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Über dieses Buch

Die in der vorliegenden Studie rekonstruierte Grammatik des Coachens kann zum einen für die Beurteilung von Coachingprozessen und zum anderen dafür genutzt werden, professionelles Coachen systematisch zu lernen. Coaching kann man lernen wie eine Fremdsprache. Denn es ist eine Art „Fremdsprache“ in der eigenen Muttersprache. Das Wesentliche dieser „Fremdsprache“ ist ihre soziale Grammatik, d.h. die coachingspezifischen Regeln des Umgangs mit dem Klienten und seiner Coachingthematik. Die empirische Studie konnte zeigen, dass diese Regeln markante Besonderheiten aufweisen, mit denen sie sich klar erkennbar von Alltagskommunikation, Schulung, Training und Fachberatung unterscheiden.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Gegenstand und Ziele der Untersuchung

Zusammenfassung
Das erste Kapitel stellt das Thema und das Ziel des vorliegenden Buches vor, nämlich die Auseinandersetzung mit der Doppelfrage, wie Coaches ihre Klienten professionell verstehen können und wie sie auf dieser Grundlage zu professionellen Handlungsentscheidungen kommen können, und zwar unabhängig davon, welcher Coachingrichtung oder -schule sie zuneigen. Diese Doppelfrage ist nicht nur für die Coachingpraxis, sondern auch für die Coachingwissenschaften wichtig. Denn trotz umfangreicher konzeptioneller Theoriebildung und empirischer Forschung ist es bisher nicht gelungen, genau zu sagen, was Coaching eigentlich ist. Die Beantwortung dieser Doppelfrage geht davon aus, dass professionelle Coachingprozesse Handlungssequenzen sind, die – coachingschulenunabhängig – sich aus basalen Handlungseinheiten zusammensetzen, die ihrerseits aus verschiedenen Einzelentscheidungen bestehen, die regelgeleitet in spezifischer Weise miteinander kombinierbar sind und unterschiedlich intensiv genutzt werden.
Harald Geißler

Kapitel 2. Untersuchungsgegenstandsspezifische Voraussetzungen

Zusammenfassung
Die Vermutung, dass Coaching schulenübergreifend als ein Prozess verstanden werden kann, der sich aus basalen Handlungen zusammensetzt, die jeweils aus verschiedenen Einzelentscheidungen bestehen, wird im zweiten Kapitel überprüft, indem nach der Vergegenwärtigung der Erfolgsgeschichte, die Coaching als Personalentwicklungs- und Weiterbildungsformat aufweist, die ideengeschichtlichen Gemeinsamkeiten rekonstruiert werden, die den verschiedenen Coachingtheorien zugrunde liegen. Diese Rekonstruktion bestätigt die Vermutung, dass Coaching sich durch eine bestimmte Art des Handelns auszeichnet. Es ist deshalb sinnvoll, in Auseinandersetzung mit kommunikationspsychologischen und pragmalinguistischen Erkenntnissen sowie einerseits mit Bezug auf die soziologische Handlungstheorie von Jürgen Habermas und andererseits mit Bezug auf systemtheoretische Gedanken die grundlegende Frage zu beantworten, was genau eine Handlung ist und was man insbesondere unter einer basalen Handlung verstehen kann.
Harald Geißler

Kapitel 3. Untersuchungsmaterial, methodologische Vorannahmen und Untersuchungsdesign

Zusammenfassung
Im zweiten Kapitel konnte gezeigt werden, dass die zu Beginn des ersten Kapitels vorgetragenen Vermutungen, dass professionelle Coachingprozesse sich aus basalen Einzelhandlungen zusammensetzen, die ihrerseits aus verschiedenen Einzelentscheidungen bestehen, als wissenschaftlich plausibel einzuschätzen sind, sodass es gerechtfertigt ist, sie zum Anlass erkenntnislogischer Abduktionen zu wählen, mit deren Hilfe wissenschaftliche innovative Erkenntnisse generiert werden können. Auf dieser Grundlage soll in diesem Kapitel diskutiert und geklärt werden, welches Untersuchungsmaterial für ein solches Vorhaben geeignet erscheint und wie es wissenschaftlich sinnvoll bearbeitet werden kann, d. h. welches Untersuchungsdesign zu wählen ist und auf welchen methodologischen Vorannahmen dieses beruhen sollte.
Harald Geißler

Kapitel 4. Qualitative Untersuchungsergebnisse

Zusammenfassung
Das vierte Kapitel präsentiert die qualitativen Forschungsergebnisse der Studie: Es wird empirisch nachgewiesen, 1) dass Sprechakte sinnvoll als kleinste Untersuchungseinheit professioneller Coachingprozesse gewählt werden können, 2) dass diese mit Hilfe von elf als coachingkonstitutiv zu betrachtenden Entscheidungsdimensionen erfasst werden können und 3) dass jeder dieser Dimensionen bestimmte Entscheidungsoptionen zugewiesen werden können. In diesem Sinne konnte ein Entscheidungspool mit vier Entscheidungsdimensionen und 38 Entscheidungsmöglichkeiten rekonstruiert werden, die den illokutionären Kommunikationsaspekt spezifizieren, mit dem der Sprecher die Beziehung zum Angesprochenen und Kommunikationsinhalt reguliert. Sechs weitere Entscheidungsdimensionen mit 26 Entscheidungsmöglichkeiten dienen der coachingspezifischen Gestaltung des Kommunikationsinhalts. Und die elfte Entscheidungsdimension bezieht sich mit 23 Entscheidungsmöglichkeiten auf die Wahl des Kommunikationsmediums.
Harald Geißler

Kapitel 5. Quantitative Untersuchungsergebnisse

Zusammenfassung
Das fünfte Kapitel beantwortet die Frage, wie häufig die untersuchten Coaches und Klienten die sich ihnen anbietenden Kommunikationsentscheidungsmöglichkeiten wählen, die im vierten Kapitel vorgestellt wurden, und welche Auffälligkeiten sich dabei zeigen. Eine der wichtigsten Auffälligkeiten ist, dass die Coaches ihre Klienten bei der Bearbeitung ihrer Coachingthematik so gut wie gar nicht durch instruktionalistische, sondern fast ausschließlich durch facilitative Problemlösungsaktivitäten anleiten, und zwar vor allem durch Fragen, die darauf zielen, zunächst einmal alle relevanten Einzelheiten ihrer Coachingproblematik zu identifizieren. In diesem Sinne dient ihre Führung der Selbstführung der Klienten. Auf dieses übergeordnete Ziel ist auch die Metakommunikation ausgerichtet, aber in anderer Ausprägung: Denn hier ist die Interaktion deutlich symmetrisch-kooperativer, indem die Coaches relativ mehr instruktionalistische und die Klienten relativ mehr facilitative Sprechhandlungen wählen.
Harald Geißler

Kapitel 6. Rekonstruktion einer coachingspezifischen Fragentypologie

Zusammenfassung
Obwohl das sechste Kapitel eng an die qualitativen Untersuchungsergebnisse des vierten Kapitels anschließt, ist es problemlos möglich, es auch ohne die anderen Kapitel dieses Buches zu lesen bzw. zu verstehen. Inhaltlich geht es um eine Typologie aller Coachingfragen, die Coaches und Klienten sinnvoll stellen können. Die Gesamtheit dieser Fragen lässt sich in elf Gruppen unterteilen, nämlich in Befindlichkeitsfragen (Abschn. 6.2.1), Fragen nach relevanten Einzelheiten (Abschn. 6.2.2), Nachsteuernde Informationsfragen (Abschn. 6.2.3), Emotionsfragen (Abschn. 6.2.4), Differenzierungsfragen (Abschn. 6.2.5), Prozessbetrachtungsfragen (Abschn. 6.2.6), Kausalitätsfragen (Abschn. 6.2.7), Sinn- Bedeutungs- und Verantwortlichkeitsfragen (Abschn. 6.2.8), nicht-vergleichende Bewertungsfragen (Abschn. 6.2.9), vergleichende Bewertungsfragen (Abschn. 6.2.10) und Entschlussfragen (Abschn. 6.2.11).
Harald Geißler

Kapitel 7. Zusammenfassung und Ausblick

Zusammenfassung
Das siebte Kapitels fasst die Erkenntnis zusammen, dass es mithilfe einer abduktiven Methodologie, die objektive Hermeneutik mit praxeologischer Forschung verbindet, vor dem Hintergrund einer ideengeschichtlichen Rekonstruktion von Coaching möglich ist, die empirischen Merkmale zu ermitteln, die Coaching als professionelle Kommunikationsgattung charakterisieren und ihre Systematik, d. h. „Grammatik“ zu rekonstruieren.
Diese „Grammatik“ zeichnet sich durch die Führungsstrategie des Coaches aus, den Klienten mithilfe facilitativer, d. h. problemlösungsanregenden Sprechhandlungen, und zwar vor allem mit Hilfe von Fragen dazu anzuregen, alle relevanten Einzelheiten ihrer Coachingproblematik sorgfältig zu identifizieren. Diese auf lernanregende Hilfe zur problemlösungsanregenden Selbsthilfe ausgerichtete Kommunikation über die Kliententhematik verbindet sich mit einer partnerschaftlichen Metakommunikation über die Gestaltung und Steuerung des Coachingprozesses.
Harald Geißler

Kapitel 8. Kodierhilfen für die Forschungspraxis

Zusammenfassung
Im achten Kapitel werden noch einmal die im Abschn. 4.2 an verschiedenen Stellen bereits präsentierten Materialien zusammengestellt, die für die praktische Forschungsarbeit der Kodierung dokumentiert vorliegender Coachingprozesse besonders wichtig sind. Im Einzelnen handelt es sich dabei zum einen um den Überblick über das Gesamtsystem der in der vorliegenden Studie rekonstruierten Analyse- bzw. Entscheidungskategorien und zum anderen um die Standardparaphrasen der 9 rahmensetzenden Kommunikationsentscheidungen der A-Entscheidungsdimension, die sprechakttheoretisch besonders wichtig ist.
Harald Geißler
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