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Über dieses Buch

Kunst und Politik sind seit jeher auf das Engste miteinander verflochten. Künstler werden vom politischen Geschehen inspiriert und interpretieren es individuell, idealisieren und prangern an. Gleichzeitig stand und steht die Kunst immer auch im Dienste der Politik. Es sind die politisch Mächtig(st)en, die sich als Stifter, Heilsbringer oder Herrscher portraitieren lassen, um ihren Ruhm mittels Kunstwerken für die Nachwelt anschaulich zu sichern. Später sind es Nationaldenkmäler, Staatskunst und -architektur, die von dem Wert und der Überlegenheit bestimmter Systeme oder Ideologien zeugen sollen. Trotz dieser engen Verbindung ist die „Kunst“ fast nie ein Untersuchungsgegenstand oder Analysekriterium der Politikwissenschaft gewesen, werden Kunstwerke kunsthistorisch kaum in ihrer Funktion für politische Systeme betrachtet. Der vorliegende Band versteht sich als eine „Handlungsanleitung zur interdisziplinären Offenheit“ – er möchte Interesse wecken für die Schnittmengen von Kunst und Politik und zu neuen, übergeordneten Fragestellungen anregen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Politik in der Kunst

Frontmatter

„Verreckt für den Kapitalismus“

Der sterbende Soldat im Drahtverhau, von Eugen Hoffmann, Dresden 1928

Fragt man nach den frühesten realistischen Darstellungen des elenden Sterbens im Ersten Weltkrieg, dessen Ausmaße bereits 1890 Friedrich Engels prophezeit hatte, so kommt die Litho-Mappe

„Memento 1914/15“

von Willy Jaeckel in den Blick. Sie wurde bereits im Juli 1915 in Berlin bei I. B. Neumann (und wiederholt 1916) ausgestellt und in ihrer außerordentlichen Qualität gewürdigt. Cohn-Wiener rückte sie in die Nähe von Goyas

‚Desastres’

und nannte sie 1920 „die erste Kriegserklärung an den Krieg von 1914“.

Dietrich Schubert

Die kapitalistische Moderne und der Osten

Das Jahrhundert der Avantgarden auf dem Prüfstand

Wer heute über Kunst diskutiert, spricht vor allem vom Kunstbetrieb. Die Rede ist vom Management des Produktes Kunst, von Wachstum, Wertsteigerungen, von Hitlisten und immer neuen Märkten, von neuen Sammlungen und neuen Museen. Mithin fallen Kritiker unliebsam auf, wenn sie mit dem Kunstbegriff, mit dem Markenartikel, dem Produkt Kunst nicht so profitlich hantieren, sondern altmodisch darauf bestehen, zuallererst nach Sinn und Qualität, nach Ideen, Inhalten, Zielen, Haltungen oder Defiziten zeitgenössischer Kunst zu fragen.

Eduard Beaucamp

Architekturen des „Dritten Reiches“

„Völkische“ Heimatideologie versus internationale Monumentalität

Bauten, die im Auftrag von Herrschern oder von öffentlichen Körperschaften errichtet werden, verfolgen immer auch politische Zwecke. Die Bauherren wollen ein bestimmtes Bild von sich und ihrer Herrschaftsauffassung vermitteln, sie wollen beeindrucken, gelegentlich auch manipulieren. Politische Zwecke können beiläufig geäußert werden, oder aber so deutlich im Vordergrund der Architektur stehen, dass die praktische Nutzung zur Nebensache wird.

Raphael Rosenberg

Rationalisierung zum Existenzminimum - Neues Bauen und die Ästhetisierung ökonomischer und politischer Maßgaben

Zwischen 1930 und 1938 entstanden vier der luxuriösesten modernen Wohnbauten des 20. Jahrhunderts von den vier berühmtesten Avantgarde-Architekten der Zeit: 1930 die Villa Tugendhat von Ludwig Mies van der Rohe in Brünn, im folgenden Jahr die Villa Savoye von Le Corbusier in Poissy, 1936 Falling Water von Frank Lloyd Wright in Bear Run/Pennsylvania und 1938 die Villa Mairea von Alvar Aalto in Noormarkku. Alle vier Bauten wurden für Industrielle errichtet und jedesmal spielte Geld keine Rolle.

Winfried Nerdinger

Gab es einen „rechten“ Avantgardismus?

Eine Anmerkung zu Klaus von Beymes „Zeitalter der Avantgarden“

In Deutschland – und darauf soll der Blick hier gerichtet werden – hat es eine politisch ambitionierte literarische Avantgarde vor allem während der Zeit des Ersten Weltkriegs und der Weimarer Republik gegeben (vgl. von Beyme 2005: 539 ff.; Kiesel 2004: 233 ff.). Im „Dritten Reich“ gab es für avantgardistische Künstler keinen Entfaltungsraum; sie waren Objekte der Verfemung und Verfolgung. In der DDR dominierte der anti-avantgardistische Sozialistische Realismus; avantgardistische Bestrebungen waren in begrenztem Umfang möglich, hatten auch namhafte Vertreter (wie etwa Heiner Müller und Volker Braun), blieben aber marginalisiert. In der Bundesrepublik gab die „Gruppe 47“ den Ton an, die zwar politische Ziele verfolgte und sich dafür avantgardistischer Organisationsformen bediente, aber keine avantgardistisch zu nennende Poetik vertrat; neben ihr gab es avantgardistische Gruppierungen, die mitunter gesellschaftliche Ambitionen entwickelten, aber ebenfalls marginal blieben.

Helmuth Kiesel

Kunst und Politik in Zeiten ihrer kulturindustriellen Vereinnahmung

Im Folgenden soll über Kunst und Politik im Kontext dessen nachgedacht werden, was Theodor W. Adorno „Kulturindustrie“ nannte. Damit wird ein Konzept aufgegriffen, das zu zahlreichen Missverständnissen, Fehl- und Uminterpretationen Anlass gab und darüber hinaus im Mainstream der heutigen Forschung kaum noch ernsthaft rezipiert wird. Das ist u.a. deshalb bedauerlich, weil Adorno – anders als viele seiner Kritiker – bei allen Irrtümern im Einzelnen noch immer höchst Relevantes zu sagen hat.

Christian Schwaabe

Kunst in der Politik

Frontmatter

Jenseits des Abendlands: Visionen einer neuen Weltkunst.

Die documenta unter Globalisierungsdruck

Als Roger M. Buergel seine ersten öffentlichen Auftritte als frisch installierter künstlerischer Leiter der für 2007 angesetzten documenta 12 absolvierte, hatte er stets eine unerwartete Abbildung zur Hand: Zur Verblüffung der neugierigen Kulturbetriebsbeobachter griff er bei seinen Werbeveranstaltungen tief in den Fundus kunstgeschichtlicher Reproduktionen und wartete er mit einem Ausschnitt aus Ambrogio Lorenzettis Allegorie der guten und der schlechten Regierung im Palazzo Pubblico von Siena auf.

Harald Kimpel

„A plan wholly new“ – Pierre Charles L´Enfants Plan für Washington

Neue Achsenprinzipien für die junge Demokratie – oder Übernahme tradierter Muster europäischer Stadtgestaltung?

Innerhalb der westlichen Stadtplanung und Stadtentwicklung nimmt Washington, die Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika, aus mehreren Gründen eine herausgehobene Stellung ein.

Ariane Hellinger

Kunst- und Kulturförderung

Dass sein Name noch 2000 Jahre nach seiner Wirkungszeit in vielen Sprachen der Welt einen festen Begriff umschreiben würde, hätte sich Maecenas wohl nicht träumen lassen. Ein Mäzen ist, laut Meyers Lexikon „ein vermögender Privatmann, der mit finanziellen Mitteln Künstler oder Sportler bez. Kunst, Kultur oder Sport fördert.“ Und zwar selbstlos, also ohne damit direkt einen für sich vorteilhaften Zweck zu verfolgen.

Werner Schaub

Politik als Staatskunst

Ein doxographischer Abgesang

Spricht man heutigentags von „Staatskunst“, so lässt einen dieser Begriff zumeist an Künstler denken, welche als Staatsbeamte in der Deutschen Demokratischen Republik ihren Wirkungsbereich hatten oder an Maler des Sowjetischen Realismus, deren öffentliche Auftraggeber idyllische Szenen aus dem Alltagsleben sowie Landschaften und Porträts aus der Zeit der Oktoberrevolution von 1917 und den Jahren des „sozialistischen Aufbaus“ erstellten. Möglicherweise kommt einem auch die nationalsozialistische Propaganda-Kunst eines Ivo Saligers, Adolf Zieglers oder Josef Thoraks sowie viele andere Kunstschaffende aus den unterschiedlichsten autoritären und totalitären Staaten in den Sinn (vgl. weiterführend: Beyme 1998: 53-144).

Charles Philippe Dijon de Monteton

Backmatter

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