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Über dieses Buch

Dieses Buch behandelt alle politischen Systeme Lateinamerikas und folgt der Idee, eine Balance zwischen länderübergreifender Perspektive und individualisierender Länderstudie herzustellen. Nach einem generalisierenden Überblick werden die dort angeschlagenen Themen in 20 Länderkapiteln wieder aufgegriffen. Die Länderkapitel schildern in chronologischer Darstellung zunächst die Vorgeschichte des aktuellen politischen Systems. Anschließend werden die politischen Institutionen, insbesondere das Regierungs- und das Parteiensystem vorgestellt und ferner die politischen Kursentscheidungen und Handlungsmöglichkeiten in der Wirtschaftspolitik und bei der Armutsbekämpfung skizziert.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Von der Kolonialisierung bis zur Gegenwart

Zusammenfassung
Dieses Kapitel skizziert die Ursachen der Unabhängigkeit Spanisch- und Portugiesisch-Amerikas. Es schildert das politische Modell und die Ideologie der jungen Republiken und skizziert die politischen Folgen ihrer Einbindung in die Weltwirtschaft. Weitere Themen sind die großen Zäsuren des 20. Jahrhunderts: Importsubstitution, Militärdiktatur, die Wirtschaftskrisen, der Übergang zur Demokratie und die neoliberale Wirtschaftspolitik.
Jürgen Hartmann

Kapitel 2. Theorien über Lateinamerika

Zusammenfassung
Die auf Lateinamerika gemünzten Theorien der abhängigen Entwicklung heben die Rolle der Region als Primärgüterproduzent für die industrialisierte Welt und ihre kulturelle Fixierung auf Europa und Nordamerika hervor.
Jürgen Hartmann

Kapitel 3. Klassenstrukturen und Identitäten

Zusammenfassung
Das lateinamerikanische Klassenschema zeigt die Besonderheiten einer privilegierten Mittelschicht, verbreiteter Armut und eines von Unterbeschäftigung charakterisierten informellen Sektors. Arm und Reich verkörpern nicht bloß verschiedene materielle Welten, sie stehen auch für unterschiedliche Identitäten als Nachfahren der weißen Kreolen, der Mestizen und der Indigenen.
Jürgen Hartmann

Kapitel 4. Das politische System

Zusammenfassung
Die politischen Systeme halten sich an das Modell der Präsidialdemokratie. Persönlichkeiten zählen stärker als Parteien und Programme. Die Präsidenten stehen im Mittelpunkt des politischen Geschehens. Ihre Regierungsfähigkeit ist häufig von parlamentarischen Koalitionen abhängig. Regierung wie Opposition strapazieren die Verfassung, um ihren Willen durchzusetzen.
Jürgen Hartmann

Kapitel 5. Wirtschaftspolitik und Ressourcenmanagement

Zusammenfassung
Die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre führte zum Versuch, sich mit einem Kraftakt aus der Importabhängigkeit von den Industrieländern zu befreien. Dieses Ziel wurde verfehlt. Das hoch verschuldete Lateinamerika wurde in den 1980er Jahren zum Sanierungsfall der internationalen Finanzwelt. Die Wirtschaftspolitik in der Region folgt dem neoliberalen Ordnungsmodell, das Lateinamerika auf die Rolle des Rohstoff- und Agrarproduzenten verweist.
Jürgen Hartmann

Kapitel 6. Kolumbien

Zusammenfassung
Linke Guerillas, Paramilitärs und Drogenkriminelle belasten die kolumbianische Politik seit Jahrzehnten. Auch Rohstoffunternehmen und Landbesitzer halten den Staat auf Abstand. Der politische Prozess ist von schwachen Parteien und persönlicher Rivalität, aber auch vom Konsens über die Grundzüge der Wirtschaftspolitik charakterisiert.
Jürgen Hartmann

Kapitel 7. Venezuela

Zusammenfassung
Das Land ist nach einer Epoche achtloser Verschwendung der Erlöse aus der Ölförderung zum Versuchsfeld sozialistischer Wirtschafts- und Verteilungspolitik geworden. Das wirtschaftspolitische Missmanagement setzt sich unter der Herrschaft einer Funktionärsklasse fort, die zunehmend die Oppositions- und Pressefreiheit einschnürt. Auch die Opposition setzt auf Polarisierung.
Jürgen Hartmann

Kapitel 8. Ecuador

Zusammenfassung
Nach Jahrzehnten turbulenter Innenpolitik ist Stabilität eingekehrt. Ecuador gilt heute als Beispiel realistischer Reformpolitik. Die Basis des politischen Erfolgsmodells ist die Expansion der Ressourcenausbeutung. Ihre Früchte werden heute gerechter verteilt als in der Vergangenheit. Die damit verbundenen Eingriffe in die Natur und indigene Lebensräume gehen mit politischen Konflikten einher.
Jürgen Hartmann

Kapitel 9. Peru

Zusammenfassung
Die peruanische Politik verzeichnete jahrzehntelang den Wechsel von Zivil- und Militärherrschaft. Heute sind die Eckpunkte der Verfassung akzeptiert. Parteien spielen in der peruanischen Politik keine Rolle, eine umso größere aber Persönlichkeiten, die sich ihre Wahlbündnisse zurechtzimmern. Die große indigene Bevölkerung hat keine eigene politische Adresse; sie integriert sich in das Angebot politischer Parteien und Persönlichkeiten. Die politische Grundrichtung ist wirtschaftspolitisch liberal und auf die Ressourcenausbeutung angelegt.
Jürgen Hartmann

Kapitel 10. Bolivien

Zusammenfassung
Nach Jahrzehnten chaotischer Politik hat Bolivien unter Präsident Morales zu Stabilität gefunden. Die regierende Reformpartei verdankt ihren Erfolg der Fähigkeit zur Interessenvertretung der unteren Klassen und der indigenen Bevölkerung, aber auch der Popularität ihres Präsidenten. Ein weltmarktkompatibles Rohstoffregime beschafft die Mittel für Sozialpolitik und Armutsbekämpfung. Die Vertiefung und Expansion der Rohstoffwirtschaft sprengt einstige Bündnisse.
Jürgen Hartmann

Kapitel 11. Chile

Zusammenfassung
Nach dem Rückzug der Militärs aus der Politik hat sich seit 25 Jahren eine rechtstaatliche und von Konsens gestützte Demokratie entwickelt. Ein Wall politischer Tabus schützt aber auch die Grundstruktur der von den Militärs hinterlassenen Verteilungsordnung. Die Bedingungen der Militärs für den Übergang zur Demokratie werden heute revidiert, um die Repräsentationsleistung des politischen Systems zu verbessern. Das rohstoffpolitische Regime des existenziell vom Export lebenden Landes ist darauf angelegt, Preisschwankungen auf dem Weltmarkt abzufedern und die Kontinuität der Staatseinnahmen zu sichern.
Jürgen Hartmann

Kapitel 12. Argentinien

Zusammenfassung
Der Peronismus und sein bürgerliches Gegenlager sind seit mehr als sieben Jahrzehnten Säulen der argentinischen Politik. Die peronistische Bewegung steuerte zuletzt einen linken Kurs und zeigte in der Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner autoritäre Reflexe. Drohender Statusverlust und sinkender Lebensstandard werden mit dem Blick auf eine verklärte Vergangenheit habituell den aktuell Regierenden zugeschrieben. Die Ursachen liegen in der Abhängigkeit des Agrarexportlandes vom Weltmarkt. Die wechselnden Regierungen tun so, als hätten sie Handlungsmöglichkeiten. Sie produzieren damit über kurz oder lang neue Enttäuschungen.
Jürgen Hartmann

Kapitel 13. Brasilien

Zusammenfassung
Im historischen Rückblick war Brasilien ein Schauplatz regelloser Machtkämpfe. Seit 25 Jahren vermittelt es das Bild einer stabilen Demokratie, die sogar mit den Anforderungen eines Koalitionsbetriebs zurechtzukommen scheint. Im Wirtschaftsmanagement und bei der Armutsbekämpfung war Brasilien durchaus erfolgreich. Die jüngsten Ereignisse, insbesondere der Versuche, die Präsidentin per Anklage aus dem Amt zu drängen, werfen die Frage auf, ob das politische System tatsächlich stark genug ist, die Folgen einer wirtschaftlichen Schlechtwetterphase auszuhalten.
Jürgen Hartmann

Kapitel 14. Paraguay

Zusammenfassung
Eine Vergangenheit verschiedener Varianten autoritärer Herrschaft macht sich noch heute im rauen Umgang mit Verfassung und Recht sowie in der mangelnden Akzeptanz missliebiger Wahlsieger bemerkbar. Politik gegen die Interessen der Agrarwirtschaft und ihrer Verbündeten in der Geschäftswelt ist aussichtslos.
Jürgen Hartmann

Kapitel 15. Uruguay

Zusammenfassung
Seit bald hundert Jahren wird Uruguay – mit Ausnahme einer Episode der Militärdiktatur – im demokratischen Modus regiert. Es ist den übrigen Ländern der Region mit der Existenz eines funktionierenden Sozialstaates, seit einigen Jahren auch einer liberalen Gesellschaftspolitik weit voraus. Die größten Herausforderungen für das politische System liegen in der Importabhängigkeit.
Jürgen Hartmann

Kapitel 16. Panama

Zusammenfassung
Das Land zählt zu den stabileren Ländern Mittelamerikas. Es hat ein überschaubares Parteiensystem. Der Panamakanal und der Aufstieg zum Bankenzentrum sorgen für Einnahmen und Beschäftigung. Die Politik bewegt sich seit 25 Jahren im konstitutionellen Rahmen. Armutsprobleme drücken das Land bei Weitem nicht so stark wie die Nachbarländer.
Jürgen Hartmann

Kapitel 17. Costa Rica

Zusammenfassung
Das Land zählt zu den stabilen Demokratien Süd- und Mittelamerikas. Die Amts- und Mandatszeiten für Präsident und Parlamentarier sind so strikt begrenzt wie nirgendwo sonst in der Region. Die einst von der Linken eingeführte Sozialpolitik ist heute weithin Konsens, gleichzeitig aber auch Stoff für Kontroversen über die wirtschaftliche Belastbarkeit und das Ausmaß der Staatstätigkeit.
Jürgen Hartmann

Kapitel 18. Nicaragua

Zusammenfassung
Die Spuren einer von Diktatur und Bürgerkrieg gezeichneten Vergangenheit zeigen sich noch heute, unter anderem in der Manipulation von Verfassung und Justiz. Nach Wechselbädern sozialistischer und liberaler Wirtschaftspolitik hat sich die frühere Linke dem Mainstream angepasst. Der einst linke Präsident findet Gefallen an der landesüblichen Verbindung von Geld und Macht.
Jürgen Hartmann

Kapitel 19. Honduras

Zusammenfassung
Erst vor einem Vierteljahrhundert fand das Land zu Wahlen und Parteienkonkurrenz. Reiche Familien, die auch die Wirtschaft kontrollieren, beherrschen die politische Bühne. Das Intermezzo eines linken Präsidenten endete 2009 mit einem der in Lateinamerika selten gewordenen Putsche. Als Transitraum der durch Mittelamerika führenden Drogenrouten verzeichnet das Land eine der höchsten Kriminalitätraten des Kontinents.
Jürgen Hartmann

Kapitel 20. Guatemala

Zusammenfassung
Nach dreißig Jahren Bürgerkrieg und Militärherrschaft müht sich das Land an einer konstitutionellen Regierungspraxis ab. Reiche und mächtige Familien stehen hinter den bedeutenderen Parteien. Die im Alltag diskriminierte indigene Bevölkerungsmehrheit steht im Schatten der Machtspiele. Die Politik sieht die wirtschaftliche Zukunft des Landes im Standort billiger Lohnarbeit.
Jürgen Hartmann

Kapitel 21. El Salvador

Zusammenfassung
Wie das Nachbarland Guatemala ging El Salvador vor erst 30 Jahren zu Wahlen und Parteienkonkurrenz über. Die Politik ist stark polarisiert. In den Parteien sind frühere Militärs und die Guerillas der Bürgerkriegszeit aktiv. Erstere sind mit den reichen Familien des Landes verbunden. Die Besitzverhältnisse sind eine Tabuzone. Neben der Kaffeewirtschaft ist die Billiglohnindustrie inzwischen Teil des politischen Geschäftsmodells.
Jürgen Hartmann

Kapitel 22. Mexiko

Zusammenfassung
Die Auflösung des Staatsparteimonopols des PRI und das Ausrangieren einer überkommenen Staatswirtschaft gingen in Mexiko Hand in Hand. Das Land praktiziert politischen Wettbewerb. Es hat aber gravierende Probleme mit der Durchsetzung der Rechtsordnung, die seit einigen Jahren von mächtigen Drogenkartellen herausgefordert wird. Die ehemalige Regimepartei PRI ist auch heute noch eine starke politische Kraft. In den Grundzügen der Wirtschafts- und Sozialpolitik sind sich die beiden größten Parteien einig.
Jürgen Hartmann

Kapitel 23. Haiti

Zusammenfassung
Der Inselstaat ist das absolute Armenhaus Lateinamerikas. Die Politik kreist um ambitionierte Persönlichkeiten. Regeln werden gebogen oder ignoriert. Selbst mit der Wirksamkeit des Staates ist es nicht weit her. Auf aller Politik lastet die Hypothek einer gewaltsamen Vergangenheit. Das Vorhandensein einer internationalen Friedenstruppe deutet auf den Zuschnitt eines gescheiterten Staates.
Jürgen Hartmann

Kapitel 24. Dominikanische Republik

Zusammenfassung
Nach einer der härtesten und längsten Diktaturen in der Region hat die Inselrepublik zu einer demokratischen Praxis gefunden. Der politische Wettbewerb vollzieht sich im Rahmen dreier Parteien. Das Wahlregime diskriminiert afro-dominikanische und privilegiert im Ausland lebende Bürger.
Jürgen Hartmann

Kapitel 25. Kuba

Zusammenfassung
Als sozialistische Republik passt der größte Karibikstaat in keines der üblichen lateinamerikanischen Formate. Das Regime ist nach dem Bauplan des leninistischen Staates konstruiert, verzeichnet aber Besonderheiten wie die starke Rolle der Streitkräfte und die Dauerpräsenz der Castro-Brüder an der Parteispitze. In der Wirtschaftspolitik waltet Reformbereitschaft, am Konzept der Staatspartei hält die Staatsführung fest. Die wirtschaftspolitischen Richtungsentscheidungen deuten heute auf Vorbilder wie China und Vietnam.
Jürgen Hartmann

Kapitel 26. Resümee

Zusammenfassung
Dieses Kapitel stellt als Fazit das „alte“, von Putsch und Militärherrschaft gezeichnete Lateinamerika der 1930er bis 1980er Jahre dem „neuen“ Lateinamerika gegenüber, das in den 2000er Jahren Kontur gewonnen hat und in dem politische Konflikte eher nach demokratischen Regeln ausgetragen werden.
Jürgen Hartmann

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