Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Die Menschen in Deutschland haben ein gleichgültiges bis schlechtes Verhältnis zu unserer Gesellschaft. Tatsächlich hat die Moderne, also die letzten 200 Jahre, der Bevölkerung einen historisch beispiellosen Fortschritt geschenkt: Demokratie, Menschenrechte, soziale Sicherungssysteme, nutritiver Überfluss. Doch gewürdigt wird dies wenig. Das mag daran liegen, dass wir uns im Sinne Diderots permanent bewähren müssen, wir also in einer Leistungsgesellschaft leben, die Leiden produziert. In der Moderne sind jedoch auch totalitäre Ideologien entstanden und umgesetzt worden, für die die Moderne auch verantwortlich ist. Dieses essential zeigt, dass die Psychologie sich bei näherem Hinsehen als Verteidigerin der guten Anteile der Moderne entpuppt.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Zusammenfassung
Die Moderne ist von einer Paradoxie bestimmt. Sie zeichnet sich durch historisch unfassbare Errungenschaften aus: Demokratie, Gewaltenteilung, Wahrung der Menschenrechte, soziale Sicherungssysteme wie gesetzliche Krankenversicherung, Arbeitslosengeld, Rente, nutritiver Überfluss. Zugleich bildet sie einen experimentellen Möglichkeitsraum, in dem eben alles möglich ist, auch totalitäre Ideologien und deren Umsetzung. Die Errungenschaften der Moderne sind nur dadurch zu retten, indem das „Alles ist möglich“ klar begrenzt wird. Die Psychologie und ihre Anwendungen in Beratung und Psychotherapie liefert gute Instrumente, um diese Begrenzungen zu ermöglichen und ein reflektiertes Subjekt mit ironischer Distanz zu sich selbst zu schaffen.
Christoph Klotter

Übersicht

Zusammenfassung
Zunächst werden die Mentalitäten der Moderne vorgestellt, am Beispiel des sich Bewährens im Sinne Diderots. Die protestantische Ethik nach Weber wird skizziert, ebenso der neue Konsummensch (Sombart). Die Romantik hat die strukturell entgrenzende Moderne mitbegründet. Die Diskussion um Moderne und Postmoderne macht deutlich, dass von relativer Zufriedenheit mit der Moderne die Rede nicht sein kann. Zu erklären wäre das damit, dass über der gesamten Moderne ein riesiger Schatten liegt: die Schoa. Hätte die Psychologie eine noch wichtigere Rolle in der Moderne gespielt, so hätte die eventuell verhindert werden können. Es gibt nicht die eine Psychologie, sondern verschiedene mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Funktionen.
Christoph Klotter

Sich bewähren

Zusammenfassung
Diderot macht Schluss mit der feudalen Gesellschaft, in der die Geburt über das soziale Ansehen bestimmte: als Adliger geboren – ein Leben lang angesehen, als Bauer – ein Leben lang wenig. Die protestantische Ethik im Sinne Weber unterwirft das Leben der Askese. Wer ein Indiz dafür bekommen will, der Gnade Gottes zuteil zu werden, muss arbeiten ohne Ende. Sombart beschreibt eine Neuzeit und Moderne, in der das soziale Ansehen darüber bestimmt wird, wie viel Luxus jemand haben kann. Damit wird auch der moderne Konsummensch geschaffen, der sich über seinen guten Geschmack individualisiert.
Christoph Klotter

Romantik

Zusammenfassung
Die Romantik der sogenannten Früh-Romantiker hat mit dem nichts zu tun, was heute darunter verstanden wird: ein feierlicher spontaner Heiratsantrag, ein Abendessen zu zweit vor einer intensiven Nacht. Die Früh-Romantik ergänzte die Fähigkeiten des menschlichen Verstands um die Welt der Gefühle. Und diese sollte gänzlich durchschritten werden, einschließlich der negativen Gefühle. So war eine Grundlage des „Alles ist möglich“ der Moderne geschaffen.
Christoph Klotter

Moderne – Postmoderne

Zusammenfassung
Vor einigen Jahrzehnten fand eine Diskussion darüber statt, ob wir in der Moderne oder bereits in der Postmoderne leben. Die Moderne wurde überwiegend angegriffen. Sie sei zu ideologisch und fundamentalistisch gewesen. Das was die Ideologien des Nationalsozialismus und des Sozialismus betrifft, mag diese Kritik durchaus berechtigt sein. Aber interessanterweise wurden in dieser Diskussion, mit dieser Diskussion die unvergleichlichen Vorzüge der Moderne vollkommen ignoriert. Es wundert dann nicht mehr, wenn die Stimmung in der Bevölkerung tendenziell schlecht ist.
Christoph Klotter

Die Lehrbücher Psychologie: zwei Klassiker

Zusammenfassung
In den beiden Lehrbüchern der Psychologie, die beide sehr umfangreich sind, fällt auf, dass eine gewisse Naivität vorherrscht, was zum Beispiel die Wissenschaftstheorie betrifft. Diese Naivität begünstigt einen Optimismus. Mit der Psychologie ist eigentlich alles zu schaffen. Und ohne Psychologie wären wir verloren. Die Psychologie lebt damit den Fortschrittsglauben der Moderne fort. Sie garantiert: Alles wird besser.
Christoph Klotter

Geschichte der Psychologie – Geschichte der Psychologie?

Zusammenfassung
In den vorgestellten Lehrbüchern der Psychologie wird ein wenig auf Vorläufer der modernen Psychologie eingegangen, aber es wird nicht verstanden, dass die jeweilige Psychologie kulturabhängig, vom jeweiligen Zeitalter konfiguriert wird Mit der jeweiligen Psychologie verständigt sich eine jeweilige Kultur über sich selbst. Die moderne Psychologie tritt gleichsam das Erbe großer Philosophen, wie Descartes oder Kant, die die große Seele der Moderne geschaffen haben, an. Dass diese Seele massiv überfordernd sein kann, wird hierbei ausgeblendet.
Christoph Klotter

Psychologische Schulen

Zusammenfassung
Es gibt nicht die Psychologie, sondern diverse Schulen, denen unterschiedliche gesellschaftliche Aufgaben zukommen. Die Lerntheorien und die daraus anteilig abgeleitete Verhaltenstherapie verlängern den Machbarkeitsmythos der Moderne. So ist das unerwünschtes Verhalten veränderbar. Die Psychoanalyse relativiert die große Seele der Moderne. Der Mensch sei nicht Herr im eigenen Haus, so Freud, weil das Unbewusste eine stark bestimmende Kraft sei. Zugleich wird die große Seele neu etabliert. Dem Bewusstsein wird die Aufgabe zugewiesen, die nahezu unergründliche Seele zu erforschen. Die humanistischen Modelle setzen die Ideale der Moderne fort: die einzigartige individuelle Seele, der von Grund auf gute Mensch. Der systemische Ansatz dezentriert das Individuum und erforscht Systeme.
Christoph Klotter

Schluss

Zusammenfassung
Als ich das Buch zu schreiben anfing, waren mir zwei Dinge nicht klar.
Christoph Klotter

Backmatter

Weitere Informationen