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Über dieses Buch

Das Buch greift die Diskussion um Inklusion in den letzten Jahren in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Zusammenhängen kritisch auf. Ausgangspunkt der Betrachtung ist die Stadt und das urbane Zusammenleben. Denn insbesondere Städte und hier kompakte, also dichte und gemischte Quartiere bieten sich für die Inklusionsforschung und -praxis an, da sie adäquate Sozialräume darstellen, die das heute immer stärker urban geprägte Zusammenleben reflektieren und neu durchbuchstabieren. Vor diesem Hintergrund setzen sich die Autorinnen und Autoren empirisch und theoretisch mit der Frage nach der Gestaltung eines zukunftsorientierten und professionellen Referenzrahmens für eine inklusive und nachhaltige Stadtentwicklung auseinander, die auch einer weiter zunehmenden Mobilität und Diversität gerecht wird.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Die kompakte Stadt der Zukunft. Das Quartier als Referenzrahmen für eine nachhaltige, zukunftsorientierte Stadtgesellschaft

Zusammenfassung
Seit der Industrialisierung gab es nicht mehr einen so intensiven gesellschaftlichen Wandel wie heute. Das hat sehr viel mit einer völlig neuartigen technologischen Entwicklung zu tun, die auch eine ungewöhnlich intensive Globalisierungsphase eingeleitet hat. Es ist klar, dass beides eng miteinander verknüpft das Zusammenleben in vielerlei Hinsicht und ungewöhnlich stark verändert hat.
Wolf-D. Bukow, Nina Berding, Karin Cudak

Von der Stadtentwicklung zur Quartiersentwicklung

Frontmatter

Städtebau: Quartiere offen für Vielfalt

Zusammenfassung
Andreas Feldtkeller geht in seinem Aufsatz der Frage nach, warum es der Stadtplanung noch nicht gelungen ist, die von vielen Seiten betonte Bedeutung urbaner und kleinteiliger Mischung von Wohnen, Arbeiten und Leben umzusetzen. Entlang der Praxis des Städtebaus der letzten Jahrzehnte entfaltet der Autor seine Kritik am städtebaulichen Fordismus, der das städtische Zusammenleben nach dem ‚Leitbild‘ der siedlungsräumlichen Aufspaltung von Gebieten nach Funktionen geordnet hat, mit extremen Folgen für das gesellschaftliche Zusammenleben (Verkehrsprobleme, Segregationserscheinungen usw.). Die Stadtplanung hat es nach Sicht des Autors versäumt, aus den unterschiedlichen Siedlungsgebieten ‚urbane Kerne‘ anzulegen und damit die gestalt- und identifikationslose Zersiedelung verstärkt. Stattdessen fordert der Autor eine Neuausrichtung der Planung, die sich an dem Leitbild der ‚Kurzen Wege‘ und der Nutzungsmischung orientiert und eine Nach-Urbanisierung verstädterter Agglomerationen vorsieht. Für eine alltagstaugliche und integrative Stadt betrachtet es Feldtkeller als notwendig aus den vorhandenen dispersen Siedlungsstrukturen starke und attraktive Quartiere aufzubauen.
Andreas Feldtkeller

Aktuelle Herausforderungen der Stadtentwicklung – Was jetzt für die „Europäische Stadt“ auf der Tagesordnung steht. Eine Agenda für Politik und Gesetzgebung

Zusammenfassung
Folkert Kiepe setzt sich in seinem Aufsatz mit der Frage auseinander, ob das traditionsreiche Profil der Europäischen Stadt als geeignetes Leitbild dienen kann, um auf aktuelle Herausforderungen in den Städten, wie etwa dem zunehmenden demografischen und sozialen Wandel, adäquat und stadtverträglich reagieren zu können. Dafür analysiert Kiepe die Chancen und Probleme, die mit einer Orientierung am europäischen Stadtmodell einhergehen und kommt zu dem Ergebnis, dass insbesondere durch Deregulierungsprozesse in den Städten, sprich, der Verschiebung der historisch erwachsenen Selbstverwaltung der Städte hin zu einer stärkeren staatlichen Regulierung, die individuellen Entwicklungschancen der einzelnen Städte behindert werden. Er fordert eine revitalisierte und modernisierte Europäische Stadt, die sich durch eine autonome kommunale Verwaltung sowie bürgernahe und demokratische Strukturen auszeichnet.
Folkert Kiepe

Wandel der Urbanität. Die Wiederentdeckung des Quartiers als Raum glokal-gesellschaftlicher Wirklichkeit

Zusammenfassung
Wolf-D. Bukow befasst sich in seinem Aufsatz mit dem Wandel der Urbanität und hier mit der Wiederentdeckung des Quartiers als Raum glokaler gesellschaftlicher Wirklichkeit, also mit den aktuellen Prozessen des urbanen Zusammenlebens in einer diversitäts- und mobilitätsgeprägten Gesellschaft wie wir sie hier und heute vorfinden. Er setzt sich vor diesem Hintergrund mit der Frage auseinander, wie das Zusammenleben in Zukunft gestaltet sein kann und muss. Diese Frage stellt der Autor insbesondere vor dem Hintergrund der Tatsache, dass das durch zunehmende Diversität geprägte Zusammenleben immer wieder skandalisiert und problematisiert wird. Dieser problembehafteten Perspektive setzt der Autor jedoch die Geschichte der Stadtgesellschaft entgegen, die zeigt, dass Urbanität auf Mobilität und Diversität basiert und der Umgang damit eigentlich eine triviale Eigenschaft ist. Um die Eigenschaften und Fertigkeiten dieser urbanen Verhandlungspraxis in seiner Komplexität aufzugreifen und für die Gestaltung einer nachhaltigen und inklusiven Stadt nutzbar zu machen, schlägt Bukow vor, den Blick insbesondere auf das Quartier als kleinste emergente Einheit von Stadtgesellschaft zu lenken. Urbanität wird heute vom Quartier repräsentiert. Das Quartier ermöglicht die Anschaulichkeit und Erfassbarkeit, die für den urbanen Raum nicht nur seit je typisch war, sondern heute sogar entscheidend ist. Nicht ein durch Verwaltungsmaßnahmen erzeugter geografisch beliebig abgegrenzter Raum, sondern der durch das alltägliche Zusammenle-ben immer wieder neu realisierte, verdichtete und unmittelbar erfahrbare Raum bietet die für den Alltag als Fußabdruck einer globalen Wirklichkeit wichtigen Möglichkeiten für die Vielen als Viele. Deshalb plädiert der Autor dafür, das Quartier als einen Möglichkeitsraum zu nutzen und es zu einem Modell für eine zukunftsorientierte Stadtentwicklung zu machen.
Wolf-D. Bukow

Perspektiven auf das Zusammenleben im Quartier – Das Beispiel Düsseldorf Oberbilk

Zusammenfassung
Nina Berding stellt in ihrem Beitrag Ergebnisse ihrer ethnografischen Quartiersstudie in Düsseldorf-Oberbilk vor und zeigt, wie Vielfalt seitens der urbanen Öffentlichkeit kontextspezifisch verbesondert wird. Einerseits wird Vielfalt zum zentralen Leitbild der Stadt erklärt und zu Imagezwecken im positiven Sinne als urbanes Phänomen verbesondert. Andererseits wird Vielfalt aber genauso dafür eingesetzt, Anderes und Andere zu diskriminieren und zu stigmatisieren und damit im negativen Sinne zu verbesondern. Die zuvor so bunte Farbenpracht wird dann plötzlich zu einem bedrohlichen, unheilvollen Phänomen, wie die Autorin exemplarisch anhand der Situation der sogenannten Bewohnerschaft nordafrikanischer Herkunft in Oberbilk zeigt. Diesen Verbesonderungsprozessen setzt die Autorin schließlich den urbanen Alltag entgegen und bringt anhand von Interviewsequenzen mit Bewohner*innen des Stadtteils zum Ausdruck, wie Vielfalt im Sinne der Simmel’schen Blasiertheit pragmatisch und unspektakulär in das Alltagsleben integriert wird. Damit zeigt die Autorin überdeutlich, dass die Verbesonderung von Vielfalt ein Instrument des Ein- und Ausschlusses ist, welches völlig konträr zu den Alltagsrealitäten im Quartier eingesetzt wird.
Nina Berding

Third Places. Orte sozialer Inklusion im Kontext digitaler Kommunikation und Kommerzialisierung öffentlicher Räume

Zusammenfassung
Sabine Meier diskutiert in ihrem Beitrag, welche Rahmenbedingungen notwendig sind, um soziale Inklusion in öffentlichen Stadträumen zu fördern. These des Aufsatzes ist, dass strukturelle Rahmenbedingungen wie Kommerzialisierung, Privatisierung und digitale Kommunikation nicht nur die öffentlichen Stadträume selbst verändern, sondern auch die sozialen Situationen, die dort entstehen (können). In Anlehnung an Goffman, wird soziale Situation als eine Handlungseinheit begriffen, die räumlich und zeitlich begrenzt ist, einen bestimmten Ablauf kennt und an der mindestens zwei Akteure beteiligt sind, die zentriert oder nicht-zentriert miteinander interagieren. Die Autorin illustriert den Zusammenhang zwischen Rahmenbedingungen und sozialen Situationen in öffentlichen Räumen durch einen gut funktionierenden Third Place in Rotterdam. Der Rotterdamer Lesesaal ist ein zentral gelegener, multifunktioneller Ort, an dem Bücher kostenlos ausgeliehen, hingestellt oder gelesen werden können. Daneben fungiert er als außerschulischer Bildungsort und niedrigschwelliger Treffpunkt, an dem bedingungsloser Aufenthalt möglich ist. Der Lesesaal ist ein Third Place, also ein dritter Ort, der neben der eigenen Wohnung (erster Ort) und des Arbeitsplatzes (zweiter Ort) regelmäßig durch diverse Stadtbewohner und Stadtbewohnerinnen angeeignet wird. Er wirkt vor allem sozial inklusiv, weil dort zweckfreie Kommunikation und eine anerkannte Gleichzeitigkeit von diversen sozialen Atmosphären dauerhaft realisiert wird. Außerdem wird dort Raum für urbane Erfahrungen geschaffen, ohne die Erfahrung von Diversität und Komplexität im urbanen Alltag reduzieren oder ausschließen zu wollen.
Sabine Meier

Willkommene Flüchtlinge, ungeliebte Nachbarn

Zusammenfassung
Frank Eckardt untersucht in seinem Beitrag die changierenden und polarisierten Diskurse rund um die Figur des Flüchlings als Willkommener bis hin zum ungeliebten Nachbarn. Ausgangspunkt seiner Beobachtungen ist die Willkommenskultur rund um die Fluchtbewegung wie sie im Jahr 2015 in Deutschland unverkennbar wurde, die sich jedoch allmählich in Angst und Besorgnis einzelner Bürger*innen und Bürgerinitiativen transformierte. Dafür rekapituliert Eckardt zunächst einzelne Nachbarschaftsbegriffe und setzt sie in Beziehung zu den damit verbundenen Vorstellungen des urbanen Zusammenlebens. Angenommen wird, dass sich Stadtgesellschaften derzeit in einem Veränderungsprozess befinden: Aneignungsprozesse des urbanen Raums, wie sie etwa in den erstarkenden Anti-Asyl-Positionen zu erkennen sind, fänden verstärkt vergemeinschaftend, gleichzeitig aber „ortlos“ (u. a. medial und virtuell) statt. Der Begriff des Nachbarn berge dennoch weiterhin, dies wird im letzten Abschnitt diskutiert, Potenziale für das urbane Zusammenleben.
Frank Eckardt

Das Quartier als Experimentierwelt einer inklusiven Stadt

Zusammenfassung
Erol Yildiz fordert in seinem Beitrag seitens der Forschung, insbesondere der Bildungswissenschaft und denen mit dieser in enger Verbindung stehenden Institutionen wie der Schule, in Anlehnung an Edward Said, einen kontrapunktischen Blick auf Migration, Stadt und Diversität einzunehmen und sich von hegemonialen Deutungsmustern gegenüber denselben zu distanzieren. Schlaglichtmäßig rekapituliert Yildiz die Stadt- und Quartiers- als Migrationsgeschichte und plausibilisiert seine Ausführungen entlang des diversitäts- und migrationsgeprägten Stadtteils St. Nikolaus in der Tiroler Stadt Innsbruck, zu dem Yildiz Stimmen der Bewohner*innen zitiert. Diese Stimmen sind dann ein diametral entgegengesetzter Ausdruck dazu, was die problemorientierten Sichtweisen und Perspektiven seitens zahlreicher öffentlich-medialer Darstellungen auf marginalisierte Stadtteile, Diversität und Migration suggerieren und bringen zum Ausdruck, wie der öffentlich-urbane Diskurs am Alltagsleben und der Lebenswirklichkeit der Bewohner*innen im Quartier vorbeigeht
Erol Yildiz

Akteure in der Inclusive City

Frontmatter

Globalisierte Biografien an globalisierten Orten und wie eingewanderte ‚Roma‘-Kinder und -Jugendliche in Stadt und Schule aufgenommen werden

Zusammenfassung
Karin Cudak fordert in ihrem Beitrag eine zunehmende Öffnung des Bildungssystems und der Kommunen gegenüber der gesamtgesellschaftlich zunehmenden Mobilität und Diversität. Entlang des Mobilitätsformats ‚Einwanderung aus Südosteuropa‘ entfaltet die Autorin den institutionellen und kommunalen Umgang mit Diversität und zeigt, dass insbesondere soziale Minderheiten auf kommunale und institutionelle Schließungstendenzen stoßen. Die Autorin verdeutlicht diesen Zusammenhang am Beispiel der Situation von Newcomer*innen aus Südosteuropa, deren Ortsverlagerung mitunter als ‚Armutsmigration‘ und damit als Herausforderung und Belastung für die Gesellschaft gedeutet und diesem Bild entsprechend in institutionelle und kommunale Strukturen und schließlich in den Alltag eingeebnet wird. Die von der Autorin zitierten Interviewausschnitte verdeutlichen einprägsam, welche Folgen es für Newcomer*innen hat, wenn die unterschiedlichen Lebensentwürfe ignoriert und anhand nationaler und ethnischer Diskurslinien verhandelt werden. Auf diese Weise erhalten sie nie die Chance, sich frei von stigmatisierenden und antiziganistischen Abwertungen in der Schule, im Quartier und damit in der Gesellschaft zu positionieren.
Karin Cudak

Inklusive Bildungsförderung im öffentlichen Raum – Evaluation einer migrations-pädagogisch orientierten Spiel.Raum-Konzeption für den Stadtteil Jungbusch/Mannheim

Zusammenfassung
Susanne Lang, Michael Scheuermann und Trixi Jansen stellen ihr BaMF-gefördertes, migrationspädagogisch und an der offenen Kinder- und Jugendarbeit orientiertes Projekt „Chancen in der ‘Arrival City’ – Spielplatzbeobachtungen“ vor. Durchgeführt wird dieses seit Ende 2013 im Mannheimer Stadtteil Jungbusch auf einem zentralen Spiel- und Aufenthaltsplatz. Im Zentrum des Projektes steht die Bildungsförderung auf diesem Platz. Insbesondere sollen mittels des Projektes Kinder und Jugendliche aus Bulgarien und Rumänien auf spielerische, non-formale und informelle Weise (Bewegungs-, Kultur-/Kunst und Medienspiele) erreicht werden. Das Projekt soll nicht zuletzt post-migrantisch und ent-ethnisierend auf das Zusammenleben im Stadtteil Einfluss nehmen. Insofern positioniert sich das Projekt kritisch gegenüber dem skandalisierenden öffentlich-medialen Diskurs, der rund um die Einwanderung aus den neuen EU-Mitgliedstaaten Bulgarien und Rumänien verlautbart wurde und in Mannheim-Jungbusch eine stigmatisierende, ausgrenzende und übergriffige Wirkung gegenüber den Newcomer*innen entfaltet. Einige Beispiele greift der Text davon auf und stellt diesen lebensweltlich-orientierte Alltagswirklichkeit im Quartier gegenüber, in der es um kindliche und jugendliche Bedürfnisse geht (das Bedürfnis, sich künstlerisch auszudrücken, sich zu bewegen, mit anderen zu spielen etc.) und um die Belange und Erfordernisse einer verstetigten offenen Kinder- und Jugendarbeit.
Susanne Lang, Michael Scheuermann, Trixi Jansen

Inklusive Korrektive im Quartier: ein Edukatives Quartierszentrum am Beispiel der Heliosschule – »Inklusive Universitätsschule der Stadt Köln«

Zusammenfassung
Schirin Cavallaro, Jutta Elsässer, Anne Laura Franke, Robert Kamp, Silke Kargl, Christina Sauer, Frieder Schumann, Lisa Stemmler veranschaulichen in ihrem Beitrag anhand des Projekts der »Inklusiven Universitätsschule der Stadt Köln« (IUS), wie Schulen zu einem kompakten und sozialen inklusiven Zentrum im Quartier heranwachsen können und dabei schulische und außerschulische Lernorte sowie das umliegende Quartier Köln-Ehrenfeld unter dem Aspekt der Inklusion zusammenbringen. Die Autor_innen zeigen, dass sich inklusive Korrektive in der Schule konzipieren und gestalten lassen, die sich wiederum als nachhaltige inklusive Praxen in der gesamten Quartiersgesellschaft verfestigen und darüber hinaus wirken. In den konkreten Praxen gelingt es erstens aufeinander Rücksicht zu nehmen und sich zweitens mit bestimmten Anliegen der anderen Menschen bzw. Gruppen zu solidarisieren und vorherrschende Normen und Differenzlinien zu dekonstruieren. Dabei tragen die unterschiedlichen Individuen und Gemeinschaften, die sie bilden, Verantwortung dafür, exkludierende und exklusive Strukturen zu korrigieren, Barrieren abzubauen und inklusive Prozesse unter dem demokratischen Paradigma für alle zugänglich zu machen. In Kooperation mit Initiativen aus dem Kultur-, Bildungs- und Sozialbereich in Köln Ehrenfeld wird die inklusive Schule schließlich zu einem Sozialraum, der das umliegende Quartier als eine Art gemeinsamen Lernort festigt.
Schirin Cavallaro, Jutta Elsässer, Anne Laura Franke, Robert Kamp, Silke Kargl, Christina Sauer, Frieder Schumann, Lisa Stemmler

Gesetze brauchen Menschlichkeit – Teilhabechancen werden in den Rathäusern gegeben oder verwehrt

Zusammenfassung
Sybille Haußmann legt in ihrem Beitrag ihre langjährigen Erfahrungen als Vertreterin der Kommunalverwaltung in NRW offen und verdeutlicht anhand von Beispielen, wie sehr die Frage von Partizipation vor Ort in jeder Stadt oder Gemeinde durch Behördenhandeln und kommunale Entscheidungsträger beeinflusst wird. Beleuchtet wird dabei, wie kommunale Initiativen innerhalb einer Kommune ihre Wirkungen entfalten und Inklusions- und Partizipationschancen ermöglichen. Dabei zeichnet die Autorin ein zwiespältiges Bild, was einerseits die Reichweite kommunalen Handelns und andererseits den Umgang seitens der Öffentlichkeit mit den Behördenpraktiken angeht. Zwar hängt es maßgeblich von kommunalen Entscheidungsträgern ab, wie Vielfalt in der Stadt gestaltet und gemanagt und inwieweit ein inklusives und nachhaltiges Zusammenleben gefördert wird. Gleichwohl wird jedoch den Bemühungen der Kommunalvertreterinnen und Kommunalvertreter und den Handlungsspielräumen von Verwaltungen und Kommunalpolitik in öffentlichen und wissenschaftlichen Diskursen kaum Beachtung geschenkt.
Sybille Haußmann

Die soziale Mischung im Quartier – ein Garant für soziale Inklusion und für die Schaffung sozialer Stabilität benachteiligter Bevölkerungsgruppen?

Zusammenfassung
Der Beitrag von Verena Texier-Ast stellt Ergebnisse einer Fallstudie (Datenerhebung 2015) zu Maßnahmen zur Umsetzung „sozialer Mischung“ am Beispiel des Münchener Neubaugebiets Ackermannbogen, ein ehemaliges Kasernengelände, dar. Im Anschluss an eine Rekapitulation der zugrunde liegenden theoretischen Diskussionen zu sozialer Mischung, werden unterschiedliche Wege zur Wohnungsbauförderung unter eben diesem Aspekt präsentiert und entlang des Münchener Modells veranschaulicht. Der Beitrag präsentiert schließlich Ergebnisse einer sozialen Netzwerkanalyse der Bewohner*innen im Ackermannbogen aus sozial geförderten Wohnungen (N = 45 Haushalte) und zusätzlich 16 damit verknüpfte Leitfadeninterviews. Dabei werden Netzwerke bzw. Kontakte unterschieden, die eine sozial stabilisierende Wirkung haben, weil sie einen größeren sozial-räumlichen Wirkradius entfalten, und solche, die sozial weniger stabilisierend wirken, weil sie lediglich klein-räumlich wirken und sozial relativ homogen sind. Im Ergebnis der Studie stehen die ergriffenen Versuche in München im untersuchten Quartier, soziale Mischung mittels Wohnungsbauförderung zu erreichen, in einem kritischeren Licht – nicht zuletzt da das Quartier nicht primär als dicht-gemischtes angelegt worden ist. Stattdessen werden lebensweltlich bedeutsame Einrichtungen wie Kindertagesstätten als sozial mischende Kontaktpools von der Autorin heraus gearbeitet, die es sich lohne, weiter in dieser Hinsicht zu erforschen.
Verena Texier-Ast

Wie kann eine kooperative Koordination kommunaler Integrationsnetzwerke gelingen?

Zusammenfassung
Rahim Hajji geht in seinem Beitrag der Frage nach, unter welchen Kontextbedingungen Integrationskoordinator*innen agieren und welche Strategien und Folgen sich daraus für die Initiierung von Integrationsprojekten ergeben. Nach einer Einführung in die zugrunde liegende theoretische Diskussion zur Integrationspolitik und Integrationsnetzwerken, stellt der Autor exemplarisch Ergebnisse aus seinen problemzentrierten Interviews mit Integrationskoordinator*innen vor. Die Daten zeigen, dass der Zusammenhang zwischen Integrationskoordinator*innen und dem Führen eines kommunalen Netzwerks komplex sind. Integrationskoordinator*innen können mit einer wertschätzenden Netzwerkführung dazu beitragen, dass die Akteure produktiv eingebunden werden, sodass das kommunale Netzwerk für Integration wächst und eine Vielzahl von Integrationsprojekten initiiert werden können. In der Forschung von Hajji wird aber noch etwas anders deutlich: Institutionalisierte „Integrationskoordinatoren“ agieren stark selbstreferenziell und äußern zeitweise eine regelrechte Orientierungslosigkeit hinsichtlich ihres Handelns (wer nun eigentlich in was „integriert“ soll). Über diese artikulierte Orientierungslosigkeit könnte „Integration“ kaum schöner als inhaltsleeres Konstrukt, das sich lediglich auf Fiktionen bezieht, entlarvt werden; damit zeigt sich hier deutlich, wie Integration an den Erfordernissen einer metropolitanen Stadtgesellschaft vorbei geht.
Rahim Hajji

Inklusive Quartiere – Optionen intermediären Quartiermanagements zur Gestaltung des demografischen Wandels

Zusammenfassung
Michael Noack legt seine Erfahrungen als Quartiermanager offen, die er in einem vom Deutschen Hilfswerk (DHW) geförderten Quartierprojekt gesammelt hat. Er diskutiert Quartiermanagement als Instrument für die inklusive Quartierentwicklung. Dabei konzentriert er sich auf theoretischer Ebene, angelehnt an Durkheims Überlegungen zur Intermediarität, auf die Vielzahl an Akteur*innen im Quartier, die im möglichst gleichberechtigten Dialog Inklusionsprozesse einleiten könn(t)en. Der Autor beschreibt dann aber entlang seiner tatsächlichen Erfahrungen mit den unterschiedlichen Akteur*innen im Quartier, wie schnell das Projekt in der Praxis dann auf Schließungstendenzen bezüglich gleichberechtigter Mitgestaltungsmöglichkeiten stößt. Darauf aufbauend stellt der Autor das Modell der aktivierenden Befragung vor. Er diskutiert die Möglichkeiten und Grenzen, im Rahmen aufsuchender Haustürgespräche mit Bewohnern aus unterschiedlichen Milieus in Kontakt zu kommen. Mittels der Ergebnisdarstellung der „aktivierenden Befragung“ deckt Noack auch „lokale Verteilungskämpfe“ zwischen verschiedenen Bewohner*innenmilieus im Quartier auf. Damit greift der Autor die Diskussion um integrierte Stadt(-teil-)entwicklung auf, die schon in den 1960er Jahren entstand, und er skizziert ihre Transformationen bis heute, die nun viel stärker projekt- und handlungsorientiert aufgestellt ist (und eben weniger ‚große‘ Ziele (Verteilungsgerechtigkeit etc.) verfolgt, wie sie etwa noch durch erste Gehversuche des Programms ‚Soziale Stadt‘ verfolgt wurden, und in dieser Struktur auch kaum noch imstande ist, solche zu verfolgen).
Michael Noack

Inklusion von Bedürftigen durch Essenstafeln? Kritische Perspektiven auf sozialräumliche Inklusion im gewandelten Wohlfahrtsstaat

Zusammenfassung
Lars Meier und Frank Sowa gehen in ihrem Beitrag der Frage nach, wie Essentafeln zur sozialen Inklusion von bedürftigen Bevölkerungsgruppen im Nahraum beitragen und sich zu einem sozialen Treffpunkt entwickeln können, der Begegnungen zwischen zunächst fremden und unverbundenen Gruppen ermöglicht. Nach einer Einführung in die zugrunde liegende theoretische Diskussion zu Inklusions- und Exklusionsprozessen rekapitulieren die Autoren die Entwicklung der Tafelarbeit der letzten Jahre und beschreiben, dass vor allem in städtischen Gebieten eine enorme Expansion der Ausgabestellen zu verzeichnen ist, was letztlich zu Veränderungen in den Organisationsstrukturen der Tafelarbeit führt(e). Dies hat problematische Implikationen für alle beteiligten Personen, wie die Autoren anhand von Interviewausschnitten mit ehrenamtlich Helfenden und dem Leitungspersonal von Essenstafeln in der Region Nürnberg zeigen. Die Tafelmitarbeiterinnen befinden sich in einem stetigen Spannungsverhältnis zwischen organisationsinternen Abläufen und dem praktischen Tafelbetrieb, was schließlich zu Kommunikationsschwierigkeiten untereinander führt, die letztlich die inklusionsfördernden Prozesse hemmen.
Lars Meier, Frank Sowa
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