Skip to main content
main-content

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Funktionale Differenzierung und formale Organisation

Zusammenfassung
Die DDR war eine staatssozialistische Gesellschaft sowjetischen Typs. Als solche war sie jedoch kein einfaches Abbild der sowjetischen Gesellschaft, sondern eine Gesellschaft sui generis, deren spezifischer Gebildecharakter historisch bedingt war nnd sich in einer für die Gesellschaft der DDR typischen Institutionenordnung ausprägte. Die berufliche Institutionenordnung der DDR kann im wesentlichen durch die Interdependenz von drei Funktionssystemen imd deren Subsystemen beschrieben werden: erstens der Planwirtschaft und des Beschäftigungssystems, zweitens des Bildungssystems und der Berufsbildung, drittens des politischen Systems und der Diktatur der SED. In der gesellschaftsstrukturellen Evolution dieser drei Funktionsbereiche können wiederum drei Phasen unterschieden werden: erstens die Aufbauphase einer staatssozialistischen Gesellschaft sowjetischen Typs in den fiinfziger Jahren, zweitens die Modemisierungs- und Reformphase der sechziger Jahre und drittens die Stabiüsierungs- und Stagnationsphase des real existierenden Sozialismus der Honecker-Ära.
Florian Kreutzer

2. Die Transformation der Arbeit in der Aufbauphase der DDR

Zusammenfassung
Die Durchsetzung und der Aufbau einer soziahstischen Gesellschaft erfolgte in der SBZ und der DDR durch die Errichtung eines Herrschaftssystems sowjetischen Typs (Weber 1993; Staritz 1995, 1996). Das politische System, von dem alle gesellschaftlichen Teilsysteme und Bereiche durchherrscht und in ihrer Eigenrationalität und -dynamik eingebunden wurden, sollte zu der entscheidenden Struktur- und Entwicklungsdeterminante dieser Gesellschaftsordnimg werden. Die Transformation der Gesellschaft der DDR führte dazu, daß der weitere gesellschaftliche Strukturwandel zwar keineswegs durch die SED-Führung gesteuert, jedoch durch das Herrschaftssystem nachhaltig blockiert wurde. In den fünfziger Jahren bewirkte die parteipolitische Herrschaft der SED eine Hierarchisierung der funktionalen Ordnung der Gesellschaft, die zu einer engen strukturellen Kopplung zwischen den funktionalen Mechanismen und Organisationsstmkturen des politischen Systems und allen anderen Funktionsbereichen führte. Dabei stellten die Transformation von der nationalsoziahstischen Diktatur zu einer Diktatur des Proletariats, der kapitalistischen Kriegs- und Nachkriegswirtschaft in eine Plan- und Zentralverwaltungswirtschaft sowie des bürgerlichen Bildungswesens in ein einheithches soziahstisches Bildungssystem die Kembereiche der Transformation der ostdeutschen Gesellschaft zu einer sozialistischen Gesellschaft sowjetischen Typs dar.
Florian Kreutzer

3. Die Verberuflichung der Arbeit in der Modernisierungsphase des Staatssozialismus

Zusammenfassung
Bereits auf dem 24. Plenum des ZK der SED im Juni 1955 referierte Walter Ulbricht über den „firiedhchen Wettbewerb“, in dem es gelte, die DDR zum Vorbild für ganz Deutschland zu machen. Im friedliche Wettbewerb zwischen den beiden deutschen Staaten würde sich zeigen, daß es der sozialistischen Gesellschaftsordnung besser als dem Kapitahsmus gelänge, ihr wirtschaftliches Wachstum durch die Faktoren Technik und Wissenschaft zu steigern. Das Credo dieser Hoffiiung lautete: „Die Einfuhrung der Technik ist das ausschlaggebende Mittel zur Steigerung der Arbeitsproduktivität. (…) Der Stand der wissenschaftlichen Arbeit von heute ist der Stand der Produktion von morgen.“1
Florian Kreutzer

4. Berufsarbeit im real existierenden Sozialismus

Zusammenfassung
Mit dem Machtwechsel von Ulbricht zu Honecker 1970/71 vollzog sich em Politikwechsel von dem Versuch der technokratischen Modernisierung der staatssozialistischen Gesellschaft weg zur Herrschaftssicherung durch em diktatorisches Wohlfahrtsarrangement. Tatsächlich waren die Reformen und Dezen- tralisienmgsbemühungen der Modemisierungsphase nie weit genug gegangen, um eme gmndsätzliche Systemänderung und Effizienzsteigemng zu bewhken. Das politische Herrschaftssystem hatte die nur im Ansatz freigesetzten Eigendynamiken bereits als so bedrohlich empftmden, daß sie durch eine verstärkte administrative Zentralisierung und bürokratische Organisationsbildung sofort wieder zurückgenommen wurden. Gleichzeitig wurde die parteilich-ideologische Wehanschauung verstärkt und mit ihr die Regulierung der Wissenschaft und Wissensvermittlung. Die Bildungsexpansion wurde gestoppt und die Reproduktion der Bildungsabschlüsse auf dem ehmial erreichten Niveau ehigefroren. Wirtschaftliche Effizienzsteigerung sollte nun durch administrative Zentralisierung und bürokratische Organisationsbildung, Wissenschaftliche Arbeitsorganisation und Kombinatsbildung erzielt werden.
Florian Kreutzer

5. Zur Widersprüchlichkeit von formaler und reflexiver Wert- und Strukturbildung

Zusammenfassung
Die Gesellschaft der DDR war eine staatssoziahstische Gesellschaft sojetischen Typs, deren historisch bedingter Gebildecharakter durch die Entstehung einer Institutionenordnung, die für diese Gesellschaft typisch war, nachhaltig geprägt wurde. Die Untersuchungen dieser Studie haben den Bemf als Fokus und Sonde der soziologischen Beobachtung verwendet, da er sich als ein Medium der strukturellen Kopplung von Bildungsimd Erwerbskarrieren besonders gut eignet, um die evolutionären Prozesse der fimktionalen Entdifferenzienmg und reflexiven Demstitutionalisiemng hn Kontext der bihokratischen Herrschafts- und Organisationsstrukturen dieser Gesellschaftsordnung zu analysieren. Denn als ein zentraler fait social der modemen Gesellschaft verweist die Art und Weise der Institutionalisiemng des Bemfs in der staatssozialistischen Gesellschaft zugleich auf den spezifischen Charakter ihrer Institutionenordnung insgesamt.
Florian Kreutzer

Backmatter

Weitere Informationen