Die Potenzfunktion hλ wird in der Gleichung gewählt, weil sie die allgemeinste und zugleich einfachste Form ist, welche die Darstellung praktisch aller monoton wachsender Kurven erlaubt.

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28. Allgemeine Form des F-Kriteriums

Zur eleganten Beschreibung seien zunächst drei Definitionen gegeben. Anschließend wird das F-Kriterium in mathematischer Form dargestellt.

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29. Definition, Erkenntnis, Werkzeug?

Zum Schluss dieses Teils 4 "Ein neuer Ansatz", seien nochmals drei grundlegende Fragen aufgeworfen:1.Sind eine solche Definition und das Optimierungspostulat erlaubt?2.Sind das nur Definitionen, oder auch Erkenntnisse?3.Taugt die Definition bzw. die Erkenntnis als Werkzeug?

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Auswirkungen dieses Ansatzes

Frontmatter

30. Ein neues Kriterium für wirtschaftliche Entscheidungen: Drei konkrete Beispiele

Es gibt verschiedene Kriterien für die Beurteilung wirtschaftlicher Aktivitäten. Einige der wichtigsten sind:1.Wirtschaftliche Optimierung,2.Pareto-Optimierung3.John RawlsAls neues Kriterium wird die F-Optimierung vorgeschlagen, welche die oben genannten Kriterien verallgemeinert und deren Nachteile weitgehend vermeidet.

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31. Steuerpolitik

Steuern dienen nicht nur der Geldbeschaffung für den Staat, obwohl das wohl ihr Hauptziel ist. Wie der deutsche Name sagt, haben Steuern stets auch mehr oder weniger starke Auswirkungen auf das Verhalten der betroffenen Menschen, sie dienen damit auch der Steuerung.

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32. Neue Denkmuster

In den Kap. 29 bis Kap. 31 wurden einige Konsequenzen aus der Definition von F beschrieben. In diesem Kapitel sollen nun noch allgemeinere Gedanken erläutert werden. Es zeigt sich dabei, dass mit These 3 und der Fairness-Formel gewisse grundsätzliche Denkmuster relativiert oder verändert werden.

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33. Schlussbemerkungen

In der Einführung werden die zwei Ziele dieses Buches genannt. Das erste der beiden Ziele ist, eine Basis zu schaffen für ein Gesamtkonzept, auf dem eine humane Wirtschaft aufbauen sollte. Dieses Konzept ist nicht neu, aber vielleicht ist es doch hilfreich, klar Farbe zu bekennen. Und zudem dient es als Ausgangspunkt für die darauf folgende Auseinandersetzung bezüglich einem optimalen Verhältnis zwischen Freiheit und Gerechtigkeit in der Wirtschaft.Das zweite, der in der Einleitung genannten Ziele ist, einen Lösungsvorschlag auszuarbeiten zur Kontroverse Freiheit/Gerechtigkeit oder genauer: zur Kontroverse wirtschaftliche Effizienz und wirtschaftliche Gerechtigkeit.Zu diesen Zielen werden in diesem Buch Lösungen vorgeschlagen. Das dabei entworfene Gesamtkonzept, einschliesslich der Fairness Formel, ist zwar nur ein Mosaikstein in einem bunten Bild, das wir uns von einer lebenswerten Zukunft machen können, aber einer, der Entwicklungen ermöglicht.

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