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Über dieses Buch

Phänomene wie Macht, Herrschaft und Legitimation begründen große, vielfach untersuchte Fragen der Politikwissenschaft. Im Sammelband wird thematisiert, wie sich diese abstrakten Konzepte physisch widerspiegeln. Denn politische Traditionen, Symboliken und Prozesse finden einen wichtigen Ausdruck in politischen Bauwerken. Hierfür gibt es in Europa zahlreiche Beispiele. Der Sammelband richtet das Augenmerk auf den bundesrepublikanischen Kontext und die Frage, wie sich Politik im föderalen System Deutschlands in Landesparlamenten, im Bundesrat und Bundestag baulich darstellt. Was lässt sich aus der Architektur deutscher Parlamente über die jeweilige politische Identität und Kultur einer Region und eines Landes ablesen? Spiegeln die Gebäude politische Machtverhältnisse und die öffentliche Meinung wider? Zur Beantwortung dieser Fragen versammelt der Band theoretische Beiträge und Kapitel für die 16 Landesparlamente sowie den Bundesrat und Bundestag. Erstmalig liegt damit ein systematischer Vergleich der gesamten Spannweite deutscher Parlamentsarchitektur vor, die vom dunkel verglasten Bauhaus-Kubus bis zum Kurfürstenpalast reicht.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung und Theorie

Frontmatter

Kapitel 1. Parlamentsarchitektur als Gegenstand politikwissenschaftlicher Forschung und die Frage nach Demokratie in Bauwerken

Zusammenfassung
Architektur ist stets eingebettet in die zeithistorische Epoche ihrer Entstehung. Wie, wofür, und warum ein Gebäude auf eine bestimmte Art gestaltet ist und (nach Jahrzehnten oder Jahrhunderten noch, auch weiterhin, ganz anders oder nicht mehr) genutzt wird, lässt sich je nach Perspektive und Fachdisziplin auf vielfältige Weise ergründen. Mit diesem Kapitel leiten wir in einen politikwissenschaftlichen Sammelband ein, der sich mit dem Zusammenhang von Architektur und Politik im Allgemeinen und Parlamenten und Demokratie im Besonderen befasst. Basal ist dafür die Erkenntnis, dass die großen Fragen der Politikwissenschaft nach Phänomenen wie Macht, Herrschaft und Legitimität gut mit der Befassung mit politischen Akteuren und Institutionen beantwortet werden können, aber zur vollständigen Erklärung politischer Realität auch die Darstellung von Politik (in Handlungen und Bauwerken) gehört. Wir entwickeln entsprechend die Leitfrage des Bandes – Wie wird Politik im föderalen System der Bundesrepublik Deutschland in der Gestalt von Parlaments-Architektur sichtbar? –, und erläutern die Zielsetzung, den Aufbau und die individuellen Schwerpunktsetzungen durch die beitragenden Autorinnen und Autoren.
Julia Schwanholz, Patrick Theiner

Kapitel 2. Demokratische Architektur in demokratischen Hauptstädten: Aspekte der baulichen Symbolisierung und Verkörperung von Volkssouveränität

Zusammenfassung
Hauptstädte in demokratischen Staaten sollen wie jene in den alten Monarchien und den modernen nicht-demokratischen Regimen den Willen und die Vision des Souveräns ausdrücken, sind aber mit dem Problem konfrontiert, dass der Souverän ein eher abstraktes Kollektiv, nämlich das Volk, ist. Vor diesem Hintergrund erörtert der Beitrag, wie Demokratie in Hauptstädten symbolisiert und repräsentiert wird, welche Funktionen die Hauptstädte im demokratischen Kontext erfüllen müssen und wie Demokratie als Versprechen und Praxis die Standortwahl und die Gestaltung der Stadt sowie ihrer wichtigsten öffentlichen Gebäude und Plätze beeinflusst. Dies geschieht durch einen Überblick zur Thematisierung demokratischer Architektur in der Literatur, und zwar anhand der zentralen Gesichtspunkte Hauptstadtbau und –umbau im demokratischen Regimekontext und damit einhergehende Repräsentationsaufgaben, die Rolle historischer Hinterlassenschaften und adäquater Formsprachen sowie funktionale und performative Anforderungen an die Architektur demokratischer Bauten, einschließlich der besonderen Anatomie von Parlamentsgebäuden. Es stellt sich heraus, dass die demokratische Qualität von Staatsarchitektur weniger an einer bestimmten Formensprache oder am Baumaterial, sondern vor allem an der demokratischen politischen Praxis, d.h. durch das demokratische Verfahren ihrer Errichtung und die demokratische Aneignung der Bauten, abzulesen ist.
Michael Minkenberg

Kapitel 3. Parlamentarische Selbstsymbolisierung und Parlamentsarchitektur

Zusammenfassung
Dieser Beitrag stellt ein theoretisches Rahmenwerk für eine solche vergleichende Analyse von Parlamentssymbolik im Allgemeinen und von Parlamentsarchitektur im Besonderen bereit, die über Beschreibungen und historisch-kulturelle Einordnungen hinauszugehen vermag, indem sie auf die wirklichkeitskonstruktive Funktion der „Äußerlichkeiten“ von Parlamenten abzielt. Erläutert wird der Wert einer Analyse von Parlamentssymbolik, eingeführt wird in die Grundzüge einer „institutionellen Analyse“ von Parlamenten, und erörtert werden die Mittel parlamentarischer Selbstsymbolisierung: Zustandekommen und Zusammensetzung von Parlamenten; die Rolle von Verfahren, Ritualen und Zeremonien; die wirklichkeitskonstruktive Funktion von Architektur und Kunst. Ein Blick auf die Grundprobleme parlamentarischer Selbstsymbolisierung rundet diesen Forschungsaufriss ab.
Werner J. Patzelt

Einleitung und Theorie

Frontmatter

Kapitel 4. Einigung, Arbeitsatmosphäre, Tageslicht – das Haus des Landtages von Baden-Württemberg und seine Symbolik

Zusammenfassung
Der im Jahr 1961 eröffnete Landtag von Baden-Württemberg war der erste vollständige Parlamentsneubau in der Bundesrepublik. Er entstand im Stile der neuen Moderne des Bauhauses und symbolisiert die Einigung des nach dem Zweiten Weltkrieg neu gegründeten Landes im Südwesten. Dabei verweist der deutlich auf das in den 50er- und 60er Jahren noch vorherrschende Verständnis eines nach außen abgeschlossenen Landtages, der vorrangig an seinen Ergebnissen zu messen ist. Mit der grundlegenden Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes zwischen 2013 und 2016 wurden im Rahmen des Möglichen vielfältige Öffnungen vorgenommen, um das Arbeitsklima zu verbessern, aber auch die Perspektive auf politische Transparenz zu steigern. In der Auseinandersetzung mit Funktionalitäten des Landtages und ihrer architektonischen Symbolisierung werden viele Spannungsfelder deutlich. Diese können im Rahmen der politischen Bildung genutzt werden, um ein verbessertes Parlamentsverständnis zu schaffen.
Sven T. Siefken

Kapitel 5. Das Maximilianeum in München: Projekt des Königs, Symbol der Volksherrschaft

Zusammenfassung
Als der Bayerische Landtag das auf dem östlichen Isarhochufer in München thronende Maximilianeum nach dem Zweiten Weltkrieg als seine neue Heimstatt erwählte, sah er sich mit der Herausforderung konfrontiert, ein zwar überaus repräsentatives, gleichzeitig aber wenig funktionales Haus mit einer „undemokratischen Vergangenheit“ für den Parlamentsbetrieb ertüchtigen und gleichzeitig als Symbol der Demokratie etablieren zu müssen. Erbaut von König Maximilian II. diente das Gebäude seit seiner Errichtung in der Mitte des 19. Jahrhunderts funktional als Heimstatt der Studienstiftung Maximilianeum und symbolisch der Verherrlichung des Hauses Wittelsbach. An beidem hat sich scheinbar wenig geändert: Die Studienstiftung, deren Stipendiatinnen und Stipendiaten weiterhin in dem Gebäudekomplex leben, ist bis heute Eigentümerin des Hauses, der Landtag nur Mieter. Auch an dem Bildprogramm der Schaufassade des Maximilianeums, das die Sprache monarchischer Überlegenheit spricht, konnten schon aufgrund von Erwägungen des Denkmalschutzes nur punktuelle Veränderungen vorgenommen werden. Dass das Maximilianeum trotz dieser Umstände in bemerkenswert kurzer Zeit zum zentralen Symbol bayerischer Demokratie erwachsen konnte, ist so zum einen der demokratischen Praxis des Hauses geschuldet. Zum anderen sind es die Bemühungen des Landtages, nicht nur die Funktionalität des Hauses stetig verbessern, sondern dabei auch architektonische Ausrufezeichen im Sinne von Transparenz, Offenheit und Bürgernähe setzen zu wollen, welche dazu beigetragen haben, das ehemals königliche Projekt des Maximilianeums zu ‚demokratisieren‘.
Michael Weigl

Kapitel 6. Das Abgeordnetenhaus von Berlin

Zusammenfassung
Bei der Betrachtung deutscher Landesparlamente stellt das Berliner Abgeordnetenhaus im ehemaligen Preußischen Landtag ein äußerst interessantes Beispiel dar: Ursprünglich als Parlamentsbau geplant, als Sonderfall in der Hauptstadt gelegen und Objekt einer der abwechslungsreichsten Nutzungsgeschichten deutscher Landtagsgebäude. Um sich der Frage nach der Verbindung von Politik und Architektur anhand dieses Falles zu nähern, lauten die zentralen Fragen: (1) Wie ist der Landtag gestaltet und welche Beweggründe liegen der originären sowie der späteren ‚demokratisierenden‘ Ausgestaltung zugrunde? (2) Was sagt die Architektur des Gebäudes über die Arbeitsweise sowie den Stellenwert des Parlaments im Berliner politischen System und können hier sinnstiftende Rückschlüsse gezogen werden? (3) Was sagt die Gestaltung des Parlaments über das Demokratieverständnis und damit die Beziehung zwischen RepräsentantInnen und BürgerInnen sowie die Funktionen von Identitäts- und Differenzrepräsentation des Gebäudes aus? (4) Und schließlich, welchen Beitrag leistet die Anatomie des Abgeordnetenhauses für einen möglichst demokratischen Ablauf der Entscheidungsprozesse und der demokratischen Performanz des Berliner Landesparlaments? Als Antwort auf diese Fragen wird gezeigt, dass der Preußische Landtag aus Ermangelung eines ‚preußisch-nationalen‘ Architekturstils in seiner baulich-ästhetischen Ausgestaltung von verschiedensten Regimen ohne großen Aufwand in die jeweilige politische Architektur eingebunden werden konnte. Diese Wandlungsfähigkeit, so die These, ermöglichte die demokratische Aneignung des Gebäudes in einer Weise, die den vordemokratischen Bau durch geringe Veränderungen zu einem höchstfunktionalen demokratischen Arbeitsparlament werden ließ.
Lena Schacht, Michael Minkenberg

Kapitel 7. Der Landtag Brandenburg – moderne Infrastruktur in historischer Hülle

Zusammenfassung
Die 88 Abgeordneten des Brandenburgischen Landtages vertreten gut 2,6 Millionen Bürgerinnen und Bürger des 1990 wiedergegründeten Bundeslandes. Nach zwölf Jahren auf dem Potsdamer Brauhausberg bezog das Landesparlament im Jahre 2013 das eigens für den Landtag wieder aufgebaute Stadtschloss am Alten Markt in der Stadtmitte. Dabei verbindet sich die äußere, an historischen Merkmalen orientierte Gestaltung mit einem modernen Inneren, das den effektiven Betrieb des Arbeitsparlamentes Landtag sicherstellt. Das Gebäude des Brandenburgischen Landtags weist viele charakteristische Besonderheiten auf. Es ist ein Parlament mit modernster Infrastruktur in einem historischen (aber wiederaufgebauten) Gewand. Es befindet sich mitten im historischen Zentrum Potsdams, von weiteren, das Stadtbild prägenden, Bauten umgeben; die Havel liegt nur wenige Schritte entfernt. Zugleich ist der Landtagsbau Teil einer Neugestaltung der historischen Mitte Potsdams, die auch auf Jahre hinaus nicht abgeschlossen sein wird. Daher kann das Landtagsschloss nicht ohne die damit korrespondierende, seit 1990 verfolgten, Rekonstruktion der historischen Potsdamer Mitte verstanden werden. Von dieser öffentlich wie medial geführten Debatte über Gegenwart und Zukunft Potsdams ist der Wiederaufbau des Stadtschlosses ebenso geprägt worden wie der Bau selbst die Diskussion über die konkrete Stadtentwicklung befruchtet hat. Der Beitrag beleuchtet detailliert den Entscheidungsprozess des Wiederaufbaus und stellt die architektonischen Besonderheiten des Gebäudes, stets mit Blick auf die parlamentarische Arbeit, im Detail vor.
Michael Kolkmann

Kapitel 8. Bremen: Das Haus der Bürgerschaft als zeitlos-moderner Ort der Demokratie

Zusammenfassung
Das Haus der bremischen Bürgerschaft diente bereits vor seiner Fertigstellung 1966 als Kristallisationspunkt kultureller und staatsbürgerlicher Selbstverständigungsdiskurse der Bremer Gesellschaft. Die über mehrere Jahre leidenschaftlich geführte und die bremische Politik prägende öffentliche Auseinandersetzung Anfang der 1960er Jahre zeugt bis heute davon und trägt ihren Anteil daran, dass ein zeitlos-moderner Ort der bremischen Demokratie entstehen konnte. Aus der Gestaltung des Hauses lassen sich wichtige Merkmale des bremischen Demokratieverständnisses identifizieren: Erstens erfasst das Haus eine ungewöhnlich niederschwellige Spannung zwischen symbolisierter Macht und der Nähe zu den Bürgern. Insbesondere die Anatomie des Gebäudes vermittelt dabei eine ausgewogene Balance zwischen der bremischen Gesellschaft und Politik. Dieses Merkmal ist zweitens eng verbunden mit der exponierten Lage am Bremer Markt, die das Haus mit einem konzentrierten Abbild der bremischen Gesellschaft, wie es in dieser Art im Vergleich der deutschen Parlamentsstandorte einzigartig sein dürfte, alltäglich konfrontiert. Drittens schafft die schlichte und konzentrierte klassisch-moderne Gestaltung des Gebäudes erst die Grundlage dafür, den Plenarsaal als zentralen Raum der repräsentativen Demokratie in den Mittelpunkt zu rücken. Dieser Beitrag fokussiert insgesamt auf die bestimmenden Merkmale des bremischen Demokratieverständnisses, welche sich im Haus der bremischen Bürgerschaft manifestiert haben.
Stefan Fuchs

Kapitel 9. Das Hamburger Rathaus – Tempel der Bürger ?

Zusammenfassung
Welche politischen Werte und welches Staatsverständnis wurden der Architektur des Hamburger Rathauses von 1897 eingeschrieben? Wie haben die unterschiedlichen politischen Systeme seit dem 19. Jahrhundert das Gebäude und den Plenarsaal verändert? Und kann es als Repräsentationsbau heutiger demokratischer Landespolitik gelten? Diesen Fragen geht der vorliegende Beitrag anhand der Beschreibung des Planungsprozesses sowie der Fassaden- und Raumgestaltung nach. Im Fokus stehen der Plenarsaal und das politische Bildprogramm des Rathauses. Es zeigt sich, dass das Hamburger Rathaus kein Repräsentationsbau demokratischer Politik ist, sondern ein bauhistorisches Zeugnis der politischen Machtverhältnisse des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Einer Zeit, in der das Bürger- und Wahlrecht nur einer Minderheit wohlhabender Männer zustand, die Bürgerschaft noch nicht alleiniger Souverän in der Stadt und Hamburg ein Teilstaat des Deutschen Kaiserreiches war. Dennoch steht das Hamburger Rathaus, auch in seinem politischen Bildprogramm, bis heute für die Kontinuität bürgerlicher Selbstregierung. Diese wurde lediglich in den Jahren 1933-1945 unterbrochen. Insgesamt repräsentiert das Hamburger Rathaus die Macht und den Reichtum der hanseatischen Bürger*innen sowie die städtische Unabhängigkeit und Freiheit der Hansestadt.
Anne Klinnert

Kapitel 10. Hessen – Der Landtag der Kontraste

Zusammenfassung
Der hessische Landtag ist ein Landtag der Kontraste. Er kombiniert architektonisch interessante Gegensätze: Erstens ist er über die Zeit sehr viel transparenter geworden. Frühere Plenargebäude waren abgeschottet und undurchsichtig, das heutige Plenargebäude ist mit viel Glas gebaut und erlaubt den Bürgerinnen und Bürgern, den Landtagsabgeordneten zuzuschauen. Zweitens hat sich die Sitzordnung geändert: Im alten Plenargebäude saßen die Abgeordneten frontal wie in einer Schulklasse, das neue Plenargebäude ist nach dem Vorbild der „runden Tische“ gestaltet. Drittens zeigt der Landtag eine interessante Kombination von feudalem Prunk und moderner Schlichtheit. Das Stadtschloss ist im Inneren prunkvoll ausgeschmückt; der neue Plenarsaal dagegen schlicht und kühl. Dieser Beitrag argumentiert, dass alle diese Kontraste und Entwicklungen sich auf Veränderungen in Politik und Gesellschaft sowie demokratietheoretische Grundkategorien beziehen lassen.
Simon Fink

Kapitel 11. Der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern im Schweriner Schloss

Zusammenfassung
Der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern hat seinen Sitz im Schweriner Schloss, einem Bauwerk, das wie die Stadt auf eine mindestens tausendjährige Geschichte blicken kann. Die jetzige Gestalt erhielt das Schloss Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Stil lässt sich der Neorenaissance und dem romantischen Historismus zuordnen. Der Landtag sitzt damit in einem vordemokratischen Bau, der aber seit der Abdankung des Großherzogs 1918 eine nicht-monarchische Nutzung durch Verwaltungen, Museen und Schulen u.ä. Institutionen erfahren hat. Der Landtag nutzt ungefähr die Hälfte des Gebäudes und kann fast alle Untergliederungen dort unterbringen. Seit 2017 gibt es einen neuen Plenarsaal, der den funktionalen Anforderungen des parlamentarischen Alltags gerecht werden und in besonderer Weise Transparenz und Bürgernähe gewährleisten soll – bei gleichzeitigem Erhalt der bereits vorhandenen Architektur des vormals Goldenen Saals. Das Landesparlament im Schweriner Schloss kann als Bürgerschloss und Identitätsanker für das Land interpretiert werden. Zugleich steht dieses Landtagsgebäude wie andere in der Bundesrepublik auch vor Symbolisierungslücken und -widersprüchen, zu denen beispielsweise das Paradox der Transparenz, die Gefahr der Musealisierung oder die Konzentration auf die Identitätsbildung nach innen, aber nicht nach außen im Sinne des Föderalismus, gehören.
Franziska Carstensen

Kapitel 12. Der Niedersächsische Landtag als Symbol für demokratisches Bauen ?

Zusammenfassung
Nach dem Zweiten Weltkrieg, war es ein Städteplaner, der seine Idee realisierte, in der zerstörten Innenstadt von Hannover ein Regierungsviertel entstehen zu lassen. Es war politisch umstritten, ob das bis auf die Grundmauern zerstörte königliche Leineschloss wieder aufgebaut werden sollte, damit darin ein modernes Landesparlament einziehen kann. In einem Gesamtensemble mit der historische Schlossfassade sollte ein moderner Plenarsaal entstehen, der vom Architekten Dieter Oesterlen entworfen und 1962 eingeweiht werden konnten. Seit seiner Fertigstellung gabe es Probleme mit dem Bau, seien es bei der Akustik im Plenarsaal oder später dann bei der Klimatechnik. Die Frage, den bestehen Bau zu sanieren oder abzureißen wurde insbesondere durch die Mobilisierung der Öffentlichkeit durch die Fraktion Die Grünen heftig diskutiert, wie bei kaum einem anderen Parlamentsbau in der Bundesrepublik. So ist der 2017 fertiggestellte kernsanierte Niedersächsische Landtag auf Grund eines Kompromisses entstanden und steht in besonderer Weise als Symbol für „demokratisches“ Bauen.
Michael F. Feldkamp

Kapitel 13. Am Ende gab es nur Gewinner – der lange Weg des nordrhein-westfälischen Landtags zu seinem Neubau am Rhein

Zusammenfassung
Der Landtag von Nordrhein-Westfalen hat seit Gründung des Landes 1946 bisher in vier Gebäuden gearbeitet. Die ersten beiden Versammlungsräume wurden noch von der britischen Besatzungsmacht bestimmt und waren die einzigen benutzbaren Räumlichkeiten nach dem Krieg in der neuen Landeshauptstadt. 1948 bezog der Landtag das preußische Ständehaus am Hofteich für vierzig Jahre als Domizil, das aber den Anforderungen der parlamentarischen Arbeit von Anfang nur unzureichend genügte. Interessenunterschiede zwischen der Stadt Düsseldorf und dem Landtag sowie die Angst der jeweiligen Regierungspartei vor der Kostenperzeption in der Wählerschaft bewirkten, dass erst nach jahrelanger Debatte, drei Wettbewerben, außerparlamentarischen Protesten und erst durch einen externen Vorschlag, die Entscheidung für einen Neubau des Landtags in postmoderner Rundbauform (mit einem runden Plenarsaal als Kern und Mittelpunkt) am Rheinufer fiel, das zugleich Teil einer umfangreichen und vom Land mit finanzierten Stadtentwicklungspolitik in Düsseldorf war. Als dritter Neubau eines Landtags in der Bundesrepublik nach Hessen und Bremen galt der 1988 fertiggestellte neue Landtag als Mustertyp eines politischen Gebäudes demokratischer Prägung und gelungenes architektonisches Experiment, dessen Attraktivität sich auch in den hohen Besucherzahlen ausdrückt. Trotz großzügiger Planung hat sich der neue Landtag für die parlamentarische Arbeit inzwischen schon wieder als zu klein erwiesen, so dass weitere Anbauten geplant sind. Zwischen dem Anspruch auf Öffentlichkeit und Bürgernähe sowie der veränderten Sicherheitslage besteht ein Spannungsverhältnis.
Ralf Kleinfeld

Kapitel 14. Das Mainzer Deutschhaus: Geschichte, Gegenwart und Zukunft eines Ortes mit symbolischer Strahlkraft

Zusammenfassung
Das historische Deutschhaus beherbergt seit 1951 den Rheinland-Pfälzischen Landtag – Zeit, sich das geschichtsträchtige Gebäude einmal genauer anzuschauen. Als es vor fast 300 Jahren zunächst als Herrschaftssitz erbaut wurde, deutete noch nichts auf die politischen Ereignisse hin, die diesen Ort später prägen würden. Daher widmet sich dieser Beitrag zunächst den Marksteinen, deren Zeuge das Deutschhaus wurde, bevor der Fokus auf die aktuelle Nutzung gerichtet wird. Da das Gebäude momentan grundsaniert wird, bietet sich die einmalige Gelegenheit, hinter die Kulissen zu schauen und Entscheidungen zu beleuchten, die im Kontext demokratischer Symbolik von besonderer Relevanz sind. Dies betrifft zum einen die Architektur, zum anderen aber auch ausgewählte Kunstwerke, innenarchitektonische Zielsetzungen und die Einbindung der Öffentlichkeit, sowohl in die Planungen, als auch in den parlamentarischen Alltag. Die Modelle des Architekten helfen dabei, eine Vorstellung vom renovierten Gebäude zu entwickeln, während am Platz der Mainzer Republik noch gebaut wird. Was heute bereits deutlich wird, ist das Bestreben der Landtagsverwaltung, dem selbst gewählten Motto „Bauen für die Demokratie“ gerecht zu werden. Baulich mögen Vorgaben des Denkmalschutzes der Kreativität Grenzen setzen; umso stärker scheint jedoch der Wille, Offenheit und Transparenz über die Nutzung des Gebäudes zu gewährleisten und dafür geeignete Formate kontinuierlich weiterzuentwickeln. Das umfasst unter anderem umfangreiche Besucherprogramme, Planspiele im Plenarsaal, öffentliche Ausstellungen und zukünftig das verstärkte Einbeziehen neuer Medien um Demokratie erlebbar zu machen. Von Interesse ist für diesen Beitrag außerdem die Steinhalle des Landesmuseums, da diese während der Sanierungsarbeiten als Interimsplenarsaal genutzt und anschließend zu einer Tagungs- und Begegnungsstätte ausgebaut wird. Somit entwickelt sich das Museum zu einem ständigen Ort der Demokratie. Ein Blick auf weitere Liegenschaften des Regierungsviertels rundet das Kapitel ab.
Isabelle Kuhn

Kapitel 15. Der Landtag des Saarlandes: Vom Casino zum Parlament

Zusammenfassung
Der Landtag des Saarlandes ist seit 1947 in dem für die Saarbrücker Casinogesellchaft 1866 von Raschdorff errichteten Vereinshaus untergebracht. In den folgenden Jahrzehnten schlagen sich die historischen Veränderungen im Land auch in der Architektur des Gebäudes nieder. Moderne, Postmoderne und erneute Modernisierung wechseln sich ab. Gesellschaftliche Veränderungen, wie die Überwindung der krassen Konfessionsgegensätze, das wachsende Bedürfnis nach Transparenz und Beteiligung verändern Ausstattung und Habitus. Das ursprüngliche Redeparlament wird mit der Einführung des Vollzeitparlamentariers zum Arbeitsparlament. Entsprechend wird an- und umgebaut. Der Plenarsaal wird technisch weiterentwickelt, die Zugänglichkeit verbessert und das Umfeld neugestaltet. Demos und Volksvertretung werden enger mit einander verbunden. Die demokratische Institution Landtag hat sich selber ein adäquates Domizil geschaffen.
Reinhard Klimmt

Kapitel 16. Der Sächsische Landtag – Zeichen des demokratischen Neubeginns

Zusammenfassung
Im Zentrum des Beitrags stehen der Sächsische Landtag und dessen politische Symbolik. In Dresden, unmittelbar am Rande der weltbekannten historischen Altstadt, entstand in den 1990er Jahren ein Alt und Neu spannungsvoll vereinendes Landtagsensemble. Die sachliche Architektur der 1920er Jahre verbindet sich in der Vierflügelanlage des Sächsischen Landtags mit der modernen Glas-Stahl-Konstruktion der 1990er Jahre. Beide Teile tragen trotz ihrer verschiedenen Genese eine gemeinsame Handschrift und greifen geschickt ineinander über. Der Anfang 1994 seiner Funktion übergebene Neubau mit einem gläsernen, gut einsehbaren Plenarsaal ist dabei in seiner Symbolik ein Produkt der friedlichen Revolution 1989 und der Wiedergründung des Freistaates Sachsen im Jahr 1990. Er verkörpert in Form, Substanz und Nutzung demokratische Offenheit durch Transparenz, während der Altbau für den bewussten Rückzug der Demokratie steht. Der Sächsische Landtag ist ein Zeichen des demokratischen Neubeginns nach 1990 und der bewusste architektonische Bruch mit der Vergangenheit.
Thomas Schubert

Kapitel 17. Der Landtag von Sachsen-Anhalt – langer Weg zum modernen Parlament

Zusammenfassung
Sachsen-Anhalt ist 1990 im Zusammenhang mit der deutschen Einheit von 1990 wiedergegründet worden. Das Land hat davor lediglich von 1945 bzw. 1947 bis 1952 unter Bedingungen der Sowjetischen Besatzungszone bzw. der DDR bestanden. Der 1946 gewählte Landtag tagte in der Landeshauptstadt Halle zunächst im dortigen Stadtschützenhaus und bezog 1947 in einer früheren Kaserne ein provisorisches Haus, wo er bis zur Auflösung des Landes 1952 verblieb. Die Wiedergründung Sachsen-Anhalts im Zusammenhang mit der deutschen Einheit im Jahre 1990 vollzog sich schwieriger als in anderen neuen Bundesländern. Die schwache Identität und Tradition des Landes ohne ein eindeutiges Zentrum schlug sich in einem Konflikt zwischen den Städten Magdeburg und Halle um die Landeshauptstadtwürde nieder und behinderte die Landesbildung. Der 1990 frei gewählte Landtag trat in Dessau in einer Kaserne der Bundeswehr zusammen und entschied sich am 28. Oktober 1990 für Magdeburg als Landeshauptstadt. Da in Magdeburg kaum Möglichkeiten vorhanden waren, bestehende Bauten für den Landtag zu nutzen, waren Bau- bzw. Umbauarbeiten unumgänglich. Für den Landtag wurden am Domplatz, einem traditionsreichen Zentrum der Machtausübung und Repräsentation, barocke Bürgerhäuser ausgewählt. Vorwiegend aus der Zeit des Königreichs Preußen stammende Repräsentationsbauten von Regierungs- und Militärbehörden wurden dagegen nicht ausgewählt. Im Jahr 1991 entstandene Pläne für den Neubau eines repräsentativen und transparenten Plenarsaales sind nicht realisiert worden. Statt dessen bezog man die restlichen barocken Bürgerhäuser der Nordseite des Domplatzes ein und baute den Plenarsaal in den Innenhof des Gebäudekomplexes aus. Nach dem schrittweisen Aus- und Umbau für die Zwecke des Landtages stellt sich die gesamte Nordseite des traditionsreichen Magdeburger Domplatzes als geschlossener Gebäudekomplex dar, der einerseits die Funktion eines modernen Parlaments erfüllt und andererseits auf auffällige architektonische Besonderheiten wie Kuppeln, besondere Vorbauten usw. verzichtet.
Mathias Tullner

Kapitel 18. Der Landtag in Kiel – Parlamentsarchitektur in Schleswig-Holstein

Zusammenfassung
Der Landtag Schleswig-Holsteins hat seinen Sitz im „Landeshaus“ an der Kieler Förde. Der Beitrag zeichnet die Entwicklung der Architektur dieses Hauses nach und verbindet sie mit der politischen Geschichte des Landes. Wir zeigen, wie sich das politische System des Landes von einer Dominanz der Landesregierungen zu einer zumindest dem Anspruch nach offeneren und zugänglicheren Partizipationsdemokratie entwickelt hat. Wir diskutieren diese Entwicklung parallel zur architektonischen Entwicklung des Landeshauses, das von 2000 bis 2004 grundlegend umgebaut, um einen gläsernen Plenarsaal erweitert und als Gebäude offener und transparenter wurde. Wir argumentieren, dass die veränderte Architektur einem veränderten Verständnis von Politik im Land entspricht. Wie die Bundesrepublik als Ganzes wagt sich das Land als konsolidiertes demokratisches Gemeinwesen zunehmend stärker der Inputlegitimation zu versichern.
Wilhelm Knelangen, Christian Martin

Kapitel 19. Zeugnis aus drei politischen Systemen: Der Thüringer Landtag im Spannungsfeld von Überwältigungs- und Ermächtigungsarchitektur

Zusammenfassung
Als ein Dokument politischer Architektur weist das aus vier Gebäuden bestehende Ensemble des Thüringer Landtags eine wechselvolle Geschichte auf. Das Abgeordnetenhaus, in dem sich ab Ende der 1930er Jahre auch Haftzellen der Gestapo befanden, sowie das Hochhaus, in dem zu DDR-Zeiten der Rat des Bezirks Erfurt untergebracht war, bedeuten historische Erblast wie Herausforderung für die parlamentarischen Akteure. Der Landtag hat beim Umgang mit den auf Überwältigung zielenden Bestandsbauten auf Kontinuität und Kontrast gesetzt: Einerseits wurden die vorgefundenen Gebäude erhalten und umgebaut. Andererseits erfolgte bei den Neubauten, dem Funktionsgebäude und dem Plenarsaal, durch Glasfassaden, helles Holz und eine großzügige Raumgestaltung eine Distanzierung von den Altbauten. Diese setzt sich fort in einer Reihe von Erinnerungsorten als Ausdruck eines historisch sensiblen Umgangs mit der Geschichte des Landes(-parlaments). Der Beitrag bietet eine Darstellung und Analyse des architektonisch bewusst heterogen gestalteten Gebäudeensembles. Untersucht wird anhand einer plakativen Gegenüberstellung von Überwältigungs- und Ermächtigungsarchitektur, ob und inwiefern Grundsätze demokratischen Bauens bei der Gestaltung des Parlaments zum Tragen gekommen sind. Dabei interessiert nicht nur die Außen- und Innengestaltung der Bauten, sondern auch der nichtöffentliche Entscheidungsprozess mit seinen Akteuren und Konflikten, der zum sichtbaren Ensemble von Zeitzeugen aus drei politischen Systemen geführt hat.
Michael Edinger

Kapitel 20. Bundesrat: Architektur und föderative Symbolisierungselemente des deutschen Bundesrates

Zusammenfassung
Der deutsche Bundesrat ermöglicht die Mitwirkung der Länder an der Bundesgesetzgebung, aber die sich hierin ausdrückende institutionelle Leitidee des Föderalismus und der Länderintegration auf Gesamtstaatsebene wird nur in recht geringem Maße durch Symbolisierungselemente in der Architektur und inneren Ausgestaltung des Bundesratsgebäudes reflektiert. Dies traf für den Sitz des Bundesrates in Bonn zu und gilt ebenso für das ehemalige Preußische Herrenhaus in Berlin, wo sich seit dem Jahr 2000 der Sitz des Bundesrates befindet. Während sich die Gebäudearchitektur vornehmlich auf die Verbindung von Tradition und Moderne konzentriert und das neoklassizistische Herrenhausgebäude mit modernen Gestaltungs- und Kunstelementen aufgelockert wird, bemüht sich die Öffentlichkeitsarbeit des Bundesrates in zunehmendem Maße, den Besuchergruppen und der Öffentlichkeit sowohl die Geschichte und Architektur des Gebäudes als auch die föderative Funktion des Bundesrates nahezubringen. Allerdings erweisen sich das Interesse der Öffentlichkeit für den Bundesrat und die Kenntnisse über den Föderalismus bislang als relativ gering. Es bleibt abzuwarten, ob die künftig freiere öffentliche Zugänglichkeit des Bundesratsgebäudes ab 2024 zu einer Zunahme des Interesses führen wird.
Joachim Amm

Kapitel 21. Der Bundestag im Reichstag

Zusammenfassung
Das Reichstagsgebäude in Berlin bezieht seine starke Symbolkraft nicht nur aus seiner Funktion als Sitz des Deutschen Bundestages, sondern vor allem aus seiner Geschichte, die eng mit Aufbruch und Scheitern Deutschlands im 20. Jahrhundert verbunden ist. Als Haus der deutschen Volksvertretung im Kaiserreich geplant und gebaut, stand es von Anfang an im Zentrum des politischen Geschehens und der öffentlichen Wahrnehmung. Nach seiner Zerstörung 1945 und dem Wiederaufbau blieb das Gebäude ein Mahnmal für die Einheit Deutschlands. Mit der Wiedervereinigung und der Umzugsentscheidung des Bundestages folgte ein weiterer Umbau durch den britischen Architekten Norman Foster, mit dem das Gebäude seine heutige Form angenommen hat. Insbesondere über die Errichtung einer Kuppel auf dem kriegsversehrten Bauwerk entbrannte während der Planungen Mitte der 1990er Jahre ein leidenschaftlicher Streit, an dessen Ende ein klassischer parlamentarischer Kompromiss stand: Die Kuppel erinnert an die Geschichte des Bauwerks, stellt aber in ihrer Modernität einen sichtbaren Kontrast zum bestehenden Gebäude dar. Auf diese Weise sind die Silhouette des Reichstagsgebäudes und die Kuppel zu einem weltbekannten Symbol des Bundestages und der „Berliner Republik“ geworden.
Nino Galetti

Resümee und Schluss

Frontmatter

Kapitel 22. Die ästhetische Herausforderung des Föderalismus in den Landesparlamenten

Zusammenfassung
Der Bau und Umbau von deutschen Landesparlamenten ist in der Welt einmalig – wie der Föderalismus der Bundesrepublik. Der „Arbeitsparlamentarismus“ wurde selbst bei Unterbringung des Landesparlaments in Schlössern maßgeblich für die Gestaltung der Bauwerke. Das Bauhaus diente vielfach als Vorbild.
Klaus von Beyme

Kapitel 23. Architektonische Modi politischer Existenz: Parlamentsarchitekturen und andere Formen politischer Architektur

Zusammenfassung
Der Beitrag nimmt einerseits eine architektursoziologische Perspektive ein: Er interessiert sich für die soziale Positivität der architektonischen Artefakte, für ihren aktiven Beitrag zur Konstitution des Sozialen. Andererseits wird im Blick auf das Politische und die parlamentarische Demokratie eine Perspektive eingenommen, der zufolge das Besondere der modernen Demokratie in einer mehrfach paradoxen Institution der Einheit der Gesellschaft besteht: In dieser Form des Politischen wird diese Einheit ebenso behauptet wie latent gehalten; die moderne demokratische Gesellschaft beruht auf konträren imaginären Gründen; und sie institutionalisiert den Konflikt. Vor diesem Hintergrund geht der Beitrag im dritten Teil auf die Parlamentsbauten ein, deren Vielfalt und unterschiedliche architektonischen Stile verstehbar werden. Schließlich werden weitere Merkmale einer demokratischen Architektur angesprochen, und zwar, indem (mit den Tuareg und Achuar) gerade ganz andere, konträre Formen des Politischen und der politischen Architektur sichtbar werden.
Heike Delitz

Kapitel 24. Von Parlamentsarchitektur lernen

Zusammenfassung
Was kann die Politikwissenschaft aus der Architektur deutscher Parlamente lernen? Wie die Kapitel zeigen, verbergen sich hinter Barockfassaden, Renovierungsprojekten und Neubauten in der Tat große Fragen nach Macht, Legitimität und Repräsentation. Die Zusammenfassung arbeitet erstens heraus, welche Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede zwischen den Fallstudien bestehen. Wie ist der „typische“ deutsche Landtag architektonisch gestaltet, und welche Bundesländer stellen Ausnahmen von der Regel dar? Zweitens fragen wir, was sich aus der Architektur der Landtage über die demokratische Teilhabe und Repräsentation der BürgerInnen auf Länderebene lernen lässt, über deutsche Landespolitik, und über das föderale System dessen Teil sie sind. Drittens verbinden wir die gesammelten Eindrücke mit den fundamentalen Fragen über Demokratiequalität, die in den theoretischen Beiträgen aufgeworfen werden: was lässt sich an der Architektur deutscher Landtage tatsächlich über das Verhältnis zwischen Repräsentierten und Repräsentierenden ablesen?
Patrick Theiner, Julia Schwanholz
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