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Über dieses Buch

Die Corona-Pandemie hat uns eindringlich gezeigt: Ethische Fragen werden in der Ökonomie immer wichtiger. Der Lockdown zum gesundheitlichen Schutz der Bevölkerung hat die ökonomischen Aktivitäten notwendigerweise mehrheitlich heruntergefahren. Die Gesundheit der Bevölkerung musste gegen das ökonomische Wohl abgewogen werden. Bereits vor der Corona-Krise war die moderne Ökonomie zunehmend mit wirtschaftsethischen Problemen beschäftigt: Die stärkere Verzahnung von Ökonomie und Ökologie, die zunehmende Ungleichheit innerhalb der Bevölkerung und zwischen den Ländern, die Folgen der Globalisierung und jüngst der Digitalisierung. Nachdem Detlef Pietsch in seinen letzten beiden Büchern „Eine Reise durch die Ökonomie“ und „Prinzipien moderner Ökonomie“ die vergangenen und aktuellen ökonomischen Herausforderungen erläutert hat, diskutiert er nun die drängendsten wirtschaftsethischen Fragestellungen. Dabei werden die wesentlichen ethischen Theorien der Vergangenheit als Grundlage zur Einschätzung wirtschaftsethischer Aktivitäten allgemeinverständlich aufbereitet.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung: Warum Ökonomie ohne Moral wertlos ist

Zusammenfassung
Die Corona-Pandemie hat es deutlich aufgezeigt: Ethische Themen werden in der Ökonomie immer drängender. Wurden aufgrund des Lockdowns zum gesundheitlichen Schutz der Bevölkerung fast alle ökonomischen Aktivitäten heruntergefahren, musste später die Wirtschaft mehrheitlich durch den Staat gerettet werden. Die Gesundheit der Bevölkerung und das ökonomische Wohl mussten in einem ethisch fordernden Prozess von den Verantwortlichen gegeneinander abgewogen werden. Diese aktuelle ethischen Herausforderung für die Ökonomie kam noch zusätzlich zu den bereits existierenden wirtschaftsethischen Fragen: Wie stellen wir uns die Verzahnung von Ökonomie und Ökologie vor? Die Jugend mahnt zurecht an, dass wir sofort, konsequent und planvoll handeln müssen, um die Klimakatastrophe abzuwenden. Welche Antworten haben wir auf die zunehmende Ungleichheit der Einkommen und Vermögen? Wie steht es um die viel beschworene Chancengerechtigkeit? Gibt es diese überhaupt? Sind wir wirklich alle Gewinner der Globalisierung und der Digitalisierung? Und schließlich: Ist das kapitalistische System der Sozialen Marktwirtschaft tatsächlich so sozial wie wir alle glauben oder müssen wir hier nicht deutlich nachschärfen? Alle diese Fragen sind ethische Aspekte einer Ökonomie, die im Idealfall uns allen dient und in der wir Menschen im Mittelpunkt stehen.
Detlef Pietsch

2. Ökonomie und Ethik: Wie passt das zusammen?

Zusammenfassung
Ökonomie und Ethik passen eigentlich gar nicht zusammen, könnte man meinen: Die Ökonomie mit ihrem Homo oeconomicus als rationalen, egoistischen Nutzenmaximierer strebt permanent nach Effizienz und Optimierung. Der Wettbewerb um die beste Lösung für den Kunden zwingt zum Ellenbogendenken und der ständigen Suche nach Perfektion. Die Maximierung des Gewinns ist in der Ökonomie das oberste Prinzip. Die Ethik dagegen befasst sich mit Themen der Moral, des idealen Verhaltens und Zusammenlebens der Menschen untereinander. Der Mensch als soziales Wesen muss sich an Regeln halten, Solidarität und Hilfsbereitschaft zeigen und ist dem Gemeinwohl aller verpflichtet. Dabei spielt es keine Rolle, ob ethisches Verhalten aus der Tugend, dem Mitgefühl oder einer inneren Verpflichtung heraus resultiert. Beide Positionen, die ökonomische und die ethische, passen von ihrer Wesensart so gar nicht zusammen. Und doch kann und muss eine gleichrangige Beziehung von beiden Bereichen möglich sein: Ohne die Ethik und moralisches Verhalten endet die Ökonomie im Nichts. Korruption, Kinderarbeit, Diskriminierung, Mobbing, Handel mit Waffen oder Casinomentalität an den internationalen Börsen etc. können die Folge sein. Ein gedeihliches Zusammenwirken von Ökonomie und Ethik „auf Augenhöhe“ ist also zwingend geboten.
Detlef Pietsch

3. Eine kurze Geschichte der Ethik

Zusammenfassung
Wer die ethische Diskussion von heute verstehen will, kommt zumindest an einer kurzen Geschichte der ethischen Ideen nicht vorbei. Es gab in der Vergangenheit viele herausragende Denker vor allem der Philosophie, deren praktischem Teil die Ethik traditionell angehört. Ein Teil von ihnen wird hier in aller Kürze Gehör finden. Dabei sollen in geraffter Form die Anfänge der Ethik in der Prähistorie und den altorientalischen Kulturen – die Geschichte ethischer Ideen beginnt nicht erst mit den antiken Denkern um Sokrates, Platon und Aristoteles – über die Antike, das Mittelalter und die Neuzeit bis hin zur jüngeren Vergangenheit und Gegenwart skizziert werden. Der theoretische Weg geht folglich von der Tugendethik des Aristoteles und Platons über die christliche Ethik des Mittelalters eines Thomas von Aquin oder Luthers über die Pflichtethik Kants, die Gefühls- und Mitleidsethik David Humes bzw. Schopenhauers und die Ethik der idealistische Philosophen Fichte, Schelling und Hegel bis hin zu neueren Ansätzen von John Rawls, Jürgen Habermas und Amartya Sen. Nur auf Grundlage dieser ethischen Theoriegebäude lassen sich die wirtschaftsethischen Herausforderungen, die in den darauf folgenden Kapiteln beschrieben werden, verstehen und kompetent beurteilen.
Detlef Pietsch

4. Aktuelle Herausforderungen der Wirtschaftsethik

Zusammenfassung
Dieses Kapitel, das erste des zweiten Hauptteils, vertieft die aktuellen Herausforderungen der Wirtschaftsethik. Viele Themen wurden in der kurzen Einleitung bereits angeschnitten: Es wird um die zunehmende ökonomische Ungleichheit in der Gesellschaft gehen, den Gewinnern und Verlierern der Globalisierung aber auch um die Vereinbarkeit von Ökologie und Ökonomie. In Zeiten des irreversiblen Klimawandels, der drohenden Klimakatastrophe, wird zu diskutieren sein, wie es uns gelingen kann, die Wirtschaft voranzubringen und gleichzeitig die Umwelt zu schonen, um sie unbeschadet an unsere Kinder und Enkel weitergeben zu können. Das kapitalistische Wirtschaftssystem in seinen unterschiedlichen Ausprägungen und Nuancierungen zwischen liberal und sozial wird dabei genauso unter ethischen Gesichtspunkten diskutiert werden wie das dazu passende Menschenbild in der Ökonomie. In der ökonomischen Theorie herrscht immer noch das unrealistische Menschenbild des rationalen Homo oeconomicus vor, dem es gilt, eine realistischere Alternative gegenüberzustellen. Den Abschluss dieses Kapitels bildet ein Kapitel zur Ethik in Zeiten der Digitalisierung, der Künstlichen Intelligenz und zu Zeiten weltweit drohender Pandemien wie etwa Corona.
Detlef Pietsch

5. Anwendungsfelder der ökonomischen Ethik

Lösungsansätze und Perspektiven
Zusammenfassung
Dieses Kapitel steht ganz im Zeichen möglicher Antworten auf die aktuellen Herausforderungen aus Kapitel vier. Im Rahmen individueller Überlegungen steht die Frage, was wir als Bürger in ethischen Fragen der Ökonomie beachten müssen. Noch viel anspruchsvoller erscheinen die ethischen Anforderungen an Manager, Unternehmer und Meinungsführer zu sein, die nicht nur ein moralisches Vorbild sein sollten, sondern vor allem als Leitfiguren der Gesellschaft fungieren, wenn man etwa an Politiker, Wissenschaftler oder Top Manager von großen Unternehmen denkt. Antworten auf ethische Fragen müssen aber auch Unternehmen als solches geben, müssen sie doch ethische Arbeitsbedingungen einhalten oder die Ökologie und gesellschaftliche Herausforderungen in ihren Überlegungen berücksichtigen. Auch das Wirtschaftssystem als solches muss so ausgestaltet werden, dass jeder Mensch ein „auskömmliches“ Leben gestalten kann und die Erde für die nächste Generation bewahrt wird. Die Ökonomie ist schließlich nicht isoliert von Staat und Gesellschaft zu sehen.
Gleichzeitig greift dieses Kapitel auch die künftig immer wichtiger werdenden Themen der Ethik auf, wie die Notwendigkeit einer umfassenden ethisch-moralischen Ausbildung vor allem der Meinungsführer, sei sie schulisch, universitär oder sonst wie geartet. Die Ökonomie braucht zudem ein neues Narrativ, eine Erzählung, was sie mit ihren Aktivitäten bezwecken soll, ganz so wie ein Unternehmen sich einem bestimmten, übergeordneten Unternehmensziel oder einer Vision widmet. Dies wird ebenso Teil der Schilderungen in diesem Kapitel sein wie die Frage, welche ethischen Herausforderungen die Digitalisierung etwa in Form von autonom fahrenden Autos an die Gesellschaft stellen wird. Schließlich wird die Frage aufgegriffen, ob wir in der ökonomischen Theorie nicht langsam an die Grenzen des Denkens, vor allem in ethischer Hinsicht angelangt sind.
Detlef Pietsch

6. Perspektiven und Lösungsansätze: Was jetzt zu tun ist

Zusammenfassung
Kapitel sechs steht ganz im Zeichen eines konkreten Aktionsplans für eine ethische Ökonomie wie etwa die Frage, was gegen die Bekämpfung von Armut und Ungleichheit getan werden kann, seien es Patenschaften von reich und arm oder Überlegungen wie etwa zu einer Ökonomie, die dem Gemeinwohl verpflichtet ist. Es werden in diesem Kapitel unterschiedliche Themen adressiert werden, vor allem wie Diskriminierungen jedweder Art begegnet werden muss oder wie gleiche Bildungschancen sichergestellt werden können. Denn, seien wir einmal ehrlich, von Chancengerechtigkeit kann vor allem im Bezug auf die Bildung in Deutschland nicht die Rede sein. Dies wird anhand eines Vergleichs zweier fiktiver Lebensläufe verdeutlicht werden. Schließlich werde ich kurz skizzieren, wie eine nachhaltige Ökonomie gefördert werden kann. Am Ende einer ethischen Ökonomie geht es doch schließlich darum, wie ein „gutes Leben“ aller Bürger sicherzustellen ist. Es wird erläutert, was man sich unter einem „guten Leben“ aktuell vorzustellen hat und wie dieses zu erreichen ist.
Detlef Pietsch

7. Ethik in der Post-Corona-Ökonomie

Zusammenfassung
Kern des abschließenden Kapitels bildet die Frage, wie man sich eine Ethik der Post-Corona-Ökonomie vorzustellen hat. Zusammenfassend können wir feststellen, dass die Pandemie die bestehenden ethischen Herausforderungen der Ökonomie verstärkt hat in puncto Ungleichheit in Einkommen und Vermögen, Umweltschutz, Vertrauen und Wertschätzung in die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Umsetzung der Digitalisierung. Die Globalisierung vor allem der Lieferketten wird sich durch die jüngsten Auswirkungen der Pandemie tendenziell eher abschwächen. Das Gleichgewicht zwischen Markt und Staat hat sich in Richtung Staat verschoben und die Frage stellt sich, ob dies auch nach Corona so bleiben wird. Die Staatsverschuldung mit ihren Lasten auf die nächste Generation ist durch die milliardenschweren Hilfspakete von Bund, Ländern und Gemeinden stark angestiegen. Aber es gibt auch Anlass zu Hoffnung aus ethischer Sicht: Die Solidarität der Gesellschaft mit den wirtschaftlich Schwachen der Gesellschaft hat zugenommen. Wir haben in dieser sicher nicht leichten Zeit festgestellt, dass wir alle im selben Boot sitzen. Das Virus macht vor niemandem Halt und kennt keine Unterschiede nach Alter, Vermögen, Geschlecht etc. Die Hoffnung besteht, dass diese solidarischen Aktionen in unserem Leben bzw. in der Wirtschaft auch nach der Pandemie Bestand haben. Dann können wir hoffnungsfroh in die Zukunft schauen und die Ökonomie endet nicht im Nichts.
Detlef Pietsch
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