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Über dieses Buch

​Die Frage nach einer „Moralisierung“ der Märkte greift in der wissenschaftlichen, aber auch öffentlichen Diskussion derzeit breit um sich. Beschränkte sich die Diskussion lange Zeit auf die Bereiche des Konsums, ist neuerdings sogar die Rede von einer „Moralisierung“ der Finanzmärkte. Nur: Haben wir es hier tatsächlich mit einer „Moralisierung“ der Märkte zu tun oder nicht eher mit einem analytisch unscharfen Verständnis von „Ökonomie“ und „Moral“? Die Arbeit greift diese Frage auf und entwickelt zunächst ein sozialkonstruktivistisch informiertes Verständnis von „moralischem“ Handeln. Mit Hilfe einer empirischen Fallstudie zum Selbstverständnis „nachhaltiger“ Aktieninvestoren prüft und analysiert sie sodann die Anlagepraxis jener Finanzinvestoren, die gemäß ihres kommunizierten Selbstverständnisses nicht nur ihren Renditezielen Rechnung tragen, sondern ebenfalls ihrer gesellschaftlichen Verantwortung als Aktionäre.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Zusammenfassung
Schenkt man der in der einschlägigen Wirtschaftspresse kommunizierten Einschätzung der Finanzcommunity Glauben, dann entwickelt sich jüngst in Kritik an der zunehmenden Finanzmarktorientierung in deutschen Aktiengesellschaften eine Bewegung, die sich als eine „Moralisierung“ der Finanzmärkte bezeichnen lässt (z. B. handelsblatt-nachhaltigkeit.de, http://green.wiwo.de). Gemeint sind damit „nachhaltige“ Anlageprodukte, die in ihrer Investmententscheidung nicht nur finanzielle Renditeziele berücksichtigen, sondern ebenfalls ökologischen und sozialen Anlagekriterien Rechnung tragen. Von Interesse sind in vorliegender Arbeit nun insbesondere die „sozialen“ Nachhaltigkeitskritierien, da mit diesen der Anspruch verbunden ist, die Interessen aller an einem Unternehmen beteiligten Anspruchsgruppen („stakeholder“) zu berücksichtigen. Konkret schlagen sich diese „sozialen“ Anlagekriterien beispielsweise nieder in Fragen nach der Arbeitsplatzsicherheit, dem Umfang der betrieblichen Sozialleistungen oder der Gewährleistung einer ausgewogenen Work-Life-Balance in den investierten Unternehmen.
Eva-Maria Walker

2. Die zunehmende Finanzmarktorientierung in der deutschen Wirtschaftsordnung

Zusammenfassung
Wenn gemeinhin nun die These von einer „Moralisierung“ der Finanzmärkte vertreten und argumentiert wird, dass sich nicht nur Konsumenten auf Produktmärkten in ihren wirtschaftlichen Entscheidungen von moralischen Prinzipien leiten lassen, sondern auch Investoren auf Finanzmärkten, dann müssen wir vorab erst einmal die Ausgangsbedingungen klären und prüfen, wie es zu einer „De-Moralisierung“ in der deutschen Wirtschaftsordnung kommen konnte, was damit begrifflich gemeint ist und auf welchen Ebenen diese stattgefunden hat.
Eva-Maria Walker

3. Die Finanzmarktorientierung in der Unternehmensorganisation und die Folgen für Prozesse „organisationalen Lernens“

Zusammenfassung
Während wir im vergangenen Abschnitt die zunehmende Kapitalmarktorientierung auf der Ebene der gesamten Wirtschaftsordnung in den Blick genommen haben, schärfen wir jetzt unseren Blick für die konkrete Situation der Unternehmensorganisation. Wir fragen hier zunächst, welche Erwartungen Finanzinvestoren an die Gestaltung einer optimalen Unternehmensorganisation formulieren und prüfen dann, welche Konsequenzen hieraus für Prozesse „organisationalen Lernens“ folgen. Warum sind Prozesse „organisationalen Lernens“ aber aus Unternehmenssicht überhaupt relevant?
Eva-Maria Walker

4. Die Moralisierung der Finanzmärkte als eine Kritik der zunehmenden Finanzmarktorientierung? Die theoretische Debatte

Zusammenfassung
Folgt man einer breiten Einschätzung in der Finanzcommunity von Finanzconsultants, Investmentbanken und Ratingagenturen bis hin zu Investment-, aber auch Verbraucherschutzverbänden, dann scheint die zunehmende Finanzmarktorientierung derzeit durch eine Gegenbewegung herausgefordert zu werden: nämlich durch „nachhaltige“ Anlageformen, die die Interessen aller an einem Unternehmen beteiligten Anspruchsgruppen („stakeholder“) im Blick haben. So zeichnen sich „nachhaltige“ Anlageformen dadurch aus, dass sie nicht nur finanzielle Anlageziele verfolgen, sondern ebenfalls ökologische und soziale Anlagekriterien in ihrer Investmententscheidung berücksichtigen. Diese schlagen sich sowohl in Ausschlusskriterien nieder, die Unternehmen mit einer kontroversen Unternehmensstrategie (z. B. Kinderarbeit) vom Investment ausschließen als auch dem sogenannten „Nachhaltigkeitsrating“, bei dem die Unternehmen mit Blick auf ihre ökologischen und sozialen Strategien gerankt werden. In der öffentlichen Debatte besonders prominent verhandelt werden hier „soziale“ Kriterien wie beispielsweise Arbeitsplatzsicherheit, betriebliche Sozialleistungen oder die Gewährleistung einer ausgewogenen Work-Life-Balance. In Kritik zur „Shareholder Value“-Orientierung konventioneller Anlageformen ist daher auch von einer „Stakeholder“-Orientierung „nachhaltiger“ Anlageformen die Rede.
Eva-Maria Walker

5. Die Moralisierung der Finanzmärkte als eine Kritik der zunehmenden Finanzmarktorientierung? Die empirische Analyse

Zusammenfassung
Wir haben im vergangenen Abschnitt darauf verwiesen, dass sich in Kritik an den kurzfristigen Verzinsungsinteressen der Kapitalmarktakteure jüngst eine Debatte um das Verhältnis von „Wirtschaft“ und „Moral“ entsponnen hat. Zugrunde liegt dieser Debatte die Annahme, dass durch wirtschaftliches Handeln eine „moralische Gemeinschaft“ respektive eine „nachhaltige“ Wirtschaft etabliert werden kann. Problematisch sind die hier entworfenen Szenarien meines Erachtens aber deshalb, da die den Argumentationen zugrunde liegenden Moralverständnisse tautologisch sind oder den Moralbegriff funktionalistisch verkürzen. Mit Blick auf die empirische Frage, ob Märkte „moralische“ Gemeinschaften erschaffen können, sind diese folglich wenig trennscharf. Wir haben daher vorgeschlagen, für die Analyse „nachhaltiger“ Wirtschaftsformen ein sozial-konstruktivistisches Handlungsverständnis zugrunde zu legen, das die wechselseitigen Konstitutionsverhältnisse zwischen subjektivem Sinn und gesellschaftlich konventionalisiertem Sinn in den Blick nimmt. Damit kann nicht nur den historisch und sozial spezifischen Bedingungsverhältnissen von „Moral“ und dessen Wandel Rechnung getragen werden, sondern auch der strukturell bedingten Machtasymmetrie kapitalistischer Wirtschaftsordnungen.
Eva-Maria Walker

6. Zusammenfassung der Ergebnisse und Fazit

Zusammenfassung
Wenn wir nach Durchsicht der empirischen Befunde zu den Begründungsordnungen „nachhaltiger“ Finanzinvestoren nun zu einer eher skeptischen Einschätzung einer „Moralisierung“ der (Kapital-)Märkte gelangt sind und in der Annahme gehen, es handelt sich hierbei eher um eine Fiktion, so vor allem deshalb, weil das analytische Verständnis von „Moral“ in der bestehenden Moralisierungsdebatte m. E. als unscharf bezeichnet werden muss.
Eva-Maria Walker

7. Anhang

Zusammenfassung
Anhang 1: Übersicht über die Anteilseigner der DAX30-Unternehmen (Stand: März 2013)
Eva-Maria Walker

Backmatter

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