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Über dieses Buch

Daniel Dorniok zeigt, dass Wissen unter Umständen Sozialität, Interaktion, soziales Handeln, Austausch und Individualität unmöglich macht und dass im Gegenzug Nichtwissen ein individueller und sozialer Mechanismus ist, um diese zu ermöglichen. Ein institutionalisiertes und praktiziertes Recht auf Nichtwissen, also eine Kultivierung von Wissens- und Nichtwissensbemühungen, kann aufgrund rein rational analytischer Überlegungen und funktionaler Konsequenzen für Individuum und Gesellschaft nützlicher sein als ein ungeregeltes und unbegrenztes Schaffen von Wissen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Zusammenfassung
Die Ausdifferenzierung der Wissenschaft hat die Erkenntnismöglichkeiten enorm erweitert. Entsprechend groß ist die Aufmerksamkeit, die dieser Thematik in Wissenschaft und Praxis zuteil wird. Wissen gilt dabei oftmals als Mittel und Grundlage für soziale und technologische Zivilisation, wirtschaftliches Wachstum, gesellschaftliche Weiterentwicklungen, Wohlstand, kurz als Instrument für wirtschaftlichen und sozialen Erfolg. Ein Streben nach mehr Wissen gehört seit jeher zu den Charakteristika des Menschen, sodass man einen „Willen zum Wissen“ (Foucault 1977a) konstatieren kann. Für Individuen verspricht ein aktiver und intensiver Einsatz von Wissen eine erfolgreiche berufliche und soziale Karriere.
Daniel Dorniok

2. Recht auf Nichtwissen

Zusammenfassung
Ein Recht auf Nichtwissen und Forderungen für ein Recht auf Nichtwissen werden bislang vor allem in der Humanmedizin und in den Rechtswissenschaften in Bezug auf die Prädiagnostik thematisiert (z.B. Jonas 1985; Daele 1985; Donner/Simon 1990; Cramer 1991; Wiese 1991; Stumper 1995; Meyer 2001; Zimmermann-Acklin 2002). Das Recht auf Nichtwissen ist dabei vornehmlich auf den Schutz des Einzelnen davor gerichtet, dass Anderen oder der Person selbst Wissen (vor allem über Krankheiten und Prognosen potenzieller Krankheiten) zugänglich wird, ohne dass dies von der Person gewollt wurde. Nach Wehling wird hierbei „ein Rechtsgut angesprochen, dessen Schutz die Risiken und Ambivalenzen des (wissenschaftlichen) Wissens eindämmen soll“ (Wehling 2006, S. 327).
Daniel Dorniok

3. Entgrenzung von Wissen(-serhebungen) im Arbeitskontext

Zusammenfassung
Speziell in Organisationen treibt man die systematische Generierung von Wissen über Beschäftigte stark voran. Dem Einsatz von Instrumenten zur Generierung, Sammlung und Verwaltung personalen und organisationalen Wissens, wie z.B. die Erhebung von Indikatoren zur Messung von Leistung und Verhalten durch Performance-Measurement-Systeme, die computergestützte Protokollierung von einzelnen Arbeitsschritten zur Ergebnisüberwachung oder die Verwendung spezieller Unternehmenssoftware (zu Enterprise Resource Planning siehe z.B. Becker/Vering/Winkelmann 2007), werden dabei diverse positive betriebswirtschaftliche Attribute attestiert. Mittels diverser Programme lässt sich detailliertes Wissen, angefangen vom Bewerbungsprozess des Beschäftigten, über das allgemeine Arbeitsverhältnis bis in den spezifischen Bereich von Arbeitsprozessen erheben, verarbeiten und im „Data Warehouse“ speichern. Es können riesige Datenmengen verwaltet, ergänzt und ständig präsent gehalten werden (siehe z.B. auch Vorratsdatenspeicherung).
Daniel Dorniok

4. Funktionales Nichtwissen

Zusammenfassung
Diverse Autoren fassen Nichtwissen als eine Grundbedingung von Sozialität auf (z.B. Simmel (1908; Moore/Tumin 1949; Schneider 1962; Davis 1960; Schneider 1962 später besonders Popitz 1968; Loasby 1976; Shackle 1979; Ravetz 1986; Merton 1987; Luhmann 1995, 2000; Strulik 2004). Es lassen sich sowohl entwickelnde als auch stabilisierende gesellschaftliche Funktionen unterscheiden.
Daniel Dorniok

5. Schluss

Zusammenfassung
Der vorliegende Beitrag thematisiert, dass zu viel und bestimmtes Wissen bzw. insgesamt die Ausräumung von funktionalem Nichtwissen und Intransparenzen nicht nur ethische Bedenken, sondern ebenfalls negative Auswirkungen für Individuen, Organisationen und letztlich die Gesamtgesellschaft haben können. Wissen kann dysfunktionale Effekte haben, durch zu viel/bestimmtes Wissen wird unter Umständen Sozialität, Interaktion, soziales Handeln, Austausch und Individualität gefährdet oder gar unmöglich gemacht, weil die individuell und gesellschaftlich ermöglichenden positiven Auswirkungen von Nichtwissen wegfallen.
Daniel Dorniok

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