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Über dieses Buch

Organisatorischer Wandel, organisationales Lernen oder auch der Lebenszyklus von Un­ ternehmen gehören zu den Schlagworten, die in den letzten Jahren verstärkt Einzug in die betriebswirtschaftliche Forschung und Managementliteratur gehalten haben. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie dynamische Veränderungen in Unternehmungen erklären sollen. Ausgehend von der eingeschränkten Rationalität der Organisationsteilnehmer wird dabei unterstellt, dass diese Veränderungen weder vollständig rational planbar noch umsetzbar und daher lediglich eingeschränkt steuerbar sind. Die Arbeit von Jürgen Kumbartzki greift diesen Ansatz auf mit dem Ziel, auf der Grundlage der Erkenntnisse der biologischen Evolutionstheorie einen evolutionären An­ satz zu erarbeiteten, der Aussagen über die Entwicklung von Unternehmungen erlaubt. Insbesondere soll dabei das individuelle, zielgerichtete Handeln eingeschränkt rationa­ ler Entscheidungsträger in den Entwicklungsprozess mit einbezogen werden. Herr Kum­ bartzki entwickelt hierzu ein Modell, das einerseits auf der internen Evolution einzelner Organisationen beruht, andererseits aber auch externe Einflüsse auf eine Organisation bei ihrer Entwicklung berücksichtigt. Dadurch gelingt es ihm, nicht nur die Wechsel­ wirkungen aufzuzeigen, die zwischen der externen Selektion von Organisationen und der organisationsinternen Evolution bestehen, sondern er zeigt auch, dass die mit dem evo­ lutionären Ansatz verbundene Umweltdeterminiertheit von Organisationen durchaus mit dem zielgerichteten Verhalten ökonomischer Akteure vereinbar ist. Berücksichtigt man die Vielzahl an evolutionären Ansätzen, die in den letzten Jah­ ren zu verschiedenen organisatorischen Fragestellungen in den Wirtschaftswissenschaften vorgeschlagen wurden, dann erarbeitet Herr Kumbartzki einen konsistenten Rahmen zur ökonomischen Evolution von Organisationen. Seine Arbeit bereichert damit wesentlich die evolutionstheoretische Forschung in der Betriebswirtschaftslehre.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
Panta rhei — alles fließt! Der Grundsatz, daß alles Sein als ewige Bewegung begriffen werden muß, ist seit der Antike bekannt und gehört heute zu den grundlegendsten Vorstellungen von Leben. Unser heutiges Weltverständnis wird von der Kenntnis bestimmt, daß das Universum, die Sterne, die Erde und alle Lebewesen eine lange Vorgeschichte haben, in der nichts vorherbestimmt war, eine Geschichte langsamer, kontinuierlicher Veränderung, die nach physikalischen Gesetzen in mehr oder minder richtungsbestimmenden natürlichen Prozessen verlief. Dies gilt sowohl für die Evolution des Kosmos (vgl. Smolin 1999) als auch für die Evolution des Lebendigen (vgl. Mayr 1988, S. 9). Der Durchbruch des Evolutionsgedankens kann ziemlich genau auf die Veröffentlichung von Darwins On the Origin of Species im Jahr 1859 datiert werden. Wegen Darwin wird Evolution auch heute noch vornehmlich mit der “Geschichte der Welt des Lebendigen” (Mayr 1984, S. 319) in Verbindung gebracht, also in einem biologischen Kontext gesehen. Dennoch stellt die Evolutionstheorie eine Prozeßtheorie dar, die zur Erklärung dynamischer Veränderungen in den unterschiedlichsten Gegenstandsbereichen von mathematischen Systemen (vgl. Eigen & Winkler 1975) über Sprache (vgl. Hofstadter 1983), Wissenschaft (vgl. Popper 1973), Rationalität (vgl. Simon 1993a), Gesellschaften (vgl. von Hayek 1969c, Lau 1981) bis hin zu allgemein komplexen Systemen (vgl. Simon 1965, von Hayek 1972) herangezogen wird. Es kann keinen Zweifel daran geben, daß die Evolutionstheorie in ihrer Nachhaltigkeit als eines der bedeutendsten wissenschaftlichen Paradigmen gilt.
Jürgen Kumbartzki

Kapitel 2. Die Evolutionstheorie in der Biologie

Zusammenfassung
Die Evolutionstheorie in der Biologie, die sich primär auf die Ideen von Charles Darwin gründet, ist zweifellos der am weitesten entwickelte evolutionäre Ansatz. Es wundert daher nicht, daß Versuche, eine Evolutionstheorie auch auf andere Untersuchungsbereiche zu übertragen, häufig an die Biologie angelehnt sind. Diese Vorgehensweise wurde zum Teil heftig kritisiert,1 da sich die Rahmenbedingungen einer Entwicklung von nichtbiologischen Systemen, wie beispielsweise soziokulturellen oder nicht-lebenden Materiesystemen, sowie deren Eigenschaften grundlegend von denen biologischer Systeme unterscheiden. Direkte Analogieschlüsse, die ungeprüft von der Evolution biologischer auf die Evolution nicht-biologischer Systeme übertragen werden, enthalten aus diesen Gründen zwangsläufig Fehler.2
Jürgen Kumbartzki

Kapitel 3. Evolutionstheoretische Ansätze in der Ökonomik

Zusammenfassung
Evolutionstheorien waren zu keiner Zeit auf die Erklärung der organischen Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte beschränkt. Insbesondere Darwins die Biologie revolutionierende Evolutionstheorie wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit durch bereits existierende Ansätze sozio-kultureller Evolution beeinflußt. Es kann daher nicht verwundern, daß sowohl in der Soziologie als auch in der Ökonomik immer wieder evolutionäre Erklärungsansätze verfolgt wurden. Während sich die Evolutionstheorie in Darwinscher Ausprägung durch eine Vielzahl anschaulicher, empirischer Bestätigungen langfristig etablierte, stagnierten die evolutionären Ansätze in den Sozialwissenschaften für lange Zeit (vgl. Campbell 1969).1
Jürgen Kumbartzki

Kapitel 4. Die interne Evolution von Organisationen

Zusammenfassung
Die bisherige Diskussion hat gezeigt, daß ökonomischer und speziell organisationaler Wandel in vielen im weitesten Sinn evolutionstheoretischen Ansätzen beschrieben wird, ohne daß sich eine einheitliche Vorstellung von Evolution durchgesetzt hätte. Dies liegt zum einen daran, daß diese Theorien des Wandels — seien sie nun aus der Biologie abgeleitet oder nicht — auf unterschiedliche Prozeßtheorien zurückzuführen sind, und zum anderen, daß Evolution auf unterschiedlichen Aggregationsebenen betrachtet wird. Van de Ven & Poole (1995) analysieren dynamische Theorien auf der Grundlage einer interdisziplinären Literaturauswahl1 und führen die beschriebenen Entwicklungen auf vier Basistypen von Prozeßtheorien zurück: Lebenszyklen, teleologische, dialektische und evolutionäre Theorien (vgl. Abbildung 4.1). Diese Basistypen beschreiben unterschiedliche Auslöser, Antriebskräfte und Abläufe von Entwicklung. Zudem beziehen sie sich teils auf unterschiedliche Betrachtungsebenen: entweder einzelne Einheiten oder Populationen, in denen Einheiten interagieren.
Jürgen Kumbartzki

Kapitel 5. Schlußbetrachtung

Zusammenfassung
“Economia non facit saltum”, so leitet Albach (1988, S. 39) seinen Aufsatz über Geburt und Tod von Unternehmen ein und bezieht sich damit auf die “bemerkenswerte Stabilität und Fähigkeit der sozialen Marktwirtschaft, Schocks zu absorbieren”. Die Stabilität einer Volkswirtschaft beruht darauf, daß sich Strukturbrüche auf einer untergeordneten Systemebene, den Unternehmen, vollziehen. Diese tragen einerseits das Konkursrisiko, d.h. sie können untergehen, wenn sie den Anforderungen des Schocks nicht entsprechen. Andererseits können sie die Chancen nutzen, die sich für neue wie für bestehende Unternehmen bieten, wenn sie das Auftreten von Schocks rechtzeitig erkennen (vgl. Albach 1988, S. 39). Auch Unternehmen — allgemeiner: ökonomische Organisationen — stellen wandlungsfähige Systeme dar. Sie können Schocks absorbieren, indem sie ihr Handeln und ihre internen Strukturen anpassen. Geht man davon aus, daß die interne Entwicklung in der Unternehmung sich im Kern in der Veränderung des Entscheidungsverhaltens manifestiert und daß sich dieses im Verhalten organisationaler Entscheidungsträger — etwa der Unternehmensführung — konzentriert, stellt sich die Frage nach einer dynamischen Theorie der Entwicklung der Organisation. Insbesondere Ansätze im Rahmen der behaviouristischen Organisationstheorie gehen sowohl auf das Entscheidungsverhalten des einzelnen Organisationsteilnehmers als auch auf den Prozeß der Zielbildung der Organisation ein, wobei insbesondere auch auf das Lernen der Organisation Bezug genommen wird. In dieser Tradition versteht sich der in der vorliegenden Arbeit vorgestellte Ansatz.
Jürgen Kumbartzki

Backmatter

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