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2022 | OriginalPaper | Buchkapitel

13. Die freie Crowd und Peak-Hierarchie

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Zusammenfassung

Wir sind nun in der Lage zu evaluieren, ob neue Kooperationsformen in Wirtschaft und Politik tatsächlich zu neuen Arbeits- und Lebensweisen führen können, oder nur zu einer Fortführung der alten Muster in technologisch neuen Ausdrucksformen. Ihr Beharrungsvermögen, ihre Leistungs- und Anpassungsfähigkeit sowie ihre fast universelle Durchdringung lassen eine Überwindung der traditionellen Lösungen durch eine Bewegung von außen tatsächlich als schwer möglich erscheinen. Daher kam es bisher eher zu einer Art Symbiose zwischen den alten und neuen Organisationsformen, in der die Hierarchie neue Konzepte aufgreift, um ihre Effizienz und Innovationsfähigkeit zu erhöhen – ohne hierbei fundamentale Paradigmen zu opfern. Je erfolgreicher das bestehende System aber ist, sich beständig weiter automatisiert und algorithmisiert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der dann wachsende und ‚ungebrauchte‘ Surplus die Multitude befähigt, motiviert oder vielleicht sogar zwingt, neue Strukturen zu schaffen. Keine politische Bewegung, sondern vielmehr die Konsequenzen von kommerzieller Plattformarbeit und Automatisierung der Unternehmen führen nun dazu, dass der Auszug aus der Hierarchie stattfinden kann bzw. muss. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Versatzstücke von P2P (wieder) Verwendung finden und widerständige Prinzipien für das Individuum und die Gesellschaft möglich und notwendig werden. Jedoch: Wenn die Rolle des Individuums durch seine Arbeit auf Plattformen seiner Wahl im Prinzip gestärkt wird, erscheint die Frage, wie diese Freiheit politisch abgesichert und etwa eine Dominanz der Plattform- und Datenunternehmen verhindert werden kann, zentral.
Fußnoten
1
„A libertarian utopia of free and equal netizens – all networked together, sharing all available data with maximum transparency and minimal privacy settings – has a certain appeal, especially to the young. It is romantic to picture these netizens, like the workers in Lang’s Metropolis, spontaneously rising up against the world’s corrupt hierarchies. Yet the suspicion cannot be dismissed that, despite all the hype of the Information Age and all the brouhaha about Messrs. Snowden and Assange, the old hierarchies and new networks are in the process of reaching a quiet accommodation with one another, much as thrones and telephones did a century ago.“ (Ferguson 2014)
 
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Es zeigt sich bereits, dass Technologie hier einen Dual-Use hat. Der technologisch unterfütterte Staatsapparat in China etwa ist „[…] repressive in a security sense but progressive from a socialist one. On the one hand, it serves a conventional coercive function by keeping tabs on 1.4 billion people and letting them know it. On the other, it facilitates public polling, responsiveness, oversight and probabilistic forecasting enabled by massive caches of aggregated data on individual and group-level behavior.“ (Gueorguiev 2021)
 
3
Zu Beispielen für derartige hybride Organisations- und Arbeitsformen: Bührmann et al. (2018).
 
4
Zu diesen neuen Bürokonzepten vgl. Nehring (2021).
 
5
Zu einem solchen Transformationspfad, den Aufwänden und neuen Rollen etwa bei Siemens vgl. Al-Ani et al. (2021).
 
6
„The logic of the PPL is to allow commercialization, but on the basis of a demand for reciprocity. It is designed to enable and empower a counter-hegemonic reciprocal economy that combines commons that are open to all that contribute, while charging a license fee for the for-profit companies who want to use without contributing. Not that much changes for the multinationals in practice, they can still use the code if they contribute, as IBM does with Linux, and for those who don’t, they would pay a license fee, a practice they are used to. Its practical effect would be to direct a stream of income from capital to the commons, but its main effect would be ideological, or if you like, value-driven.“ (Bollier 2014)
 
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So vermutet Benkler eine Veränderung durch eine derartige „Kommerzialisierung“ der P2P-Produktion: „Die größte kommende Herausforderung wird die Organisation der Schnittstelle zwischen kooperativer Produktion und marktbasiertem Austausch sein. Bislang waren Gruppen enorm erfolgreich, solange sie das, was gerade anstand, in ihrer Freizeit schaffen konnten. Wenn man aber die ökonomischen Beziehungen in marktwirtschaftlichen Gesellschaften neu definieren will, muss es zumindest für einen Teil der Produktivkräfte die Möglichkeit geben, mit selbstorganisierter kollaborativer Produktion ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Das ist eine große Herausforderung, denn aus der psychologischen Forschung ist bekannt, dass es starke Spannungen zwischen Geld und sozialen Beziehungen gibt. Die große Herausforderung, die ich momentan sehe: Auf dem Weg jenseits der Grenzbereiche digitaler Technologie, wo Menschen noch rein aus sozialer Motivation mitarbeiten, während sie ihren Lebensunterhalt auf andere Weise verdienen, hin zu einem Zustand, bei dem nennenswerte Teile selbstorganisierter Arbeit zumindest für einen Teil der Bevölkerung eine Lebensgrundlage bieten.“ (Weitzmann 2015)
 
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Zu den verschiedenen Varianten des Grundeinkommens, wie etwa die negative Einkommensteuer vgl. Brynjolfsson/McAfee (2014: 278 ff.). Zu Experimenten zum Grundeinkommen in Europa vgl. das Beispiel Utrecht (Sanchez 2015) und die Absichtserklärung der finnischen Regierung (Ukuri 2015).
 
9
Erste Ansätze hierzu scheinen sich zu manifestieren. Interessant ist hier zum Beispiel der in Österreich diskutierte Vorschlag, Langzeitarbeitslosen eine Anstellung in den Kommunen zu geben (Tamesberger/Theurl 2019). In der Prognose von Rifkin (2011) werden die Arbeitsplätze in der Marktwirtschaft sinken, ebenso wie im öffentlichen Bereich. Auch der Informelle Sektor wird aufgrund technologischen Fortschritts weniger Arbeitskräfte benötigen. Wachstum sei allein aus dem Bereich der Zivilgesellschaft zu erwarten, den wir mühelos als die Wirkungsstätte der P2P-Welt erkennen. Diesen Sektor definiert Rifkin als einen Bereich, „[…] where human beings create social capital, and is made up of a wide range of interests – religious and cultural organizations, education, research, health care, social services, sports, environmental groups, recreational activities, and a host of advocacy organizations whose purpose is to create social bonds“ (Rifkin 2011: 266). Rifkin beziffert diesen Sektor weltweit mit Ausgaben von über 2,2 Billionen USD. In entwickelten Ländern kann dieser Sektor schon bald fünf Prozent des GDP ausmachen (Ebd.). Rifkin fasst hier die Grenzen allerdings weiter und zählt nicht nur die freiwillige Arbeit der Commons, sondern auch die Angestellten in den Non-Profit-Organisationen hinzu. Er kommt dann zu sehr beachtenswerten Ergebnissen: „The growth in the non profit sector is the highest in Europe, which now exceeds the United States. An impressive 15,9 percent of the paid employment in the Netherlands is now in the nonprofit sector. In Belgium, 13,1 percent of all workers are in the nonprofit field, while in the United Kingdom it is 11 percent […]“ (A.a.O.: 267). Dieser Sektor ist nicht nur von Transferzahlungen abhängig. Es zeigt sich, dass in den untersuchten europäischen Ländern, USA und Kanada bis zu 50 % der Einnahmen aus Produkterträgen und Dienstleistungsgebühren stammten (Ebd.). Vgl. auch die Beobachtungen zum Entstehen eines vierten Sektors in der Wirtschaft („For-Benefit-Organizations“), welcher soziale Ziele verfolgt, hierzu aber traditionelle Geschäftsmodelle verwendet: „For-benefits are a rapidly growing class of organization that are giving rise to a new, fourth sector of the economy. Like nonprofits and governmental agencies, for-benefits pursue a wide range of social and environmental objectives as their primary purpose. Like for-profits, for-benefits primarily earn their revenues by selling a broad range of products and services that improve quality of life for consumers, create jobs, and contribute to the economy.“ (Sabeti 2011)
 
10
Zu der Idee derartiger Vermittlungsplattformen, die Unternehmen als auch Kommunen erfassen und es Individuen ermöglichen, in beiden Bereichen zu arbeiten bzw. Arbeit zu suchen siehe: Groll (2018); Al-Ani/Weigel (2020). Zu einer möglichen Rolle von Lernplattformen, die diesen Prozess ebenfalls unterstützen und auch soziale Aspekte umfassen können, siehe  Kap. 9.
 
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Zu diesen Hustle- oder Passion-Plattformen vgl. Dewey (2020). Auffällig ist wieder die schon festgestellte Kooptation von Merkmalen der P2P-Bewegung, welche hier eine Zuspitzung erfährt: „For workers, the premise of hustle economy work is equally seductive. Just like gig work, you can choose your own hours. But with the hustle economy, you can really be your own boss, and spend time only on projects you like and feel proud of. While both the gig economy and conventional employment ‚stripped workers of their autonomy and agency,‘ Jin said, hustle economy platforms ‚empower‘ them. The movement’s rhetoric often, and ironically, echoes Karl Marx: Only liberated workers with control of production can soak up the full spiritual and financial benefits of their labor.“ (Ebd.)
 
12
M. Bauwens in einem Interview mit Lievens (2012).
 
13
Das fixe Kapital von dem Hardt/Negri hier sprechen, ist dann schließlich der Mensch selbst, welcher Technologie angeeignet hat: „The principal ‚fixed capital‘ becomes man himself“, paraphrasierte schon Vercellone (2007: 29) Marx.
 
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Bemerkenswert hier die Initiative der Vereinten Nationen zum Aufbau von öffentlichen digitalen Gütern: „A concerted global effort to create digital public goods would be key to achieving the Sustainable Development Goals. Several such digital public goods platforms are emerging, including most significantly the Digital Public Goods Alliance, a multi-stakeholder initiative responding directly to the lack of a ‚go to‘ platform, as highlighted by the Panel in its report. The work of the Alliance is complemented by efforts such as the Global Data Access Framework, which is aimed at developing technical infrastructure to enable and scale up the sharing of data in all modalities to speed up the processes for creating quality digital public goods“ (United Nations 2020). Aus P2P-Sicht wären die Open-Soure-Foundations zumindest prinzipiell geeignet, um den Schutz und Transfer von zu Commons deklarierter Technologie zu bewerkstelligen: “But what we are missing, we can call this the commons gap, are trans-local and trans-national commons institutions that can protect the commons and their associated human and non-human communities. Let’s call them the ‚magisteria of the commons‘. They are the alternative to the public–private partnerships proposed by the Great Reset, because they are centered around the cooperation of trans-local civic forces. The global open design communities and FLOSS Foundations are their possible prefigurations, as are the multiple blockchain-based neoguilds that are now active amongst the digital nomads.“ (P2P Wiki 2021)
 
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Diese Technologien müssten dann innerhalb der Communities zirkulieren bzw. weitergegeben werden, um globale Probleme, wie die Klimaerwärmung in den Griff zu bekommen (Khanna 2021: 56).
 
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Paradoxerweise hat gerade die autoritäre chinesische Hegemonie hier einige Strategien entwickelt, welche die Macht der Konzerne mildern sollen. Diese Erfahrungen könnten für die Community nützlich sein: Handelsblatt (2021).
 
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„Im Gegensatz zu FLOSS (Free/Libre- und Open-Source-Software), wo die kollektive Organisation und Durchführung von Open-Source-Projekten nicht zwangsläufig durch finanzielle Zwänge begrenzt ist, muss für physische Peer-Production-Aktivitäten neben dem Zeitaufwand vor allem auch die Finanzierung des Material- und Ausrüstungsbedarfs in Betracht gezogen werden. Tatsächlich ist es gerade dieser Zugang zu physischen Räumlichkeiten und professionellen Werkzeugen, welcher es ermöglicht, Werte zu schaffen und zu erhalten. Obwohl sich die Kosten für Hightech-Werkzeuge in den letzten zehn Jahren deutlich verringert haben, verursachen die Räumlichkeiten hohe Betriebskosten“ (Aryan et al. 2018: 13). P2P-Protagonisten betrachten diese „maker spaces“ als essentiell: „At the heart of this revolution is the post-cartesian anthropological revolution taking place in maker spaces, where ‚brahmin workers‘ think and design, implement and produce, and reflect. Mind and body, body and technique, individual and community, reorganized at a higher level of complexity.“ (P2P Wiki 2022)
 
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Diese betrachten die Communities als „[…] local or affinity-based associations of citizens and commoners, bringing together all those who contribute, maintain or are interested in common goods, material or immaterial. We need Assemblies of the Commons“ (Bauwens et al. 2019: 68). Diese Zielsetzung wird wohl eher in einem urbanen Raum realisierbar sein (siehe Kap. 14).
 
19
„Im Ergebnis vermindern Sonderinteressengruppen und Kollusionen die Effizienz und das Gesamteinkommen der Gesellschaft, in denen sie wirken, und sie machen das politische Leben zwieträchtiger.“ (Olson 1985: 98)
 
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Wenngleich unklar bleibt, ob Nationalstaaten dann obsolet würden oder „nur“ hinter erstarkten Communities, Regionen und Städte zurücktreten bzw. eine neue, unterstützende Rolle einnehmen. Insbesondere die fördernde Rolle des „Digitalen Partner-Staates“ und der Aufbau von Verbindungen und Koalitionen zwischen den einzelnen Communities stehen dann im Vordergrund: „Under a commons-centric, trans-local and trans-national social order, geography will not disappear; Cities, regions, bioregions and nation-states will remain in existence, although they will be substantially transformed. The transformed state becomes the enabler of cosmo-localism, by increasing the contributory qualities of its population, and attracting the global knowledge streams. It guarantees contributory equality by augmenting the capacities of its inhabitants. It creates multi-stakeholder coalitions that support domain-specific mutualization and localization efforts. […]“ (P2P Wiki 2022)
 
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Zielsetzung der Kooperation der P2P-Communities ist „[t]he creation of a global association that connects the already existing commons-oriented enterprises, so that they can learn from each other and develop a collective voice. We need Commons-oriented Entrepreneurial Associations.“ (Bauwens et al. 2019: 68)
 
22
Vgl. zu dieser Diskussion auch Khanna (2021). Bemerkenswert ist hier, dass dieser davon ausgeht, dass diese Bündnisse sich gegenüber verfallenden Regionen und insbesondere gegenüber Klimaflüchtlingen abschotten werden müssen. Es bleibt die berechtigte Sorge, dass diese Community-Bündnisse zu sehr auf sich fixiert bleiben, zu wenig gegen den globalen Klimawandel tun und mit den so entstehenden Migrationsbewegungen nur mit Mauern und Militärtechnologie vorgehen werden (A.a.O.: 56 ff.). Ein derartiges Klimabündnis bräuchte ja globale Kooperation. Interessant ist hier ein Szenario, welches die EU und China als enge Kooperationspartner sieht, und annimmt, dass die USA erst sehr viel später einem solchen Bündnis beitritt (National Intelligence Council 2021: 118 ff.).
 
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Dahls Ideen (1989: 340) zu Mini-Publics erscheinen hier wieder, aber auch Deweys grundsätzliche Überlegungen zur Demokratie, die ihren Ursprung in der lokalen Community hat: „Democracy must begin at home, and its home is the neighborly community.“ (Dewey 2016: 229)
 
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„Rousseau believed that the general will is something that is mathematically computable. […] Rousseau tried to grasp the general will as a different sort of sum that faithfully cancelled out such differences in direction. If we understand the ‚sum of differences‘ as the sum of vectors instead of scalars, there is nothing ambiguous or mystical about Rousseaus’s description.“ (Azuma 2014: Pos. 466, 471)
 
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Solche Einschräkungen werden etwa bereits in China erkennbar: „By all accounts, China’s authorities appear intent on tapping into the public pulse, for they recognize the gains from inclusive authoritarianism. In order for these methods to continue bearing fruit, however, Chinese citizens must continue playing an active role. Such active engagement is far from assured unless citizens believe their comments and complaints are taken seriously. How this belief can be nurtured if citizens are reminded on a daily basis, whether it be the surveillance camera at their doorway or the cell phone in their pockets, that they too are subjects and accomplices to state control? Even if such a state control delivers more optimal economic and administrative performance, it is unlikely that the masses will be moved to volunteer their time, attention, and engagement the way they have in the past.“ (Gueorguiev 2021: 205)
 
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Die Transformation hin zu maschinischen Communities wird wohl nicht ohne Weiteres vonstattengehen. Das alte System – dies zeigt der Ukrainekrieg – ist durchaus in der Lage, Konflikte vom Zaun zu brechen, obwohl die Bevölkerung dies nicht will. Der Friedenswunsch verbleibt im Unterbewussten: „The new authoritarian empires need confrontation with each other to justify their own internal, inflexible command structure. […]. Unfortunately, global politics is not in the hands of the mass of democratically organized ordinary citizens – yet. It evolves on the basis of more or less unconsciously (sic!) taken actions of classes and subclasses, eventually represented by some political entrepreneurs, with communications usually transported by biased media. In such a situation it is clear that the very meaning of democracy, of well-specified democratic mechanisms, is only just emerging. Given the current empirically observable trajectories, the chances that global democracy can develop at all are not too good“ (Hanappi 2019: 7, 11). Das globale System scheint sich – langsam aber sicher – in verschiedene Hegemonien aufzulösen (Posen 2022). Die hier skizzierten Communities sind dann vielleicht ein Ergebnis dieser Desintegration und ein Zwischenschritt hin zu einer neuen Konsolidierung?
 
27
„Aus dem Vorhergehendem ergibt sich, daß der allgemeine Wille beständig der richtige ist.“ (Rousseau 2016: 19)
 
28
Vgl. hierzu auch die Diskussion in Al-Ani (2021b).
 
29
Und durchaus mit Anklängen an den etwas schurkischen Unternehmertyp Schumpeters: „(n)ewly incentivized, local leaders dove headlong into promoting industrialization and growth. Along the way, they devised strategies and solutions that even the party boss in Beijing had not conceived.“ (Ang 2018: 42)
 
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Zu Whistleblowern bzw. zu einer „Partizipation in der Überwachung“ in China: Gueorguiev (2021: 69 f.).
 
31
Parallelen zu den Strategien von spezialisierten Widerstandsorganisationen wie etwa von Greenpeace sind hier augenfällig. Die Kampagnen dieser Organisation verlangen nach spezifischen Skills und Risikobereitschaft, welche nicht in der Masse zu finden sind: „Very rarely is Greenpeace going to organize mass mobilization, since they are wary of seeing their name associated with a discourse that they do not control. The best way to help Greenpeace, as they present it, is to donate to Greenpeace: ‚Give us the power of representing your voice.‘“ Aber: „The problem with this approach is that it allows people to absolve themselves from modifying personal behaviors fundamental for sustainable environmental changes.“ (Pagé 2004)
 
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Diese Situation wurde von Ursula K. Le Guin in ihrer politischen Utopie, Planet der Habenichtse, in der die Menschen in einem egalitären System leben und Arbeitsaufträge (Postings) von einem zentralen System erhalten, welche sie theoretisch ablehnen können, aber in der Regel doch annehmen, sehr eindrucksvoll dargestellt: „[W]e’re ashamed to say we’ve refused a posting. That the social conscience completely dominates the individual conscience, instead of striking a balance with it. We don’t cooperate – we obey. We fear being outcast, being called lazy, dysfunctional, egoizing. We fear our neighbor’s opinion more than we respect our own freedom of choice.“ (2017: 875)
 
33
Die Effekte der Spanischen Grippe bzw. die ausgelöste Isolation der Gesellschaften haben wohl dazu beigetragen, radikale und auch xenophobe Positionen nach dem Ersten Weltkrieg zu fördern (Blickle 2020: 17 f.). Zu der Idee, dass nicht Sanktionen, sondern radikale Konnektivität gegenüber gegnerischen politischen Hegemonien sinnvoll sein kann: Khanna (2022).
 
34
Vgl. hierzu die Ideen, kulturelle Institutionen insbesondere Museen als Places for Change weiterzuentwickeln (Al-Ani/Siebert 2021). Zu einem konkreten Museumsprojekt, welches Digitalisierung „hackt“ vgl. etwa Thun-Hohenstein (2019). Zu der Sichtweise, dass öffentlich-rechtliche Rundfunksender bei der Entwicklung von Communities und Regionen eine größere Rolle spielen und sich hierbei auch öffnen sollten: vgl. Buhrow (2021), der hierzu ausführte: „Die ARD hat sich entschieden, noch konsequenter ihren ‚Heimvorteil‘ zu nutzen und so dem Publikum Mehrwert anzubieten. Die ARD ist deshalb 2030 noch stärker vor Ort in den Regionen und kooperiert dort vermehrt mit Einrichtungen aus Wissenschaft, Kultur und Bildung sowie privaten Medienhäusern. Sie bietet unabhängige und überparteiliche Angebote, die journalistischen Grundsätzen verpflichtet sind. Das ist gesund für die Gesellschaft und wichtig für die Demokratie.“
 
Metadaten
Titel
Die freie Crowd und Peak-Hierarchie
verfasst von
Ayad Al-Ani
Copyright-Jahr
2022
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-37947-6_13

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