Skip to main content
main-content

Tipp

Weitere Kapitel dieses Buchs durch Wischen aufrufen

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Die Resilienz der Bevölkerung in einer Lebensmittelversorgungskrise

verfasst von: Ute Menski, Gabriel Bartl, Stefanie Wahl, Lars Gerhold

Erschienen in: Politisches Krisenmanagement

Verlag: Springer Fachmedien Wiesbaden

share
TEILEN

Zusammenfassung

Die mediale Aufregung um das neue Zivilschutzkonzept der Bundesregierung im Sommer 2016 war groß: Schon vor der offiziellen Vorstellung durch den Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière und den Präsidenten des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Christoph Unger am 24. August 2016 fokussierten beispielsweise selbst seriöse Zeitungen ihre Berichterstattung auf einen kleinen Aspekt unter vielen: Die staatliche Empfehlung für die Bevölkerung, einen Vorrat an Lebensmitteln für zehn Tage im Falle einer möglichen Versorgungskrise vorzuhalten. Die Berichterstattung prägten, insbesondere vor Veröffentlichung des Konzepts, Schlagzeilen wie „Panikmache“ oder „Aufruf zu Hamsterkäufen“. Die Meinungen und Kommentare von LeserInnen auf Online-Nachrichtenportalen und in sozialen Medien wiesen jedoch darauf hin, dass eine Lebensmittelvorsorge für Krisenfälle im Sinne des Bevölkerungsschutzes für private Haushalte eher abwegig erscheint.

Sie möchten Zugang zu diesem Inhalt erhalten? Dann informieren Sie sich jetzt über unsere Produkte:

Springer Professional "Wirtschaft+Technik"

Online-Abonnement

Mit Springer Professional "Wirtschaft+Technik" erhalten Sie Zugriff auf:

  • über 69.000 Bücher
  • über 500 Zeitschriften

aus folgenden Fachgebieten:

  • Automobil + Motoren
  • Bauwesen + Immobilien
  • Business IT + Informatik
  • Elektrotechnik + Elektronik
  • Energie + Nachhaltigkeit
  • Finance + Banking
  • Management + Führung
  • Marketing + Vertrieb
  • Maschinenbau + Werkstoffe
  • Versicherung + Risiko

Testen Sie jetzt 15 Tage kostenlos.

Springer Professional "Wirtschaft"

Online-Abonnement

Mit Springer Professional "Wirtschaft" erhalten Sie Zugriff auf:

  • über 58.000 Bücher
  • über 300 Zeitschriften

aus folgenden Fachgebieten:

  • Bauwesen + Immobilien
  • Business IT + Informatik
  • Finance + Banking
  • Management + Führung
  • Marketing + Vertrieb
  • Versicherung + Risiko




Testen Sie jetzt 15 Tage kostenlos.

Fußnoten
1
In der siebzig Seiten langen „Konzeption Zivile Verteidigung (KZV)“, auch Zivilschutzkonzept genannt, umfasst die Passage zum Selbstschutz der Bevölkerung, verbunden mit der Empfehlung zum Vorhalten eines privaten Lebensmittelvorrates für zehn Tage, lediglich vier Zeilen (BMI 2016, S. 47).
 
2
„Kritische Infrastrukturen sind Organisationen oder Einrichtungen mit wichtiger Bedeutung für das staatliche Gemeinwesen, bei deren Ausfall oder Beeinträchtigung nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit oder andere dramatische Folgen eintreten würden“ (BMI 2009, S. 3).
 
3
Bauman, als einer der Kritiker von kommunitaristischen Sichtweisen, behauptet in diesem Zusammenhang etwa, dass innerhalb des Kommunitarismus die „Notwendigkeit der Toleranz zugunsten der Idee einer stabilen und wertbesetzten Gemeinschaftlichkeit“ (Joas und Knöbl 2013, S. 664) aufgehoben wurde.
 
4
Die Verschiebung des Fokus von Vulnerabilität zu Resilienz hat auch negative Implikationen: vulnerable im Sinne von arme soziale Gruppen erscheinen nun als aufholbedürftig an Resilienz, wobei Faktoren von Armut und die Reproduktion im Hintergrund bleiben.
 
5
Die Sicherung der Versorgung der Bevölkerung wie der Streitkräfte mit Lebensmitteln im Verteidigungsfall ist Teil des Zivilschutzes und fällt in den Bereich der ausschließlichen Gesetzgebungskompetenz des Bundes, während eine friedenszeitliche Versorgungskrise in den Bereich des Katastrophenschutzes fällt und somit die Länder zuständig sind (zu rechtlichen Fragen der ENV siehe auch Gusy und Ebeling 2016, S. 163–207).
 
6
Haushalte bestehen aus zusammenwohnenden und gemeinsam wirtschaftenden Personen. Sie sind aber keine sozial isolierten Einheiten, sondern unterhalten vielerlei haushaltsexterne Beziehungen, zum Beispiel zu Verwandten, Freunden, Nachbarn. Glatzer bezeichnet dies als „informelles soziales Netzwerk“ (Glatzer 2001, S. 296), dessen zentrale Leistung die Gewährung von personenbezogener sozialer Unterstützung (social support) ist, welche nur teilweise durch das Gegenseitigkeitsprinzip geregelt ist. Viel mehr Gewicht hat das Solidaritätsprinzip, dessen Funktion die Entlastung von Individuen und Haushalten in Krisensituationen ist (Glatzer 2001).
 
7
Eine ausführlichere Darstellung ist Menski (2016), hierin insbesondere „Solange der Vorrat reicht… Ergebnisse zweier Befragungen von privaten Haushalten zur Bevorratung mit Lebensmitteln im Falle einer Versorgungskrise.“ (Menski et al. 2016) zu entnehmen.
 
Literatur
Zurück zum Zitat Bartl, G., Gerhold, L., & Schiller, J. (2014). Resilienz – Nationale Perspektiven. In Thoma, K. (Hrsg.), „Resilience by Design“: Strategie für die technologischen Zukunftsthemen. acatech STUDIE (S. 19–52). München: Utz. Bartl, G., Gerhold, L., & Schiller, J. (2014). Resilienz – Nationale Perspektiven. In Thoma, K. (Hrsg.), „Resilience by Design“: Strategie für die technologischen Zukunftsthemen. acatech STUDIE (S. 19–52). München: Utz.
Zurück zum Zitat Beck, U. (2007). Weltrisikogesellschaft. Auf der Suche nach der verlorenen Sicherheit. Frankfurt a. M.: Suhrkamp. Beck, U. (2007). Weltrisikogesellschaft. Auf der Suche nach der verlorenen Sicherheit. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.
Zurück zum Zitat Berkes, F. (2007). Understanding uncertainty and reducing vulnerability: Lessons from resilience thinking. Natural Hazards, 41, 283–295. CrossRef Berkes, F. (2007). Understanding uncertainty and reducing vulnerability: Lessons from resilience thinking. Natural Hazards, 41, 283–295. CrossRef
Zurück zum Zitat Bonß, W. (2015). Karriere und sozialwissenschaftliche Potenziale des Resilienzbegriffs. In M. Endreß & A. Maurer (Hrsg.), Resilienz im Sozialen (S. 15–24). Wiesbaden: Springer. Bonß, W. (2015). Karriere und sozialwissenschaftliche Potenziale des Resilienzbegriffs. In M. Endreß & A. Maurer (Hrsg.), Resilienz im Sozialen (S. 15–24). Wiesbaden: Springer.
Zurück zum Zitat Brown, K. (2014). Global environmental change I: A social turn for resilience? Progress in Human Geography, 38, 107–117. CrossRef Brown, K. (2014). Global environmental change I: A social turn for resilience? Progress in Human Geography, 38, 107–117. CrossRef
Zurück zum Zitat Coates, T. (2015). Understanding local community construction through flooding: The ‚conscious community‘ and the possibilities for locally based communal action. Geography and Environment, 2(1), 55–68. CrossRef Coates, T. (2015). Understanding local community construction through flooding: The ‚conscious community‘ and the possibilities for locally based communal action. Geography and Environment, 2(1), 55–68. CrossRef
Zurück zum Zitat Dombrowsky, W. R. (2012). Resilience from a sociological viewpoint. In H. H. Gander (Hrsg.), Resilienz in der offenen Gesellschaft. Symposium des Centre for Security and Society (S. 281–289). Baden-Baden: Nomos. Dombrowsky, W. R. (2012). Resilience from a sociological viewpoint. In H. H. Gander (Hrsg.), Resilienz in der offenen Gesellschaft. Symposium des Centre for Security and Society (S. 281–289). Baden-Baden: Nomos.
Zurück zum Zitat Dunn Cavelty, M., & Prior, T. (2013). Das Konzept der Resilienz: Gegenwart und Zukunft. CSS Analysen zur Sicherheitspolitik, 142, 1. Dunn Cavelty, M., & Prior, T. (2013). Das Konzept der Resilienz: Gegenwart und Zukunft. CSS Analysen zur Sicherheitspolitik, 142, 1.
Zurück zum Zitat Edwards, C. (2009). The resilient nation. London: Demos. Edwards, C. (2009). The resilient nation. London: Demos.
Zurück zum Zitat Gaillard, J.-C. (2007). Resilience of traditional societies in facing natural hazards. Disaster Prevention and Management: An International Journal, 16(4), 522–544. CrossRef Gaillard, J.-C. (2007). Resilience of traditional societies in facing natural hazards. Disaster Prevention and Management: An International Journal, 16(4), 522–544. CrossRef
Zurück zum Zitat Glatzer, W. (2001). Haushalte und Haushaltsproduktion. In B. Schäfers & W. Zapf (Hrsg.), Handwörterbuch zur Gesellschaft Deutschlands (2. Aufl., S. 294–306). Opladen: Leske + Budrich. CrossRef Glatzer, W. (2001). Haushalte und Haushaltsproduktion. In B. Schäfers & W. Zapf (Hrsg.), Handwörterbuch zur Gesellschaft Deutschlands (2. Aufl., S. 294–306). Opladen: Leske + Budrich. CrossRef
Zurück zum Zitat Gunderson, L. H. (2000). Ecological resilience – In theory and application. Annual Review of Ecology and Systematics, 31, 425–439. CrossRef Gunderson, L. H. (2000). Ecological resilience – In theory and application. Annual Review of Ecology and Systematics, 31, 425–439. CrossRef
Zurück zum Zitat Gusy, C., & Ebeling, C. (2016). Rechtliche Fragen einer Reform der Ernährungsnotfallvorsorge. In U. Menski (Hrsg.), Neue Strategien der Ernährungsnotfallvorsorge. Ergebnisse aus dem Forschungsverbund NeuENV. Schriftenreihe Sicherheit Nr. 18 (S. 163–207). Berlin: Freie Universität Berlin. Gusy, C., & Ebeling, C. (2016). Rechtliche Fragen einer Reform der Ernährungsnotfallvorsorge. In U. Menski (Hrsg.), Neue Strategien der Ernährungsnotfallvorsorge. Ergebnisse aus dem Forschungsverbund NeuENV. Schriftenreihe Sicherheit Nr. 18 (S. 163–207). Berlin: Freie Universität Berlin.
Zurück zum Zitat Holling, C. S. (1973). Resilience and stability of ecological systems. Annual Review of Ecology and Systematics, 4, 1–23. CrossRef Holling, C. S. (1973). Resilience and stability of ecological systems. Annual Review of Ecology and Systematics, 4, 1–23. CrossRef
Zurück zum Zitat Joas, H., & Knöbl, W. (2013). Sozialtheorie. Zwanzig einführende Vorlesungen. Frankfurt a. M.: Suhrkamp. Joas, H., & Knöbl, W. (2013). Sozialtheorie. Zwanzig einführende Vorlesungen. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.
Zurück zum Zitat Menski, U. (2016). Neue Strategien der Ernährungsnotfallvorsorge. Ergebnisse aus dem Forschungsverbund NeuENV. Schriftenreihe Sicherheit Nr. 18. Berlin: Freie Universität Berlin. Menski, U. (2016). Neue Strategien der Ernährungsnotfallvorsorge. Ergebnisse aus dem Forschungsverbund NeuENV. Schriftenreihe Sicherheit Nr. 18. Berlin: Freie Universität Berlin.
Zurück zum Zitat Menski, U., Wahl, S., Tischer, H. Gerhold, L., & Braun, J. (2016). Solange der Vorrat reicht… Ergebnisse zweier Befragungen von privaten Haushalten zur Bevorratung mit Lebensmitteln im Falle einer Versorgungskrise. In U. Menski (Hrsg.), Neue Strategien der Ernährungsnotfallvorsorge. Ergebnisse aus dem Forschungsverb und NeuENV. Schriftenreihe Sicherheit Nr. 18 (S. 95–118). Berlin: Freie Universität Berlin. Menski, U., Wahl, S., Tischer, H. Gerhold, L., & Braun, J. (2016). Solange der Vorrat reicht… Ergebnisse zweier Befragungen von privaten Haushalten zur Bevorratung mit Lebensmitteln im Falle einer Versorgungskrise. In U. Menski (Hrsg.), Neue Strategien der Ernährungsnotfallvorsorge. Ergebnisse aus dem Forschungsverb und NeuENV. Schriftenreihe Sicherheit Nr. 18 (S. 95–118). Berlin: Freie Universität Berlin.
Zurück zum Zitat Pimm, J. S. (1984). The complexity and stability of ecosystems. Nature, 307, 321–326. CrossRef Pimm, J. S. (1984). The complexity and stability of ecosystems. Nature, 307, 321–326. CrossRef
Zurück zum Zitat Pugh, J. (2014). Resilience, complexity and post-liberalism. Area, 46(3), 313–319. CrossRef Pugh, J. (2014). Resilience, complexity and post-liberalism. Area, 46(3), 313–319. CrossRef
Zurück zum Zitat Rasche, J., Schmidt, A., Schneider, S., & Waldtmann, S. (2001). Organisation der Ernährungsnotfallvorsorge. Zivilschutzforschung: Schriftenreihe der Schutzkommission beim Bundesminister des Inneren (Neue Folge Band 47) Bundesverwaltungsamt – Zentralstelle für Zivilschutz – Bonn. Rasche, J., Schmidt, A., Schneider, S., & Waldtmann, S. (2001). Organisation der Ernährungsnotfallvorsorge. Zivilschutzforschung: Schriftenreihe der Schutzkommission beim Bundesminister des Inneren (Neue Folge Band 47) Bundesverwaltungsamt – Zentralstelle für Zivilschutz – Bonn.
Zurück zum Zitat Weick, K. E., & Sutcliffe, K. M. (2007). Managing the unexpected: Resilient performance in an age of uncertainty. San Francisco: Jossey-Bass. Weick, K. E., & Sutcliffe, K. M. (2007). Managing the unexpected: Resilient performance in an age of uncertainty. San Francisco: Jossey-Bass.
Zurück zum Zitat Werner, E. (1971). The children of Kauai: A longitudinal study from the prenatal period to age ten. Honolulu: University of Hawaii Press. Werner, E. (1971). The children of Kauai: A longitudinal study from the prenatal period to age ten. Honolulu: University of Hawaii Press.
Metadaten
Titel
Die Resilienz der Bevölkerung in einer Lebensmittelversorgungskrise
verfasst von
Ute Menski
Gabriel Bartl
Stefanie Wahl
Lars Gerhold
Copyright-Jahr
2018
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-20811-0_12

Premium Partner