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Die Flucht in die Ambiguität

Strategische Kommunikation zwischen Ein- und Mehrdeutigkeiten

  • 2022
  • Buch

Über dieses Buch

Wer stets vage und damit mehrdeutig bleibt, legt sich nicht fest, enttäuscht niemanden, sichert sich damit alle Freiheiten und ermöglicht Veränderungen. Eine solche Mehrdeutigkeit ist in der strategischen Kommunikation allgegenwärtig: Unternehmen, die über ihre gesellschaftliche Verantwortung oder ihre Klimaschutzziele sehr vage reden. Die katholische Kirche, die wortreich und gleichermaßen mehrdeutig über die besondere Relevanz der Frauen spricht. Oder Profi-Fußballvereine, die vieldeutig die besondere Bedeutung ihrer Fans preisen.

Diese strategische Ambiguität bzw. Mehrdeutigkeit steht im Mittelpunkt dieses Buches: Wie und warum wird strategische Mehrdeutigkeit in Werbung, PR bzw. der Unternehmenskommunikation eingesetzt? Auf diese Flucht in die Ambiguität fokussiert der Titel des Buches. Da aber Kommunikation kaum gelingen kann, wenn sie immer nur vage, widersprüchlich und damit mehrdeutig wäre, wird der strategischen Ambiguität in diesem Buch stets ihr Pendant gegenübergestellt: die strategische Eindeutigkeit. Eindeutigkeit und Mehrdeutigkeit sind zwei Seiten einer Unterscheidung, mit der Organisationen operieren (können). Dieser konzeptionelle Rahmen wird in dem Buch zunächst eingehend erläutert. Die vielfältigen Praktiken ein- und mehrdeutiger strategischer Kommunikation werden anschließend systematisiert und detailliert beschrieben.

Inhaltsverzeichnis

  1. Frontmatter

  2. 1. Einleitung

    Olaf Hoffjann
    Das Kapitel beleuchtet die Nutzung von strategischer Ambiguität in der Kommunikation, wie sie beispielsweise im Interview von Markus Lanz mit Markus Söder exemplifiziert wird. Es untersucht, wie Organisationen durch vage Aussagen Konflikte vermeiden und Widersprüche abschwächen. Die Autoren erklären, dass Mehrdeutigkeit in der Kommunikation sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft weit verbreitet ist und Organisationen hilft, sich in einer widersprüchlichen Gesellschaft zu bewegen. Das Buch analysiert die Vorteile und Risiken der strategischen Ambiguität und stellt verschiedene Praktiken vor, die in der strategischen Kommunikation angewendet werden. Es bietet eine umfassende Darstellung der theoretischen Grundlagen und praktischen Anwendungen der Mehrdeutigkeit in der Kommunikation.
  3. 2. Strategische Kommunikation zwischen Eindeutigkeits- und Mehrdeutigkeitsfokussierung

    Olaf Hoffjann
    Das Kapitel untersucht die strategische Kommunikation zwischen Eindeutigkeits- und Mehrdeutigkeitsfokussierung. Es wird herausgearbeitet, wie Eindeutigkeit und Ambiguität in der Kommunikation genutzt werden können und welche Vorteile und Risiken damit verbunden sind. Besonders interessant ist die Diskussion über die historischen Wurzeln der Eindeutigkeit und die Kritik an eindeutigkeitsfokussierten Ansätzen. Das Kapitel stellt auch die Vorteile der strategischen Nutzung von Mehrdeutigkeit heraus und zeigt, wie Ambiguität in der Kommunikation eingesetzt werden kann, um Handlungsspielräume zu sichern und organisationalen Wandel zu fördern. Ein besonderer Fokus liegt auf den Funktionen strategischer Ambiguität und den ethischen Implikationen. Das Kapitel bietet eine umfassende Analyse der aktuellen Forschung und Praxis in der strategischen Kommunikation und zeigt auf, wie eine integrierende Perspektive beide Ansätze berücksichtigen kann.
  4. 3. Die gesellschaftliche Ambiguitätsexplosion

    Olaf Hoffjann
    Das Kapitel behandelt die gesellschaftliche Ambiguitätsexplosion und die damit verbundenen Herausforderungen und Chancen für Organisationen. Es untersucht, wie sich die Wahrnehmung und der Umgang mit Mehrdeutigkeit in modernen Gesellschaften verändert haben und welche Strategien Organisationen entwickeln, um mit dieser Komplexität umzugehen. Besonders interessant ist die Darstellung der Ambiguisierung und Disambiguisierung als soziale Praktiken zur Herstellung von relativer Sicherheit und zur Vermeidung von Enttäuschungen. Der Text bietet einzigartige Einblicke in die sozialen und organisationalen Strategien zur Bewältigung von Unsicherheit und Widersprüchen und zeigt auf, warum die Nutzung strategischer Ambiguität in modernen Gesellschaften so reizvoll erscheint.
  5. 4. Ambiguitätsspiegel Öffentlichkeit und der Ambiguitätstreiber Journalismus

    Olaf Hoffjann
    Das Kapitel untersucht die Rolle der Öffentlichkeit und des Journalismus bei der Wahrnehmung und Produktion von Ambiguität in der Gesellschaft. Es wird erläutert, wie die Öffentlichkeit als Spiegel gesellschaftlicher Vielfalt fungiert und wie der Journalismus durch seine Berichterstattung zur Sichtbarkeit von Widersprüchlichkeiten beiträgt. Besonders interessant ist die Unterscheidung zwischen ambiguisierendem und disambiguisierendem Journalismus und deren Auswirkungen auf unterschiedliche Publikumsgruppen. Das Kapitel beleuchtet auch die Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung für die Öffentlichkeit und die daraus resultierenden Veränderungen in der Berichterstattung und Aufmerksamkeitsökonomie.
  6. 5. Die doppelte Flucht von Organisationen

    Olaf Hoffjann
    Das Kapitel untersucht die Herausforderungen, denen Organisationen in einer postmodernen Gesellschaft gegenüberstehen, die durch Ambiguität und Ambiguisierung geprägt ist. Es wird betont, dass Organisationen in einer solchen Gesellschaft mit widersprüchlichen Umwelterwartungen konfrontiert werden und Strategien entwickeln müssen, um diese zu bewältigen. Die Autoren analysieren, wie Organisationen durch Kommunikationsereignisse und formale Strukturen versuchen, Eindeutigkeit zu schaffen, obwohl dies in einer widersprüchlichen Umwelt schwierig ist. Besondere Aufmerksamkeit wird der Rolle von Ambiguität und Ambiguisierung geschenkt, die als Mittel zur Vermeidung von Konflikten eingesetzt werden können. Das Kapitel untersucht auch die verschiedenen Dimensionen der strategischen Kommunikation und wie Organisationen zwischen Eindeutigkeit und Mehrdeutigkeit oszillieren, um ihre Ziele zu erreichen. Es wird hervorgehoben, dass die doppelte Flucht von Organisationen vor Eindeutigkeit und Mehrdeutigkeit eine zentrale Strategie in der modernen Gesellschaft ist, um in einer komplexen und widersprüchlichen Umwelt zu überleben.
  7. 6. Dimensionen strategischer Eindeutigkeit und Mehrdeutigkeit

    Olaf Hoffjann
    Das Kapitel untersucht die Dimensionen strategischer Eindeutigkeit und Mehrdeutigkeit in der Kommunikation. Es wird festgestellt, dass Mehrdeutigkeit oft auf Aussagen und Informationen bezogen wird, während die Forschung zu mehrdeutigen Praktiken bislang vage bleibt. Die Autoren systematisieren die Elemente des Kommunikationsprozesses und unterscheiden zwischen eindeutigen und mehrdeutigen Praktiken. Die strategische Nutzung von Ambiguität zielt darauf ab, Raum für verschiedene Interpretationen zu schaffen. Die Metadimensionen des Kommunikationsprozesses, wie das Organisationsprofil, die Absendertransparenz und die Adressierung, werden detailliert erläutert. Besondere Aufmerksamkeit wird der Unterscheidung zwischen eindeutigen und mehrdeutigen Themen gewidmet. Das Kapitel bietet eine umfassende Analyse der verschiedenen Dimensionen und Praktiken strategischer Kommunikation und zeigt auf, wie Organisationen durch gezielte Kommunikationsstrategien ihre Ziele erreichen können.
  8. 7. Eine alternative Perspektive: mehrdeutige Praktiken als Spiel

    Olaf Hoffjann
    Das Kapitel beleuchtet die strategische Ein- und Mehrdeutigkeit in der strategischen Kommunikation aus einer neuen, interpretativen Perspektive. Es wird die Theorie des strategischen Kommunikationsspiels vorgestellt, die zeigt, wie mehrdeutige Praktiken durch die Instrumentalisierung von Argumenten und Indikatoren entstehen. Diese Spiele dienen dazu, Erwartungen zu ambiguisieren, den Möglichkeitsspielraum zu erweitern und die Vertrauenswürdigkeit und Sympathiezuschreibungen zu erhöhen. Besonders interessant ist die Anwendung dieser Theorie auf politische Inszenierungsspiele und Wahrheitsspiele, die die Entwicklung der postfaktischen Demokratie erklären. Das Kapitel bietet damit einen tiefgehenden Einblick in die Dynamik und Funktion von mehrdeutigen Praktiken in der strategischen Kommunikation.
  9. 8. Folgen strategischer Ambiguität

    Olaf Hoffjann
    Das Kapitel widmet sich den mittel- und langfristigen Folgen strategischer Ambiguität in Organisationen, im Journalismus und in der Gesellschaft. Es beginnt mit einer Zusammenfassung der kurzfristigen Wirkungen und Chancen strategischer Eindeutigkeit und Mehrdeutigkeit, die in vorherigen Kapiteln thematisiert wurden. Im Fokus stehen nun die langfristigen Auswirkungen auf Organisationen, insbesondere die Entkopplung von Organisationen und deren Verhältnis zur Umwelt. Die ethischen Implikationen strategischer Ambiguität werden ebenfalls detailliert beleuchtet, wobei die Rolle des Journalismus bei der Aufdeckung und Bewertung solcher Praktiken eine zentrale Rolle spielt. Das Kapitel untersucht, wie Journalisten mit strategischer Ambiguität umgehen und ob sie diese Praktiken überhaupt kennen. Abschließend werden die gesellschaftlichen Folgen strategischer Mehrdeutigkeit und Eindeutigkeit analysiert, wobei idealtypische Szenarien wie die berauschte und gereizte Gesellschaft herangezogen werden. Die Untersuchung zeigt, wie Gesellschaften zwischen Akzeptanz und Kritik strategischer Ambiguität oszillieren und wie dies langfristig zu gesellschaftlichen Veränderungen führen kann.
  10. 9. Oszillierende Gesellschaft

    Olaf Hoffjann
    Das Kapitel behandelt die oszillierende Gesellschaft, die zwischen berauschten und gereizten Phasen schwankt. Es wird beschrieben, wie Gesellschaften und Gruppen im Zeitverlauf zwischen Ambiguitätstoleranz und Ambiguitätsintoleranz wechseln. Die Zunahme von Ambiguitätserfahrungen verläuft in Wellenbewegungen und hängt von der Ambiguitätstoleranz ab. Eine höhere Toleranz führt zu mehr Ambiguitätserfahrungen und umgekehrt. Dies wird anhand von Beispielen aus der Geschichte und aktuellen Entwicklungen verdeutlicht. Der Journalismus spielt dabei eine Rolle, indem er die jeweiligen gesellschaftlichen Phasen widerspiegelt und beeinflusst. Organisationen oszillieren ebenfalls zwischen strategischer Eindeutigkeit und Mehrdeutigkeit, abhängig von ihrer Situation und der gesellschaftlichen Ambiguitätslage. Die Fähigkeit, mit Ambiguität umzugehen, ist entscheidend für das Überleben und den Erfolg von Organisationen in einer komplexen Welt.
Titel
Die Flucht in die Ambiguität
Verfasst von
Prof. Dr. Olaf Hoffjann
Copyright-Jahr
2022
Electronic ISBN
978-3-658-37677-2
Print ISBN
978-3-658-37676-5
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-37677-2

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