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Über dieses Buch

Cui bono? – Wem nutzt die Entwicklung humanoider Maschinen oder Automaten? Dieses Buch erörtert die Details dieses Spannungsfelds und die Herausforderung gesellschaftlicher Weiterentwicklung. Als technisch-elektronische Handhabungsgeräte können sie den Menschen zuträglich sein, sie von körperlich belastenden Arbeiten oder sogenannten Routinearbeiten befreien. Der Autor versucht die Fragen zu beleuchten: Was erwartet die Menschheit durch die Entwicklung einer künstlichen Intelligenz in einer menschähnlichen Maschine? Was aber, wenn der selbstbestimmende Mensch an der Schwelle steht, sich selbst durch intelligente selbstorganisierte Produkte und Prozesse eine humanoide Konkurrenz zu schaffen, die er möglicherweise nicht mehr kontrollieren kann?

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Sicher erinnern Sie sich noch an unbeschwerte, abwechslungsreiche Stunden bei Ihrem Spaziergang über ein Volksfest. Die Atmosphäre war bunt und schrill. Aus jeder Kirmesbude prasselte eine andere Musik in Ihre Ohren. Die Losbudenverkäufer hatte kaum mehr Stimme, sie überschlugen sich im Anbieten von Losen mit Sonderpreisen. Hier und da bleiben Sie stehen, um etwas zu essen, zu trinken oder Karussell zu fahren. Wild‐West‐Wasserrutschen und Achterbahnen haben es Ihnen angetan. Der Rausch der Geschwindigkeit, immer begleitet mit etwas Unsicherheit, macht den Reiz des Fahrens aus. Sie gehen in eines der großen Festzelte, in denen Musikkapellen bzw. Rock‐Bands versuchen, sich gegenseitig in der Lautstärke zu übertreffen, sodass normale Gesprächslautstärke untergeht. Das Schlagen mit dem Hammer auf einen Metallstift (haut den Lukas) muss auch sein. Dabei saust – je nach Schlagstärke – eine Markierung an einem Brett senkrecht in die Höhe, um Ihnen mit lustigen Worten wie „Supermann“ oder „Pantoffelheld“ anzuzeigen, wie physisch stark oder schwach Sie doch eigentlich sind.Es ist ein Volksfest, bei dem alle Ihre Sinne angesprochen werden. In keiner Sekunde Ihres Rundgangs verspüren Sie auch nur den Hauch von Langeweile oder Müdigkeit, obwohl Sie bereits etliche Kilometer gelaufen sind. Ihre Neugier treibt Sie immer weiter über den Platz, um Neues zu sehen, sich im Spiegelkabinett zu beweisen oder mit der Geisterbahn Gruseleffekte zu erleben, die Ihren ganzen Körper zittern lassen.In gewisser Weise begeben Sie sich beim Lesen der folgenden Kapitel auf eine Art Reise über ein gesellschaftliches „Volksfest“ – nur mit anderen Beteiligten. Menschen – Humane – und Menschenähnliche – Humanode – sind die beiden Pole in einem Zeitalter zunehmender Unsicherheit und Ungewissheit.

E. W. Udo Küppers

Anforderungen

Frontmatter

2. Im Spannungsfeld von Humanen und Humanoiden

Über das visionäre Thema HUMANOIDE zu schreiben, ist immer dann gewagt, wenn der klar umrissene ingenieurtechnische Raum von Forschung, Entwicklung und präziser Funktionalität in der Anwendung überschritten wird und Aspekte menschlichen evolutionären Daseins berührt werden. Warum ist das so? Weil mit einem Mal eine Explosion von Komplexität hinzukommt, die keiner durchschauen kann. Wir begeben uns in ein Umfeld von Wahrscheinlichkeiten, Unsicherheiten und Überraschungen, das Ingenieuren nicht vertraut ist. In diesen hochgradig dynamischen und vernetzten Zusammenhängen von Mensch und Maschine, von Gesellschaft und Technologie ist die Zukunft ungewiss.Und doch wagen sich nicht wenige Menschen auf diesen Pfad der Voraussagen zukünftiger Entwicklungen. Andererseits: Was wäre die Menschheit ohne Visionen oder visionäre Fortschritte? Wir wären wahrscheinlich gedankenärmer, eintöniger, gleichgültiger, mechanischer. Visionen zu besitzen und zu benutzen, um neue Entwicklungen anzustoßen, die den Menschen eine hoffentlich segensreiche Zukunft verheißen, ist sowohl ein vielversprechendes als auch ein riskantes Unterfangen.

E. W. Udo Küppers

3. Fundamentale Treiber in einer humanen-humanoiden Gesellschaft

Der Begriff Anthropozän sagt überdeutlich und unmissverständlich, dass Menschen, als evolutionäre biologische Lebewesen, die sich der Erde und deren Schätze in einem Ausmaß ohne nachhaltiges Augenmaß bemächtigt haben und bemächtigen, zu einem geologischen Faktor geworden sind. Der niederländische Meteorologe Paul J. Crutzen hat gemeinsam mit dem Biologen Eugene F. Störmer den Anthropozän-Begriff im Jahr 2000, in der Zeitschrift Global Change Newsletter, vorgeschlagen. Sie haben damit einen Begriff für eine neue geologische Periode geprägt, die im Fachkreisen intensiv diskutiert und erforscht wird. Wann hat dieser Prozess der erdgeschichtlichen Umgestaltung durch die Menschen begonnen, sodass auf der geologischen Zeitskala die neue Periode des Anthropozäns Platz findet? Menschen sind zu einem geologischen Faktor geworden!Was bedeutet das für den Fortbestand des Lebens? Welche Rolle könnten Humanoide in diesem erdweiten unumkehrbaren Prozess spielen?

E. W. Udo Küppers

Veränderungen

Frontmatter

4. Das ICH, die Optimierung und die Gesellschaft

Während ICH diesen Text schreibe, und zwar versuche so zu schreiben, dass SIE als Leser beim Lesen nicht nur durch Schreibfehler nicht ins Stolpern kommen, sondern auch den Sinn des Satzes verstehen, finden in meinem Gehirn neuronale Prozesse statt, die eng mit Bewusstsein und Aufmerksamkeit verknüpft sind. Dasselbe Phänomen findet in IHREM Kopf statt. Damit SIE den geschriebenen Satz in seinem Kontext verstehen, müssen Sie ihn bewusst und aufmerksam lesen. Beide, Schreiber und Leser, aktivieren in ihren Gehirnen ein neuronales Feuerwerk über verschiedene Gehirnareale, das sich von der Stirnseite bis zum Hinterkopf erstreckt.Dieses neuronale Feuerwerk läuft nach Wolf Singer als synchroner Prozess ab, mit einer Frequenz von zirka 40Hz, bzw. mit einer Taktrate von 25ms.Wenn ICH also meine Konzentration auf das Schreiben in einem entspannten Bewusstseinszustand lenken möchte, zum Beispiel durch einen Waldlauf, verringern sich die neuronalen Schwingungen in meinem Gehirn und meine hohe konzentrierte Aufmerksamkeit geht in eine allgemeine Aufmerksamkeit über und somit in einen Zustand relativer Entspannung.

E. W. Udo Küppers

5. Arbeiten und arbeiten lassen – Kämpfen und Kooperieren um Arbeit

Menschen müssen arbeiten! Sie arbeiten körperlich – geistig – nicht körperlich oder geistig, weil beides in einem Organismus untrennbar ist. Werbefachleute versuchen immer wieder aus der Trennung von Körper und Geist oder Arbeit und Leben bzw. work and life Kapital zu schlagen, was ihnen bestens zu gelingen scheint. Doch auch die folgenden Grundbegriffe des (westlichen) Arbeitsbegriffes folgen bereits weitgehend diesem monetären Ansatz, der eine eher holistische Sichtweise mehr und mehr auszuschließen scheint.Die Arbeitsergebnisse – wie auch immer sie gestaltet werden – sind Produkte von strukturiert ablaufenden Arbeitsprozessen. Die daraus ableitbare Arbeitsproduktivität ist eine volkswirtschaftliche Verhältniszahl, die besagt, wie hoch die quantitative Arbeitsleistung im Verhältnis zum quantitativen Arbeitseinsatz ist. Der lineare – aber wirklichkeitsfremde – Wirtschaftsansatz sagt: Je mehr ich arbeite, desto höher ist die erzielte Arbeitsmenge. Arbeitgeber, die Arbeitsleistungen entlohnen und von den geschaffenen Arbeitsmengen profitieren, kalkulieren – rein ökonomisch – noch mit einer weiteren Verhältniszahl. Für sie gilt auch: Je geringer die Entlohnung menschlicher Arbeit im Verhältnis zur erbrachten Arbeitsmenge, desto höher ist der geldwerte Vorteil.

E. W. Udo Küppers

6. Analoge Freizeitaktivität oder digitale konditionierte Ertüchtigung?

Wir leben in einer durch die Zeit überholten Vorstellung von dem, was um uns herum und mit uns passiert – nahezu ohne dass wir davon etwas spüren. Und wenn wir es bemerken, ist es schon zu spät. Unser analoges, anachronistisches oder zeitwidriges Denken und Verlangen scheint auf Mitmenschen, die im Sog der Digitalisierung aufgewachsen sind, im wahrsten Sinn des Wortes wie „aus der Zeit gefallen“ zu wirken. Abb. 6.1 versinnbildlicht diesen Zustand in noch prägnanter Weise. Die Digitalisierung unseres eigenen ICH ist der Krake der Jetztzeit. Individuelle spontane Waldspaziergänge sind von Gestern. Wir könnten uns in Gefahr bringen, weil morsche Äste von Bäumen auf uns fallen können, weil Tiere, die plötzlich aus dem Gebüsch rennen, uns – wie so schön leichtfertig dahingesagt wird – zu Tode erschrecken, weil wir auf von Laub bedeckten glitschigem Untergrund ausrutschen und Beine oder Arme oder beides brechen können.

E. W. Udo Küppers

Entspannungen

Frontmatter

7. Muße im digitalisierenden humanoiden Anthropozän

Kap. 4 trägt die Überschrift „Das ICH, die Optimierung und die Gesellschaft“. Zugespitzt und verkürzt formuliert wird daraus: „ICH oderWIR?“ Es ist der Zeitgeist, die Denkweise oder das Lebensgefühl, von dem ICH umfangen bin und WIR umfangen sind. Der Verlauf der letzten Jahre bis Jahrzehnte zeigt eine Tendenz zu immer mehr individuellem Verhalten in einer Welt zunehmender Komplexität. Deglobalisierung kämpft gegen Globalisierung, Dezentralisierung gegen Zentralisierung, Individualität gegen Gemeinsamkeit, und analoge Prozesse stehen digitalen Prozessen gegenüber.Es bleibt eine offene Frage, wohin sich die gegenwärtig zunehmende Digitalisierung des ICH und die des abnehmenden WIR entwickeln.

E. W. Udo Küppers

8. Cui bono? Wem zum Vorteil?

Auf den Internet‐Webseiten „ReportLinker.com“, „new.sap.com“, „ke‐next.de“, „government‐2020.dupress.com“, natürlich auch der International Federation of Robotics „http://www.ifr.org“ und anderen überschlagen sich Roboter‐Prognosen und ‐Trends für die kommenden Jahre. Auch die deutsche Expertenkommission Forschung und Innovation – EFI – hat 2016 ein Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands beigesteuert. Zwei große Bereich, in denen Roboter tätig sind, werden unterschieden: Industrieroboter und Serviceroboter. Letztere gliedern sich noch nach ihrem Einsatzbereich in privat und gewerblich.Der industrielle Trend läuft laut dem EFI‐Gutachten in Richtung kollaborative Leichtbauroboter, die gegenüber ihren konventionellen Roboterkollegen preiswerter, flexibler im Einsatz und leichter zu bedienen sind. Preiswerter in der robotischen Arbeitsstunde bedeutet, dass bei unter 1 Dollar pro Stunde die Lohnkosten von Fabrikarbeitern in Niedriglohnländern unterboten werden. Laut EFI‐Literaturquelle 137 wurde für einen chinesischen Fabrikarbeiter, aufgrund einer Marktanalyse von Rethink, 1,36 Dollar kalkuliert.

E. W. Udo Küppers

9. Schlusswort

Das Buch nähert sich dem Ende. Wenn Sie – liebe Leserinnen und Leser – bis hierher durchgehalten haben, wenn Sie sich durch das Gestrüpp der verschiedenen Kapitel, Fachbegriffe, Erklärungen, Beziehungen, Aneinanderreihungen, Vorschriften, Bildersprachen und anderes mehr gekämpft haben, dann kann der Autor vielleicht annehmen, bei Ihnen ein gewisses Interesse zum Thema Humanoide im Speziellen, zur Robotik im Allgemeinen und zu uns selbst, als maßgebender Auslöser der neuen erdgeschichtlichen Epoche des Anthropozän im Besonderen geweckt zu haben.Es war immer das Ziel des Buches, eine breite Leserschaft mit dem Thema Humanoide anzusprechen. Leserinnen und Leser also, die – über die Faszination des technisch Machbaren und die Detailverliebtheit von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern hinaus – auch interessiert sind an gesellschaftlichen Zusammenhängen, die mit der neuen Technik unweigerlich verknüpft sind. Kapitel 8 stellt – dem Rechnung tragend – daher die alles entscheidende Frage: Cui bono? Wem zum Vorteil?Jede neue Entwicklung wird immer zuerst skeptisch beäugt. Zeigt sie erste Erfolge für die Forscher und Entwickler und darüber hinaus auch für Anwendungen, die Menschen ihre Arbeit oder ihr Leben erleichtern, ist scheinbar ein vielversprechender Weg beschritten worden. Das dieser Weg nicht geradlinig verläuft und sich nicht Erfolg an Erfolg reiht, ist eine Binsenweisheit. Kleinere Stolpersteine werden aus dem Weg geräumt. Neue Ideen und Konstruktionen beflügeln die Menschen, Größeres zu wagen und in die Praxis umzusetzen.

E. W. Udo Küppers

Backmatter

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