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Über dieses Buch

Ökonomisches Denken greift auf immer mehr Politikbereiche über. In der theoretischen Debatte ist bereits seit einigen Jahren die Rede von einer Hegemonie des Neoliberalismus. Diese These gilt es jedoch auch empirisch zu stützen. Im vorliegenden Band geschieht dies anhand von Analysen einzelner Politikfelder – von der Bildungs-, über die Familien- und die Verkehrspolitik bis hin zur Stadtplanung. Der systematische Vergleich zeigt: Ökonomisierung der Politik findet in Deutschland überall statt, auch wenn die Methoden zur wissenschaftlichen Erhebung ihrer überaus unterschiedlichen Erscheinungsformen stark variieren.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Theoretische und methodische Grundlagen

Frontmatter

Ökonomisierung und Politikfeldanalyse

Eine ideengeschichtliche und theoretische Rekonstruktion des Neoliberalismus im Zeitalter der Postdemokratie
Zusammenfassung
Der politiktheoretische Beitrag nimmt Bezug auf die aktuelle Postdemokratiedebatte und verortet die Prozesse der Ökonomisierung im Bezugssystem des Neoliberalismus. Neoliberalismus wird als eine politische Ideologie rekonstruiert, die als Prozess permanent sprachvermittelt individuelle wie kollektive Sinndeutungen unterbreitet. Insofern Politik gegenüber den Bürgern immer argumentativ begründungspflichtig ist, bedeutet Ökonomisierung nicht nur, dass die konkreten Politiken (das heißt die Policy-Outputs) ökonomischer werden. Auch ihre Begründungen selbst können ökonomischer werden.
Matthias Lemke, Gary S. Schaal

Die Analyse von Ökonomisierungsprozessen

Ein Überblick am Gegenstand der empirischen Politikfeldforschung
Zusammenfassung
Der Beitrag untersucht die Wege, auf denen das Besondere der Ökonomisierung der Politik in den letzten rund dreißig Jahren empirisch identifiziert und mit Hilfe verschiedener Methoden analysiert worden ist. Dabei wird deutlich, wie vielfältig die Forschungsdesigns zur Analyse von Ökonomisierungsprozessen sein können. Denn sie decken das breite Spektrum von der Beschäftigung mit Policy Outputs bis hin zur Diskursanalyse ab.
Sebastian Dumm, Claudia Ritzi

Ökonomisierung in der Perspektive der Policy-Forschung

Frontmatter

Wohlfahrtskorporatismus unter Druck

Zur Ökonomisierung der Sozialpolitik und des sozialen Dienstleistungssektors
Zusammenfassung
Der Beitrag analysiert die Intrusion von wirtschaftlichen Handlungsstilen in die Sozialpolitik und den sozialen Dienstleistungssektor. Dabei finden neben Institutionen und Akteuren auch diskursive Verschiebungen Berücksichtigung.
Rolf G. Heinze, Katrin Schneiders

Vorsorgende Sozialpolitik als sozialpolitisches Leitbild der SPD

Neue Formen der Ökonomisierung im parteipolitischen Diskurs
Zusammenfassung
Der Beitrag analysiert, inwiefern das Leitbild des „vorsorgenden Sozialstaats“ in der Programmatik der SPD in Nordrhein-Westfalen als ein Ausdruck von Ökonomisierung begriffen werden kann. Dabei greift er insbesondere auf die Methode des Text-Mining zurück.
Andreas Blätte, Stephan Zitzler

Vom „menschlichen Grundbedürfnis“ zum „Humanvermögen“

Ökonomisierungsprozesse in der deutschen Familienpolitik
Zusammenfassung
Der Beitrag widmet sich der deutschen Familienpolitik und zeigt anhand einer Auswertung der Familienberichte der Bundesregierung, inwieweit sich der öffentliche Sprachgebrauch hinsichtlich des familienpolitischen Leitbildes gewandelt hat.
Claudia Ritzi, Vanessa Kaufmann

Prekäre Vollbeschäftigung als Zukunftsmodell?

Zur Ökonomisierung des Arbeitsmarkts
Zusammenfassung
Der Beitrag untersucht aus soziologisch-marxistischer Perspektive die Arbeitsmarktpolitik, wobei massive Flexibilisierungs- und Rekommodifizierungsphänomene innerhalb dieses Politikfeldes zum Vorschein kommen – bis hin zu einer potenziell sozial destruktiven Wirkung der Reformen.
Ulrich Brinkmann, Oliver Nachtwey

Ökonomisierungstendenzen in der Stadtentwicklungspolitik

Die schleichende Neoliberalisierung der deutschen Städte?
Zusammenfassung
Der Beitrag untersucht die Stadtentwicklungspolitik und beschreibt die vielschichtigen Interaktionsprozesse von staatlichen und privaten Akteuren bei der Ausgestaltung des öffentlichen Raumes. Ökonomisierungsprozesse finden hier, so die Einschätzung, erst noch relativ zögerlich statt, werden sich aber künftig weiter ausdehnen.
Uwe Altrock

Von der „Kulturpflege“ zur „Kreativindustrie“

Zur Ökonomisierung der Kulturpolitik
Zusammenfassung
Der Beitrag analysiert die gegenwärtige Kulturpolitik und beklagt insbesondere, dass eine zunehmende Kommerzialisierung der Kultur – auch wenn diese noch nicht so weit gediehen sei wie etwa in der Bildungspolitik – deren kritisches Potenzial unterminiere.
Klaus von Beyme

Von der Verkehrsplanung zum Verkehrsmarkt

Oder: Merkmale der „Entstaatlichung“ im Verkehrswesen
Zusammenfassung
Der Beitrag analysiert entlang wohlbekannter Beispiele die Verkehrspolitik: sei es die Privatisierung der Deutschen Bahn, der Lufthansa oder deutscher Autobahnabschnitte, in jedem Fall sei es, so die Einschätzung der Autoren, zu gravierenden Qualitätseinbußen im Bahn- und Flug-, aber auch im Individualverkehr gekommen.
Tim Engartner, Jochen Zimmer

Keine Chancengleichheit auf dem Bildungsmarkt

Zur Ökonomisierung des konservativen Bildungsstaates
Zusammenfassung
Der Beitrag nimmt die Bildungspolitik im konservativen Bildungs und Sozialstaat in den Blick und unterzieht dabei insbesondere den Mythos der modernen Leistungsgesellschaft und die ihr inhärente Vorstellung von Chancengerechtigkeit einer detaillierten Kritik.
Hans Graßl

Mehr Wettbewerb, weniger Humboldt?

Ökonomisierung in der Wissenschaftspolitik
Zusammenfassung
Der Beitrag betrachtet die Ökonomisierungstendenzen in der Wissenschaftspolitik. Die vorgestellte Analyse des öffentlichen Wissenschaftssystems in Deutschland sieht, etwa angesichts einer immer weiter zunehmenden Wettbewerbs- und Leistungsorientierung, das humboldtsche Bildungsideal in Gefahr.
Ariane Neumann

Fazit

Frontmatter

Stand und Perspektiven der Ökonomisierungsforschung

Zusammenfassung
Vor dem Hintergrund der Analysen des zweiten Teils enthält dieser Beitrag eine Bestandsaufnahme der Ökonomisierungsforschung und skizziert einen Ansatz für ein Ökonomisierungskonzept, das die substanzielle Policy-Forschung mit der ideativ-sprachlichen Ebene von Ökonomisierung verbindet. Mit diesem Ansatz bliebe die methodische und empirische Heterogenität der Policy-Forschung gewahrt. Gleichzeitig ließe sich durch die systematische Erschließung der Ökonomisierungsdiskurse eine tragfähige Einschätzung formulieren, inwieweit ökonomische Logiken auf gesamtgesellschaftlicher Ebene hegemonial geworden sind.
Matthias Lemke, Claudia Ritzi, Gary S. Schaal
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