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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Vorwort

Zusammenfassung
Es gibt eine Reihe von z. T. ausgezeichneten Büchern über die Türkei, auch in deutscher Sprache. Warum erscheint jetzt noch eines? Chapter 02(12)
Rudolf Schmidt

2. Die Nähe des Unvertrauten

Zusammenfassung
Türken und Deutsche haben miteinander gemeinsam, dass sie „verspätete Nationen“ sind. Aber die Wege, die sie zur Bildung ihrer Nationen führten, ihre Erfahrungen mit dem Nationalstaat und ihre Haltung zur eigenen Nation könnten kaum unterschiedlicher sein. Die Deutschen haben im vergangenen Jahrhundert mit ihrem Nationalstaat Erfahrungen gemacht, durch die sie unsicher in ihrem Nationalgefuhl und skeptisch gegenüber jedem Nationalismus geworden sind. Für viele von ihnen schafft weniger der Staat das Gefühl der Zusammengehörigkeit als eine Gemeinsamkeit der Abstammung und des Schicksals, während andere Deutsche das Nationale als etwas bereits Überwundenes oder möglichst bald zu Überwindendes betrachten. Die Europäische Gemeinschaft wurde gerade zu ihrem Beginn von vielen Deutschen als etwas Neues angesehen, das ihnen die Geborgenheit bieten würde, die sie von der eigenen Nation nicht mehr erwarteten.
Rudolf Schmidt

3. Der nächste Schritt auf einem langen Weg

Zusammenfassung
Während die Tagungen des Europäischen Rates (ER) in den Mitgliedsstaaten der Union in der Regel keine große Aufmerksamkeit erregen, blickt man in der Türkei mit großer Spannung und hohen Erwartungen auf das Treffen der Staats- und Regierungschefs der EU im Dezember 2004: Werden sie endlich beschließen, Beitrittsverhandlungen mit dem „ältesten Kandidaten“ aufzunehmen, der seinen Beitrittsantrag bereits 1987 gestellt hat? Vor zwei Jahren, bei seiner Tagung in Kopenhagen am 12. und 13. Dezember 2002, hatte der ER zwar die wichtigen Fortschritte bei der Erfüllung der politischen Kopenhagen-Kriterien gewürdigt, aber die Türkei dann aufgefordert, sich den verbleibenden Mängeln bei der Durchführung der Reformen zuzuwenden. Er hatte angekündigt, dass die EU unverzüglich Beitrittsverhandlungen aufnehmen werde, wenn der ER bei seiner Tagung im Dezember 2004, auf der Basis eines Berichtes und einer Empfehlung der EU-Kommission, zu dem Ergebnis komme, dass die Türkei die politischen Kriterien erfülle. Diese Formel hatte in der Türkei damals tiefe Enttäuschung ausgelöst. Man hatte auf die Nennung eines Datums für den Beginn der Verhandlungen gehofft und dies bis zur letzten Minute mit großem Nachdruck gefordert. Jedoch ließ sich die neue, nach den Wahlen vom November 2002 gebildete Regierung der Türkei nicht entmutigen. Sie setzte ihren Reformkurs unbeirrt fort.
Rudolf Schmidt

4. Wo endet Europa?

Zusammenfassung
So lautet die Frage, die in Berlin und anderen europäischen Hauptstädten immer öfter gestellt wird. Vielleicht sollten wir aber zunächst fragen: Wo fing Europa an? Die Antwort auf diese Frage erinnert uns daran, dass die Ideen, die Europa geformt haben — antike Philosophie und Christentum — ihren Ursprung im östlichen Mittelmeerraum haben, im heutigen Nahen Osten und im antiken Griechenland und in Kleinasien. Die griechische Philosophie blühte auch in den Städten an der Ostküste des Ägäischen Meeres. In Kleinasien bildeten sich zahlreiche christliche Gemeinden und gerade Paulus, aus Tarsus im Südosten der heutigen Türkei stammend, durchreiste das Gebiet mehrmals von Antiochien am Orontes (dem heutigen Antakkiya) bis Ephesus. Die ersten acht ökumenischen Konzile fanden in Nicaea (heute Iznik), Konstantinopel (heute Istanbul), Ephesus und Chalcedon (heute ein Stadtteil Istanbuls namens Kadiköy) statt.
Rudolf Schmidt

5. Von Mehmet dem Eroberer zum kranken Mann am Bosporus

Zusammenfassung
Wir haben im vorhergehenden Kapitel gesehen, wie eng die Abgrenzung Europas mit dem Verständnis seiner Geschichte zusammenhängt. Je nach diesem Verständnis wird das Osmanische Reich zu Europa gerechnet oder nicht. Wie immer man dazu steht: Es ist kaum zu bestreiten, dass das Reich eine bedeutende Rolle in der europäischen Geschichte gespielt hat. Es hat die Nachfolge des Byzantinischen Reiches angetreten. Über vier Jahrhunderte hat es den größten Teil Südosteuropas beherrscht. Es wurde gleichzeitig zum Mitspieler auf der Bühne der europäischen Mächte. Dabei war sein erster und wichtigster Partner Frankreich.
Rudolf Schmidt

6. Vom Glück, ein Türke zu sein

Zusammenfassung
Auf vielen Denkmälern überall in der Türkei, aber auch in Schulbüchern, wird der Satz von Mustafa Kemal zitiert: „Ne mutlu Türküm diyene“, d. h.: „Wie glücklich ist, wer sagen kann, ich bin ein Türke“. Mustafa Kemal, der später mit dem Namen „Atatürk“, Vater der Türken, geehrt wurde, war überzeugt, dass eine neue Nation ohne Nationalstolz nicht auskommen konnte. Während des Ersten Weltkriegs als Trappenführer und General bewährt, war er es, der nach dem Krieg die Widerstandskräfte gegen die ausländischen Mächte und ihre Pläne zusammenführte, bei der Abwehr der griechischen Invasion erste militärische Erfolge erzielte und schließlich Schritt für Schritt die osmanischen Institutionen durch republikanische ersetzte. Ohne ihn wäre die Umformung des sterbenden Reiches in einen lebensfähigen und lebenskräftigen Nationalstaat kaum in so kurzer Zeit gelungen, noch hätte der neue Staat so entschlossen und unbeirrt den Weg der Modernisierung beschritten. Wenige. Politiker haben so stark und für so lange Zeit den Kurs ihres Landes bestimmt wie Mustafa Kemal, und noch weniger genießen, zwei Generationen nach ihrem Tod, in diesem Maße nicht nur offizielle Ehrungen, sondern auch die Achtung der Mehrheit ihrer Landsleute.
Rudolf Schmidt

7. Moscheen und Kirchen

Zusammenfassung
Wie das Christentum ist der Islam nicht nur eine Weltreligion, der heute 1,2 Milliarden Menschen als Gläubige zugerechnet werden. Wir bezeichnen mit diesem Begriff auch die Gesamtheit der Kulturen, die sich unter dem Einfluss dieser Religion entwickelt haben. Das bedeutet, dass der Begriff „Islam“eine unendliche Vielfalt von Erscheinungen umfasst, die zudem seit dem vergangenen Jahrhundert wieder durch dynamische Entwicklungen gekennzeichnet ist.
Rudolf Schmidt

8. Gäste, die geblieben sind

Zusammenfassung
Die Geschichte der „Zuwanderung“ nach Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten bietet ein Beispiel für die Neigung in unserem Land, die Wirklichkeit nur in Ausschnitten oder in verzerrter Form wahrzunehmen und unangenehme Wahrheiten auszublenden und zu verdrängen. Sie zeigte auch eine tiefe Unsicherheit in unserem Verständnis von der eigenen Nation: Wer gehört dazu, wen wollen wir in unsere Nation aufnehmen und unter welchen Voraussetzungen? Wir haben uns allzu lange der Erkenntnis verschlossen, dass sich die Zuwanderung — zu der die Türken den weitaus größten Beitrag geleistet haben — spätestens in den 70er Jahren in Einwanderung umwandelte. Wir haben deshalb viel zu spät begonnen, diejenigen zur Integration aufzufordern, die sich entschlossen hatten, länger zu bleiben, und ihnen dabei zu helfen. Eine Grundbedingung der Integration ist offensichtlich die Kenntnis der Sprache des Gastlandes. Sie wurde nicht genug gefördert, vielmehr wurde an deutschen Schulen weiterhin Unterricht in der Muttersprache türkisch angeboten, offenbar, um eine spätere Rückkehr der Kinder zu erleichtern, obwohl eine solche in den meisten Fällen weder geplant noch mit Wahrscheinlichkeit zu erwarten war. Dass eine Gruppe der zugewanderten Türken und sogar ihre schon in Deutschland geborenen Kinder offensichtlich immer noch schlecht integriert sind, ist auch auf dieses Versäumnis zurückzuführen.
Rudolf Schmidt

9. Schwierige Nachbarschaft

Zusammenfassung
Die Ränder zerfallener Imperien bluten lange: Durch den noch heute von Konflikten zerrissenen Balkan verlief jahrhundertelang die Grenze zwischen Österreich/Ungarn und dem Osmanischen Reich, das dort im 19. Jahrhundert Schritt für Schritt zurückwich. Im Nordosten grenzte das Osmanische Reich an das russische, das im 19. Jahrhundert mehrere Jahrzehnte brauchte, um den Kaukasus zu erobern. Die Sowjetunion behauptete ihre Herrschaft gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen der Kaukasus-Völker. Nach ihrem Zerfall versucht Russland nun, Tschetschenien als russische Provinz und Georgien als Einflussgebiet zu halten. Im Osten des Osmanischen Reiches versuchte das britische Empire — in Konkurrenz mit Frankreich — durch Unterstützung des Strebens der Araber nach Unabhängigkeit und der Juden nach einem eigenen Staat, eine neue, den britischen Interessen entsprechende regionale Ordnung aufzubauen. Sie legten dabei die Keime für Konflikte, die noch den heutigen Nahen und Mittleren Osten durchziehen. Diese Erfahrungen stimmen übrigens skeptisch gegenüber jedem Versuch, eine Neuordnung von außen durchzusetzen.
Rudolf Schmidt

10. Einig über das Ziel: Die Türkei in Europa?

Zusammenfassung
Ist eine Einigung möglich? Wir haben den langen Weg der Türkei verfolgt, dessen Ziel die völlige Integration in die Europäische Union ist. Über dieses Ziel besteht in der Türkei selbst nicht nur Einigkeit zwischen den wichtigsten politischen Kräften von rechts und links, von den ehemaligen Islamisten bis zu den Kemalisten. Diese Kräfte haben dafür auch die Unterstützung der großen Mehrheit der Bürger und gerade die religiösen und ethnischen Minderheiten setzen ihre Hoffnung auf die künftige Mitgliedschaft in der EU.
Rudolf Schmidt

11. Literatur

Ohne Zusammenfassung
Rudolf Schmidt
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