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„Die Komplexität des EU AI Acts sorgt für Unsicherheit“

  • 01.03.2025
  • Special
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Im Interview geht Christian Kirschniak, Managing Director und Partner bei der Boston Consulting Group, der Frage auf den Grund, warum es vielen deutschen Unternehmen schwerfällt, im Bereich „Künstliche Intelligenz“ Fuß zu fassen, und sie damit im weltweiten Vergleich hinterherhinken.
Christian Kirschniak verfügt über mehr als 20 Jahre Beratungserfahrung in den Bereichen „Digitalisierung“ und „Technologie“ für die verschiedensten Branchen - vom Gesundheitswesen über Konsumgüter bis hin zu Telekommunikation. Sein Schwerpunkt liegt dabei stets auf Künstlicher Intelligenz, digitaler Führung und datengetriebenen Transformationsprogrammen. (© Boston Consulting Group)
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Herr Kirschniak, wie gestaltet sich die derzeitige europäische KI-Landschaft?
Die EU legt einen starken Fokus auf vertrauenswürdige und ethische Künstliche Intelligenz (KI) und verfolgt mit Initiativen wie dem EU AI Act eine Vorreiterrolle in der Regulierung. Dadurch soll sichergestellt werden, dass KI-Lösungen transparent, sicher und menschenzentriert gestaltet werden. Durch diverse Förderprogramme haben sich zwar ernstzunehmende Anbieter von KI-Lösungen im Markt etabliert, dennoch bleibt Europa im internationalen Vergleich hinter den USA zurück, insbesondere was die kommerzielle Nutzung und Skalierung von KI betrifft. Hier dominieren die US-Hyperscaler und Unternehmen wie OpenAI, die durch massive Investitionen und starke Netzwerke deutlich schneller Innovationen auf den Markt bringen.
Welchen Stellenwert besitzen insbesondere deutsche Unternehmen global gesehen im Bereich „Künstliche Intelligenz“?
Deutschland verfügt zwar über einige interessante Marktteilnehmer, steht hier jedoch gleichzeitig vor großen Herausforderungen. Eine zentrale Hürde ist die unzureichende Rechenzentrumskapazität, die speziell für KI ausgelegt ist. Während in den USA Unternehmen wie Nvidia mit leistungsstarken GPU-Architekturen die Grundlage für KI-Innovationen schaffen, hinkt Europa, insbesondere Deutschland, in der Infrastruktur deutlich hinterher. Hinzu kommen rechtliche Einschränkungen, die die Etablierung bestimmter KI-Dienste erschweren.
Woran hapert es bei vielen hiesigen Unternehmen noch, im Bereich „KI“ Fuß zu fassen?
Die Akzeptanz von Künstlicher Intelligenz ist in deutschen Unternehmen mittlerweile stark gewachsen. Durch Tools wie ChatGPT wurde vielen bewusst, welches Effizienzpotenzial KI bietet. Allerdings gibt es noch deutliche Unterschiede bei der Tiefe der Integration von KI-Technologien in Unternehmensprozesse. Während analytische Verfahren und „klassische“ KI-Ansätze in vielen Unternehmen erfolgreich eingesetzt werden, zeigt sich bei generativer Künstlicher Intelligenz ein anderes Bild: Diese wird zwar häufig von Mitarbeitern genutzt, jedoch noch ohne eine klare Strategie oder unternehmensweite Orchestrierung. So wird der volle Mehrwert der Technologie nicht ausgeschöpft. Verstärkt wird dies durch die in Deutschland oft vorherrschende Skepsis, groß angelegte Transformationen anzugehen - welche jedoch notwendig wären, um Künstliche Intelligenz durchgängig in End-to-End-Prozessen zu etablieren.
Was sind die Herausforderungen bei der Implementierung des EU AI Acts?
Ähnlich wie bei der Einführung der europäischen Datenschutz-Grundverordnung sorgt die Komplexität der Regelungen des EU AI Acts vor allem bei mittelständischen Unternehmen für Unsicherheit. Vielen Unternehmen ist nicht klar, welche Maßnahmen sie ergreifen müssen, um den Anforderungen zu entsprechen. Das führt zu Skepsis und einer zurückhaltenden Herangehensweise an den Einsatz neuer Technologien. Zudem erfordert die Implementierung des EU AI Acts umfangreiche Dokumentations- und Prüfprozesse. Für viele Unternehmen stellt dies eine erhebliche administrative und finanzielle Belastung dar und könnte deshalb als Innovationsbremse wahrgenommen werden.
Interview: Lea Sommerhäuser

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Titel
„Die Komplexität des EU AI Acts sorgt für Unsicherheit“
Verfasst von
Lea Sommerhäuser
Publikationsdatum
01.03.2025
Verlag
Springer Fachmedien Wiesbaden
Erschienen in
IT-Director / Ausgabe 3/2025
Print ISSN: 3005-1363
Elektronische ISSN: 3005-1371
DOI
https://doi.org/10.1007/s44380-025-0204-6
    Bildnachweise
    Christian Kirschniak/© Boston Consulting Group, AvePoint Deutschland GmbH/© AvePoint Deutschland GmbH, ams.solutions GmbH/© ams.solutions GmbH, Wildix/© Wildix, arvato Systems GmbH/© arvato Systems GmbH, Ninox Software GmbH/© Ninox Software GmbH, Nagarro GmbH/© Nagarro GmbH, GWS mbH/© GWS mbH, CELONIS Labs GmbH, USU GmbH/© USU GmbH, G Data CyberDefense/© G Data CyberDefense, Vendosoft/© Vendosoft, Kumavision/© Kumavision, Noriis Network AG/© Noriis Network AG, tts GmbH/© tts GmbH, Asseco Solutions AG/© Asseco Solutions AG, AFB Gemeinnützige GmbH/© AFB Gemeinnützige GmbH, Ferrari electronic AG/© Ferrari electronic AG, Doxee AT GmbH/© Doxee AT GmbH , Haufe Group SE/© Haufe Group SE, NTT Data/© NTT Data, Bild 1 Verspätete Verkaufsaufträge (Sage-Advertorial 3/2026)/© Sage, IT-Director und IT-Mittelstand: Ihre Webinar-Matineen in 2025 und 2026/© amgun | Getty Images